ROTE HILFEDIGITALE BROSCHÜRENSAMMLUNG
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Historische Broschüren · 24 Seiten

Acht Werktätige vor Militärgericht

Darstellung des Bukarester Eisenbahnerprozesses nach der Niederschlagung eines Streiks. Die Broschüre untersucht die politische Selbstverteidigung der Angeklagten und die Solidaritätsbewegung; ein Brief Lenins ergänzt die Auswertung.
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Hor.iusgegebon vom

MOPR-VERLA6 ZÜRICH-PARIS Duombor 1034

Druck: Unionsdruckerei Zürich Verantwortlich für die Herausgabe: Willu Troste!, ZOrlch

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P. NICOLAS . .

Acht werktätige ..

vor Militärgericht Die Selbstverteidigung und Massenvertei- · digung im Bukarester Eisenbahnerproieß

. . Mit einem Vorwort .von Paul Vienney

Anhang: Brief Lenins an E. D. Stassowa und · andere politische Ge/angene

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Vorwort Der Prozeß der Eisenbahner von Bukn.I'est ist ein .priignantcs Beispiel der Selbstverteidigung und der Mnssenverloidig.ung. In wiefern? We�l er wie kein an• derer die Lehren unterstreicht, die Lenin •in einc-m Brief vom 19. J,ununr 1905 .an unsere Genossin Slassowa, die Gefangene des Zaren, niederlegte. Dieser berühmte Brief, ein wahrer juristischer Leitfaden für die eingekcrk•erten r�·olutionü.ren Kämpfer, ist wnhrs:1hA4lich nicht veraltet. Dieser Nachlaß eines' historischen Kaders, welches nur durch die EreignisSl' daran vcrhinder,t wurde, ihn .selber auszuwerten, bleibt in jeder einzelnem seiner Anleitungen von brennender Aktualität, und die .r.umän.ischen Eiscnbaihner bieten uns gerade dadureh, daß ihr Verhalten durch diese Lehren heeinf,lußt wnr, dns Beispiel einer vorbildl�chen Verteidigung. Man kennt wenigstens in ihren einfachen, lTagischcn Grundzügen die Talsach�, über welche diese Broschüre genauer berichtet: Ein ·Jmngcrndes, dem Elend .ausgeliefertes Prolctnrfat. Streik. Die Eisenbahner besetzen die \:Verkstiitten, die Regieriung vcrl:reibt sie daraus mit Maschinengewehren und K�monen. 400 Arbeiter fallen unter den Kugeln der königlichen Politei. Auf die Brutaliliiten der Soldnteskn folgt die •legale Gewaltanwendung durch das Gericht: 2000 Arbeiter werden verhaftet und gefoltert, 108 verurteilt. Schreckliche, furchtbare Unterdrückungsmnßnahmen; ßlutmnle, die durch keine Gnndennk:te weggewaschen wer.den können. Zu alledem bedeutet das !\-forlyrium der rumänischen Eisenbahner nur eine Episode im K•umpf c de� gesamten Arbeiter�lassc, nur ein Glied in der langen Kette der durch den Fnschismus ausgeiiblen Ge\vnlttaten. Aber - die Geschichte des heroischen Widerstandes der Verurteilten von Craiova appelliert weniger an unser Mitleid n•ls an unser revolulioniires Klassenbewußtscin. Die Kenntnis von den Leiden der r:umänisohen verurteilten E,iscnbahner und die Mobilisier,ung der ,verktätigen der g.anzcn ,veJt zu ihrer Rettung ,ist notwendig rund gut. Noch besser •und wertvoller aber ist es, aus ihrem revolutionären Mut und ihren Verteidigungsmeth oden zu lernen, wie man den K.Jasscnfcjnd . bekämpft. Gerade diese Verteidigungsmethoden sind es, welche uns die vorliegende. un-' entbehrliche Broschüre aufzeigt. Innerhalb der Atibeilcrschaf t ex:isticren immer noch hartnäckige Reste von Illusionen über cGerechligkcih, Reste eines Glaubens d�ran, -daß die Richter die , \\ ahrheih feststellen werden. 1

Die Hauptsorge des unerfahrenen Kämpfers ist oft: Die 'fiat, deren man ihn anklagt, zu erkilär.cn, sie zu entschuldigen, seine eigene Meinung abzuschwächen, .9.Cinc polilisd1c Verantworlung zu v-erwischen; er verläßt sich auf die berufliche Routine 'llnd das ,persönliche Verständnis des Advok•aten, der die undankbare Auf­ g,abe seiner Verteidigung übernommen hat, und n�r auf sie zühlt er; und die schwersten Verurteilungen können ihn nicht von der Falschheit einer solchen pesönlichen r Verteidigung überzeugen. Gegen diesen Fehler ist Lenin aufgetreten , nls er den Gefnngenen in Moskau · schrieb: Keine pet5önliche Verteid-igun·g. - Der Partei doienen und sie verteidigen. - Di� Richter �ind Feinde, welche kein Recht auf die \V:ihrheit ha•den. - Nur das erklären, was ohne Scha-den für unsere Saohe crk•liirl werden d.nrf. - In ent-

:ichlossencn, rückhnltlosen Feststellungen und . Erkliirungen für unser Programm und Ziel einstehen. - Sich nuf seine Uebcrzeugung berufen; das dient der Agi• tntion fü-r unser,e Partei. - Den Richtern standhalten. - Seine politische Vertel• digung selbst übernehmen und durchführen. - Die Teilnahme eines Advok•ten, selbst eines iliber.alen, nur dann annehmen, wenn l'r zustimmt, sich geschickt nuf seine juristische Aufgabe zu beschränken. Möge das Deispiol •dc-r Angeklagten von Crniovn die abso·lute Richtigkeit die5er Rat•schliigc bez-eugenl * Hier, vor diesem Gericht eines welh·erlorenen Städtchens der ruminischen • Lnnd-schnft, ,gibt es keine unnötigen rednerischen Ergüsse, nichts von dem roman• lischcn Aufz,ug der Sch,,vurgerichtc. Aber: Einfachheit, stolze Verachtung der Pose. l"evolutionä•re · Beherrschung -der Haltung und der Sprnohe. Lest die Erklärung von Conslant.in Donccn vor seinen füchlern: Sie ist .k,lar u.nd .gMdlinig. Er cntschuldig- t den Streik nicht, er rechtfertigt ihn. Wenn er .!>-prichl, spricht er für die andern, seine Arbeits- und Kampfgenossen, die er vor Gericht verteidig-t, wie er sie nuf dem Arbeitsplatz v.erteidigt hat; und er verteidigt sie, nur um stärker nnzugreifon. Kein Wo.rt persönlicher Verteidigung. \Vührend zwei Slund·en wnr er, der Angekolngte, der rücksichtsloseste Ank•Jiiger. Die -E-iscn· bahnverw.a.ll,ung, die Regierung, die reformistische Verbandsleitung, die Polizei, die Provokateure, alle seine Gc�ner unterzieht er, einen nach dem andern, seinem Urtc-il. Nach dem Beispiol DimH·roffs, der 57 Angeklagten von Luck und vieler nn· der.er, .deren revoluNonärcr !\lut zum Vorbild wurde, bemächtigte er sich .der Schr,ankcn des Krieg,sgerichts als einer Tribiine, von der aus er über die Köpfc seiner Richter hinweg dfo eindrucksvollste und unvcrsölmlichste Anklagl'rcde hielt. Aber dieser Mut ist nicht die einzige Lehre, dio sich aus diesem an Erfnh• rungen - ich möchte sagen, vor ·n,1\em an taktisohen Erfahrungen - so reichen Prozeß er-gibt. Er stellt für die gesamte revolutionitre Bewegung -eine ganze ,Reihe von F.ragen, ,die nach einem methodischen P.b.n auf der Grundlage der Anleitungen Lenins an Stassown durchdacht, ·durchgearbeitet und formuliert werden müßten. Es handelt sich hit'r nicht darum, einfach einem Vorschlag zuzustimmen, sondern dar.aus die Ideen, die Richtlinien zu entnt'lhmen und die notwendigen EnLschiliisse zu ziehen. Das sind keine theoretischen oder unfruchtbaren Probleme, das ,0yincl :dringende Notwendigkeiten, wolche d•urch die gegl'nwiirlige Unterdrückung mit jedem T-ng dringender ·und lebendiger werden. In einer Zeit, wo der F·nschhmus .fast -in �Uen Ländern Europas die demokra• lischen Freiheiten bis auf die ,letzten Reste erbarmungslos beseitigte, wo d·ie Polizei sich off.cn als im Solde der herrschenden Kilasse stehend zeigt, wo die Advokaten, deren Freiheit einst ihr Stolz war, sich - wie in Deutschland - mit der Schande abfinden, zu Kompli_zen- oder Pa-rndediensten befohlen zu . werd.cn, und wo das Gericht •selbst seinen letzten Anschein der UnparteUichkcit aufgibt, um das willfährige Instrument des Regimes zu sein, in dieser Zeit Ycrmischt sich das Pro• blem der gewaltsamen politischen lintcrdriickung mit dem Problem der kapitalistischen Ausboutung, ,·on welcher ·sie nur eine brsl-immte Entwicklungsstufe ist. Und wie der individuelle ,Viderslnnd -des Einzelnen gegen Ausbeutung und Unterdrückung nur kindliche Träumerei ist, genau so kann die persönliche Verteidigung gegcnübe.r den Untl'rdriickungsmaßnahmen nichts anderes sein uls eine geführuiche IUusion, ,·or dC"r •die .\rbC"itcrklassl' narh �löglichkeit bewahrt wt-rden muß. Massenverteidigung - das ist die zwrill'. große Lehre. di<- der Prozeß von Crafova 'Uns gibt. Mil dem Schrei ihrer Qualen und Hoffnungen aus dem Gefängnis; mit ibr�r Verteidigung, die .sie zur Verteidigung des gesamten Proletariats .gestalteten, haben die Eisenbahner von Bukarest die Gesamtheit der arbeitenden Klasse für ihre gerechte Snche aufgerufen; und das gnnzc Prolctnrint hat sich bet'i,U, ruNen,

