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Historische Broschüren · 20 Seiten

8 Kinder auf dem elektrischen Stuhl

Zeitgenössische Protestschrift gegen die Todesurteile im Scottsboro-Prozess. Sie schildert rassistische Gewalt und Lynchjustiz in den USA und wirbt für die internationale Solidaritätskampagne zur Rettung der verurteilten schwarzen Jugendlichen.
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NEGERKINDER AUF DEN ELEKTRISCHEN 1 STUHL Aus dem Inhalt: Blutprofite Neger sind Freiwild Eine Blutstatistik Prozesskomödie Rassenkampf und Klassenkampf

Preis 10 Pf.

1931

VERLAG "TRIBUHAL" WILHELH PIECK- BERLIH HW]

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tl@· '(ff; ( ,?·! 1/',/ J~ Gedanken os1g eit töte : __,, ,.Scottsboro im Staate Alabama, USA, 10. April 1931. Acht jugendliche Neger wurden zum Tode durch den elek• irischen Stuhl verurteilt. Sie sind der Notzucht an Z\Vei weißen Mädchen beschuldigt. Die Hinrichtung soll am ,. 10. Juli stattfinden:• • So fliegt eine Nachricht über das große Wasser. Der kleine Beamte schiebt den Morgenkaffee eine Handbreit %'Urück, de1 f. risör blickt mechanisch zur Tür, ob nicht ein Kunde aufklinkt, der Maurerpolier in der Stadtbahn räuspert sich und schlägt das Zeitungsblatt um, der Angestellte in der Unter~rund- baJtn rückt den Kneifer zurecht, der Budiker in der noch leeren Gaststube streicht nachdenklich seinen Schnauzbart, die Stenotypistin, die zwischen Tür und Angel einen Blick auf das iiorgen- blatt warf, ordnet nervös ihr Haar - alle überhasten diese Nach- riebt mit einem unangenehmen Beigeschmack, stocken einen Moment: was soll man da machen, das ist eben Amerika, Große Gegensätze, arm und reich, Laster und Tugend. Zu so einem Land gehören harte Urteile. Wer weiß, was die Acht gemacht ·haben, kann man es wissen? Die Drüben werden schon einen Grund haben, daß sie die Neger so im Zaum halten. - Das Auge springt weiter zu den Berichten der uns nahen Gegenwart: Notverordnung, Naziüberfälle, Hungerrevolten , • , \\iir haben genug bei uns, Gedankenlosigkeit - einer der schlimmsten Feinde des gesell• 1chaltlichen Fortschritts. · Im Zeitalter des Imperalistnus kann in China, Indien, Südafrika, Australien, Bolivien, Nikaragua, USA kein Akt sozialer Unterdrückung geschehen, kein Aufruhr unterdrückter Massen hoch- lodern, der nicht mit einem Schlage an die Fäden desselben Systems rührt, das bei uns mit Diktaturverordnungen Steuern ein- treibt, Löhne abbaut, Unterstützungen streicht, betriebliche Siche- rungen aufhebt und kleine Geschäftsleute, Handwerker, Kleinbauern zugunsten des Finanzkapitals enteignet. Und die iiordtaten unserer Faschisten, in der Form der Ueberfälle denen des Ku Ku:x Klan so würdig, wie die sie freisprechenden Gerichte hüben und drüben - gleich den amerikanischen Organisationen des Rassen-

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hasses haben sie die Aufgabe, die nackte, brutale Diktaturherr- schaft der Bourgeoisie durchzuführen und kleinbürgerliche Massen durch „Rassentheorien" abzulenken, - Gedankenlosigkeit des Arbeiters liegt im Klasseninteresse der Bourgeoisie. * * * Die Arbeiter aller Länder wissen, daß der Kampf gegen den Justizmord von Alabama zugleich ein Kampf um die Befreiung ihrer Klasse ist. Protesttelegramme aus Betrieben, Arbeiterversammlungen, Hilfsorganisationen in allen Erdteilen fordern die Wiederaufnahme des Gerichtsverfa•h rens und die Zulassung selbstge- wählter Verteidiger. Die klassenbewußten A-r heiter wissen auch, daß das Problem des schwarzen Proletariats in Amerika an einen dunklen Punkt in der Geschichte des Kapitalismus rührt, an die Vergewaltigung elementarster menschlicher Rechte erinnert, die für die Väter heutiger Bourgeois eine Quelle des Reichtums war. Die Bourgeobie fügt neue Dokumente der Brutalität und Verlogenheit zu den alten. Aber die zur geschichtlichen Umwälzung beru• Ecne Klasse deckt ihre Hintergründe aufl

Blutprofite. Seit 1516 ~eht der Sklavenhandel von der Guineaküste nach der N eucn Welt, anfänglich auf 4000 Köpfe im Jahr normiert, Der Mo- nopolvertra!! über die Sklaveneinfuhr, der Asiento, wandert im Lauf der Jahrhunderte aus den Händen der Genuesen und Deutschen an ein portugiesisches Konsortium, dann um 1700 an die französische Guineagesellschaft mit persönlicher Beteiligung des Königs Ludwig XIV. Im Frieden von Utrecht ist eine der Vertrags. bcdingungcn die Ucberlassung des Asicnto an die Engländer, die bereits ein eigenes Einfuhrgebiet haben. Von diesen wird das Skla- venmonopol am gründlichsten ausgebeutet . .Auch die spanische Regierung macht ein gutes Geschäft. Die Kopfsteuer von 2 Dukaten pro Neger ist nach und nach auf 30 bis 40 Dukaten gestiegen und die Einfuhr wächst. Riesenstrecken Landes werden dureh Wieder- ein[ührun~ der antiken Sklaverei in der Zeit der Entstehung der kapitalistischen Bourgeoisie urbar gemacht.

