ROTE HILFEDIGITALE BROSCHÜRENSAMMLUNG
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Historische Broschüren · 51 Seiten

Anklage gegen Zörgibel

Die Broschüre klagt Polizeipräsident Zörgiebel wegen des Berliner Blutmai 1929 an. Augenzeugenberichte über Schüsse, Misshandlungen und Verhaftungen werden mit Kritik an Polizeiberichten, Strafverfahren und der politischen Verantwortung verbunden.
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Eigentum: le"f1't'.'ll<omif ee der SE . ' , BlßLIOTH K-ARCJ~;v tlERlfH M -~ fN f IJDfl DfN DllJfflAI ' 1, Zusan1mengebrochene Anklagen ~ ein S.chuldbeweis ! .. Am 23. Mai ereignete sich vor dem Amtsgericht Neukölln ein in der Qesthiclite der deutschen Justiz einzig.­ artiger Fall. Vor dem ordentlichen Gericht sollte der erste ProzefJ gegen di,e in den blaligen Berliner Maitagen verha/tete1t Arbeit er steigen. Angeklagt ,varen drei junge Arbeiter aus Neukölln, die 19jährigen Gebrüder Rauh er. der 20jährige Klempnergeselle O i er s c h, die beschuldigt ,varen, am 2. Mai in Neukölln durch Aufruhr und sch,veren Landfriedensbruch die deutsclle Republik so sehr ge/ältrdet za haben, dap zu i!irer Rettung die Bilrgerkriegsmastlrine, rur Panzerwagen, Mastliinenge ,wehre der Polizei in Bewegung gesetzt, drelssig Menschen getöte~, über achtzig schwerverletzt, . Hunderte leichter verletzt und über zweitausend Verhaftungen / vorgenommen ,verden mußten. Solche Ereignisse sind selbst in unserer Blutvergießen gewohnten Zeit keine Kleinigkeit. Und wer an die Schuld der Arbeiter und an die Nohvehr des Staates gegenüber den verhafteten · und angeklagten Arbeitern glaubte, der mußte mit hohen Zuchtha,usstrafen für die Beschuldigten rechnen. Es kam anders . :Nachdem das Gericht als Zeugen lediglich ' Polizeibeamte ve~nommen hatte, die gegen die Angeklagten Arbeiter ungeheure Beschuldigungen erhoben, \Vurde die weitere Durchführung des Prozesses durch ein einzigartiges Ereignis unterbrochen. Die Verteidigung der Angeklagten bot dem Gericht an, 1 5 0 Zeugen beizubringen, die alle ii(bereinstimmend nach,veisen würden, da/J die Anga&en Mr Polizei unwallr sind. Und allein diese Zeugen11e1111u!lg vert.:1ta /Jte den Staats an ivalt, plötzlich die U 11terlassung. ;cder ,veiteren Zeugenvernehmung ztl beallfragen, da er die An{!aben der Angeklagten als wahr unterstellen ,volle. -und desllalb den Freispruch beantrage. Und so ettfschied das Qericht: die drei Wochen in Untersuchungshaft gehaltenen Arbeiter, geg·en die erst so sclnvere Beschuldigungen erhoben \VUrden, \Vurden freigelassen. Der 6e­ i.gonllene Prozep nie/lt za Ende gefiilzrt. * • Es müssen sch,verwiegende Gründe ge\vesen sein, die einen deutschen Staatsanwalt veranlaßten, seine gegen Arbeiter ausgestreckte Hand plötzlich zurückzuziehen. Daß

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\ r. ... 1 -2- dies bei der Nennung von Entlastungszeugen geschah, zeigt, ,vo diese O r ü n de zu suchen sind, näm~ich in der Angst vor dem 'Nach weis der Blatscliald der Berliner · Polizei und ihrer ·Auftraggeber. = Dabei war dieser erste Prozeß vor einem ordentr ' . liehen Gericht bereits die drifte derartige Niederlage der· Staatsan,valtschaft. Als die letzten scharfen Schüsse in den Berliner Straßen verhallt waren, als selbst die bürgerliche Presse nach dem Sinn und dem Grund dieses fürchterlichen . Blutbades zu fragen . begann, hieß es für die Justiz, unter den z,veitausend Verhafteten Schuldige zu suchen, denen man vor der Oeffentlichkeit die Verantt. _ wortung für das Blutvergießen aufbürden könne. Der Schnellrichter beim Berliner Polizeipräsidium versuchte, den Anfang zu machen. Das Ergebnis war eine Niederlage der Staatsanwaltschaft. Es stellte sich heraus~• Arbeiter ,varen verhaftet worden, weil sie am 1. Mai auf der Bank einen Apfel gegessen hatten. Entlastungszeugen waren durch die Polizei systematisch ausgeschaltet worden. 'Die unschuldig Verhafteten waren von der Polizei brutal mißhandelt worden . Die Z\Vei Monate Gefängnis, die man dem Arbeiter Dr a ,., e für einen nicht be,viesenen !Schlag mit dem · Spazierstock aufbrummte, während man in den anderen Fällen zu . Freisprüdhen oder zu Verurteilungen nur wegen Waffenb'csitzes, ,vobei die Waffe ' ein alter Trommelrevolver ,var, kommen mußte, diese an den Haaren hemeigezogenen · Urteile konnten keine moralische Entlastung für die Berliner Polizei bringen. . : :Dann sollte das St an d g er ich t helfen. Das Schöffengericht Berlin-Mitte konstituierte sich plötzlich als \.Schnellgericht zur Aburteilung der Maiverh'affeten: um· auf jeden Fall Verurteilungen herbei zu führen, gab es keine Anklageschrift. Die Beschuldigten wußten also garnicht, ,vessen sie beschuldigt wurden. · • . Es gab keine Entlastungszeugen: die von den Ange- . k~agten der Polizei angegebenen Entlastungszeugen wurden .-.,.. ein/ach nicht geladen. , Es gab keine Verteidigung, ja der von der R _o t e n Hi 1 f e den Maiangeklagten zur Verfügung gestellte _Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Löwenpltal ,vurde vom Gericht kurzerhand nic/zt zugelasse,~. Aber selbst dieses Gerich'ts ... verfahren, von dem die „Vossischc Zeitung" am 14. Mai schrieb: ,,Aber garantiert nicht die Verfassung, daß niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen wer­ . den darf? Und hat bei diesem Verfahren der Angeklagte noch die Sicherheiten des ordentlichen 'Oerichts?. . . . Schuldig oder nicht, es ist der . (Zufall, der sie in die Hände der Polizei und f .damit vor den Richter gebracht hat". Selbst dieses Standgerichtsverfahren vermochte nicht, . .

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. . . • -3 I die von der Staatsan,valtschaft gewünschten Schuldbe,veise gegen die Berliner Arbeiterschaft zu führen. Es kam zwar zu Urteilen gegen Unschuldige von sechs bis acht Monaten . Gefängnis, aber mit diesen Urteilen ist zur moralischen Entlastung der Polizei nichts anzufangen. Nachdem aach diese Schnellgerichtsmetlwde versagt hatte, sollte das ordentNolw Oericltt kel/en und das Er-­ geb!lis war schon im ersten ProzefJ jener au/fällige Rück- zieher der Staatsanwaltschaft. ' · Wenn aber die Staatsan,valtschaft trotz aller Bemühungen, trotz An,vendung aller verfügbaren Justizme- . thoden nirgends ,virkliche Schuldige an den blutigen Vorgängen der Berliner Maitage finden kounte, waren deshalb keine Sc!tuldigen da? Im O e gen t e i 1 ! Der Zusammenbruch der moralischen Entlastungsoffensive der Staatsanwaltschaft für Zörgiebel ist zugleich eine beredte Anklage gegen i)ie Berliner Polizei. Die Zeugen, die die Berliner Gerichte nicht hören ,vollen, vor denen ein Staatsan,valt solche Angst hatte, daß er ohne jede weitere Vernehmuvg die Aussagen der sclt\vter beschuld5gten Angeklagten trotz des politischen Belastungszeugen, als ,vahr unterstellt~ sollen auch dann sprechen, wenn ein hohes Gericht sie nicht hören wollte. · Die llnklilf!e .t!eeen Zört!lebel. , ,In ,vochenlanger intensiver Tätigkeit hat der überparteiliche Ausschuß zur öffentlichen Untersuchung Zeugen um Zeugen vernommen, Dokument zu Dokument gefügt, Film und Bildbe,veise zusammen getragen, und aus allen diesen Dingen ergibt sich die Anklage gegen die Berliner Polizei, daß sie dreißig Schuldlose gemordet, einundachtzig iW ehrlose so schwer verletzt, daß sie ihr ganzes Leben lang daran zu leiden lzabe,i werden„ viel hunderffaclle Körperverletzungen durclt Ou,n­ miknüppellziebe, Revolver- und Oewellrsclzüsse begangen, mehr als zweitauselldfaclie Frei!zeitsberaubunE durch wdli'llose Verhaftung von StrafJenpassanten begangen hat. l 1 • • ; Obgleich uns nicht der behördliche Apparat · zur Verfügung steht, sind ,vir in der Lage, Be,veis zu Be,v~s. zu fügen, um Punkt für Punkt die Blutschuld der Berliner Polizei u~widerlegbar darzutun . • Der 1. Tote: Ernst Mai. Z w I i a m ·t l i c h e Be r i c 'Ir. t er s t a t t e r - -1 Lügen. Der Polizeipräsident ~Zörgiebel gab mehrere · Darstel-