Appell-. -ror V er:teidigung der 7Tl.lmänischen Klais�engenossen Folge zu leisten. Ihre ,t9lze, .aufrechte Haltung erweckte Bewunderllll8, und Zorn .auf ihre Ge.gner. Ihre Verteidigung, die nur die Fortsetzung ihres Kampfes im Betrieb wnr, �tellle die ' unterbrochene Verb�ndung zwiscl1en den nn der Arbeit verbliebenen und den durch die Untcrdrückungsmnßnahmcn .ihnen Entrissenen wieder he.r. Sie rief eine Solid:uitiitsbcwegung von wuchtigem Elan hervor, welche dn den !tärksten und umfasscndstcn Formen zum Ausd,r.uck kam und iaUc A-nordn�ngen erzv.,.mgcncr cRuhe und Ordnung> durchbrachen. Sie erfaßte selbst die Bn!ue�, welche den Angeklagten noch im Verhand-lungssaru Lebensmittel und Kuchen ·aus ihrem Dorf überreichten ... In diesem bewundernswürdigen ·Bündnis gegenseitiger SoiHdarJtüt bnben die Eisenbahner .ihre Klasse verteidigt, und ihre Klasse verteidigte sie. Möge jede Organisation, jeder Mit.kiimpfc.r sich stets daron er.innern, dnß dieses Bündnis uns vereinen muß bis zum -gemeinsamen Siegt

Paul Vicn ney�

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Acht Werktätige - �or. Militärgericht �ie Selbstverteidigung und Massenverteidigung im Bukarester Eisenbahnerprozeß

Ei n.1 e i t u_n g Der ·Prozeß geg„n die -des <AufruhTs• und ,Mordes• angeklagten acht rwnänisch�n Eisenbalmer ·begann am 6. Juni 1934 in Craiova, einer kleinea rumänischen Gai nisonsstadt. Die.. -ihm vorausgegangenen Ereignisse sind aßgemein ,hekannt. , Im Februar 1933 · wurden alle Eisenbahnwerkstätten Rumäniens von einer St r c i k b c w c g u n g erfaßt. -In Bukarest !besetzten die Arbeiter die Werkstätten und erklärten, sie nicht eher zu verlassen, bis man ihre Forderungea gewähren würde. Die Regierung ließ die Werkstätten belagern. In der Hauptstadt und im ganzen Lande •fandel\ Solidaritätskundgebungea für dfo Streikenden, ja sogar St r ·a f3 e n k ä ·m p f e statt. Nach 24s tündigec Belagerung ··gab die Regierung Befehl, die Werkstätten, in denen 7000 waffenlose Streikende zusammengepfercht waren, durch Maschinengewehrfeuer und K:1nonen Z'U räumen. Es spielten sich Szenen von unvorstellbarer Grausamkeit ab: über 400 Arbeiter wurden niedergemetzelt, über 300 verwundet, 2000 verhaftet und furchtbµr gefoltert. J1n .Juni 1933 standen 108 Angeklagte unter der Anklage des Aufruhrs 11011 Mordes vor dem ßukarestcr l\lilitiirgerleht. Dieser Prozel endete niit zwei Urteilen zu lebenslängliche r Zwangsarbeit und viele ■ anderen zu insgesamt 500 Jahren Haft. Diese Sc h r c c k e n s ur t e i I e entfachten überall den Zorn der werktätigen Massen. &hon währcnld des Bukarester Massakers 1hatte die Inter• nationale Rote Hilfe die werktätigen Massen Rumäniens und zahl reicher an· derer Länder alarmiert, sodaß das Urteil den Zorn der Massen nur noda höh.!r aufflammen ließ. In vielen Städten Europas und Amerikas fandc• unzählige I{ u n id ig c b u n g c n sta-tt. Durch ihre Haltung vor -Gericht erlangten die Hauptangeklagten in der ganzen \Velt, und besonders unter de• Eisenbahnern, ·bald Berühmtheit. Die Rote Hilfe ließ in Rumänien Postkarte• mit d.�n Photographien der Hauptangeklagten und Zitaten aus ihren Erklirungen VO!' Gericht drucken. Diese Kurten wurden dann auch jn Frankreich. r-cr USSR und in Amerika herausgegeben. Es erschienen Brosohüren in Tie· len Sprachen, die die Ereignisse vom Februar 1933 beleuchteten und die AP.rozeßverhundlun gen schilderten. Die Aflbeiterpresse aller Linde-r k.ommea- --

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tiertc .dns Sclrnndurteil mit heftigen Worten. Aus allen Enden der Welt strömten Pr o le s t r esolut i o n e n zu den rumänischen Gesand(:Schaflcn und J{(•nsulntcn oder auch zur Regierung nach Bukarest. Diese maclitvolle Protest- und Solidaritätsbewegung Ji:onnte einen ersten Sieg buchen: der Oberste Militärgerichtshof von Bukarest gab ider von den acht Hauptnngekfagten eingelegten Berufung statt, ,hob die in erster Instan z ergangenen Urteile auf 1.md verwies ,den Fall wieder an das MiJitärgericht ron 1

Craiova. Durch Ucberweisung des Falles an dieses Gericht wollte die rumänische Bourgeoisie die .Angeklagten 'Von den Arbeitermassen isolieren, denn Crniova ist, wie wir bereits sagten, nur eine kleine Garnisonstadt, ohne Industrie, ohne Pro'Jctaiiat, ohne A,iibcitel"J)rcsse; ihre Entfernung von allen großen .\rbc.>iterzentren sollte verhindern, daß die ?-.fassen •gegen den Prozeß mobilisiert werden, daß die \Verktätigcn auf das Gericht einen Druck ausÜ'ben.

Die Provokationen der Anklagevertretung Der Versuch des Obersten Militärgerichtshofes, die Angeklagten zu isolieren, war bereits der erste Schritt, um ihnen die mäohtige Waffe der Solidaritiit aus den Händen zu winden; •das :Militärgericht von Craiova und sein Militäranwalt sollten l(fen Rest ·besorgen. Der enge Gerichtssaal bot außor für das Gt•richt, die Angeklagten und ihre Verteidiger kaum -für einige Dutzend Zuhörc•r Baum, und auch diese Plätze waren ,fast stündig von Agenten der politischen Polizei besetzt. Nicht nur den Arbeitern, -die den Verhandlungen beiwohnt-n wollten, sondern auch den Angehörigen -der Angeklagten wurden alle möglichen Schwierigkeiten -bereitet, und die Verteidiger mußten mehr als einmal energisch dagegen protestieren, daß den Familien der Angeklagten die Anwesenheit im Gerichtssaal verboten wurde. Die Anklagevertretung bcnutzite idic gemeinsten Provokationen, um die Einhc:il der Angeklagten zu spalten. Denjenigen Angeklagten, die beim Verhör etwa� verschüchtert waren, wurde Einstellung des Verfahrens versprochen, wenn sie auf die Fragen, 1die man ihnen als Belastungszeugen stellen ,vürde, <vernünftig, antworteten. Anderen gegenüber ließ man durch1blickcn, daß man sie freisprechen würde, wenn sie die vom Militäranwalt vorgeschlagenen Anwälte annähmen; diese Anwälte hatten die :Mission, die v-0n den Angr-klaglen fast einstimmig beschlossene Linie der Verteidigung zu ..sabotieren. Die 1 aktik, IClie der Militäranwalt und, auf seine Anweisung, der Präsident des i\fililül'gerichts befolgen wollten, bestand darin, die Angeklagten, gegen die inan unter der genannten Bedingung idas Verfahren einstellen wollte, s�1gcn zu lassen: die Löhne wären vor dem Streik besser, der Streik selbst unnütz gewesen, die Arbeiter hätten während des Streiks auf -die Truppen gcscho�sen, der Polizeiagent, der in den Kämpfen den Tod fand, wäre von den Slr<:ikeudcn getötet woroen, und schließlich, daß direkt •bei -der Eisenbahnverwaltung unternommene Schritte den Aiibcilern die •besten Resultate hätten bringen können. Die Ifauptangel..-lagten lratten sich die Aufgabe gestellt, diese Behauptungen zu widerlegen und =u beweisen, daß allein der Streik die Lolmerlröhung bewirkt habe, daß die direkten Verhandlungen zu nichts geführt, daß die ArbcHcr nicht auf die Soldaten geschossen hatten und daß der Poli=eiagent uus Versehen von den eigenen Leuten getötet worden war, als sie auf die ,trbciter scl,ossen.