Krokodilstränen, Washington, März 1861. Im Kongreß der amerikanischen Union treten Redner der republikanischen Partei auf, zu der der neuge. wählte Präsident Abraham Lincoln gehört. Seit Jahrzehnten befin. den sich die Staaten des Nordens und des Südens in einem Inter-

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essengegensatz, der einem latenten Bürgerkrieg gleiohko~mt. Lincoln, ein Mann des Westens, mußte seinen Weg verkleidet und durch Truppen geschützt nach der Bundeshauptstadt nehmen, um von den Parteigängern des Südens nicht beseitigt zu werden. Oh, wie triefen die Republikaner vor Edelmut, Menschlichkeit und puritanischer Frömmigkeit, hier auf dieser T-ribüne, auf der scho~ vor über 30 Jahren John Quincy Adams gegen die Negersklaverei gesprochen, auf der die größten Redner, die Amerika ..besessen h~_t, Webster als Führer des Nordens und Calhoun als Fuhrer des Su- dens, einst ihre Kämpfe mit geistreichen Spitzen ausfocht~nl Hört man diese Republikaner, wie ihnen das Herz blutet über die grausame Entrechtung der schwarzen Plantagenarbeiter in den S~d- sta~ten, wie sie gegen die Sklavenhalter um das Recht des freien Arbeiters ringen, wie sie ihre Klagen gegen die Heißsporne des Südens vortragen, gegen die 11 Staate~ die beschlossen haben, aus der Union auszutreten, die das mit Bundestruppen belegte Inselfort Sumter angegriffen und damit den blutigen Bürgerkrieg eröffnet haben - wer zweifelt bei solchen herzzerreißenden Worten an der gerechten Sache, die der Norden verficht? Lincoln selbst tritt mit kühler Sachlichkeit und trockenem Humor für die Heiligkeit der Verfassung und die Freiheit der Union ein. Mit solchen Worten konnte man vor allen Dingen die zahlreichen Deutsohen gewinnen, geschlagene und vor der Militärreaktion aus- gewanderte Revolutionäre von 1848-49, denen Phrasen von den „allgemeinen Menschenrechten" noch im Ohr klang cn. Damit mußte man auch allmählich die 4 Millionen Sklaven der Südstaaten ihren weißen Herren abtrünnig machen können und der Krieg war für die 20 Millionen-Bevölkerung des Nordens und Westens eine sichere Sache.

Sklavenbefreiung ein Geschäft_ Der Parteikampf zwischen Süden und Norden, den die Geschichts- bücher als einen Kampf um die Negerbefreiung ausposaunen, hat sich niemals um die ideale Frage der Menschenrecihte gedreht und die Denkmäler Lincolns als dem „großen Negerbefreier" sind nichts als ein Reklametrick der ökonomisch fortgeschritteneren Form der . Ausbeutung, des Industriekapitalismus. ,Die herrschende Klasse der südlichen P.flanzerstaaten verteidigte '?it der Sklaverei ihre wirtschaftliche Grundlage gegen die nördlichen Handelsstaaten. Die Nordstaaten umgaben sich zur Stützung ihrer jungen Industrie mit einem Schutzzollsystem. Die mit den Namen Monroe und Adams verknüpfte Tarifentwicklung sollte

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England mit seiner jährlichen Einfuhr von 25 Millionen Dollars vom amerikanischen Markte ausschalten. Den Interessen der Südstaaten dagegen entsprach der Freihandel. Mit der im Norden durch Einwanderung anwachsenden Bevölke- ung verschob sich das Gewicht der Stimmen im Repräsentanten„ 1laus zur Mehrheit auf Grund der Bevölkerungszahl für den Norden. Der Schutz der Südstaaten gegen wirtschaftliche Preisgebung an den Norden lag nach der Verfassung im Senat der nach Staaten beschickt ,vurde. Nach Westen hin ware.n die Grenzen der Union zu dieser Zeit offen. So wurde bei der Aufila1hme neuer westlicher Staaten in den Staatenbund die Frage der Zulassung oder des Verbots der Sklaverei zu einer Machtfrage, da sie einen Zuwachs für die eine oder andere Interessentengruppe im Senat bedeutete, Weder haben die Nordstaaten jemals das Recht auf Sklavenhaltung ernstlich bestritten, das in umschriebener Form in die Eigentums- gesetze der Verfassung aufgenommen war, noch hat das „echte 11 amerikanische Blut jemals aufgehört, den Neger als „Unter- menschen„ zu werten und jeden zu verachten, der ihn zum lebendigen Glied des Volkes machen wollte, Die Negerfrage wurde zum Bestandteil demagogischer Partei- kniffe, als die industrielle Entwicklung nach Erfindung des Dampfschiiies und der Eisenbahn, nach weiterer westlicher Verschiebung der Unionsgrenze, nach den mit dem kalifor- nischen Goldstrom empfangenen mächtigen Kapitalsimpulsen den vorhandenen Konflikt zum offenen Ausbruch trieb-