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,,. .. .... " ., -4- lungen der Vorgänge vom 1. Mai. Das Kennzeichnende ist, daß jede anders ist, als die vorhergehende. ~m 2: Mai sprach Zörgiebel vor den Vertretern der P~es:ie. Dabei erzählte er: ,,In 39 · Fällen hat die Schutzpohze1 ge~tern in Berlin mit dem Gummiknüppel die Ordnung ,v1eder herstellen müssen in zwölf Fällen war der Oebrauclt der. 'Schußwaffen notd,endig". Schon allein die Zahl der Toten und Verwundeten des 1. Mai ,viderlegt diese Behauptung Zörgiebels. . , · . .. 'Am 7. Mai sprach Zörgiebel in der Funkbonarver- s$}mlung der S P.D. ,vo er nach dem „Vor\värts" u. a. ausführte: . „Nach den Meldungen vom Nachmittag des 1. Mai ,väre es bis gegen 20 Uhr o/zne Sclzußwa/ /e abgegangen, tausend Demonstranten \Vären durch Wasserschlauch vertrieben ,vorden. 22 Minuten später erreichte Zörgiebel dihe Meldung, daß man von der Schuß,vaffe hätte Gebrauc ' machen müssen". ~m selben Tage veröffentlichte derselbe Zörgi~bel aber im sozialdemokratischen Pressedienst einen Artikel über den Verlauf . des 1. Mai, durch den er sich selbst Lügen strafte. In diesem Artikel heißt es: '. ,,Bis zum Abend des 1. Mai ,var in keiner Stelle Berlins et,vas besonderes vorgefallen, abgesehen von de!11' .bedauerlichen Zivischenfall ani Hackeschen Marld, ,vo ein völlig unbeteiligter 'Arbeiter durch einen I abirrenden "Schrecksc!zufJ zu Tode gekommen ist." ~ G r z es ins k i, der preußische Innenminister, sagt wieder ehvas anderes. Am 13. Mai führte er im' Preußischen Landtag folgendes aus: (,vörtlich dem amtlichen Protokoll entnommen) · , ,, Im laufe des Tages fanden eine Reihe von kleineren Zusammenstößen anläßlich Auflösung der kleinen Demonstranten- und Demonstrationszüge und des Herausziehensi von Versammlungsteilnehmern aus den kommunistischen und aus den anderen Versammlungen statt, kleinere Zusam -:. menstöße am .Hackeschen Markt, bei Kliems Festsälen und am Senefelder Platz. · Bei diesen Zusammenstößen ist es tatsächlich zu den ersten Schießereien gekommen, und z,var - meine Damen und Herren, ich bitte Sie, Obacht zu geben - die Po l i - :1. e i !tat in diesen Fällen zuerst geschossen. Das sind di~ ersten Schüsse; die hier in Berlin gefallen sind, und Z\var hat die Polizei geschossen, ,veil sie von den Ko1n1nunisten 1µ,ul, Rot/ ronikämpf ern überfallen worden ist. , . (Hört,' hört! - Stürmische Zurufe bei den K~mm.) · Und z,var hat der Inspektionsführer am Hackeschen Markt und Schönhauser Tor selbst von der Waffe Gebrauch machen müssen, \Veil er mit wenigen Polizeibeamten von W,tzer Rotte von einigen hundert Ko'lnmunisten bedrängt worden ist. . . -

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-5 .- In Wirklichkeit ,var es eine Za/1l von "Bewa//neten, aber nie/lt Unbewaffneten". Wie die „bewaffnete Rotte'' aussah J Zeuge: Fraa Gabriele K., Lehrerin. ·. Ich begab mich um 11 Uhr vonn . von der Elisabethstraße kommend zum Hackeschen Markt . An der Oranienburger Straße sah ich einen Demonstrationszug zum Hackeschen Markt zukommen . Plötzlich ,vurden von der Polizei einige Schüsse abgegeben. ' Die Passanten flüchteten ,virr in den Straßen umher. Als Opfer der Schüsse sah ich drei Leute auf der Straße liegen, die sich in Schmerzen ,välzten. Sie wurden in Geschäftsläden und in Hausflure geschafft und von dort mit Krankenautos in ein Krankenhaus transportiert. Zeuge: Frau M. M. Ich ... sah, ,vie ein junger Bursche in das gegenüberliegende Haustor flüchtete, ,vobei derselbe ausrutschte und stürzte. Im · selben Moment kamen drei Schupo von der entgegengesetzten Richtung vom Hackeschen Markt un~ 1 stürzten sich auf den am Boden liegenden Burschen und schlugen unbarmherzig auf denselben ein. · ·Dann sah ich am Hackeschen Markt, ,vie Arbeiter fröhlich singend anmarschiert kam·en. Im selben Moment stürzten 10 bis 12 Schupo daz,vischen und schlugen müt Gummiknüppel, ,vohin sie trafen. Die Leute stoben auseinander. Sofort ,vurde dreilnal gesc!loss.en, drei Opfer lagen am Boden. Ein Bauch-, ein Becken- und ein Beinschuß ... Dies versichere ich an Eides statt. Zeuge: Else K. ,, ... Ich ging darauf die Ro„senthaler Straße entlang. Hier bemerkte ich, ,vie ein Mann von ehva 30 Jahren über den Damm nach dem Bürgersteig zu Wertheim ging. Er wurde von einem nacheilenden Grünen ohne die allergeringste Veranlassung von hinten mit dem Gummiknüttel auf den. Rüdqen geschlagen, so daß er hinten überfiel. Was ,veiter mit ihm geschehen ist, ist unbekannt.· Um ehva halb 1 Uhr befand ich mich auf Bülo,vplatz... , PlötzHch erschien -ein Lastauto, dessen Beamte ,vahllos • mit dem Gummiknüppel auf die auf dem Platz Versam- \ me1ten, nunmehr flüchtenden einschlugen . Dicht neben ·, mir bekam ein Invalider von ehva 50 Jahren, der am Sto~ ging und naturgemäß nicht ,vie die• anderen laufen konnte, 3 bis 4 Schläge mit dem Gummiknüppel auf den Rücken. Dieser Vorfall ist deshalb so empörend, ,veil dieser Mann nicht ·den · allergeringsten Anlaß gab. Ein anderer Beamter

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,: l - 6 - riß schließli,ch den Prügelhelden von dem Invaliden ,veg. Ich habe ,vährend zweiundeinhalb Stunden, die ich mich auf dem Büto,vplatz und rund um den Bütowplatz auf- , hielt etwa 10 Schüsse gehört. Ich habe auch gesehen, \ w~e 'ein M1ann in die Wade getroffen ,mrde ... \ Zeuge: Willi B. l ... Ich selbst war Zeuge uni.ähliger Vorgänge. Beispiel~weise hatte man einer an Schlaganfällen leidenden Frau mehrere Hiebe über den Kopf versetzt. Man hat sich nicht geschämt, auf die ,vehrlose bereits am Boden liegende n~ch ~inzuschlagen und sie zurü~zus_toße~, . bis Samariter sich ihrer annahmen und man sie 1n volhger Be,vußtlosigkeit vom Bülo,vplatz in ~in Haustor trug, hier die erste notwendige Hilfe anlegend. · _ .. ·u. a. ward am Vormittag am Hackeschen Markt auf einen geradewegs daherkommenden, sich in die dichte, den Sophiensälen entströmende Menge, verlierenden gänzlich unparteiischen Krüppel daringeschlagen, den m·an in der ersten sinnlosen Wut, da man sich verabredungsgemäß 1 auf die Versammlungsteilnehmer stürzte, übersah, ihn je­ l doch da jener von der allgemeinen die Menge ob des brut~len Eingreifens der Polizei erfassenden Panik zu ·Boden gerissen ward, gewahrten, und nun auf ihn dreinstürzten, ihm mehrere Hiebe und Fußtritte auf Kopf, Schultern und Beine versetzten. Der Aufforderung, aufzustehen, nicht Folge leis1end, nur . in jamm~rnde Laute, unter denen zu verstehen w'\r, daß er doch keine gesunden Beine habe, ausbrechend ,vard ih'm barsch geanhvortet: „Ich werde Ihnen gleich Beene machen", worauf ,vieder mehrere Schläge folgten ... · Die Sdtiessereien In Kllems Festsälen. Grzesinski und Zörgiebel geben in ihren amtlichen Mitteilungen nur zu, daß die Polizei bereits morgens um · 11 Uhr am Hackeschen Markt geschossen habe. In Wirklichkeit wurde · ungefähr .zur gleichen Zeit ein Feuerüberfall auf die Rohrlegerversammlung in der Hasenheide in Kliem's Festsälen durchgeführt. Die Branche der Rohrleger steht uriter oppositioneller Leitung, die sich denganz besopderen Haß der sozialdemokratischen Führer des J?eutschen Metallarbeiterverbandes zugezogen hat. Zeugenaassagen über den Feuerüberfall aaf l(liem's Fest- säle: '!,euge: ff. T., Kupferschmied. War am Montag, ·den 1. um 10 Uhr fn der Rohrleger- ~ versammluni in der Ha~enheide in Kliems Festsäle. Da der große Saal voll war, ging ich links in den kleinen Saal und hörte hier das Referat mit an. Am Schluß der Veriammlung begab ich mich rüber nach dem Großen Saal, wn mir eine · Maimarke geben zu lassen, die dort verteilt ,1 4