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Die Massenverteidigung in Rumänien Es z:ig te sich von Anfang an, odaß die Anklagevertretung mit ihrer Takt ik ·der faoherung der Angeklagten zum Schiffbruch verurteilt war. Dies zeigte sich zuerst in Bukarest, als der Gefangenenwagen erschien, um di:? Angekla gten zum WiedcraufnahmevCJifahren na'Ch Craiova abzutransporticn:n. Die Nac hricht, daß die verurteilten Eisenbahner auf dem Bahnhof seien, verbr eitete sich unter den Eisenbahnern -des Bukareslcr Zentralbahn- lf hofc.:: wie ein Lauffeuer. Es kam sofort zu e i n e r s p o nt a n e n K u n <l - g eb u n g : Arbeiter und kleine Beamte demonstrierten vor dem Ge/angenenwagc11 und braclzten den Gefangenen Ovationen dar. Die \\1irkung dieser spontanen und organisierten Solidaritätskundgebungen hlieb nicht aus. Der SondcrbcricM-crstatter einer großen Bukaresler Zeitung, der dem Protest beiwohnte, berichtete so von einer Solidaritätskundgc·bung, die von 250 aus verschiedenen Teilen des Landes gekommenen Ent­ l&�t1111gsze11gen, in der Hauptsache Eisen·bahner, organisiert worden war. Er schri€'h: «Die Kundgelmng einiger hundert Aru>clter, die von Ubernll hergekommen ,varcu, um zugunsten der Angeklagten auszusagen, mnclitc auf alle Anwesenden einen sehr· liefen Eindruck.» Ein anderer Vor.fall aber war noch viel sensationeller, er findet in ·den Annalen der rpoli'lischen Prozesse Rumäniens nicl1t 1Scinesgleichen. Zu Beginn der Verhandlungen erschien eine B a u e r n d e l e g a •t j o n, tlie für einen der Hauptangeklagten Nahrungsmittel - Eier und Kuchen - sowie einen von 200 Bauern -desselben Dorfes unterzeichneten P r o t e st übetibrachte, in dem sie di<.> Frei!lassung -ihres Landsmannes .fordern. Die •bürgerHchc Presse, die den Prozeßverhamllungen in ·Craiova ganze SprJtfn einräumte, hatte den Angeklagten odurchaus nicht in den ersten Tagen nacl 1 der Verha.f.lung ,oder zu Beginn i-hres Prozesses ihre ·Aufmerksamkeit zug<>wandt. Ganz im Gegenteil. Auf Anweisung der 'Politisohen Polizei hatte die ·bürgerliche Presse - sowohl die ldemokratisohe, wie die Re·ch�prcsse - versuoht, das Schicksal der 108 ,Eisenhahner nach iclem ersten ·Prozeß vor dem Militärgerioht t otzuschweigen. Um dieses K o m ,p 1 o lt d e s Sc h w e i - � g c n s zu -durchbreohen, mußten erst m e h r e r e D c 1 e g a •t i o n e n, aus Frauen und Angehörigen der Gefangenen ·bestehend, zu den Behörden und zu den Direktoren der ,großen Zeitungen gehen, um gegen das gegen ihre Gatten und Söhne angewandte ·Gefängnisregime, bezw. gegen das Komplott d,!s Schweigens von Seilen der Zeitungen zu q>rotestiercn. Die Direktoren -der großen Tageszeitungen mußten ni-cht nur miit <len 7000 Ar,beitern der Bukarester Werkstätten rechnen, sondern auch mit den Hunderttausenden von '.Arbeitern, die sioh mit ihren eingekerkerten Kameraden soliclairi.sierten und ü1ber i'hr •Schicksal informiert werden wollten. Das ist der Grund, weshalb die große Informationspresse plül=lich Interesse für die Prozeßverlzandlungen zeigte. Außer den von den Familien und Genossen der Angeklagten unternommenen Schrillen erhuben linksgestelltc Rechtsanwälte und Intellektuelle in Bukarest und im ganzen Lande Protest. Die großen Tageszeitungen der rumänischen Hauplsta<ll mußten mehrmals Proteste von Anwälten, Schriftstellern, Aerzten u. a. bringen. Sogar während der Vcrhaudlungen fragte einer der Angeklagten den Direktor einer ·bürgerlrehen Zeitung, ob er Protestbriefe und Sdlidaritätsbckundungcn zugunsten der eingekerkerten Arbeiter erhalte.

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Der Direktor, der als Zeuge Yorgeladen war, 'i:nußte zugeben, da.B -er massenhaft Proteste e11halte und es ihm, auch wenn er wollte,· · unmöglich · se sei, i in seiner Zeitung abzudrucken. •Ingenieur ·A t a n a s i u, Chef der Eisenbahnwerkstätten von Bukarest, erklärte in seiner Zeugenaussage: «Die Nncbrlcht von der Verhaftung der von den Arbeitern ents:mdtcn Delegation ,·crbreitetc steh in den Wcrkslilttcn wie ein Laoffeuer. Nach einigen :Minuten legten gegen 5000 Arbeiter die Hündc In den ·Schoß und erkfärtcn, die ,vcrkstättcn nicht eher zu verlassen, bis die vcrhnfteten Arbeiter freigelassen seien. Rasch wurde eine provisorische Bühne gcbnut, Streikposten aufgestellt, 400 Lehrlinge kletterten nuf das Dnch der Lebrlingsschulc und riefen: «Nieder mll dem Dclngcrungszustnnd!» Draußen sammelten sich um die ,verkslättcn Täusendc und Abertausende nn, die Straßenbahnen knmen nur unter ungeheuren Schwierigkeiten ,·orwürts, die l'tlenge solidnrisicrtc sich mit den Streikenden.,. Außer diesen von einem vcrantwortliohen Vertrauensmann der Direktion gelieferten Einzelheiten ist ·folgende c· r s c· h ü t t e r n de T a ,t s a c h e a·nzu:· .führen: . «Ein Lehrling, der die Macht der Solldnrllüt der Werktätigen InstlnktiT' · begriff, besetzte den Raum mit der Sirene und hielt diese stundenlnn� In Betrieb. Nnch dem l\lassnker fnnd man ihn, von· Kugeln durchsiebt, die Hand um den Hebel gekrnmpft.» Die Antwort auf diesen R u -f n ach S o l i d a r i t ä t blieb nicht aus. Außer den wirkungsvollen. Solidaritätsbezeugungen der werktätigen Masse11. während des Streiks in Form von SolidaritätsslTeiks in den Fabriken kam es auch zu anderen Solidaritätsbekundungen, von -denen die Arbeiteröffontllichkcit während des Prozesses erfuhr. In seiner Zeugenaussage erzählte der Kaffeehauskellner Naje Alexei, daß die KaffcehauskeHner Geld und Nahn1ngs-· mittel für die. Stre!kenden sammelten, als sioh die ·Arbeiter in ihren Werkstätten ,·erbarrikadiert halten. Der �uge war mit einigen Kollegen dazu bestimmt worden. in. die Werkstätten zu -gehen, um den Streikenden die gesammelten Hilfsmitttel zu übergeben 'lind sie der Solidarität der Kuffeehau.s­ kelln�r zu versichern; leider wurde ihm nioht erlaubt, die Nahrungsmittel deJt Streikc-r.den rpersönlich zu überreichen. Der Angeklagte Doncea bestätigt sofort, die fr:1 glichen Lebensmittel erhalten xu haben. Diese Solidarität der werktätigen Massen trat nicht allein in Bukarest i• Ers�heinung. So antwortete Bozianu Pavcl, ein Schlosser aus Cluj, der wegen Teilnahme am dortigen Eisenbahnerstreik zu zwei Jahren Gefängnis Terurteilt wurde, auf die Frage des Angeklagten Glzeorghiu-Dej: «Die werktütlgen Massen von Cluj waren mit den kilmpf enden Eisenbahnern l'ollkommen solidnriscb. Die Arbeiter aller Fabriken streikten nicht nur, sie strömten in Massen nuf den Platz- im Zentrum der Stadt und bekundeten ihre Solldarltilf Wir haben uns spiiter auch wieder In den ,verkstillten ,·crsch:mzt und konnten nur dadurch ein neues Massaker verhindern, dnß wir die ln:e­ nleure dabehielten.,.

Die Mobilisierung der öffentlichen Meinung Ein Teil ·der rumänischen Presse vcröf.fentlichte am 7. Februar 1934, also kurz nach Fällung des ersten Urteils, einen von vielen Anwälten unterzeichneten A u ·f r u f, in dem sie gegen das U rtei-1 protestieren und ihre Kofilege• auffordern, sich cder Aktion zur Verteidigung der Vlerurteilten anzuschließen. Auoh die cD i m in e a t a> tbrachtc diesen Aufruf rnif tfolgender •Notiz: « \Vlr haben glelehzelttg zwei andere Proteste �rhnllen. Die . elne· trilgt U'n'ttt- ,'

sebrlflen von 6B Persönllchkellen, die andere Ton 22, und alle beide verlangen ·Freilassung der wegen Forderung ihres Anreebts oof ein meosehcnwllrdfges •'Leb en verurlcllten Eiscnbohncr.• Dic.se Aufrufe waren -dazu angetan, die Werktätigen des Landes zu mobilisieren, und spie-lten daher bei der Organisierung der Massenvertei'digung der ..-erurteillcn Eisenbahner eine bedeutende Rolle. Von diesem Gesichtspunkt �us ist auch .cJer von den Frauen der Verurteilten, sowie der während der zweiten Vierhandlu ng von den Hauptangeklagten erlassene Aufruf einzuschätzen. 111 dem ersten Aufruf a·ppellierten die Lebensgefährtinnen .cJer Hauptangeklagten an «die Tausende von Arbeitern, denen unsere Männer Kampfge110s­ sen und tüchtige Fiillrer ohne jeden Tadel waren>, an allle ehrlichen Menschen, die Aufhebung des Urteils und Befreiung <ler Gefangenen zu fordern. In dem zweiten Aufruf wenden sich die Hauptangeklagten an die werktätigen j{assen der ,ganzen Welt und rufen ihnen zu: «Fordert unsere Frellnssung! \Vir sind überzeugt, doß 1hr um sie kümpfen -werdet, wie ihr auch dem Rufe der Internntionnlcn Roten Hilfe gefolgt seid •nd die Helden des Reichstngsbrondprozesscs ihren blutigen Henkern entrissen hobt. Nichts kann unseren Mut und unsere Ucberzeugung crschilltern. Es lebe die Solldnril:it oller Aus�cheutcten Rumäniens! Es lebe die internntlounlo Solldnrltüt der Werktätigen oller Länder.» Es ist der Internationalen Roten Hilfe zu verdanken, wenn die Proteslund Solidaritätsbewegu ng um den Eisenbahnet1proze.ß ibald ü-der die Grenzen Rumäniens hinausging. In erster Reihe wurden die rumänischen Emigranten in Frankreich, Nord- •1.m'<l Südamerika, sowie in anderen Lodern, so bescheiden ihre Zahl auch ist, mobilisiert. Die Internationale Juristische Ver-' einigung ·beschloß, eines ihrer . Mitglieder, einen Anwalt, an Ort und Stelle zu ·senden. Das Komitee zur Verteidigung der Opfer des weißen Terrors in den Balkanländern - das •seinen Sitz in ,Paris hat - schloß sicll der Kampagne der IRH an. Schließlioh war es vor allem -die Internationale der Transportarbeiter und besonders die der Eisenbahner, die ihren rumänischen Genossen zu Hilfe eilten. In einigen Wochen sammelten -die verhältnismäßig wenigen rumänischen Emigranten in Frankrcioh über 4000 Frs .. zur Deckung der Reisespesen und des Aufenthalts eines Anwaltes, und zwar des Anwaltes Charles Bourthomine.� vom Pariser Appellati,onsger.icht, den die Internationale Juristische Vereinigung na,ch Bukarest entsandte. Der Kongreß des Einheitsve11bandes der Eisenbahner Frankreichs, der im Aipril in Paris stattfand, ·bestimmte seinerseits eine Dcllegation aus -drei Eisenbahnern, idie zum ·P11ozeß fillrer heldenhaften Kollegen fuhr. Die im Auslande geführte Kampagne z w a n g einerseits -die rumänische Regierung, sowohl dem Anwalt, wie der Eisenbahnerdelega:tion Einreisevisa zu gewä1hrcn, und andererseits das Militärgericht von Craiova, nicht nur ihre Anwesenheit 1bei den Verhandlungen zu dulden, sondern die Delegierten auoh als unvereidigte Zeugen zu vernehmen. Dies gab zu rfolgendem Dialog Anlaß: Fr n g c: c W.er hat Sie hcndelcgier.t und zu welchem Zweck sind Sie nach Craiovn gekommen?, c.A n t wo r1: cWir sind der Teil einer Delegation, die nach einer Versammlungs- und Kundgcbungsknmpngne in den verschiedenen Zentren unseres 'I'r.ansportarbeiterverbanides, dem . über 400 000 Arbeiter angehören, .gewählt wurde. Dns Proletnniat Frankreichs hat die -Ereignisse vom Februar 1933 mil ia'roiem Jntcresse ,:erfolgt und fändet\ daß diesclben Nöte, die die Eisenbahner