Leibeigenschaft, politische Entrechtung Gewiß, der Neger ist Bürger der Vereinigten Staaten. Er hat nach der Verfassung bei vollendetem 21. Jahr das Wahlrecht. Aber was besagt dies papierne Recht gegenüber einer Praxis, nach der selbst im nördlichen Detroit 5000 Neger auf Forderung des Ku Kux Klan glatt von der Wahlliste gestrichen werden, nach det- im Staat Mis. sissippi von einer Million schwarzer Wähler nur 82 492, in Georgia von 1 613 000 Wählern nur 148 716 ihre Stimme abgeben können? Die Auflehnung gegen solche Zustände wird in Georgia und anderen südlichen Staaten nach dem Gesetz von 1866 geahndet, das, mit nur einigen Wortänderungen am alten Skla- vengesetz, durch Todesstrafe ,,jeden Versuch, zum Aufstand gegen die gesetzmäßigen Behörden aufzureißen" bedroht- Leibeigenschaft ist dem Namen ns eh. aufgehoben. Die Abhängigkeit der Negerpächt~r in den Südstaa' en vom Grundbesitzer, bezw. der

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grundbesitzenden Bank hat im Durchschnitt eine andere Form bekommen. Ein Gesetz von 1875 gibt dem Grundbesitz das Recht, aus dem Ernteertrag seine Pacht-Forderungen als erster einzu- treiben, meist ist er zugleich Kreditgeber für Saatkorn und Acker- geräte und hat so die ganze Ernte bis zu einem Bruchteil in der Hand. Er führt die Bücher. Daraus wird das Interesse begreiflich, die Schwarzen in Unwissenheit und Analfabetentum zu erhalten. Widerspruch oder gar Widerstand des Negers wird mit Mißhandlung oder Lynobung beantwortet. * * * Alabama gehört zu den Südstaaten, in denen die Negereinenstar- ken Prozenhatz der Bevölkerung, oft die Mehrzahl, bilden und in denen der W ciße durch grausamsten Terror herrscht. Hier werden schwarze Strafgefangene von der Regierung an Plantagenbesitzer und Bergwerksunternehmer verpachtet, von den Aufsehern gefoltert, ausgepeitscht, zu Tode geprügelt, Auch die Lynchung „freier Neger" wird von der R~ierung offen begünstigt, 1930 wurde ein Neger nach kurzem Wortwechsel von einem Weißen erschossen, Der weiße Mob stürmte unter Anführung des Friedensrichters das Haus des Erschossenen, Zwei Familienmitgliedern gelang es, zu fliehen. Der Gouverneur des Staates Alabama setzte darauf eine Prämie von 300 Dollar auf den Kopf dieser Neger, tot oder lebendig, aus, Schwarz ist Trumpf! Berlin W, Dezember 1923, Die Bourgeoisie feiert die Niederschlagung der revolutionären Gefahr und die Markstabilisierung mit Kostümfesten. Nackte, mit glänzendem Flitter behängte Frauen- schultern, tiefe Rückenausschnitte, Vom eng anliegenden Frack mit Stehkragen und Binde bis zum Hüftgürtel aus Palmfasern, der zusammen mit brauner Hautkrem zum echtesten blauen Hawaih genügt - jede den Modelaunen der bürgerlichen Zivilisation statthafte Verpackung von Menschenfleisch ist vertreten. Diese kolossale Lustmaschinerie wird in raffiniert abgehackten Stößen bewegt durch eine geschickte, nerven- und sinne.nreizende Mischung aus sentimentalem Jaulen, geistreichem Holzklappern und Blechscheppern, surrendem Saitensohwirren und streng abge- messenen Paukenschlägen. Die Jazzband ist der Motor des modernen Vergnügungstaumels. Ist die Jazzband echt, so muß sie scliwarz sein. Wie poliert glänzen die Niggergesichter über das wogende und stampfende Meer von Schultern, Turbanköpfen, Paradiesvogel- reiher11t wehenden Bändern und glitzernden Blättchen. Einer tritt vor und sinit mit schmelzigem Bariton und rollenden Augen sein

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„sunny Havannah". Geschminkte Larven wimmern mit und über kußfest gerötete Lippen wispert es dem Partner verheißungsvoll zu. Saxofon und Banjo brechen ab, der stämmige Neger am Schlag- zeug gibt ein~ Soloeinlage aus meisterhaft rhythmisiertem Geräusch. Degenerierte Träger europäischer Gehirne drängen sich be- wundernd an das Geländer, sehen zu, wie der Schwarze mit den Schlägeln jongliert, sie zwischen den Schlägen in die Luft wirbelt und in genau berechnetem Takt wieder auffängt, Frauen zu Dutzenden bieten sich hemmungslos den Niggern an. Tempo, afrika- nisches, exotisches Tempo ist Trumpfl So ist es in Berlin, Paris. Wien, London, New York. Aber diese Musik ist nicht mehr Afrika. Amerikanische Misohnigger auf dem Broidway, in den Halls der Hotels in Chicago überließen ihre Ein- fälle dem Zurechtschnitzeln geschäftskundiger weißer Musiktech- niker. So entstand ein Typ internationaler Tanzmusik, der selbst die überreizten Nerven des Börsenmannes, Roulettespielers, Cou- ponabschneiders aufpeitscht. Ebenso heimisch ist diese Musik auf den großen Sportplätzen, in Kurparks und Kasinos, wie sie den Kleinbürger in Tingeltangels und Kinos, den Proleten auf Rummel- plätzen aus verbeulten blechernen Grammophontrichtern für eine Stunde vom Elend ablenkt.