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r -, ,.. ., -7 wurden. Klebte diese in mein Gewerkschaftsbuch und wollte zur Straße gehen. Da stürmten die Kollegen wieder in den Saal, wenigstens einige und einer sagte: ,,Es geht schon los," damlt meinte er wohl die Schlägerei der. Schupo. Ich ging also in den kleinen Saal zurück, um von hier zur Straße zu gelangen, hier standen vor dem, Eingang mehrere Kollegen und sahen die Tätigkeit (die fieberhafte) der Schupo mit zu, die am Eingang zum .Großen Saal rumprügelten. Ich sah, wie ein Kollege herauskam und einer der Schupo lief hinter ihm her und schlug ihm drei oder viermal über den Rücken. Oleichj darauf rissen die Schupo ihre Revolver heraus, es mögen 6-8 Mann gewesen sein und schossen in den Torweg hinein. Hierbei sind ja wohl 'auch 2 Kollegen -. angeschossen \Vorden. Nun zogen · sie ·sich zurück zu der Sammelstelle an der Fichtestraße wo ehva 3 Offiziere und 40 Mann standen. Ich ging zur anderen Seite der Straße und nach 5 bis 10 Minuten lösten sie wieder den Trupp und gingen in den kleinen Saal hinein und prügelten die noch dort anwesenden Leute heraus. Es waren wohl die Vorsichtigen, die sich sagten, daß erst die Haufen draußen sich verlaufen müßten. Einer hatte wohl einen Schlag über die Backe erhalten, denn er hielt die Hand an der rechten Backe, einige kamen durch das Fenster: der Privahvohnung des Wirtes auf die Straße. Ich war nun wieder vor dem Lokal, da kam der Leutnant mit einigen Schupos anpatrouilliert, zu säubern gab's aber rein gar nichts, denn Passanten waren fast keine mehr. Plötzlich kam die Wirtin aus dem Lokal und forderte den Leutnant mit den Worten auf, sie m•öchten doch mal reinkommen, mein Mann möchte Sie mal sprechen. Der Leutnant war jedenfalls der Reviervorsteher, denn er begrüßte die Frau sehr zuvorkommend, ging sofort hinein, jedenfall.5 wie ich vermutete hat der Wirt durch Erstürmung irgendwelchen SclJaden gehabt. Nach einiger Zeit brachten 2 Schupos, die mit dem Leutnant mit hineingegangen waren, einen älteren Kollegen mit heraus und arretierten ihn. Es war derselbe, der mir die Maimarke verabfolgt hatte, und er hatte auch die Sammlung zur S~alm_iete mit zu verrechnen. 'Bezirksvorsteher H. teilt mit: \-" 1. Ich habe am 1. Mai morgens in der ' Haseriheide Kliems Fästsälen an der Branchenversammlung der Rohrleger teilgenommen. Als die Versammlung zu Ende war und sich gewisse durch die Polizei hervorgerufene Stauungen von • Menschenmengen auf der Straße bildeten, stü,rzte sich die Po1izei auf die Leute, verprügelte sie mit •dem Gummiknüppel sinnlos und trieb den kleineren Teil auf den Hof zurück. Dabei fielen ca. 15 Schuß, wodurch einige Kollegen verwundet wurden. Natürlich wollten nun einige Kollegen wieder hinein in den Saal und es entstand eine riesige Panik vor den Saaltüren, so daß mir selbst

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( I -8- die Hand gebrochen ":Urde .. N~chd~ ,vir '':.ieder ii:t1J Saal ,varen zog sich die Pohze1 zunachst zuruck. ~r. gingen· auf die Straße und b~ba~teten V<?n der gegenü~erliegenden Seite, wie die Pohzei erneut .. in den S_aal ging wtd die letzten An\\·.esenden herausprugelte. Die Leute kamen aus dem Saal gerannt. 2 Auf dem Wege nach Hause kam ich über den M~rit~platz. Auch dort befanden si~ riesige Polizeimassen mit pf erden die auf dem Bürgersteig standen. Es ,varen mehr Beamte als Publikum vorhanden. 3. Am Alexanderplatz und am Bülo,vplatz ,varen wüste Ausschreitungen der Polizei zu beobachten; die Leute ,vurden geschlagen ohne jed_en Anlaß. Alte, junge Leute, Frauen, alles ,v1irde rü~s1chtslos zusammengeschlagen, selbst noch auf den Polizeiautos. 4. Als Bezirksverordneter des Bezirks Berlin-Wedding hatte ich nun auch ein ganz besonderes Intere&se an der Beobachtung der Vorgänge am. Wedding. Ich kam nun abends gegen 7.30 ~hr _durch die Pa~kstraße und. sah zu meinem Erstaunen die 1n der Wedd1ngstraße errichteten ·Barrikacfen. Zur selben Zeit rückten 2 Polizeiautos atH und formierten sich sofort auf Befehl des sie begleitenden · Offiziers in Postenketten über die Straße. Diese Vorgänge beobachtete ich in Begleitung meiner Frau. Aus der Kösliner Straße erscholl ein dumpfer Schrei nach dem Sanitäter. Als daraufhin einige Sanitäter und einige Bewohner dem Rufe folgten, gab der Leutnant von der Pankstraße her den Befehl ZUtl} feuern . Aus_ ca. 15-20 Langrohrrevolvern ,vurde nunmehr auf das Publikum geschossen, das bestimmt nicht diesen Beamten zunahe getreten ,var. Die Schupobeamte11 machten auf ' mich den Eindruck, als ob sie erst ganz neu eingesetzt worden waren. . Jeder, der sonst noch des Weges kam, z. B: als ruhiger Passant oder von seiner Arbeitsstätte ,vurde teils mit dem Gummiknüppel bearbeitet, teils vertrieben. · Unter den Rädern des Polizeiautos. • 1 Aber nicht allein die Kugeln der Polizei forderten / bereits in den Mittagsstunden des 1. Mai Tote. Ein be- i. sonders krasser Fall der Polizeibrutalitäten ereignete sich gegeri 1 Uhr am Alexanderplatz, wo der• 24 Jahre alte Otto Quer n er von einem Polizeiauto überfahren und l\ getötet wurde. Der amtliche Polizeibericht spricht übe 1~ einen Unglücksfall. Während man sonst bei Verkehrsunfällen es sehr eilig hat, z. B. Lokomotivführer Weichen­ ,värte: usw:, ei~zusperren un_d vor G~richt zu 'schleppen, geschteht hier nichts gegen die schuldigen Polizeioffiziere. Und dennoch wäre gerade hier schärfste Bestrafung am Platze. Die Aussagen der Augenzeugen•,, über diesen . ,, Un:-- glücksfall" beweisen es: . .

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1 l l • j r r r f , 1 r 1 ., • ;,--• _. "(. • 'r ,,._.,.... • 7,,ll • . -9- Zeuge Minna F.: · Etwa um 1.45 Uhr befand ich mich auf der vom Warenhaus Tietz gegenüberliegenden Seite und bemerkte einen Schupolashvagen vollbesetzt mit Beamten in schnellster Fahrt in Richtung Alexanderplatz. Das Auto trug die Nr. ' 1 1 ~ 28 292. Ich bemerkte, wie plötzlich zwei Menschen • auf dem Trottoir nebeneinander lagen. Ich habe zwar nicht beobachten können, daß das Auto diese beiden Leute um- · gefahren hat. Als das Auto vorbei war, sah icli einen . Mann im Rinnstein liegen, der den Kopf zur Seite hielt. keinen Laut von sich gab und entsetzlich blutete. Die linke Schädelseite schien abgerissen zu sein, weH zum! Ohr herab etwas dunkeles herunterhing. Das Auto hielt unngefähr 10 Schritt von der Stelle, wo der Mann überfahren ist. Die Beamten sprangen vom Wagen. Anstatt sich um den Ueberfahrenen zu kümmern, schlugen sie wahllos links und rechts auf hannlose, des Weges kommende Passanten ein, um so etwaige Zeugen dieses Vorfalls zu beseitigen. Erst dann nahmen zwei Beamte den Mann auf und trugen ihn in Richtung Alexanderplatz nach mir unbekanntem Ziel. Zeuge Ernst L.: . . . Wir bemerkten plötzlich ein vollbesetztes Schupo­ Lastauto, das aus der Richtung Münzstraße ·herkam und· ,.. in rasendem Temp-0 fuhr, ohne Signal zu geben. · Das Auto fuhr so dicht am Rinnstein, daß das Chassis etwa 30-40 cm über dem Bürgersteig sich befand. Infolgedessen wurden etwa 5-6 Personen, die nahe am Rinnstein standen, u,ngerissen, darunter ein älterer Mann von etwa 60 Jahren. Wir bemühten uns, den alten Mann aufzuheben, mußten jedoch vor den Gummiknüppeln der vom Wagen herunter- ' springenden Beamten flüchten. .Zeuge Adalbert F. ·Das Polizeiauto Nr. IA 28192 (?) fuhr in einer scharfen Kurve bis etwa 20 cm an die Bordschwelle auf der Seite des Warenhauses Tietz und riß 5 Passanten zu Boden. Eine ältere Dame, etwa 60 Jahre, 2 ältere Herren, etwa zwischen 40 und 50 Jahren, und ein jüngerer Herr Im · Alter von etwa 24 Jahren. Der letztere wurde so s'cl1\ver verwundet dalß der Schädel auseJnanderklaffte, ,vobei das linke Hosenbein vollständig vom Körper heruntergerissen wurde. Während sämtliche Beamten vom Auto heruntersprangen, um den vier ersten Pass~nten_ zu helfen, ließen sie den 24jährigen jungen Mann mit semer schweren Verwundung ruhig liegen. Als Passanten de_m­ s:e1ben zu H:ilfe kommen wollten, unter denen auch ich mich befand wurden wir mit dem Gummiknüppel auseinandergetrieb~n während der kommandierende Offizier des Autos (Oberl~utnant?) . uns mit vorgehaltenem R~volver drohte. Nach etwa 2 Minuten packten Beamte den Jungen