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Frnnkreichs so oft zum Knmpf für ihre Forderungen trieben, nuch die rumänischen Eisenbahner zum Streik veronlnßtcn., ,Angesichts des engen Zusammenhangs zwischen der ifrnnzösisch-en 11nd rumänischen Bourgeoisie sieht dns Prolct:irfat Frankreichs die Arbeiterkämpfc ,in Rumänien als seine eigenen an.>

Die Persönlichkeit und Haltung der Angeklagten Acht Arbeiter - Klem!pner, Gießer, Schlosser usw. - standen vor dem Kriegsgericht; sie waren schon zu Iebenslängli-cher Zwangsavbeil 1dder zu so schweren Strafen verurtei�t, so daß 'diese, obwohl zeitlich begrenzt, doch Todesstrafen ,gleichkamen, und zwar in -dem Sinne, daß wenn die Verurteilten die Strnfön tatsächlich a1bbüßen 1nüßten, sie mit !1eunzig Prozent Sicherheit die Freiheit nicht. mehr wiedersehen würden. W i e war unter diesen Umständen ihre Haltu n g vo r G c r ich t? Vlersu ohten sie, sich «aus der Schlinge zu ziehen,, «-das Gericht nicht gegen .sich einzunehmen>, in -der Hofifnung, nachsidhtiger -beurteilt zu werden? Durchaus nicht! Der •Gießer Constantin Doncea, als erster befragt, erklärte: «Die Worte, die Ich, einfacher Arbeit er, hier offen und ungeschminkt sngcn werde, warten schon lange darnuf, ausgesprochen zu werden. Ich werde so die Möglichkeit bnben, den Tausenden von Arbeitern, die mir ihr Vertrauen cntgegcnbrachlcu und mich zu Ihrem Führer wühlten, zu nnlworlen und ihnen alles zu crklüren. Ihnen, und nur ihnen bin leb nlle Erklärungen schuldig. Ihnen allein schulde ich Rcchenschnft über mein Verhalten.» Und Doncea hielt mehrere Stunden lang Gericht über ,die Eisenihahnverwallung, die -ihre Arbeiter ein elendes Leben führen läßt und sie schändlich ausbeutet. Er saß zu Gericht über ,die sozialdemokratischen Führer der Eisen• bahnergewerkschaft , die :Memoranden sohrieben, Schritte bei den Ministern unternahmen und den Ar.beilern -geduldig zu warten rieten, ibis die Krise ihr Ende erreicht und alles besser wird. Als im Jahre H)31 1500 Eisenbahner bruta� entlassen wurden, dernon• ·strierten 6000 Eisenbahner '<ler \Verkslälten von Nord-.Grivitza und forderten Schluß der Entlassungen und '\Viedcreinstellung der Entlassenen. Die Arbei• ter zogen zum Silz ihrer Gewerkschaft. .Aiber tlie sozialdemokratischen Führer waren nicht dn. \Vo steckten -sie? Sie waren gefilohenl Einige hatten sich hinter Sohränken und unter Delten versteckt, andere waren, aus Furcht vor -der Verantwortung - nicht den Arbeitern, sondern den Behörden gegenüber - ·i n die Polizeikommissariate geflüchtet, u1n später ein Alibi zu haben und beweisen zu können, daß diese Demonstration gegen ihren \Villen stattgefundcn hatte.· Die Soldaten schossen, es- gab Tote. Aber die Demonstration war ein Erfolg. die Entlassenen wurden wieder eingestellt. \V<ihrend des yan:en Verhörs, das :wei Verhandlungstage liintereinander in Anspruch nahm, sprach Doncea J.einen ,tugenblick von sich selbst. Er enthüllte die Leiden und schilderte die l(ämpfe der Arbeiter und Eisenbahner Rumäniens. Dieser Mangel an einer persönlichen Verteidigung wurde ihm übrigens später ,·on dem linken Sozialdemokraten Bogatoiu <vorgeworfen,, der die angerichteten Schäden, -die ihm zur Last gelegt wurden, <bereute, und zu nur einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. In seiner Zeugenaussage erkliirtc Boyatoiu: c \\Tenn meine früheren Kollegen von härteren Strafen bclroffcn wurden als •

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ich, so liegt das dara n, ·daß sie .sich nicht so verteidigten, wie ich es tat,, worauf Doncea ihm antwortete: cDcr Zeuge behauptet, <laß ich mich in erster Instanz nicht verteidigt habe Hut es nioht einen •anderen Grund, weshalb er nur zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wur<le? . E:s stimmt, <laß ich nicht mich persönlich, sondern vielmehr die Arbeiter, 1 <l e ich vertrat, mit iaUen Kräften verteidigen woLlte. W.as Bogatoiu betnifft, so hat e.r dies nicht get:m. Er hat niemand anderen als nur seine -eigene Person . verteidigt. Als Bogatoiu anfing, �die ArhoHer, ,die ihn gewählt hatten, zu vcrra�en, hat der Herr Militäranwalt seine Anklage gegen ihn gemildert. Ich wollte kemen Verrat iibcn. Ich Jrnbc um dns Brot der Arbeiter gckilmpft, und nur d er Tod kann mi.ch dnrnu himlern, diesen Kampf fortzusetzen . Ich bleibe a uf dem lfomman<loposten, den mir die Arbeiterklasse anvertraut hat. Alle Genossen , die hier auf ·der Anklngcpank si-tzcn, und ich selbst, würden uns ohne Zögern opfern.> Daun ruf,t Doncea, zu Bogatoiu gewandt: cMcine Freunde haben mioh gefragt, ob ich dich für einen Spitz e 1 halte. Ich habo geantwortet: nein! Ich bin überzeugt, daß <l·u keiner bist, .aber ich halte dich für die personifizierte F e i g h c i t., Als Kommentar zu dieser Szene von stark dramatischer Wirkung schreibt der Sonderberi-ohterst atter der bürgerli'ohen Zeitung ,D i m in e a ta,: •Am Schluß der Verhandolung ·benutzt Bogadoiu einen unbeachteten Augenblick, um zur Anklagebank zu gehen und zu Doncea mit einer von Schluchzen unterbrochenen Stimme zu sngen: cWas hast du mir -angetan? Du hast mich •umgebracht! Seit -sechs Mounten kann ich mich nicht mehr auf der Straße zeigen, alle trampeln auf mk horum und nennen mich Verräter!> • tSoldaten mit ,aufgcpflnnztem Bajonett,> so -schreibt der Journn.list weiter, clrelen zwischen die bei-den. Den Angeklagten werden wieder Ketten nn Hände und Füße gelegt, sie werden aneinander.gefesselt und dann aus dem Gerichtssaal geführt., Am nächsten Tage ist Gcorgiu-Dej an der Reihe. Er erhebt unter anderem Anklage gegen den Belngcrungszuslall'd. Er sagt: cDic Arbeiter sahen in der Verhängung des Belagerungszustandes einen Angriff auf ihre in hnrtem Kampf errungenen Rechte und gegen die Organisationen, <lie zu diesen Siegen bei•gctragen hatten. Sie sahen darin auch -ein Vorzeichen neuer Angriffe ,gegen die gesamte Arbeiterklasse!,

Ein Belastungszeuge • • • Es handelt sich um den A11beiter l'asile Vegu, der, wie die meisten Angeklagten, in den Eisenbahnwerkstätten von Bukarest arbeitet. Nach dem Plan der Anklageverlrctung sollte dieser Zeuge in seiner Aussage bestätigen, daß die Löhne •der A1,beiter lmoh genug wären, daß keine triftigen Gründe zum Streik vorgelegen Millen, daß es •die .ArbeHer waren, die auf die Soldaten schossen, •daß man die Verhafteten in der Siguranza nicht gefoltert hätte, wie es die Angeklagten behaupteten, tmd ·daß <lie von den .Angeklagten im Verhör <unterzeichneten, Erklärungen von A ,bis Z von ihnen selbst abgefaßt worden wären. Das Verfahren gegen diesen Artboiler war infolge eines heimlichen formelrlcn Versprechens, bei der Vernehmung so zu anlworlcn, wie der Stnatsnnwalt es von ihm erwartete, eingestellt worden. Er sah sich nher jetzt einer stärkeren Solidaritätsbewegung der in Freiheit befindlichen Arbeiter mit den Gefangenen gegenüber, -denn je. Hieraus erklärt sich folgender D i a l o g, -der sich vor dem Mililärgcrichl von Craiova entspann:

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.. ...