Neger sind Freiwild. Rocky Ford, Union County, Mississippi, 20. September 1925. Das kleine weltverlorene Städtchen ist in Aufregung. Ein Scliwar- zer soll ein weißes Mädchen vergewaltigt haben. Zwar weiß man nichts Genaues. Alles kann nur Fantasie des ältlichen Mädchens sein, ein Produkt de-r Hysterie, der Kleinstadtlangeweile und des Sensationsfilmes. Aber das Mädchen ist jetzt interessant geworden, Märtyrerin und Heilige eines Stadtgesprächesl Die Männer des Ku Kux Klan, der amerikanischsten Amerikaner, fü·h ren mit Revolvern in der Hand eine vom Rassenhaß aus ihren Bretterbuden aufgestöberte Menge an. Gleichmütig schaut der Sheriff zu. Es geht nur um einen Nigger. Schlägt man hierzulande einen .. Neger tot, so ist es, als wenn einer in Europa einen Hund tot- 1 _ schlägt. Besonnenere Menschen bringen es bis zu den Gefühlen eines Mitgliedes des Tierschutzvereins, sie sind für schnelle Tötung. Aber die amerikanischen Faschisten wollen ihre Rache an einem Mitglied der „affenartigen, minderwertigen Rasse„ auskosten. Die Menge ist auf 600 Personen angeschwollen. Sinnloseste Parolen, wildeste Erfindungen stacheln sie auf. Was muß. das arme Mädchen gelitten haben) Schauderhafte Einzelheiten r,

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werden da erzählt. Die verbogenen Sexualverstellungen der keu- schen Puritaner toben sich aus. Jetzt haben sie ihn gepackt. Zwar, er ist ein Neger wie alle anderen und weiß von nichts. Aber kann man von so einem sch,varzen Teufel auch noch ein Geständnis erwarten? Schläge prasseln auf den Schwarzen nieder, bis er zusammenbricht. Sechshundert gegen Einen. An der Straßenkreuzung steht ein eiserner Pfahl. Dort binden sie mit Kelten den zuckenden Körper fest. Aus den Häusern wird Holz, Stroh und Reisig geholt und um den ange- ketteten Neger geschichtet. Von der Tankstelle wird Benzin geholt. Benzin für Lynchjustiz kostet nichts, das ist Ehrensache. Vor dem Hunger nach Sensation und dem Rassenhaß versagt selbst cler Geschäftsgeist. Macht sich nachher doppelt bezahlt: man ,vird als pundertprozentiger Amerikaner geachtet. Drei Männer zünden den benzingetränkten Scheiterhaufen an. Die Menge johlt. Hoch und höher springt die Flamme. Der Neger windet sich vor Schmerzen, es gelingt ihm, die Kette von seinen Knöcheln fortzustoßen, er zieht die Knie an - aber fest um Bauch, Brust und Hals gewunden hält sie ihn am Pfa:hl. Ein einziger brül- lender Schrei bricht aus den bisher fest geschlossenen Lippen. Rotglühend vor Hitze senkt der Eisenpfahl den Rücken. Der &chwelende Geruch verbrannten Menschenfleisches sticht den Männern mit weißen Oberhemden, den Hundertprozentigen da unten, in die Nasen„ Gierig schauen sie zu. Eine Welle auf- gelockerter Tierinstinkte geht durch die Menge. Einer alten Dame wird übel, man führt sie zum nächsten Shop und kfrhlt sie mit Eisdrinks. In den Flammen hängt eine schwarze, ver- kohlte Masse, zusammengefallen und nur noch von den Ketten ge- l halten. Befriedigt von der Exekution, mit Witzen und munteren Zurufen, zerstreuen sich die Zuschauer, Keiner kümmert sich um den noch glimmenden Scheiterhaufen und das verbrannte Häufchen Mensch. Autos kurbeln an, man steigt ein. Solch eine aufregende Sache • madht Hunger. Essenszeitl Die Straßen des Städtchens sind wieder " menschenleer.

Eine Blutstatistik, - , 1 Ueber die Lynchgerichte an Negern gibt die amtliche, d. h. ver- minderte Statistik Auskunft: · Seit 1885 sind insgesamt 3226 Neger gelyncht worden, Bedenkt man, daß die Rassenfanatiker viele Ermordungen nachts ' durchführen, um sie besser verheimlichen zu können, daß aus • Furcht vor der Rache des Ku Kux Klan Niemand darüber zu spre-

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chen wagt. so wird man eine bedeutend größere Zahl an Ermor• deten annehmen müssen. ' Wenn die Statistik eine zeihveise Verminderung der Lynchungen zeigt, so ist das darauf zurückzuführen, daß in den Jahren 1923-25 ein Anti-Lynch-Gesetz zur Beratung stand. Die Senatoren der Südstaaten ,vußten dies aber zu Fall zu bringen. Gegenwärtig, b~i stärkerer Hineinziehung der Neger in den akuten Klassenkampf, dt.>r Solidarität ,veißer und schwarzer Arbeiter in gemeinsamen Streiks, bei gemeinsamen Demonstrationen usw. ,,verbessern" auch die Faschisten ihre Statistik. 1930 wur,d en wieder über 40 Neger ermordet. Die häufigsten Hinrichtungsarlen sind neben dem Erhängen und Ertränken das Durchlöchern mit Kugeln, 11 zum Sieb schießen", und das Verbrennen bei lebendigem Leibe. . Dabei ,verden die raffiniertesten Methoden ausgedacht. U eher eine Verbrennung auf Feuer von trockenem Laub in Nodena (Arkansas) im Jahre 1921 berichtet die „Memphis Press.. : ,,Zoll für Zoll wurden sie zu Tode gekocht. Zweimal versuchten sie, die heiße Asche mit den Händen aufzuheben und zu verschlucken, um den Tod zu beschleunigen. Doch jedesmal entriß ihnen die Menge die Asche und verhinderte ihr Vorhaben" .. Das Blatt hatte die Schaulustigen im Voraus dazu eingeladen: „Möglicherweise werden heute abend 3 Neger gelyncht.0