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\ - 10 - Mann an Händen und f üß~ und warfen ihn ,vie ein Stück Vieh auf das Auto. * ( . Die Vorgänge; am Alexanderplatz haben der f ~lizei besondere Veranlassung gegeben, sich ihrer Humanitat _ zu brüsten weil dorf audt einmal mit der Wasserspritze gegen Menschenansammlungen vor~egangen \VUrde. D~ß trotzdem keine Veranlassung besteht, Lobgesänge auf d~e Polizei anzustimmen sondern vielmehr Anklage gegen d1e Polizei erhoben we;den muß, zeige1;1 die Zeugenaussagen über die Prügelszenen, dle sich am Alexan~erplatz absplelt~n ~ Zeugen. Paul und Else St.: · . Ein Schupo stand am Hydranten und spntzte Wasser auf harmlose Menschen, unter anderem auf eine Frau mit Sjährigem Kind, die allem Anschein nach ins Waren~aus ,vollte : Ein Mann in mittleren Jahren ging ruhig se1n~s Weges : Indem er den Fahrdamm überschritt, richtete die . Schupo den Schlauch auf denselben. Der Mann völlig durchnäßt, auch dementsprechend empört, dreht sich um und sclümpft a,uf die Grünen. Im HanduJndrehen sind vier oder fünf Schupos auf ihm mit Gummiknüppel und schlagen ihn zu Boden. Einer von diesen Schupos stößt wie ein ... Tier mit Krallen seine Finger in die Augen des Mannes. Sodann zerren sie ihn hoch und verladen ihn obendrein auf das Auto. t ,Zeuge Kaufmann ·August R.: Ich befand mich mittags gegen 1 Uhr auf einem Geschäftsgange zur Zentralmarkthalle und pa~sierte den Alexanderplatz. Mitten auf dem Platze \vurde ich von einer Gruppe von 5 Polizeibeamten mit Gwnmiknüppelhieben bearbeitet, so, daß ich heute noch das Gefühl der Benom ·­ menheit habe. Die Ursache zu diesem Ueberfall \Var meine ·Bemerkung, die ich allerdings halblaut vor mir hinge ·­ sprochen hatte, das iit ja unerh •ört, so auf wehrlose. Arbeiter loszugehen! Dies hörte ein Polizeibeamter, der deshalb ohne weiteres mit dem Gummiknüppel auf mich ei)lschlug. Als ich versuchte, die {Schläge abzuw..ehren, fielen die anderen vier Polizeibeamten mit ihren Knüppeln über mich her. Zeuge Elisabeth F..: ' ... Neben mir kam ein Herr aus dem Warenhaus Tietz und bekam im selben Moment einen Hieb über den Kopf, daß er taumelte. Als er nun den Mund öffnete, um zu sprechen, bekam er nochmals einen Hieb über den Kopf, er brach bewußtlos zusammen. Ein anderer Grüner wollte ihn aufheben, da sprach der erste .die klassischep Worte: La,ß den Hund verrecken, er verstellt sich bloß. Zum'

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J .. · - 11 - . Ueberfluß bekam er noch einen Tritt, daß er auf die andere Körperseite rollte. (Jedenfalls auch ein „Aufrührer"). Ich hätte dem armen Mann gern geholfen, aber meine Kraft war zu Ende, zumal ein alter Mann dicht neben mir am Boden lag, über den alles wegtrampelte. Neukölln. Hrleesberlch1erst oflonl!. In den Tagen vom 2. bis zum 5. Mai erlebte die Kriegslügenberichterstathtng fröhliche Auferstehung. Es ist hier nicht der Raum, alle diese Phantasieprodukte amtlicher und halbamtllcher Berichterstatter über die Berliner Maivorgänge wörtlich zu veröffentlichen. Nur einige der krassesten Fälle sollen für immer festgenagelt werden. Neukölln und der Weddi1.1g waren nach diesen Kriegsberichten die Zentren umfangreicher bewaffneter Angriffe auf die Polizei. Ueber den 1. Mai in Neukölln hieß es in diesen Polizeimärchen: „Am Hermannplatz begann gegen 8 Uhr die Haltung der Kommunisten gegen die Polizei bedrohlicher zu werden.. . Es fielen von allen Seiten Schüsse, auch aus den Türen und Fenstern der umliegenden Häuser.. . Zahlreiche Straßenlaternen sind durch den Kugelregen zer- ~ .. t " ( T " M .) \rumm er . . . ,, em po vom 2. a1 . : ,,. . . krachte plötzlich aus der Mitte des Menschenhaufens heraus eine Salve von scharfen · Schüssen, ein Polizeibeamter brach zusammen; als die Beamten nur einen Augenblick zögerten und ebenfalls ihre Schußwaffen zogen, warfen sich aus der Menge heraus eine Anzahl junger Burschen auf den niedergeschossenen Polizeibeamten ... " (so die „Vossische Zeitung" vom 2. Mai). ,, . .. in das Schnellfeuer mischte sich das Krachen der einschlagenden Geschosse." (so die „Deutsche Zeitung" vom 2. Mai). 1 ,, • •• einwandfrei feststeht, daß von kommunistischer Seite Schußwaffen, auch sch\vereren Kalibers verwendet worden sind . . . Banden . . . die vorzüglich organisiert waren, einen regelrechten Vorpostendienst und ein Hauptquartier unterhielten und zentral geleitete Aktionen gegen einzelne von der Polizei besetzte Punkte unternahmen ... Auf ein Hornsignal verlöschten plötzlich die Gaslaternen .. Ein Polizeibeamter, der im Hausflur erschien, \VUrde von einer Salve empfangen. Glücklicherweise streifte eine Kugel den Polizisten nur. Die Polizeibeamten erwiderten dann das Feuer und vertrieben nach einer halbstündlichen Belagerung endlich die ,Angreifer ... wieder festgestellt worden, daß ~ie Leute, die die Polizei beschossen haben,

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. ., 12 - über modernste Waffen verfügen, über Oe,vehre, Karabiner und Revolver schwersten Kalibers; der Munitionsaunvand, der von den Kämpfl!nden betrieben ,vird, ist so groß, daß er nur von zentraler Stelle aus gedeckt ,verden · kann. • In Neukölln und · am Wedding sind in den beiden letzten Nächten von den Aufrührern mehrere tausend Schuß abgefeuert worden." (,,1Berl;iner Börsen-Zeitung" vom· 3. Mai). : ,,Forhvährend ,vurden gestern die Straßen vo11: Dachschützen unter Feuer gehalten." (,,Vonvärts" vom 1 4. Mai). In der Sitzung des Preußischen Landtages vom 13. Mai las Innenminister Orzesinski einen Polizeibericht über. den 1. Mai vor, in dem es heißt: ,,Gegen 1-4 Uhr nachmittags fielen im Bezirk Neukölln bei Räumung der Hermannstraße aus einzelnen Häusern Schüsse auf die vorgehende Polizei. Durch Stein,vürfe ,vurden bei dieser Gelegenheit vier Beamte nicht unerheblicq verletzt. . . . Während es gelang, am Bülo\vplatz sehr schnell Ordnung zu schaffen, nahmen die Verhältnisse in Neukölln und am Wedding nach Eintritt der Dunkelheit immer ernstere Formen an. In beiden Stadtgegenden mußte die Polizei von der Schuß,vaffe Gebrauch machen, um sich der heimtückisch aus Fenstern heraus und Dächern herabschießenden Aufrührer zu envehren .... Während so im Norden im Verlaufe der Nacht nur vereinzelte Schüsse gewechselt wurden, mußte sich die Polizei im Neuköllner Bezirk der zahlreichen Dach- m1d Fensterschützen durch: lebhaftes Feuer erwehren." Soweit die Kriegsberichte. Stumme Zeugen · gegen die Polizeiberichte. Zur Widerlegung dieser Kriegsberichte amtlicher und halbamtlicher Stellen bedurfte es zunächst überhaupt keiner Zeugenvernehmung. Allein die Tatsachen der amt~ liehen Feststellungen über Waffenfunde, in den streng, abgeriegelten Gebieten, der Obduktionsbefunde der Leichen und die gefundenen Geschosse bei Verwundeten, so,vie. ebenso die amtliche „Verlustliste" der Berliner Polizei, beweisen die Verlogenheit dieser Kriegsberichterstattung. Modernste Waffen scll\versten Kalibers heißt es in diesen Polizeimärchen. Gefunden ,vurden aber nur bei den Haussuchungen, ,vobei in den Wohnungen das unterste zu oberst gekehrt wurde, einige Trommelrevolver, einige Seitengewehre (Kriegsandenken) eine Scheintotpistole, eine unscharfe Granate, ebenfalls ein Kriegsandenken. ' .. , :J?ie Obduktionsbefunde der Getöteten ergaben, daß sälmthche Toten, bei denen noch Geschosse vorgefunden ,vurden, durch Geschosse der Polizei ihr Leben: lassen mußten. Das Gleiche wurde bei den Verwundeten festgestellt. Dazu kommt, daß die Mehrzahl der Getöteten