Der Belashmgucuge Vasilc Y.egu ·wurde hereingefühTt. Er· gab an,· seit 1929 bci der Eisenbahn zu arbeiten. Damals llntte er einen -sehr guten Lohn. De r S t aats an w-a lt : Blieb .dieser Lohn immer .gleich hoch?> Antwo rt : ,Nein, Herr Staats::mwalt, man kürzte ihn so, daß ich auf einmal nur 50 Prozent meines Anfangsgehnlts bekam.> � Fr ,a g c : cJ n, aber wurden die Löhne infolge der Krise für nille lu�rab� �elzt'h An t w o r t : ,Das ist möglich, Herr Staatsanwnlt, ich möchte Ihnen aber eine ,Saohc -sagen: wenn ich von der \Verkstatrt nnch · Hause gehe, muß, ich cin .!Chöncs Stück zu Fuß ztrrücklegen. Auf diesl'm Wege konnte ich mioh davon iberzcugen, daß trotz der Krise, trotz des Geldmangels,· von dem Sie sprechen, die Häuser und Paläste wie Pilze nach dem Regen aus der ,Erde schießen. Da habe ich als einfacher Mann mir die Fra'ge gesteHt: Wo zum Teufel kommt bloß dieses Geld her?> Fir a .g c : ,Haben Sie beim Stroik mit.gestreikt? Sagen Sie, haben die Arbeiter a1.1f die Saldarten .geschossen,> . Antwor t : ,Nein, Herr Staatsanwalt, die Arbeiter hntten keine Waffen., Der Vorsitzende des Militärgerichts, der all seine Hoffnungen, die er. auf diesen Zeugen gesetzrt hatte, zusammenbrechen sah, fuhr ilm barsch an: ,Passen Sie nuf, ,Sie stehen ·unter Eid und müssen die ·wahrheit sagenh ,An t wo ,r 1 : ,Ich 1bin bäuerlicher Herkunft und verstehe nicht zu lügen. Die Arbeiter ·ha:ben nicht geschossen, aus dem einfachen Grunde, weil sie keine Waffen hatten., Frag c: «Waren Sie tbei der politischen Polizei inhaftiert?, Anrt wort: ,Jawohl., iF'rage: cWas hat man dort mit Ihnen gemacht?> An twort: ,Nachdem man mir den Kopf gegen nlle \Vände gestoßen hatte� mm ein Korwnissar zu mir .und tSagte: c-Hör, ich will dir deine Erklärung vorllescn. Wenn foh eine Stelle lese, die dir unwah r erscheint, .sag hallr Und der Iommissar d'ing an, meine Erki1ärung zu lesen. Als ich merkte, tlaß er log, rief ich: :Hallt' Aibcr dar Kommissar ärgert� sioh und antwoITlete: ;So .geht das nicht, 4u weißt, du muBt alles .unterschxeiben.' Da habe .ich unlcrschricbcn. \V,ic konnte !ich denn a uch anders 7 >

Strafgericht Ober einen Lockspitzel Es kommt fast kein Prozeß der 'bürgerlichen Klassenjustiz gegen revolutionäre ,Kämpfer vor, ohne daß der Staatsanwalt des Militär- oder �vilgerichts Tersuchte,. Erkärungen oder gar Aufzeichnungen eines Lockspitzes gegen die Angekagten ins ·Fed zu rführen. ,Nur zu ,oft verstehen es die Werktä1igen nicht , ciese Agenten so vor der Oeffentlichkeit zu entlarven, damit sie und ihr niederträchtiges Handwerk unter möglichst �reiten :Massen ·bekannt und von i 1hnen Terdammt wiro. Im Prozeß der ·rumänisohen Eisenbahner war es jcdooh nicht so. Es •handelte sich in diesem ·Falle um cinen Lockspitzel, dem es -gelungen war, den Posten eines &krctärs im Eisenbahnerver,band zu bekommen. Dieser c SekreläT> wurde als Zeuge geladen, und die Hauptangeklagten lfragten ihn über die Arbeitsbedingungen der Eisenbahnarbeiter 'Und über ihre Stimmung "fOr dem Streik aus. Plötzlich rfragte der Angekllngte Doncea ihn geradeheraus: ,Woher kann tler Zeuge die ·Stimmung der Arbeiter kennen?, Ohne die Falle zu bemer"ken, antwortete dieser etwas eigenartige Sekretär fast ohne mit dem \Vimper zu zucken: · . ,Weil ich vier Informatoren unter den Arbeitern hatte., Darauf ·rief .cf er Angeklagte Doncea: cHerr Vorsitzender, ich habe wfdlrend des .ganzen Ptrozesscs behauptet und • wiederhole heule nochmals: der Sekretär der Eisenbahnergewcrkschaft, der hier e1s Zeuge auftrat, ist nichts anderes a.ls. ein Ag.cn·t der politischen Polizei• 'Und

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-der Eisenbahndirektion. Wenn der Zeuge die Be�tigung die„er Ir�huldi­ �ung bestr-citct,• dann soll er un9 doch erk.Jären, wie es kommt, daß er -täglkh Zus:immenkünfto mit dem Agenten Stefanescu hatte ., -Die Sache war klar. Dieser eigenartige •Gcwerkschaftssekretär1 der mehrere .Aemter bekleidete (er stand nämlidh gleiohzeitig dm Dienst der -politischen Polizei und der Eisenbahndirektion), war entlarv-t.

was ein ehemalig er Verkehrsminister Ober die Arbeitsbedingungen der Eisenbahner denkt \ Die Verteidi-gung ha"t mit Erifo1g mehrere bedeutende Persönlichkeiten als

J Zeugen Inden lassen, die aus verschiedenen Gründen imstande waren, einige I{fa.iihcit in diesen Prozeß zu brin•gen. Man ließ auch einige frühere Minister Jaden. \Vir geben naohstchend einige Auszüge aus solohen Zeugenaussagen. Der Ex-Verkehrsminister Eduard Mirto antwortete auf die Frage nach· den Bedingungen, unter denen die Eisenbahnarbeiter arbeiten, folgendes: ,Die Arbeiter nrbeitetou unter anormalen Bedingungen. Ich wei.ß es genau. Die L-a?e de� im Waggonbau ·beschäftigten Arbeiter w.ar noch schlimmer, da sie mitt_en 1m Wmitcr b�i �O Grad Kälte im Frcien .arbeiten anüssen. Ich habe erfrorene Arbeiter gosehcn und ich muß sagen, daß es ziemlich unangenehm ist (sie!}, bei einer solchen Kälte draußen zu arbeiten. Diese T.atsache hat mich empört. Ich habe ,·ersucht cmzugreifcn, :ich habe ,alles getan, was •in meiner Macht stnnd, aber naan .antwortete mir, es wäre in allen Ländern iso.> .Ucbcr die LohnverhMtnisse befragt, ,antwortete der ehemalige Minister: c Ich -linbo persönlich festgcste}]t daß viele Arbeiter einen 'Unbedeutenden Lohn·· beziehen. Ich habe. sogar weiche gefunden, die nicht mehr -als 50 Lei (ca. 1 Mark) monatlich verdienten, 11nd zwar deshalb, weil die Arbeiter !lUS Mnn­ Jel :m Roh�nterial n'ur einige Stunden wöchentlich arbeiteten., Ucbcr die Beziehungen zwischen den .Arbeitern und den sozialdemokrnlischcn Fiihrcrn der reformistischen Gewerkschaften sagte Herr Jfirto folgendes: ,Zwischen den Sozfaldemokraten und den .anderen Arbeitern �rrschten in den Werkstätten große Unstimmigkeiten, die darauf zurückzuführen -sind, daß die Sozialdemokraten die Interessen der Arbeiter nicht verteidigten und da.8 die11e bchouptelcn, die Sozialdemokraten wären von der Direktion bevorzugt. Ich habe llie Arbeiter mehrmals. dar.auf hingewiesen, dnß !ie in den Werkslfitten keine

\ Politik treiben -sollten, -aber es ist wohl wahr, dnß d-ie Sozialdemokraten protegiert wurden. >

Glaubensbekenntnis eines /_ > sozialdemokratischen GewerkschaftsfDhrers Die Angeklugtcl} ·hatten die Zeugenvernehmung Yon Herrn Alexander ()pre.o;cu; einem der bedeutendsten Funktionäre der sozialdemokratischen Gewerkschnft.sbewegimg der rumäniso11en Eisen·bahner, gefordert. Aus den prä- 11isen, gedrängten Fragen der Angeklagten an ihn erklärt sich, weshalb sie ihn als Zeugen laden ließen. Seine Aussage war sehr wichtig, um die Stellung der beiden vei,tretencn Gewerkschaftsrichtungen, der offiziellen sozialdemokratischen Gewerkschaft und. der roten Gewerkschafl�sition, klar ins Licht zu rück<?n. «Ich bin vor Gericht erschienen,, ibcginnt Herr Opre.scu, cweder ,um die Angeklagten zu bclnslen, noch um sie ru verteidigen. loh werde die ,vahrheil. 1lk-hts als die Teine Wahiiheit sagen. Im Jahre 193J hatte die Gencraldirektiou \ 9

der Eisenbahnen den Aribeitern angekündigt, daß alle, die di.e A:r.beit ,aufgeben wo11tcn, eine f cstgesetzte Entschiidigung in Höhe von drei Monatslöhnen crlmlten sollten. Viole Arbeiter sind gcgnngen und haben die ,genannte ·Entschü<ligung erhalten. Aber einige Monate später kamen ·sie wieder mit der Forderung, wie• der eingestclll zu werden. Die Gewcrkschaflsföderation hat vcl'ISucht, etwas für \'iie 111 tun, als es -ihr aber nicht gelang, mußte sie es schließlich .aufgehen., M.i I.i t ii ranw a l t: «\V-arum wurden mehrere Verbände, und vor .allem der ,·on Grh•itza, aus der Föderation ausgeschlossen,, Z C'U s c: ,Die Gewerkschaftsföderation als KörpcI\Schaft mit dem Recht einer eigenen Gerichtsbarkeit konnte gewaltsame Aktionen nicht dit1lden ·und wollte ihre unteren Einheiten ·stabil und ruhig erhalten. Ich habe übrigens zu Arbei• lern, die meinen Ratschlägen nicht folgen wollten, gesagt: \\T enn ihr ,andere Aktionen· ·wollt, ials wir sit> führen, f- ührt •sie nuf eigene Faust, 1w-ir können euch nicl1t folgen, da wir die Verantwortung für Eure Aktionen, die so von ,unserer Linie -n:bweichen, nicht tragen können., Vorisit zo-nd e r de s Mil i tär.g e r i,c hts: cDas heißt-also, daß Iltr von den •�ozfa.ldcmokratischen Gewerkschaften für fricd.tiche,• ,gewnll!losc .Aktionsmittel wart, wie es .sich für anständige Leute sehört?, s Z c u e: ..Ja, wir Sozialdemokraten sind für Ordnung und Anstand. Wir '1elmen energische Aktionen ab., M i 1d t ä r .a -n w a lt: eist es w,ruhr, daß Ihre Konföderation für Enltlnssung der auslämlisohen Arbeiter eintritt, um den rumänischen �beitern Arbeit zu beschaffen?:. Ze ug c: ,Ja, das ist wahr, denn •es gibt in der ganzen Welt Arbeitslose, und cl1e ein Ausliinder bei uns leidet, soll er lieber jn seinem Land dcidcn., M ,i I .i 1 ä r ia n w a l t: c Ihr behauptet nicht, wie die Angeklagten , daß die Arbeiter Internationalisten sind, daß die Arbeit sie zu Brüdern macht und daß jeder arbeiten kann, wo es ihm beliebt?, · Ze u ,g e: c \Vir haben einstmn1s auch 1cf.iescs Pr,inzip -vertreten, aber jetzt, wc• sen der Arbeitslosigkeit .•. , Mill.i t är a nwalt� , .•. Ja, haben Sie darauf verzichtet., Ze u g c: �Tatsächlich -ist es uns nicht .gelungen, sie wegzuscbicken, denn sobald wir es verlangt hatten, r-egnelc es v-on allen Seiten Gesuche, <laß der ein guter Facharbeiter und jener unersetzlich sei usw.,