Der schwarze Bourgeois„ Harlem, New York. Der vollbesetzte Autobus saust die 7. Avenue entlang. Hier ist nicht die Wolkenkratzerstadt des Geschäfts- viertels an der Spitze der Landzunge. Wir fahren von der unteren Stadt Manhattan aufwärts. Häuser, Läde~, Verkehr wie in jeder ~ anderen Weltstadt, in London, Paris, Berlin. Weiße Bevölkerung, nur hie und da farbige Dienstboten oder Arbeiter. An den Quer- straßen springen die Nummernschilder vorbei .•• 123 ••• 124 .•. Plötzlich, von der 125. an, verändert sich das Straßenbild, obschon der Häusertypus der gleiche bleibt. Mit einem Mal ist die Bevölkerung sch,varz und der weiße Mann ist jetzt so selten wie vorhin der schwarze. Das ist Harlem, die Negerstadt von New York. Sie ist ein rechteckig ausgeschnittenes, von den Weißen verfemtes Stück der Riesenstadt, zwanzig Häuserblocks an der 7. Avenue entlang, genau bis zur 145. Querstraße. 1

r Zu Beginn des Weltkrieges wohnten wenig mehr als 25 000 in der Negerstadt von New York. Mit dem Krieg ,vurden billige Arbeitskräfte gebraucht. Amerika verdiente Millionen und Abermillioncn

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• an den Schlachtfeldern Europas. Heute wohnen über 200 000 Neger in Harlem. Hier ist die Geburtsstätte des verbürgerten Negers, mit der Sehnsucht, dem Weißen in keinem Stück nachzustehen. Es gibt eine Schicht, die aus der Absperrung der Sch,varzen, ihrem zwangs- weisen Zusammenwohnen in Ghettos, wo für die ältesten und bau- fälligsten Häuser höchste Mieten gerechnet werden, aus den Wirtschaften und Vergnilgungslokalen „nur für Schwarze" aus eigenen Druckerei-, Ve.:lags-, Schul-, Kurortsunternehmen höchste Profite bezieht. Das überall in USA übliche Schild 11Hunden und Negern 11 ist der Eintritt verboten ist der Grundstein ihres materiellen Auf- stiegs. Und der Makel der schw,arzen Farbe muß abgew·aschen werden. Da gibt es kosmetische Salons, in denen man durch Be- strahlung, Salben und Wässerchen seine Hautfarbe aufhellen kann, in denen das gekräuselte Wollhaar zur glatten Strähne eines Bubi- kopfs oder Scheitels verwandelt wird.

Sie suchen Arbeit, is. März 1931, Bahnstrecke Chattanoog~ nach Memphis, Staat Tennessee. 49 Waggons hat der Güterzug, Platz genug für „Schie„ nenreiter". Es ist die landesübliche Beförderungsart für weiße und schwarze Arbeitslose, auf einen langsam anfahrenden Zug zu springen und in leeren Güterwagen, auf Oeltanks oder unten, auf den Achsenfederungen, sich einzurichten. Da ist der 14 jä·h rige Olin Montgodery aus Monroe, Gcorgia. Melancholisch blickt er in die Welt. Die schwarze Haut hat einen bläulichen Schimmer, wulstige Lippen sind zu bitterem Ausdruck aufgeworfen, hoch wölbt sich der schmale Schädel, bedeckt mH - knapp anliegendem Kräuselhaar. Olin sitzt allein auf einem Napbta- Tank. Er will in der Augenklinik in Memphis eine Gratiskur durchmachen, um seine kranken Augen zu heilen. Viele solcher Jungen, Söhne von Landarbeitern, arbeitslos, befinden sich im Zug. Furchtbar drückt die Wirtschaftskrise auf die Negerbevölkerung. Gibt es wirklich mal Arbeit, wie bei Murray Co. in Memphis, der Chassis für Ford baut, so heißt das, daß ein smarter Unternehmer weiße Arbeiter, die 4 bis 5 Dollars verdienten, 1 herausiesetzt und Schwarze für täglich 1.40 Dollar einstellt Neues Futter für den Haß der Weißen, für Anpöbelung, Mißhandlung, Lynchung. A·b er man muß leben! Arbeitslosenunterstützung existiert nichtl

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Auch Clarence Norris und Charlie Weems sind in Chattanooga zu- gestiegen, am Ende des langen Zuges. Charlie Powell, 14 Jahre alt, sitzt ganz allein in einem leeren Wagen. Als der Zug die Station Stevenson in Alabama verläßt, springen Roy und Andy Wight, 2 Brüder, zusammen mit Haywood Patterson und Eugene Williams auf den letzten Tankwagen. Vorn im ersten leeren Güterwagen sitzt Will Robinson aus Atalanta, ein Siebze hnjähriger, allein in 1

einer Ecke und schläft. Die Meisten haben tagelang nichts gegessen und träumen von Arbeit auf den Flußbooten in Memphis. Gleichmäßig beruhigend rollen die Räder. Andy Wight spitzt die Q,h ren und stößt seinen Bruder an. Auch die beiden Anderen auf dem Oeltank horchen gespannt. Im Wagen vor ihnen ist der Teufel los. Eine Gruppe von Weißen und Negern streitet mit jener lärmenden Großmäuligkeit, die hier im Süden als Würze zur Unterhaltung gehört wie Paprika zum Essen. Haywood Pattcrson schätzt ab: es mögen 12 Neger gegen 7 Weiße sein. Bei einer Neigung zwischen Stevenson und Point Rock fährt der Zug langsamer. Ein Rudel Schwarzer springt ab und im Hexenkessel wird es still. Die Vier auf dem Tank beruhigen sich. Point Rock. Die Bremsen ziehen an, Eisen knirscht. Ein paar \Y/ eiße rennen auf die Station und schlagen Alarm. Sie, hundert- prozentige Amerikaner, seien von einer Uebermacht Negern verprügelt worden! Schon der Gedanke ,virlt einen Funken in das Pulverfaß des Rassenhasses. Jim Crow, der „dirty bloody nigger''. wagt seine Hand gegen den weißen Mann zu erheben(