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.. -.. - ---r .. - . ....,. ... -13- und Verwundeten Schüsse durch den Rücken oder etwa gar durch die Fußsohle erhalten haben, daß sie also bei der Flucht beschossen ,vurden. ,In allen den oben zitierten Kriegsberichten wird von dem Kugelregen gesprochen, der auf die Polizeibeamten aus·ges·andt ,vurde. Einer dieser, Berichte ,veiß sogar von einem in Neukölln zusammengeschossenen Polizeibea.mten zu erzählen. Die amtlich'e Verlustliste der Polizei aber zählt nur einen einzigen, durch einen Schuß verletzten Polizeibeamten auf, der sich überdies selbst in die Hand geschossen hat, und diese Unvorsichtigkeit nicht in Neukölln . . . beging. Während diese Tatsachen die Unwahrheit der Polizeiberichte zeigen, beweisen die Augenzeugenbericht~, daß hier gelogen ,vurde, um die eigene Schuld zu verdecken. Die „Lammsgeduld" der Polizei. „Die Polizeibeamten haben während der ganzen Zeit eine Lammsgeduld an den Tag gelegt, die bewunderungs­ ,vürdig ist", s o sagte Innenminister Grzesinski am 13. Mai im Landtag. Und so sah diese Lammsgeduld aus: • Wie es begann. Zeuge Volkmar a., Nealtölln. Am 30. A p r i 1 1929 gegen 8 Uhr abends erlebte ich auf dem Wege durch die Hennannstraße in N,eukölln folgendes: : In der Nähe des Kinos „Mercedes-Palast" standen 3 oder 4 Autos mit Polizisten, etwa 50 bis 60 Meter davon ,varen 6 bis 8 junge Leute, die etwas vom' 1. Mai riefen. · ;Der zu den Polizisten . gehörige Offizier rief den Leuten den Befehl zu „die Rufer zu vertreiben", die Polizisten stür2Sten von den Autos auf die f r i e d l i c h vorbeigehenden und untenstehenden Passanten und schlugen wie wild auf dieselben ein. Ein Mann, der sich~ da er unbeteiligt war, mit seiner Frau, in einen Hausflur stellte, ,vurde aus dem Flur herausgerissen und unter fortwährenden Schlagen die Straße entlang getrieben. Trotzdem die Passanten alle im schnellsten Laufen ,varen und somit der Zweck der Räumung eigentlich erreicht war, gaben sich die Polizisten alle Mühe, die Flieh'enden einzuholen und weiter zu prügeln. Zeuge Paul Sth*, Berlin 0. 27.: ! Wir wohnen in der Andreasstraße, Mitte zwischen Andreasplatz und Blumenstraße, . resp. Große Frankfurter Straße auf der. Seite Tietz-Warenhaus. · · Es ,var am 1. Mai, vormittags 10.15 Uhr, als der Tumult begann. Ich bin Schwerkriegsbeschädigter, zumeist des Tages bettlägerig. Auch an diesem Tage lag ich zu dieser Zeit noch im Bett als mich meine Frau ,veckte

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, 14 - mit den Worten: ,,Mann, da mußt Du s~on wieder mal versuchen, etwas Iänroere Zeit auf zu sein, denn heu~e gibt es sicher vieles und nichts Gutes zu seh·en, denn d~e Schupo muß gut zu f rühs_tüc.k gegessen _ha?en, denn . die hauen schon tüchtig dazwischen, aber wie ich beurteilen kann, grundlos." , Ich zog mich, so schnell · es ging, an uncf ging zur Vorderstube ans Fenster. Nicht zu vergessen, ,vir hatten auch ' unser Wahrzeichen der Gesinnung, die rote Fahne, zum Fenster hinaus hängen. Da es nun etwas ,vindi_g ,var. hatte sich diese ver,vfück'elt und ich versuchte, diese zu glätten, ,vobei sich me'in Blick au~ auf di~ Straße lenkte und in diesem Moment mußte ich schon die Wahrnehmung machen, daß ein Schupo gleich einen ander~n mit dem Oummliknüppel auf dem Arm tippte und mit der anderen Hand zu uns hinaufzeigte und hierbei einige W-orte sprach'. Also ,varen diese Leute anscheinend schon vorher scharf gemacht ,vorden, und diese rote Fahne ,var ihnen _ ein Dorn im Auge. Hierzu ist jedes ,veitere Komrnentar überflüssig . .. Nun einige Beobachtungen: Ein Lastauto kam von der Großen Frankfurter Straße in die Andreasstraße reingef ahren, hielt vor dem Hause 54, ' hier sprangen die Leute vom Auto und sch,värmten sofort aus und schlugen ohne vorlrerige Aufforderung und ohne ~tivas zu sagen, auf alle Passanten, Groß und Klein, Alt und Jung, nzit deni Gummiknüppel ein, was sich in die Flure und Häuser flüchtete, wurde buchstäblich l;erausgezerrt, und nicht nur ein Mann nahm sich auch· nur einen Mann oder eine Frau vor, nein, drei, vier Schupos vergriffen sich sofort an einer ,vehrlosen Person und schlugen . unbarmherzig auf diese drauf los, daß es ein Jammer und Skandal ,var, dieses mit ansehen zu müssen. Ein blutjunger Le1;1tnant, der dieses Kommando führte, schlug selbst ohne RückSiicht aµf die Person l}lit dem Gummiknüppel zw'Jschen, und so ging es von einer halben Stunde zur anderen, immer ,varen es andere, die wohl ihre Streifen machten, hier absprangen und sich an ruhige Passanten ihr Mütchen dämpften. : :Dann sahen ,vir, wie an der Straßenbahnh 'altestellc vis-a/vis Tietz eine ältere Fr{lll, mit einem Kind auf de11i Arm niedergeschlagen ,vurde . . . . Zeuge: Max R., Graphiker, ' BerUn-Neu'kölln. , · Ich befand mich am' 1. Mai um 14 Uhr auf einem Gange zu meinen Schwiegereltern nach der Steinmetzstraße 65 in Neukölln. Nach einem Spaziergange bin ich wn ehva 20 Uhr mit .meinem Schwiegervater in eine Schen~irtschaft _ vis-a-vis der Wohnung meiner Schwiegereltern m_ der ~te1nmetzstraße eingekehrt. Ehva um 23 Uhr machte ich mich auf den Nachhausewe2'. Die Steinmetz- • , -

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15 - straße war bis herunter rur Hennannstraße vollkommen leer und nur zum Teil beleuchtet. Als ich in die Hermannstraße einbog, bekam icb im Vorbeigehen aus einem Tor- - weg plötzlich Öummiktzüppelhiebe von Polizeibeamten über die linke Gesichtshälfte. Infolge der Wucht der Schläge (s'türzte iclt zu Boden. Im Stürzen noch bekam ich' ,veitere Gummiknüppelhiebe über das Kreuz, die mich bewußtlos machten. , · Zeuge: K.rd/tdroschkenbesitzer Franz R., Berlin-Nelikölhz. ,, ... Ehva um 4 Uhr bemerkte ich und meine Augenzeugen, metine Mutter, Schwester und meine Verlobte, ,vie an der Ecke der Kaiser-Friedrich- und Friedelstraße in Neukölln ein des Weges gehender junger Mann von mehreren Beamten mit den Gummiknüppeln über den Kopf geschlagen ,vurde und zwar so ·furchtbar, daß er auf dem Bürgersteig liegen blieb und Arme und Beine von sich' streckte. Er wurde mittels Droschke von Sanitätern nach mir unbekanntem Ziel fortgeschafft. Diese Mißhandlung \var so fürchterlich, daß meine Mutter sie nicht mehr 1nitansehen konnte und demzufolge vom Fenster für einige 2-dt ,vegging. Berlin-Neukölln, den 6. Mai 1929. An das Versorgungsamt ·Berlin Auf Grund des Kriegspersonenschädigungsgesetzes vom 22. 12. 27 § 18 stelle ich, der Unterzeichnete Fritz Golds t ·e in, Neukölln, Zietenstraße 32, für meinen Sohn „ Hellmuth Goldstein, geb. am 26. 5. 1914 Antrag auf Schadensersatz sowie Schmerzensgeld in Höhe von 300 Mk. Ich behalte mir Erhöhung der Ansprüche vor, sobald sich ergibt, daß eine längere . Gesundheitsschädigung bei meinen1 Sohne eintreten sollte. · Oründe: Mein Sohn, der noch die S c h u 1 e besucht, stand am 1. Mai, abends 8 Uhr 30, mit mehreren Schulfreunden vor unserer Wohnung Zietenstraße 32. Plötzlich wurde ohne jeden Grund an der Ecke der Hermann:- und _Zietenstraße eine Salve abgegeben. Von Augenzeugen wurde. geseh~n, · ,vie ein Geschoß kurz vor meinem Sohn auf die Steine aufschlug. Im selben Moment brach mein Sohn getroffen zusa;mmen. Der Schuß der ein Q u e r s c h l ä g e r war, drang unterhalb des r~chten Knies ein und ging etwas tiefer wieder heraus. . · 'Die Entfernung zwischen dem Ort, wo die Salve abgegeben wurde und der Stelle, wo mein Sohn stand, beträgt 5-600 Meter. Zeugen für den Vorfall sind: (folgen 7 Adressen).