Die 11 Schuld11 der Angeklagten M 1i,l i t ä.r,an w a l t: c\Velohe Bcziehungt>n bestehen zwischen dem Vel'hnl- 1.cn des Angeklagten Gheorghiu-Dej und der Entlassung der Eisenbahnnrbeiler der Stadt Dcj? > Z e u Se O p r c s c u: eich werd-c Ihnen das gleich erk,15.rcn. Meine Anklagen werden nicht über den lbhmcn der \Vahrhcil hinausgehen. In Dej schienen -<lic Arbeitslosen und auch die Arbeiter l.ucrst sehr ruhig. Sie hatten Grund, in gcw,is;c;cm ?lfoßc zufrieden zu sein. Aber da trat Ghco�hiu auf <lcn P,lan, ein großer �fonn, wie mag sagte, nls er zu .agitieren und ·das Leben der Arbeiter zu beunruhigen begann. Er nahm V,crbindungcn mit diesen auf und scharle sie ,um l!>ich; er arlleilelc eine Liste mil Forderungen -am,, die schlecht redigiert und nichts wert war. Aber er halte darin einige Phrasen von starker \Virkung, und dies erklärt, warum er 'Unter den Arbeiter n so populär wurde. \Vas uns betrifft, tSo •haben wir alles- getan, was in unserer Macht stand.> Darauf f.algt ein Dinlog zwischen dem Angeklagten Doncea und "4em Zeugen, der. als ihm hart zugesetzt wur,dc, ausrief: ,Herr Vorsitzender, es si<>hl ja ,so aus, als ob ich hier ·der Angekolagtc und Doncca der Ankläger wäre. Diese Rolle paßt mir absolut nicht., D:1rauf griff ,der V1orsilzende des Militärgerichts zugunsten des Zeugen ein. und entzog ,den Angeklagten, die diesem noch Fragen stellen wollten, das \\'ort. ,.

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Die Verteidiger versuchten darauf, im Namen der Angeklagten d ie Fragen zu formulieren, die sie dem Zeugen hraJHen stcUen wollen, und der eine fragte den Zeugen Oprescu: . c W•ais verstehen Sie unter diesen Gewaltmitteln', die Sie den Angeklagten vorzuwer.f.cn scheinen?> Darauf antwortete der Zeuge: «Wir verstehen darunter Stroßenkundgebungen.>

Eine gemeine Polizeiprovokation entlarvt Die Bukarester Polizei wollte um jeden Preis •beweisen, daß die Streikenden "\\·a-fifcn hallen und von diesen gegen das Miaitür und die Polizei Gebrauch gemruoht halten. Um dies •l>eweisen z,u können, -schreckte die Bukarester Polizei vior einer g e m e ine n P r ,o v o k a t i o n nicht zurück. Vm den '\Verks1lätten von Grivitzn, wo sich die Februarereignisse Qbspielten, steht eine Kirche. Einige Tage nach .den •Massakern fuhr nun -ein 1,fotonia'd mit Beiwagen bei der Kirche vor; ein K'OUilmissar en'tstieg ihm in Begleitung eines Zivilisten. Beide 4>egannen in die Mauer der Kiiiche .mit einem BohTer Löcher zu bohren und die Mauer dann zu rph'oto-graphieren, um einen Beweis dafür • zu haben, daß die Aiibeiler v,om Hof ider Werkstätten aus geschossen hatten. Diese Priovolmtion 1nußtc enl'lnrvlt werocn. Der Pfarrer dieser Kirche lebt 1

von den Groschen der A·rbeiter dieses größtenteils prole-1.iarischen Viertels und war se,inen Pfarrkinrdern die Wahrheit schuldig. Der Pfarrer leistete also der Aufforderung der Genossen der Angeklagten Folge und entschloß sich, vor dem Militärgericht zu erzähl·en, woher die Löcfüer in der Mauer seiner Kirche sla.mmen. Dies fiihrle zu folgenden Aussagen: Nach einigen Versuchen des VorsHzcnden ldes Militärgeriohts, den Zeugen Popa Dimitru. einen Invalliden, der sich auf Krücken vor das Militärgl,rich!L geschleppt 'hatte, einzuschüchtern, erklärte dieser: c Ich ,bin der Küster <lcr Kirche. Emmrul sah ioh ein Motorrad mit der Num­ m�r 5 !3nkommcn. Zwei Personen, eine d,�von ein Kommhsar in Uniform, ,stiegen aus und .fingen run, Löcher in d-ic Mauern zu bohren.� D e 1· V ,o r sit z e '11 d e : «Halben Sie nichts zu dhnen �esagt?, Der Ge i s t 1 i ch c : cNein. durchn.us nicht, aber ich möchte noch hinzufügen, weil ich dooh geschworen ·h:rbe, idie volle \Vahrheit zu sagen: ·selbst wenn ,die Arbeiter geschossen hätten, hätten die Kugeln die Kirche ni,cht erreichen können, da sich ihnen zwischen den Eisenbahnwerkstätten und meiner ltixiche zahlreiche Hindernisse in den ,veg stellen.,

Der Polizeiagent von seinen Kollegen erschossen \Yir sagten bereits, dnß einer -dc1· Polizeingenten, die idie ,verkstätten umzingelten, v,on einer Revolverkugel tödllkh getroffen wurde. Das Militärgericht beschuldigte die Arbeiter, diese Rugel abgeschossen zu hnben. Die Einwohner von Grivilz•a setzten alle Hebel in Bewegung, um Entlastungszeugen zu find�n. Sie nu1chtcn den Geistlichen nnd den Kirchendiener ausfindig, um die Polizci- 1provokalion, ,�on der wir oben sprachen, zunichte zu machen. Sie stöberten ,nnch eine Knbarellnrlistin und -Besitzerin auf, brachten sie vor das Militärgericht und ließen sie idort die ,vahrheit enthiillcn. Vor Gericht sagte die Zeugin Frau Gcorgcscu, Besitzerin <les Knbnretts, folgendes aus: Sobald ich ungewohnte Laute auf der Straße hörte, ließ ich !ofort die Eiscnrollüdcn vor den Fenstern meines Unternehmens herunterziehen. Drinnen

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bcfand .sich Herr Manllla, JCommanda:nt der: Sohutrleute. Plötzllich stürzten zwei Agenten ins Zimmer und meldeten ihrem Vor.gC!etd�, daß der Pofü:eingenl Chirila TOn einem seiner Kollegen .getötet worden �ei. Kurz darauf ,brachte man seine Leiche herein. Dann kamen .andere Schutzleute, die dhren Kollegen wegen des vorgefallenen Unglücks bemitleideten. Auf der Str.aße •hörte man d-ns Kna.t­ ,teru v-0n Maschinengewehren.> Katia Filipescu, eine Artistin desselben Kabaretts, sagte das gleiche aus. Auf die Frage des Militäranwaltes, ob die Arbeiter geschossen hätten, ant-· worlelc • die Zeugin: ,Nein, -sie warfen mit Steinen.> Der Md H t ii.,r aJl w n 1 t: fWohrr wwcn Sie das?> D ie Z.c u .g in : ,loh weiß es, weil die Steine gegen die Eisenrollädcn geworlen wurden., Ein vollständigeres Fiasko der Anklage aller Angeklagten wegen Mordes ist undenkbar.

Das Urteil Nach 24- Vierhandlungstagen fällte das Militärgericht ein ebensolches Sc h o. n d ru r t c i 1, _wie in erster Instanz. Zwei Angeklagte worden zu je 1ö Jahren Zwangsarbeit verurteilt, vier zu je 12 Jahren, einer zu 5 Jahren Zwangsarbeit und ein anderer zu 18 lfonatcn Gefängnis. Außerdem wurden alle zusammen zur Zahlung von 20 000 Lei Schadenersa_tz v-erurteilt, obwohl doch unzweifelhaft bewiesen wurdJ?, dai der Polizeiagent, an dessen Familie die Entschädigung zu zahlen ist, von seinen Kollegen getötet w.urdc und die A11beiter keine einzige Kugel a:bgcschossea hallen. Trotz dieses schändlichen Urteils ist dooh unbcstreilbaT, daß die Gewähru_ng ei_nes zweiten Prozesses ein Rückzug d�.� rumänischen Bourgeoisie war• . Diese erste Niederlage der bürg�rliclien Klassenjustiz Rumäniens wurde durclt die Aktivität und .4.uiopferung der Roten Hilfe Rumäniens und der anderen Länder ermöglicht. Nur durch die Mobillisierung der werktätigen Mas�n Rumäniens durch die Rote Hilfe konnten so zahlreiche Protestdemon• strationen stattfinden - .angefangen mit der Demonstration der Studenten, die auf der Bukarcster Uni•vcrsität eine rote Fahne hißten, bii zu deil Demonstrationen der Eisenbahner durob die Straßen Bukarcsts während 'Cles �o• zesses in üraiova, das mutige Aufilreten der Bauern vor dem Militärgericht okht zu vergessen. Troti>dem die R'Ote Hilfe Rumäniens zur Illegalität ven1r-teilt ist, hat sie es doch verstan'den, idie M a s s e n v e r t e i d i g u n g zu organisieren, unerwartete Zeugen ausfindig zu machen, sie dazu zu lbcstimmcn, vor dem Militnrgccicht zu erscheinen und unwiderlegbare Zeugen-aussagen zu machen. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, -daß ein Geistlicher und ein Küster die Polizeiprovokation bezüglich der Löcher in der Mauer bloßstcHten, die zu dem einzigen Zweck gebohrt wurden, um zu beweisen, daß die Arbeiter von Feuerwaf.fen Gebrauch gemacht hntten. Der Tätigkeit der Roten Hi�fo ist es zu -verdanken, wenn eine Kabaretthesitzerin -sich Sohä'Cligungcn durch die Polizei aussetzte und mit ihrem Personal aussagte, da.ß der Polizeiagent -Yon seinen Leuten getötet woroen sei.