Inquisition im Jahre 1931 Ein bewaffneter Haufe sperrt den Bahnhof ab, durchsucht den Zug und schleift heraus, was schwarz ist, brüllt, spuckt, prügelt besinnungslos. Dann werden die zusammengelesenen 9 Negerjungen mit den weißen Angebern nach Scottsboro transportiert. Unter den Weißen sind 2 als Männer verkleidete Mädchen, Victoria Price und Ruby Bartes, den Staatsbeamten als Prostituierte bekannt. Der Untersuchungsrichter nimmt zuerst die Weißen für eine Unterredung beiseite. Dann stellt er den 9 Negern die 2 Mädchen gegenüber, die sie des Ueberfalles und der Vergewaltigung beschuldigen sollen. Victoria und Ruby erklären dhne Zaudern, daß keiner der Jungens ihnen etwas getan hat. Voller Gift hetzt der Untersuchungsrichter: ,.Vorwärts, erklärt, daß sie Euch überfallen habenl" Die Mädchen weigern sich.

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Am folgenden Tag neues Verhör. Provokatorisch versucht der Untersuchungsrichter die weinenden Mädchen einzuschfiohtern: .. War 0 es nicht dieser Junge, der Euch überfallen hat? „Los, sagt doch, 11 daß er es getan hatl Ku Kux Klan war inzwischen nicht müßig. In der Stadt ist die Nachricht verbreitet, die Neger haben die Vergewaltigung eingestanden. Geschäftsleute und Grundbesitzer organisieren die Lynch- stimmung, Eine aufgeregte Menge heult vor dem Regierungsgebäude nach Blut. 1'1.an überführt die Jungens nach dem Gardsen- Gefängnis. Dort schreiten. die Beamten zur Anwendung der Folter- methode dritter Stufe. Bestialisch schlagen sie auf die Negerjungen ein, mißhandeln sie mit Fußtritten und Knüppeln bis zur Bewußtlosigkeit. Den mit einem kalten Wasserguß ins Bewußtsein Zurückgebrachten erklären sie dann, daß sie sie dem vor dem Gefängnis ver- sammeltem Pöbel ausliefern werden, wenn sie nicht gestehen. Die Neun wissen, was das heißt: an den nächsten Baum gebunden und zum Sieb geschossen, mit Petroleum begossen und angezündet werden, aber erst nach neuen, raffinierten Folterungen . . . Ro y und J...ady blicken sich an, Der kleine Olin liegt hnlb blind und zerschlagen am Boden. Er begreift garnichts. Clarence flüstert Will zu: ,.Gestehen heißt auf kürzeste Art Schluß machen•-, Dann sagen sie 1 noch benommen von den Schlägen, etwas, was ihnen die Bestien diktieren. Nach Stunden kann der Sherilf mit puritanischer Würde bekanntgeben, daß sich eine Lynchung erübrige, da die Behörde nach dem Geständnis beschlossen hat, die Neger baldmöglichst auf dem elektrischen Stuhl zu verbrennen, Sein Amtsschild glänzt frischpoliert in der Sonne der Faschistengunst. I . Prozesskomödie . Dem Gesetz zufolge muß ein ordentlicher Prozeß stattfinden. Er I wird auf den 6. April verschoben, da dies der Jahrmarktstag ist, Tausende von Farmern kommen mit ihren Familien nach Scottsboro. Die Straßen sind gefüllt mit Menschen. Männer des Ku Kux Klan, Großgrundbesitzer und Pfaffen fahren in Autos umher und 1 entfalten eine stürmische Agitation. Zehntausend warten vor dem Gerichtsgebäude. Männer mit breitkrempigen Hüten und verwegenen Mützen rauchen und diskutieren. Frauen mit Kindern auf dem Arm hören zu. Musikkapellen spielen patriotische Lieder, In den Pausen brüllt e, zu den Fenstern hoch: .,Jim Crow muß gelyncht werden!" „Wenn die Beamten nicht ihre Pflicht tun, holen wir uns die Nigger heraus und braten sie lebendig auf dem Rostl"