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.. f • .. . 16 - mörder, die die Polizei nicht finden will. Zeuge: Herbert F., Mechaniker, Neukölln. r Ich kam am ersten Mai um 23,30 Uhr von meiner Arbeit nach Hause und ,var ungefähr eine halbe Stunde zu Hause, als ich das Herannahen eines schweren Auto'­ mobils hörte. Ich ging mit meiner Sch,vester zusammen ans Fenster, dessen rechter Flügel geschlossen und dessen linker Flügel geöffnet ,var, um auf die Straße zu sehen. Hier bemerkten ,vir einen Panzenvagen von der Berg„ straße her in Ridhtung Lessingstraße fahr~n, dem ein Ueberfallwagen mit 15 bis 16 Polizeibeamten besetzt, folgte. Nichts Gutes ahnend, ging meine gerade an der Nähmaschine arbeitende Mutter an das Fenster, um den linken Flügel zu schließen. ils der Ueberfallwagen schon in Wagenlänge am Fenster vorbeigefahren ,var, fiel meine Mutter von einem Schuß reclzis neben der Ndse getroffen anz, und wa, sofort tot. Der Schuß ist hinter dem rechten Ohr herausgetreten . Ich konnte bemerken, daß die ß q­ dmten illre Revolver sdltußbereit nach oben hielten. Der letzte Mann auf der linken Seite des Wagens ,var, wie' ich und meine Schwester genau bemerkt haben, der Schütze. . 'Die Beamten hatten nicht die geringste Veranlassung, zu ~lzre,n Vorgillien, denn die StrafJe war vollkoninien leer. Ich frage noch meinen im ,Bett liegenden Vater, ob er den Schuß für Spaß oder Ernst halte. Im selben Augenblck fiel meine Mutter . getroffen um. Dieser Schuß \Var der einzige an dem 1. Mai, der in dem Komplex Z\vischen „ Lessing- und Bergstraße abgegeben ,vurde, denn meine Muter urid meine Sch,vester erzählten mir, gleich als ich nach Hause kam, daß bisher in diesem Komplex noch nicht geschossen worden sei. - Von der Feuenvehr ,vurde . meine Mutter in das Urbankrankenhaus geschafft, ,vo der Arzt den Tod bestätigte. -· Eirt oder zwei Tage später ging mein Vater mit meiner Schwester und mir ins Polizeipräsidium, "',vo ,vir von dem -­ ich' nehme an -=- Kriminalkommissar Damm zu Protokoll vernommen ,vurden. Auf meinen Hin,veis, daß ich in der Lage bin, bei Gegenüberstellung den Schützen herauszufin.den, bestellte mich der Kommissar Z\vei Tage später in die Poli~clkaserne in der Bouchestraße in Trepto\V, vormittags 11,30 Uhr. Als ich mit meinem Sch,vager um diese Zeit erschien, ,vurde mir von dem Posten vor dem Eingang zur Kaserne, der offenbar informiert ,vorden ,var, ohne daß ich ihn gefragt habe, mitgeteilt, daß der Kommissar vor mir in der Kaserne ge,vesen · wäre, und daß eine Gegenüberstellung mit dem Beamten nicht erfolgert könnte, weil der Kommissar die in Frage kommende Wagenbesatzung nicht zusammen bekommen hätte. Bis heute habe ich nichts ,vieder von der Polizei in dieser Sache gehört. Einen Schadenersatzantrag hat mein Vater bereits gestellt. I ,.

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.. .... • • J"-. - :} • • . . - 17 - Vom Glas Bier in den Tod • . ~euge: Otto Seiz., Neukölln. , , Mein . Bruder Willi Schulz, Neukölln, Selchqw.erstraße 28, 1st am 1. Mai abends in Neukölln gegen 10 Uhr erschossen worden. · Ich war am 3. Mai den ganzen Tag unterwegs, um Zeugen für den Vorfall aufzufinden und habe folgendes festgestellt: Ehva gegen 10 Uhr kam mein Bruder mif einigen Bekannten aus dem Lokal in der Jägerstraße Ecke Hermannstraße, wo sie ein Glas Bier getrunken hatten. Sie wollten sich nach Hause begeben. Es handelt sich keineswegs um Teilnahme an einer Versammlung, sondern sie waren nur einfach Gäste des Lokals gewesen, in dem auch noch andere Personen saßen. Als sie auf die Straße traten, kam ein Panzerwagen herangesaust, die Beamten riefen „Straf)e frei!", obgl~ich in der Straße gar nichts los war. Im. selben Monteni krµchten aber schon die Sclziisse und mein Bruder wurde durch einen Herzschuß getötet, bevor er sich in Sicherheit bringen konnte. Das Vorgehen der Polizei ist, abgesehen davon, daß zwischen der Abgabe der Schüsse und den Warnungsrufen keine ausreichende Zeit lag, und abgesehen davon, daß in der Straße gar kein besonderer Betrieb ,var, aber auch deshalb unverantwortlich, ,v'eil die Polizei ivissen muf)te, daf) um diese Zeit die H äas,ßr der.eits gesc!z'lossen slnd und Passanten der Straße infolgedessen gar nicht die Möglichkeit t/zaben, sich irgend ,~e in die Häuser hinein zu flücltie,iz oder auch sonstwie in Sicherheit zu bringen. Schüsse ohne Warnung! Zeuge: Friedrich Prestel, Neukölln . Ich bin bei der Firma Ernst S eh l in g, Neukölln, Knesebeckstraße 89 als Kutscher beschäftigt und befand mich auf dem Nachhausewege. Am 1. Mai, etwa um 8 Uhr abends passierte ich die Hermannstraße und bog in die Prinzh~ndjerystraße ein. Die Prinzhandjerystraße ,var völlig unbeleuchtet. Vor den Häusern sah ich tei~weise Gruppen von drei bis vier Personen stehen. An der Ecke Hermann- und Prinz Handjerystraße stan·den mehrere Last­ ,vagen der Schupo. Oli11e irgend eine Wanuz~zg .oder Aufforderung z11,11z A·us..einanderge_lzen etc. ~n die Pass~nt_en schoß die Schupo in die Prinz Ha.ndJer.ystraße h1nem. Ich bin dabei von /Jinfen unterhalb des hnken Schulterblattes getroffen worden; der Schuß ~~t oberhalb der linken Brust, ehva 5 cm von der Ac'hselhohle entfernt, heraus- getreten. · lnt Hausflur erschossen! Zeuge: H er,nir1u1 Bo11.arceitz. · Mein Sohn Paul ging kurz vor 7 Uhr abends (am