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.. . ' . ... .� Dank der Roten Hilf�· Rumäniens. w_urden . Hunderttausende von Lei zur Unterstützung der Gefangenen und ihrer Familien ge5am­ n1elt. Sie war es, die Zehntausende von Flugblättern herausgab, dank ihrer Agitation sah sich die bürgerliche Presse gezwungen, das Komplott des Schweigens, mit dem . die Regierung den Prozeß umgeben ,vollte, gegen ihren Willen zu brechen.· Und schließlich ist es der Roten Hilfe zu verdanken,· daß die Angeklagten die Möglichkeit hatten, ihre Anklagen gegen die Regierung, die Eisenbahnverwaltung und_ die Lockspitzel in alle Welt hinauszuschleuder:Q. ., Dies ist jedoch n u r e i n T e i 1 s i e g . Das Komplott des Schweigens ,vurde gebrochen, das internationale ProletariaV und zahlreiche Intellektuelle wurden alarmiert, zweimal entsandte die Internationale Juristische Vereinigung Anwälte nach Rumänien. Die Eisenbahner Frankreichs, Großbritanniens, Spaniens, der Schweiz, Griechenlands, Südamerikas und Australiens haben in der Presse und in Versamm� lungen eine Kampagne geführt und Proteste an die rumänische Regierung gesandt.· .. .• • � Die rumänische Patronati, eine Solidaritätsbewegung mit den Opfern des weißen. Terrors in' Rumänien, sammelten Geld und. erhoben ebenfalls gegen diesen· schändlichen Prozeß Protest. · Aber ob,vohl das Urteil sefir gemildert wurde, bleibt es so� schändlich wie zuvor. Die Verurteilten haben wieder Einspruch erhoben. Die Rote Hilfe hat sich die Aufgabe gestellt, ihre Weltkampagne zur Verteidigung der Angeklagten wieder aufzunehmen und um das Vielfache zu ver- sUirkcn. ·Der Prozeß der rumäniscllen Eisenbahner, sowohl in Bukarest wie in Craiova, lieferte ein iglänzendes Beispiel der Selbst- und �lassenvcrtcidigung in einem · politischen Prozeß, und dies in einem . Lande des weißen Terrors, wo die Rote Hilfe und alle anderen revolutionären Organisationen zur Illegalität verurteilt sind. Ueberall, wo die Bourgeoisie versucht, Prozesse gegen kämpfende revolutionäre Arbeiter aufzuziehen, müssen die Lehren dieses Prozesses ausgenützt werden. Angesichts der bürgerlichen Klassenjustiz tragen die mutige und würdige Haltung der Angeklagten, der Beistand und die direkte Unterstützung der Roten Hilfe dazu bei, die werktätigen Massen zu mobilisieren, die Angeklagten zu Anklägern und die Bourgeoisie und ihre Mitläufer zu Angeklagten zu machen. Und dies ermöglicht es, den Kampf Schritt für Schritt zu gewinnen, um die Beschuldigten den Klauen ihrer Henker zu entreißen.

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Brief Lenins an E. D. Stassowa und die Genossen im Moskauer Gefängnis

19. J,amrnr 1905.

Liebe F.rcundel Ich gelangte in den Besitz ,Eul"er Anfrage über dfo Taktik vor Gericht (durch den Brief von Absolut *) und einen Zettel, der durch eine unbekannte Penson «wörtlich wiedergegeben� ,worden ,ist). Ahso:lut schreibt von zwei Standpunkten. Im Zettel .ist von drei Gruppierungen d-ie Rede, vielleicht sind f olgcnde drei Schattierungen ,gemeint, idie ich zu rekonstruic.ren ver.suchen will: 1. Das •Gericht negieren und •es direkt ·boykottieren. 2. Das Gerkht negieren und .sich ian dem Geri.chlsvcrfo.hren nicht beteiligen. Einen Rechtsanwalt nur 11.lnter der Bedingung •bestellen, daß er ausschließlich über die Unzustän<ligkci t des •Gerichts Yom Stand,punkt des -abstrakten Rechts spreche. Im Schlußwort eine profession de foi **) ablegen und ein Geschwo-renengcricht fordern. 3. Beziiglid.1 des .Schlußwortes <lnsselbe. Sich des Gerichts als eines Agitationsmittels ·bedienen und zu diesem Zweck sich an dem Gerichtsverfahren mit Hilfe -eines Rechtsanwaltes beteiligen. Die Ungeset�Iichkeit des Gerichts aufzeigen und sogar V crnchmungen von Zeugen beantragen. (A•libinaohwci.s ,usw.). Ferner die Fmge: soll man nur sagen, daß man der Ucbc.rzcugung nach Sozialdemokrat sei, oder soll man sich ,als ,Mitglied der Sozialdemokratischen AI1beitcrpnrlei -Rußlands zu crk�nnen geben? Ihr .sd�1reibt. daß -eine Broschür,c iibcr diese Froge .nötig .sei. Ich würde es, nicht für opportun halten, schon jetzt, wo wir noch keine Erfahrung haben, eine Broschüre in die Welt zu lassen. \Vir werden vielleicht in der Zeitung, bei Gelegenheit, die Sache in irgendeiner Form streifen. Vfollcicht könnte jemand von den Verhafteten für -die Zeitung ein Artikelohen (5000 bLs 8000 Buchstaben) -schreiben, Für den Anfong -der Diskussion dürfte es wohl das hesle •sein. Ich persönlich habe mir noch kein .abschließendes Urteil gebildet, und würde es v-0rziehen, •ehe ich mich festlege, mich er.st eingehend mit Genossen zu ·bespre• eben, die sitzen oder vor Ge11icht gestanden haben. Zur Einleitung einer solchen ßesprectmng wtlll ,ich nun meine -Erwäsungen 'Clarlegen. Vieles hängt meines Erachtens davon -ab, w a,s für ,e i n G e r i c•h t das sein wird. Das heißt, ob die Möglichkeit besteht, es zur Agitation auszunützen, oder ob gar keine Möglichkeit vorhanden ist? Ist dns erste der Frul, .so ist die Tak•tik Nummer 1 untauglich; ist das zweite der Fall, so ist .sie am Plntze, .aber auch nur nach einem offenen. eindeutigen encrgiischen Protest ,und -einer Erklärung. Falls jedoch die Möglichkeit besteht, dns Gericht zur Agilat.ion auszunützen, ist die Taktik Nummer 3 wün· schensweril. Eine Rede, in der eino ,prof.ession de foi abgegeben wird, wäre meiner Meinu ng nach überhaupt ,sehr wünschenswer.t, sehr nützlich .und 1llütte in den meisten Fällen Aussicht, .a.gitatorilSch zu wirken. Besonders ,in der ersten Zeit, wo die Regierung ein gerichtiliohes Verfahren anwend-et, sollten tlie Sozialdemokra-

*) Partei.deokname von St.nssown. GenoSiiin Stassown. .ist jetzt Vol'ISitzcn:dc tles Exekutivkomitees dc.r IRH und Voiisitzende der RH der Sowjetunion. **) Glaubensbekenntnis.