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In dieser Atmosphäre tagt der Gerichtshof. Auf den Plätzen der Geschworenen sitzen behäbige Geschäftsleute aus der Stadt und reiche Farmer aus der Umgebung. Die Scheiben klirren, eine Wutsalve nach der anderen steigt draußen hoch. Die amtlich bestellten Rechtsanwälte beantragen Verlegung des Prozesses an einen anderen Ort, da zu befürchten ist, daß die Menge in den Gerichtssaal dringt und nicht nur die 9 Angeklagten, sondern . auch die Verteidiger lyncht. Lächelnd lehnt der Richter ab. Er bestimmt einen der weißen Rechtsanwälte zum Verteidiger. Mr. Wembley, juristischer Beirat der Elektrizitätsgesellschaft, ist· als einer der größten Negerhasser von Alabama bekannt. Er hat sich vorher draußen der Menge legitimiert: „Meine Elektrizitätsgesellschaft hat genug Strom1 um die 9 Nigger zu verbrennen! In einigen Tagen ist alles gut zu Ende gelührtl" Das ist der Verteidiger! Der Sensation halber zieht man den Prozeß 4 Tage h'in. Die einzigen Zeugen gegen die Neger sind die beiden, faktisch zum falschen Zeugnis gezwungenen Mädchen Victoria und Ruby. Keiner der Weißen, die mit ihnen im Zug zusammen fuhren, wurde als Zeuge vernommen. Man hält sie im Gefängnis bis zum Prozeßende, worauf sie zum Bahnhof eskortiert werden mit dem Befehl, daß sie Scottsboro stehenden Fußes zu verlassen hätten. Das Klassen- und Rassengericht will alle Widerprüche in den Aussagen vermeiden. Am 2. Prozeßtag wird unter Orchesterklängen das Todesurteil gegen W eems und Norris bekanntgegeben. Stürmischer Beifall, Aber Ku Kux Klan will Blut. Die aufge- putschte Menge verlangt dasselbe Urteil für alle anderen. Weitere 6 werden zum Tode verurteilt und nur der eine Vierzehnjährige kommt wegen seiner Jugend mit lebenslänglichem Kerker davon„ Inmitten eines dichten Kordons von Miliztruppen mit aufgepflanz- ten Bajonetten, die den lynchlustigen Mob zurückdrängen um dem Staat seine Opfer zu lassen, tappen die gefesselten Negerjungen zum Gefängnis. Sie sehen sich nur irr und hilflos wie verwundete Tiere um. Was soll das alles, dies Gejohle, die Blechmusik, die Fahnen mit stars and stripes? Was sie doch alles aufbieten, um ein paar Jungen, die Keinem etwas getan haben, zu vernichten! Nur, weil sie Neger sind? Noch wissen die Negerjungen nicht, was hinter den 3 Buchstaben I. L. D. (amerik. Sektion der I. R. H.) steckt und daß die Solidarität der Arbeiter aller Rassen ein~ breite Aktion zu ihrer Rettung unternimmt.

Rassenkampf und Klassenkampf, Ein Lynchmord von• Amtswegenl Ein neuer Blutfleck auf dem Gesicht der weißen Rassel Ja-wenn man die Vertreter des herr- schendeti Systems für Repräsentanten der Rasse hält. Aber sie sind die Repräsentanten einer Klasse„ die ihre eigenen Rassen- brüder in den Gefängnissen Italiens, Polens, Jugoslaviens, Ungarns und anderen faschistisch regierten Ländern foltert und mordet, die in Deutschland mit täglichem Arbeitermord di~ faschistische Diktatur durchfübren will, w-eil sie, wie überall hilflos den Krisen- erschütterungen ihres eigenen Systems ausgeliefert, sich gegen den revolutionären Ansturm von unten nur noch durch rohe Gewalt halten kann. Da diese Klasse nicht wagen darf, den Terror au[ ,,legalem Wege•• mit Polizei, Militär und Justiz in seiner vollen Schärfe durchzulühren, wirft sie verlo~ene Rassen- und \Virt- schaftstheorien in die von ihr selbst geeigneten, verarmten, rebellisch gemachten Kleinbürgermassen, gaukelt ihnen 0 clas dritte Reich" der Nationalsozialisten, .,das unsichtbare Reich„ des Ku Kux Klan und andere Utopien vor. Sie finanziert die faschistischen Banden, stützt ihre Gewalttaten durch Verurteilung der U eber- fallenen und glaubt, mit politischen Taschenspielereien die geschichtliche Verantwortung von sich abwälzen zu können. So ist es Ausdruck ihres Klasseninteresses, wenn die Bourgeoisie den geplanten Mord billigt. Aber müßte nicht die Negerbourgeoisie ernsthafte Schritte unternehmen? Sie liefert die Gegenprobe zum Klassencharakter des Prozesses, sie beeilt sich, zu zeigen: auch ich bin Amerika. Die „nationale Vereinigung zur Förderung der 11 Interessen der Farbigen , die größte kleinbürgerliche Organisation, sabotierte die Verteidigung der Angeklagten durch die I. L. D. mit der Begr;ündung, daß das ·Verteidigungs-Komitee unter kommunisti- ßcher Führung stehe, mit der sie nichts zu tun haben wolle. Dasselbe tat die Garvey-Bewegung, Die Vereinigung der Neger-Pre- diger von Chattanooga ·h at alles versucht, um eine Einmischung der I. L. D. zu verhindern und hat den Neger-Rechtsanwalt Steve Roddey gestellt, der gewohnt ist, die Prozesse schwarzer Bour- 1!eois' zu führen. Roddey vereinbarte mit dem Staatsanwalt, die Verteidigung aufzugeben und die Jungen zu veranlassen, ihre Schuld einzugestehen, wenn sie zu lebenslänglichem Kerker verurteilt würden. Diese Haltung der bürgerlichen Neger-Organisationen treibt <lie Klassenscheidung in den Reihen der Farbigen weiter„ Ein Sturm filr und i!egen diese Organisation ist entfacht, immer stärkere Massen und führende Neger-Zeitungen bekennen sich -offen zur Rettungsaktion der L L. D (amerik. Rote Hilfe) und auch