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t 18 - 2. Mai) und holte sicl] ehvas zu rauch~n. Er bl!eb noch" eine \Veile unten. Meine Frau bang1e sich nach thm, und sagte ru mir, ich gehe herunter und hole _ ihn herauf. S~e traf ihn1 im Hausflur an. Ich sagte zu 1hr: ~utter, _,vi_r ,vollen heraufgehen. In diesem Moment kam die Pohze1, sdnvännte in der Falkstraße aus, und gab Kreuzfeuer. Sie verletzte meine Frau in den Rücken, durch einen Schuß. Auf der Straße ,var es vollständig ruhig, irgelld welche .A1enschenansantmlangen waren nichi ztl sehen. Wie die Panzerwagen vorgingen! Zeuge: der Händler Oustav L., Neukölln, politisch nicht organisiert. r Am 2. 5. 29 ,var ich abends um ehva 10. 30 Uhr im •Begriff, von der Hei'mannstraße in die Okerstraße zu. gehen, als ich plötzlich das Gefühl eines dumpfen Schlages auf das Gesäß verspürte. Ich knickte zusammen und \Vurde von einigen jungen Leuten, die hinter mir herk~en, darauf aufmerksam gemacht, daß ich blute. Erst jetzt merkte ich, daß mein linker Stiefel voll von Blut ,var. Die beiden jungen Leute trugen mich nunmehr in ein Lokal von ,vo ich mittels Kranken,vagen nach dem Urbankrankenhaus. geschafft ,vurde. Es handelt sich um einen Stcchschuß in die linke Gesäßbacke. Die •Kugel steckt jetzt noch in der linken Leiste. Im Urbankrankenhaus habe ich mich 6 Tage befunden. Ich bin dann als gebessert entlassen ,vorden. Augenblicklich befinde ich mich in der Behandlung meines langjährigen Arztes, Dr. Lübke, Neukölln, Hermannstr. 116. Der Schuß auf mich ist von einem Panzer\vagen der Schupo gekommen, der sich in der Hermannstraße direkt vor dein Kino Südstern befand. Durch die· Venvundung bin ich heute noch am Gehen behindert. Ich habe auch des öfteren Schmerzen in der linken Leiste. Höchshvahrscheinlich ,verde ich mich ,vieder i~ Krankenhaus begeben müssen. 1 .;, . \.Vie der australische Journalist starb! ?Zeuge: Alf red B., Arbeiter. A,n 3. Mai ~bends - ,vir ,varen am Tage ziemlich viel unterwegs gewesen, um uns alles Mögliche anzusehen - ging ich mit ejnem Freund ins Kino. Nach Schluß gingen wir durch die Hermannstraße Neukölln und kamen an die Ecke Selcho,verstraße. Plötzlich fiel ohne vorherige Warnung ein Schuß. Wir hatten uns schon entschlossen, umzukehren, weil ,vir fürchtetep, nicht durchzukommen. Durch den Schuß \Vurde ein Mann in der H ermannstraße 3 vor mir von der Ecke Selcho,verstraße getroffen und fiel hin. Ich bin der Ueberzeugung, daß es der amerikanische Journalist ist. Ich sprang zu •.und ,vollte ihm helfen, mußte aber davon ablassen, ,veil im selben Augenblic~ eine furchtbar~ Schießierei einsetzte, die so klang, als: . .

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.I 1 .t... 19 - wäre ~s Maschinengewehrfeuer. Die Polizei schoß sinnlos in die f enster. Irgend ein Anlaß zum Schießen lag meiner Ueberzeugung nach nicht vor. An meiner Ecke standen - hochgerechnet - hochstens fünf Mann, im ganzen an der Ecke, sehr hoch ~rechn~t, 20 Mann die sich alte ruhig verhielten. ' ' Zeuge: Chautfeur W., Wienerstrape. '. Ich kam am Freitag abend gegen 1 O 30 Uhr mit meinem Wagen die Hennannstraße herunte~ und stellte mich an die Ecke Jägerstraße. Ich war · von keiner Seite !;ewarnt word_~n und ha~e keine Zeitungen gelesen, weil ich dea Tag uber gearbeitet hatte. /cli wußte nichts von dein Ausnahmezustand. Keiner von den Polizisten am Hermannplatz hat mir ein Wort davon gesagt oder mich gewarnt. Das Straßenviertel wurde von der Polizei beherrscht, die ständig schoß, ohne daß irgendein Auflauf oder eine Ansammlung vorhanden war. Sie schoß in regelmäßigen Abständen. Ich war neugierig, zu erfahren, was auf der Hermannstraße eigentlich los sei und wagte mich ehva einen Meter weit in 1 die Hiennrannstraße hineinJ Sofort fielen zwei Sc/iüsse, ich hörte das Pfeifen der Kugeln über meinem Kopf. Es ,vurde also in dieser Straße jede einzelne Person niedergeschossen. z,vianzig Minuten vor 12 Uhr sah ich, wie der Jägerstraße gegenüber auf der Hermannstraße ein Mann, der ganz allein ging, taumelte, sich drehte und 11infiel. Er blieb liegen. Es dauerte über 20 Minuten, bis sich die Polizisten hinbemühten und nach dem Gefallenen sahen. Sie winkten dann meinen Wagen heran, um · den inzwischen Gestorbenen abzutransportieren. Er wurde in mein Auto gelegt, da aber gerade ein Krankenauto kam, ,vieder herausgenommen und dort untergebracht. Die Po­ Iizeibe3:mten, diie der Unglücksstelle näher standen, _als ich, hatten natürlich auc1t gesehen, daß der Mann fiel. Aber sie ließen iiber 20 Minuten verstreichen, ehe sie sich um den schwer Verletzten bekümmerten. Vielleicht wäre er noch zu rette11, gewes·en. ~eh h~b'e dann durch v_orgelegte .Bilder gesehen daß es sich bei dem grundlos Niedergeschossenen um d~n australischen Journalisten Mackay gehandelt hat. Die Wirkung der Sdteibenschussinunition. • \X'ie durch aufo-efundene Munition festgestellt wurde, verwandte die Poli~ei bei ihren Feuerangriffen Scheiben• schußmunition die wie Dum-Dum-Geschosse wirkte. Welche entset;lichen folgen V cilctzuilgc!l d_urch' diese ~\u­ nition hervorrufen, zeigt der fall _des Friseurs Sc h 1 r - l i t z, der an einer Beinverlct::ung sein Leben lassen mußte. Zeuge: K.utsdzer Adolf /(., Berlin-Neukölln. • t : Ich befand mich am 3. 5. 29, nachmittags zwischen __.... _ -. .

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.. . ' -20 - halb 3 und 3 Uhr auf einem Einhole\vege nac~ der ~tfstraße in Neukölln, kam aber nur bts zur ?1eten-, N~: Lessingstraße, weil die Schupo fast alle inl der f d" el He enden Straßen beschoß, und zwar wahl os a~ . 1 Pa!santen ohne die geringste Veranlassung und teihveise auch in die Fenster der Hausbewohner. Insbesondere tat sich dabei ein Panzerwagen der Scl1upo hervor, der von der Lessingstraße durch die Zietenstraße zur Bergstraße; fuhr und später zurückkam. . Ich sah den mir vom Aussehen bekannten Tsc_lur• litz auf der Zietens'traße in Neukölln plötzlich von ei~e~ Salvenkugel getroffen mit den Worten: ,,Ich glaube? !c bin getroffen", umsinken, nachdem er vo~her ~och einige Schritte gegangen war. Ich selbst konnte ihm ~1cht hel{<:n, weil ich mich sonst in Lebensgefahr begeben _ hatte. Tsc ~1;_: litz schrie mehrmals: ,,,t'Hielft mir doch", indem ei: sie,, auf Hand und Ellbogen stützend und auf der Erde sitzend in .einen Hausflur in Sichemeit zu bringen versu~hte. Ich bemerkte, wie zwei Lastwagen mit Schupo, ausgerustet mit Karabinern, zu den bereits schießenden Polizeibeamten stießen. Tschirnitz konnte sich infolge des Blutver~ustes nicht mehr weiter bewegen und wurde in das Haus Z1etenstraße 68 getragen. Schließlich kam ein Feuerwehnvageffn, der den Verwundeten in das Urbankrankenhaus gescha t hat, wo er am 11. 5. 29 nach vorheriger Amputation des linken Unterschenkels verstorben ist. ; Nach meinem Dafürhalten muß es sich bei dem Schuß um ein Dumdum-Geschoß gehandelt haben, vielleicht auch um eine Exerzierpatrone, sonst wäre es meines Erachtens nicht möglich gewesen, daß nach dem Schuß ein Fleisch '­ k~umpen aus der Hose fiel und Knochensplitter sich auf dem Bürgersteig befanden. Zeuge: Egon l., Neukölln. Ich kam am 3. Mai um etwa 16 30 Uhr von einem Besuch bei meinen Schwiiegereltern v~n Zietenstraße 52, zur Ecke Lessingstraße Neukölln ,vo ich den mir bekannten 26jährigen Friseur Hans' S eh i r 1 i t z wohnhaft in Neukölln, Zietenstraße 46, der sich auf dem Nachhause­ ,vege von seiner Arbeitsstätte befand traf. Wir wechselten ein paar Worte, plötzlich kamen eh~a fünf bis sechs· Polizeibeajmte von der Prinz Handjerystraße Ecke Lessingstra!ße, in Richtung Zietenstraße. Es er~choll der Ruf' ,,Stra ~ße frei", im selben Augenblick wurde auch schor\' gjeschossen. Ich forderte Schirrlitz a~f mit mir mitZUloommen; er alntwortete mit „ich bin 'g~troffen" und fiel im gleichen Augenblick um. Ich bemühte mich den Verwundeten a'ufzuheben. Infolge der Tatsache ab~r daß die ~ea.mten ungefähr fünf Minuten lang wahllos ~nd ohn~ irgendwelche Vera,nlassun~ die Lessingstraße entlang schossen, war es mir nic~t niöglich, zu dem Verwundeten heranzuko.mmen. Endhch hob ich ihn auf und trug ihn .,