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tcn �it einer Rede über <las sozialdemokratische Programm und die 1So1>iaklemo­ k,rahs.chc Taktik auftreten. Man sast: es st>i nicht ratsam, sich al.5 Mitglied der P:nrtei, zumal -der Organisation, zu erkennen zu geben, ·man solJe sich lieber auf die Erk,lürung beschränken, daß man der Ucbcrzeuguns nach Sozia]demokrat sei. Ich -gla_u bc, -das Or.ganisationsver-hältnis solJte mnn in der .Rede direkt ffiJSschalten , �as heißt mnn ,soJl -sagen, frber Oiiganisabion.sv.eruiüJtnisse werde ich ,aus bcgreifhchcn Griinden nicht sprechen, ich -bin -aber Sozialdemokrat und werde von u ns .c r o r Partei spreohen. Ein solches Vor.gehen würde zwei VoTteile haben: e�. wi_nl nusdriicklich und genau festgestellt, daß man über das Organisalionsvcrlmllms _(Z ugehörigkeit zur Organisation, �u welcher ·usw.) nicht sprechen dürfe, ll!1 d g.J�1chzcitig wird von u ns -c r e r Partei gesprochen. Das ist notwendig, 'C.lamit die soz ialclemokra-lischen Reden vor Gericht z-u Reden ·und Erklärungen der Partei wc.rden, cl,amit die Agitation der Partei zusutekommt. Mit anderen \Vorten: mein formales Or.ganisalionsve-r hä-ltnis Jasse ich unerörtert, das ver.schweige ich, formell wcrcle ioh nichl im �amen irgcndei:ner Organisation sprechen, aber ich werde vor •euch nls .Sozfaldemokrat über u n s e r e Partei sprechen, und bitte, meine Erkilärungcn als cincn Ve.nsuch anzusehen, jene 15ozialdemokrnlischen Auffassun• .gen -dnrz,ulegen, die in u n s e r e r gesamten sozialdemokmtischen Literatur, in den und den ·Broschüren, Flugsd.1riflcn, Zeitungen -entwickelt worden sind. Die Rechtsanwaltfragc. Die Rechtsanwälte muß man unter der Fuchtel hallen und •unter Bolagerungszustnnd stellen, denn dieses Intcllcktuellenpack macht oft Bockmi-s t. Man muß ihnen von vornherein erklären: wenn du, Hundesohn, dir -auch nur <lic allcrger.ing.ste Unanständigkeit o ,d er ,ein c n p o l i t i s c h e n 0 P P o r tu ni s m u s erilauben so1Uest (etwa von der Unreife, der Unriohtigkeil des SozktHsmus , von Schwiirmer-ei, von -der Verneinung der Gewalt durch die Sozk11ldcmokra.ten, von dem .friedilichen Char.aikter -ihrer Lehre und ihrer fü�,,·c.gung usw. od�r von etwas Achnlichem zu sprechen), so werde ich, der .Angeklagte, dich auf der Stelle öffcntilich unterbrechen, werde dich •einen Schuft nennen, werde erklür.en, daß ich n,uf eine soloho Verteidigung verziohte usw. Und diese Drohungen -auch verwirklid:ien. Man soll nur gescheite Rechtsanwälte· nehmen, andere braucht man nicht. �fan soll ihnen von vornherein erklären: .ausschließlich ktiti• �ieren und die Zeugen, sowie den Staa:tsanwalt bei der Nachprüfung der Tatsachen «fongen> 'Und die Machenschaften der Anklage festnageln, ausschließlich die semjakiscl1en Seilen des Ger.iohtc.s diskreditieren. Selbst -ein k,lugor Jiberaler A<lvokat j,st !Sehr >geneigt zu sagen, od.er d u r-ch bHc k e n z u l.ass-en, daß die sozialclcmokratische Bewegung friedlid.1 sei, daß selbst Männer, wie .Adolf \V.agner, ihre kulturelle Rolle anerkennen usw. .Alle derartigen Vel"suche müssen im Keime •unteflhun<lcn werden. Die Juristen -sind die reaktionärsten :Menschen, wie, ich glaube, Bebcl gesagt hat. Sclmster, ,bleib bei cleinem Leisten. Sei nur Jurist, verspotte die Zougen der Anklage und den Staatsanwalt, ·höchstens darfst du ein solches Gericht dem Geschwo.rcnengerid1t in einem freien Lande gegenüberstellen, aber lasse die Ucberzcugungen des AngeklUt,;len beiseite, unterstehe dich inicht, auch nur -mit cinem Ton anzudeuten, wie du ,seine Uebcrzeugung 1und seine Handlüngen bewertest. Denn du, ein jämmerlicher Liberaler, wie du bist, kapierst diese Ueherzcugungcn is·o wenig, daß es, selbst wenn du sie fobst, ohne Fndheitcn nicht abgehen wird. Na·tü-111ich darf man d-as alles dem Rechtsanwalt nicht ,,;ie ein Sobakewil·sch sagen, sorudern liebenswü-rd,ig · , konziliant, gewandt und behutsam. Jmmerhin aber ist es besser, ,sich vor den Reehtsanwälten in acht zu nehmen und .ihnen nicht zu -lra.uen, b e s o u d er s wenn ,sie sagen, sie seien Soz.ialdemokraten und Mitglieder <lcr Partei flaut unserem § 1 II). Di.e Frogc d.cr ßoteiligung am Gel"ichtsvorfahren w1rd, glaube ich, durch di.? Rechtsanwa,ltsfrage cntschicclen. Einen Rechtsanwalt bestellen, heißt ja, sich -am Ger:icht•s verfahren beteiligen. \Varum -sollte man -sict1 .auch nicht beteiligen, um die Zeugen fangen und gegen <las Gericht agilicr-cn 2lU können. Freilich muß man sehr vonsichtig sein, um nicht in den Ton einer umfassenden Rcchtfcr_tiguns 7.•U verfallen, darüber erübrigt ,sich jedes \Vorl! .Am besten ist es, sofort, vo r der Beweisaufnahme, auf die ersten Fragen .des Vorsitzenden zu-: crklären, man sei Sozialdemokrat -und weroe in der Rede ausführen, w.as dies bcdeult>. Konkret

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hängt dio -Ent.,cheidtmS der Frage nach der -Betciligung am Gerichtsverfahren ganz von den Umständen ab; angenommen, daß man vollkommen überführt· ist, dalS die Zeugen die \Vahmcit sngcn, daß die 9mze Anklage in der Hauptsache auf unbestreitbaren Dokumenten beruht, dann wird es vielleicht keinen Zweck ha•ben, sich run Ger.ichtsv('rfahrcn z,u beteiligen und man sollte alle Aufmel'lksamkcit auf eine prinzipielle Rede richten. Wenn tlagegen die Tolsnchcn vage \Sind, diie Zeugen der Gi;i1eimpolizci .sich in \V:idersprüchc vcrwäckdln und 1Schwind-cln, dann dürfte es kaum angebracht sein, .sich des Agitationsmaterials zur Entlarvung der Gerichtsmnchc zu berauben. Die Sache hängt -auch von den Ango.klagten .ab: wenn sie .1ehr ermüdet, krnnk, abgespannt l'lind, wenn keine in der cger.ichtlichen Beweisführung, und fa 1"cdncrischcn Kämpfen gciibtcn Leute vorl1::tndcn sind, dann wlrd es vielleicht rationeller sein, auf -die Teilnahme am -GerJchtsvcrf.a.hrcn zu verzichten, dies zu erklären und die ganze Aufmerksamkeit auf eine prinzipielle Rede z:u vichtcn, die vorher vovbereitet werden sollte. JcdenfoJls dst eine Rede über die Grund�ätzc, das- Programm und die Taktik der Sozfa1ldcmokratie, über die A,rbeitcrbewcgung, über die .sozialistischen Ziele, über den Auf,!it:md das W.ichtigste. Zwn Schluß -wiederhole ich nochmals: dies .9ind meine vo11lö.ufigen Erwägw1- gen. die nichts weniger -als ein Versuch sein .sollen, d-ic F,rage zu entschcrocn. Man muß .abwarten, was die Erfahrung zeigen wir<l. Dei· der HernusaTlbeilung dies& Erfahrung aber werden sich .die Genossen ,in sehr vielen FiiUen von dem Abwäge• der konkreten Umstände und dem Inst d n kt d e -s Re,. -0 •l u •li o n ä r s eleiten las­ \1en müssen.

Herzlichen Gruß an Kurz, Rubcn, .Baumann und ,aille Freunde. Verzast nich U Bei uns gehen die Dinge jetzt gut. Von den Skandalisten haben wir uns endlich losgemacht. Mit der Taktik des Rückmis,os äst es n'lln vorbei. Jetzt sind wir in der Offensive. Die russischen Komitees beginnen -0bcnfalls mit den Dcsor{;'anisatio­ n(.'tl zu brechen. Eine -eigene Zei-tun-g ist .gegründet. Ein oigenes praktisohes Zen­ t.rum (Büro) ist da. Von der Zeitung -sind zwei Nummern ersehiencn, in diesen. T.agen (23. Januar 1905 neuen Stils) -crsd:leint die dritte. \Vi.r hoffen, 6ic ,Yöchcntlkh erscheinen fassen zu können. loh würucho Euch Gesundheit und guten Mut: Wir wer<lcn uns noch bestimmt sehen ,und wir werden unter ,besseren Bedingungen .kämpfen ,als bei dem hiosigen Tratsch und Gezänk in der Art der Ligakongrcssel . ,c.

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IMopr-Verlaq Zürich-Paris

F. r ii h t• r � i 11 <l 1: r � c h i c n c 11:

«Angcklnglcr Hitler». Augenzeugen- uncl Tnhnchcnbt·richlc aus Deut,chlnnd (vorgriffen) 20 Rp \'or der Justiz des Feindes. Die jurislbche Hilf c der IRH 20 Rp. Die Unlu�z!ihmhnren, von N. L. \V:.llin. Die ArbC'itcrjugend 1m Knmpfc gc-gcn weißen Terror, Faschismus und Krieg :W Hp. Hie lntcrnntionnle Soliclnritlit mit ckm clculschen Prolct:ui�t. Die IUJfa. aktion <.ler IIUr 10 Rp. e D r StuJin.JCnnnl (\Voißes Meer-O�tsec). Ein Doppelsie g im soziafütischen Aufbau ckr Sowjt'tunion. Von G. Gcrmnnclto. Illustriert. WRp. Ein Gcs11cns l �cht um, von Theodor Dalk. Tntsnchenbcricht aus Deulschlnncls Ko11zc11trationslng1•rn und Gef:ingnissen, mit Vorwort E. E. Kisch 20 Rp. Clnrn Zctkius ltuf zur inlcrnntionnJen Solidarität nu,; Schriften Clnra Zetldns mit einem Von,·ort E. D. Stnssowns und viclt•n Illustrationen 30 Rp. D ie l(aul on<'r l{ommune und der l{:impf gegen den weißen Terror in den Kolonien und Halbkolonien 20 Rp. Der Mnltcottifonds bt l'ine Waffe der Kontcr.revolution. \'on G. Contrerns 20 llp. Dimih•off. Sein kiihlll'!'> Auftreten nuf dem Prozeßvl•rbrN:hen ,·011 Lcipzis. Illustriert 30 Hp. Uml die Schuldi�cn regieren weiter. Reich illustrierte Broschüre über den Hcichst-:igsbrnndprozeß 30 Rp. •Ot� "'crktUUgcn tlcr ,velt TCrtclcligen die Arbeilerklassc Dcu&s<-hlands. 1-i Millionen Hotcr Helfer an <lcr Solidaritätsfront 15 Jlp. FollerhiHle Sonnenburg. T.atsnchcn- und Augenzeugenbericht eines ehem:lligcn Schutzh:ifllings 30 Hp. Vcrhindt•rt den Mord an Ernst Thiilmann, aus Knmpf und Leben des Führers der deutschen Arbeiterklasse 20 Rp. Gnlgcn In Oestcrrclch. Der hcldenhnffc Aufstand des österreichischen Pro­ . lelarints. Illustriert. 20 Rp. Bel d�n FumtJlcn der Fcbrunrkiimpfer in- \Vicn. Erlcbnb!:le der ersten Fr.:rncndclcgation der JHH 20 Rp. l{um1•f den lmperlalislischcn Krlcg�hclzcrn. Zum 20. Jahrestag <les Ausbruchs des imperialistischen \Vcltk.rieges :.?O Hp. Frnuen unter faschlslischtm Terror. Frauen in der Solicluritäts• und Kampffront! :W Rp Gcst�po. Tatsachenberichte aus den Kerkern und Konzentrationslagern Deulschlancls 20 Rp. Trotz faschistischem Terror Illegal an der SolldarlUilsfront. Die Rote Hilf c auf dem Knmpfposten 20 Rp. Die lu den ICcrkcrn 1\lussollnls sterben, von Romain Holland 20 Rp. Koloman ,valllsch. Das Leben und ·Sterben eines Rcvolulionüu · :.?O np.

...' Alle SchrHten sind erhältlich in den J\rbcitcrbuchh:1ndlu11gc11, bei den Kolporh!u­ . .. ren der Roten Hilfe oder direkt heim Mopr-Vcrlaj:!, Zurich, Jn�cfstrnß ct-48

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