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die ärmeren Prediger der Südstaaten grenzen sich von ihrer Organisation ab - in vielen Kirchen werden Massenmeetings abgehalten und Protestresolutionen an den Gouverneur gesandt. Und während der schwankenden und verräterischen Haltung der schwarzen Bourgeoisie treiben die Faschisten von ihrer Seite her den Keil immer tiefer - allein während des Prozesses wurden 2 Negerarbeiter in TenneSisee und einer in Missisippi gelyncht, je einer in Georgia und Alabama schwer verwundet. An solchen Erfahrungen vollzie'ht sich die Scheidung im Klassenbewußtsein. Das wurde schon nach der Meuterei eines Negerregiments im August 1927 in Houston (Texas) ersichtlich, als schwarze und weiße Offiziere zusammen die Interessen des amerikanischen lmperalismus vertraten, ebenso beim Aufruhr in Harlem im Juli 1928, als schwarze und weiße Polizisten zusammen mit Knüppeln und Maschinengewehren die schwarzen Arbeiter „beruhigten". Solche l i Ereignisse zeigen, daß der Weg zur wirklichen Negerbefreiung nur 1 über den Klassenkampf geht, Das Proletariat erkennt die Schuldigen. Auch drüben gelingt es

l :,· , :~-, der Bourgeoisie immer weniger, den weißen Arbeiter gegen den 1 schwarzen zu verhetzen, Er sieht, daß berechnete Tricks den r:::- Neger ,virlschaftlich zum „Schmutzkonkurrenten" und ideologisch zum ,,Prügelknnbcri'' stempeln. Nur bei rückständigem Kleinbürgertum, unaufgeklärten Farmern, reformistischen Gewerkschafts- beamten und natürlich bei den Dollarherren hat Richter Lynch noch Anhang. Daß die Kommunisten in der Aufklärungsarbeit die Führung haben und treffsicher den Klassenfeind in allen Lägern und unter allen J\1askierungen bestimmen und angreifen, ist den Ku Kux Klan-Leuten Hauptargument ihre Staatsfeindlichkeit. Da läßt der Faschismus auch seine Rassenmaskierungen fallen. Wenige Wochen vor dem Prozeß in Scottsboro wurden im Staate Texas 2 amerikanische Organisatoren der Roten Gewerkschafts-Union von Ku Kux Klan-Leuten überfallen, mißhandelt und dann in einen Fluß geworfen, daß sie ertranken. -- Der Faschismus weiß, von wo ihm Gefahr droht! Der revolutionäre Klassenkampf löst das Neger-Problem in Amerika, dem großen Schmelztiegel der Rassen, wie er zugleich allen RassenpMblemen -. und nationalen Fragen der Erde natürliche Bedingung~n zu ihrer Lösung schafft: er macht es unmöglich, aus ihnen das Recht zu · einer Unterdrückung und Ausbeutung abzuleiten. Wä:hrend die reformistischen Gompert'schen Gewerkschaften entsprechend ihrer arbeiterverräterischen und die Arbeiterschaft spaltenden Einstellung die Negerarbeiter von den weißen Arbeitern trennen, vereinigen die revolutionären roten Gewerkschaften - 15

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die schwarzen und weißen Ausgebeuteten zum gemeinsamen Kampf gegen die Kapitalisten. Darum wird die Lynchjustiz in den Händen der kapitalistischen Ausbeuter des Südens der Vereinigten Staaten immer mehr zu einem Mittel der Kapitalisten, der steigenden Welle der Mas- senrevolutionierung sowohl der schwarzen wie der weißen Arbeiter eine Grenze zu setzen. Legales Lynchen ist ein Teil des Systems des Terrors der amerikanischen Bosses (Großkapitalisten) gegen die schwarzen Proletarier, die sich zum Entsetzen ihrer Sklavenhalter in immer größerem Maße in die revolutionäre Arbeiterfront eingliedern. Das • geplante ungeheure '\;' erbrechen der amerikanischen Bougeoisie, daß sie am 10. Juli durch Hinrichtung der verurteilten Negerkinder begehen will, ist von großer internationaler politischer Bedeutung für die gesamte Arbeiterschaft der ganzen Welt. Wie das Proletariat in allen Ländern vor 4 Jahren seine Stimme erhob, um gegen den Mord an Sacco und Vanzetti zu protestieren, so muß es auch jetzt den Kampl, den die amerikanische Rote Hilfe in Kampigemeinscha.ft mit den Organisationen der Roten Hilfe aller Länder führt, durch eine macht- • volle Massenprotestbewegung unterstützen. In einer Reihe von Städten der kapitalistischen Staaten hat die Arbeiterschaft bereits wuchtige Protestkundgebungen veranstaltet, Protesttelegramme abgesandt und Delegationen zu den Konsulaten geschickt. Diese Protestbewegung muß jetzt, wenige Tage vor Vollzug des Urteils machtvoll gesteigert werden, um dem Mo- loch Lynch die 8 unschuldigen Opfer zu entreißen. Die amerikanischen Botschaften und Gesandtschaften müssen unter den Druck des Massenprotestes gesetzt werden. Die deutsche Arbeiterschaft, die auf marschiert, um in den Kampf- tagen gegen die Klassenjustiz ihre Solidarität mit den 30 000 proletarischen politischen Angeklagten und 5 000 Eingekerkerten zu bekunden, sie fühlt sich eins mit der Arbeiterschaft aller Länder, die gegen ihre Sklavenhalter, Henker und Klassenrichter kämpfen. Nieder mit dem ,veißen faschistischen Terror! Nieder mit den amerikanischen Henkern! Hinein in die Rote Rille! Es lebe die internationale Solidarität der Arbeiterklasse im Kample gegen die internationale Bourgeoisie!

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