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1 1 J ~ - 21 ., I •·~..,.,. t.• • in d~ Haus Zietenstraße 68 vom 1 Tr. zu einer Familie Heitner oder Scheitner, wo ich ihm einen Notverband an„ legte. Hierbei sah ich erst, daß es sich um einen Schuß in die link: Wade_handelte. Nach der Art der Venvundun~ muß es steh m:e1nes Erachtens um einen Querschläge r: gel~a~delt 11:ib:n. Ich habe einiges Urteil über diese Dinge, wetl ich bei einem Verwandten, der Arzt ist und auch im Britzer Krankenhaus früher Sanitätsdienste geleistet habe· i;m übrigen teilt der Oberarzt des Urbankrankenhauses' der Schirlitz behandelt hat, meine Auffassung. Nicht uner~ ,vähnt möchte ich lassen, daß ich von meinem Rückgange aus der Drogerie, Zietenstraße 67, aus der ich das Ver• bandsmaterial holte, von einem auf der gegenüberliegenden Seite stehenden Polizeibeamten mit dem Karabiner bedroht W!llrde. Sclziilitz Hlurde von der intwisclien alarmierte,~ F euerwelzr in das U rbankranllen'/taus gefahren, wo er ani 11. Mai an den F-0lgen der Verwundung gestorben ist> nac!t dein sich infolge ll'inzutrete,ujen Br11,ndes eine Ampi:➔ tafion des V ntersc!zenkels und sclzlieflliclt aucll des Oberschenkels notwendig ge,nacht hatte. · Vom Rad geschossen. Zeuge: Karl P., Neµ.flölln. ! Ich befand mich am Freitag, den 3. Mai, nachmittags gegen halb 5 Uhr beim Untergrundbahnhof Boddinstraße auf dem Wege zu meiner Wohnung. Es ,varen ungefähr 30 bis 40 Personen, welche ebenfalls von der Untergrundbahn kommend, die Hermannstraße entlang ihrem Hause zustrebten. Als ,vir ein Stückchen hinter der Selchower Straße waren, ertönte plötzlich von der Jägerstraße her das Kommando „Straße frei". Im selben Moment krachten 4-6 Schüsse auf die vollständig friedlich dahinziehende Menge. Ein Radfahrer stürzte zu Boden, er hatte einen Schuß in die rechte Wange erhalten. Wie ich am nächsten Tag durch Zeitungsberichte festst:llte, handelte e~ sie~ um den Reichsbankangestellten W1encke, welcher inzwischen seiner schweren Verletzung erlegen ist. · . . .. Ich bemerke hierzu, daß die friedlich ihres Weges ziehende Menge in keiner Weise Veranlassung gab,. irgend­ ,vie gegen dieselbe vorzugehen. Auch ,varen keine Absperrungen oder Warnungstafeln an dieser Stelle zu sehen. 'l,eugen.: Frau Anna Batli, 49 Jdhre alt, Neullölln, W ,ese'r- . ' - strafte 37, Herr Oµstav a., 49 Jahre alt, woluzlzaft Berlin S. 59. ,Mein Solzn -Walter Batlz, begab sich am 3. Mai z,vischen vier und fünf Ohr nachmittags mit einem Freunde Leo oder Max J esko, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 26? auf eine Beobachtungsfahrt per Rad. Ehva um halb 6 Uhr ist er an der Steinmetz- Ecke falkstraße von der Schupo erschossen worden. Die Kugel befindet sich im Besitz

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- 22 - meines Mannes. Mein Sohn hat einen Querschläger durch den linken Arm und Bauch erhalten, nach der Art der Venvendung 1nuß es sich bei dem Schuß um einen Querschläger gehandelt haben. Mein Sohn wurde dann zuerst nach der Rettungs,vache in der Erkstraße Neukölln und von • da nach dem Urbankrankenhause geschafft, ,vo er nach seiner Einlieferung an den folgen der Ver,vundung gestorben ist. Mein Sohn, 22 Jahre alt, llatte mit den MaifYorgäJZgen nicht das Geringste zu tun, er war ,veder ·poli-. tlsch noch gewerkschaftlich organisiert. · Sowohl ich, als auch mein Begleiter, Herr 0., können . aus eigener Kenntnis über die Umstände, die zum Tode meines Sohnes geführt haben, nichts sagen, ,vir haben. unsere Information erst von Augenzeugen. Augenzeugen sind folgende Personen: (folgen 14 Namen). , Gut gezielte Schüsse. Z.euge: Hermann B. • Ant Freitag, gegen 8 Uhr abends, ging ich zur Aller- straße vom Bahnhof Hennannstraße kommend . . . Links standen einzelne Personen in den Haustoren, während rechts alles leer ,var. Ich ging auf der rechten Seite bis zur Hennannstraße. Hier alles leer und still. Mir ,var un'heimlich zumute. Ich machte kehrt und kaum habe ich 2 Schritte getan, bekam ich einen ,vohlgezielten Schuß in ·die linke Wade. Der Schuß kam vom Eckhaus Steinmetzoder Prinz Handjerystraße. . . . Der Einschuß ,var klein„ während der . Ausschuß ein großes Loch gerissen hat. Be­ ,veis, daß der Schuß von oben kam, ist, daß ich am rechten Oberschenkel gestreift ,vorden bin. Die Schützen sind niemand und kein anderer als die Polizei selbst. Das sind ~He berüchtigten Dachschützen. Ich liege im Neuköllneir Krankenhaus Station 24. In meinem Saal liegen 6 Schußverletzte, 1 Knüppelverletzter. Insgesamt sind im Kranktenhaus 12 Schwerverletzte, darunter auch Frauen. • Es dürfte Sie interessieren, ,venn ich Ihnen mitteilen muß, daß ich der SPD bisher noch angehöre, vorläufig noch. t:Z,euge: Filmlaborant Waldemar H., Berlin-Neukölln. Ich ging am 3. Mai 1929, nachmittags um 15 Uhr, von der Selchowerstraße in Richtung Hermannstraße und s~h al!- ~er Selcho,ver- Ecke Hermannstraße, daß plötzhch ein Schutzpo~izelbeamter ohne daß irgendeine De„ monstra~io~n _oder ~sammlu~g stattfand oder sonst von der Pohze1 die ruhig ihres Weges kommenden Passanten ge,varnt ,vorden ,vären rief: Straße frei" und im selben 'A.ugenblick seinen Kar~biner ~~/,egfe uft{i, sc!iop, ohne daß d1_~ Passanten Zeit gehabt hätten, in die Hausflure zu fluchten. Nach Angaben von Passanten sollen sich diese Vorgänge in bestimmten Zeitabschnitten wiederholt haben. Am 5. Mai 1929, 18 Uhr, ging ich von der Selcho,ver- • \

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) .. l t ' - 23 - · st~aße in Richtung Schfllerp~.menadc und sah ein Poli. z~ia1:1to von der Herfurthstraße in die Schillerpromenadd emb1egen. Die Polizeibeamten schossen stehend vom A_uto, ~hne d~ß die Passanten gewarnt waren, die auch hier wieder eine Demonstration noch irgend welche An„ sammlungen .zu bilden suchten. Zeuge A. B., Berlin-Neukölln. . · • .. Es war am Freitag, den 3. Mai, abends 9,30 Uhr. Ich ging zum Besuch eines Kollegen nach Neukölln, Weserstraße 5 a. Ohne etwas Böses zu merken will ich dann meine Wohnung aufsuchen. Die Straße ,~ar dunkel und kein Mensch zu sehen, nur etwas weiter ein starker Schein, Ich gehe ,veiter bis zur Prinz Handjerystraße 66, dann Salve aus einem Panzerauto, ungefähr 20 Schuß. Dies trotzdem man mich sehen mußte, denn im Schein des Panzerautos war -ich deutlich zu erkennen. Ich bin Postschaffner von Beruf und trug Uniform. Unsere Uniform ist weit zu sehen und zu erkennen. Es war also kein "Grund vorhanden, auf mich zu schießen . Zeuge: Anna K.., Berli11.. Auf Grund des Tumultschädengesetzes stelle ich den Antrag, die mir auf Grund meines Oberschenkelschusses erwachsenen Schäden, deren Höhe ich heute noch nicht übersehen kann, zu ersetzen. 1 Am 3. Mai etwa um 6 Uhr kam ich von meiner Arbeitsstelle Köllnische Allee :.13/48 durch die Zietenstraße, um in meine Wohnung zu gehen. Plötzlich kam~n von der Lessingstraße her durch die Zietenstraße Polizisten. Zu gleicher Zeit fuhr ein Panzerauto durch die Zietenstraße und es wurde geschossen. Gerade l/1. dem Augenblick als ich m't!ine 1Arbeitsbesc/uj,jnigung lloclthielt, um sie dem Beamten zu zeigen, sank ich am Oberschenkel getroffen, zusammen. Ich befinde mich augenblicklich noch im Urban• krankenhaus. Frauen auf z,ein Balkon erschossen . ...;;..: Am 3. Mai wurden in Neukölln nicht weniger als drei Frauen durch wohlgezielte Schüsse der Polizei au~ dem Balkon ihrer Wohnung erschossen. die 40jährige Frau Maria . R ö p p n er ~nd durch die _gleic~~ ~ugel die 26jährige Frau Erna Kb p p e -!1 und die 61Jahn_ge Frau Elisabeth S c h e i b e. Alle drei Frauen hatten mchts anderes verbrochen als Hausfrauenarbeit zu erfüllen. · · Und ebenso' wie auf Balkons, wurde in die Fenster der Wohnungen' geschossen, s.01:>aid sie~ ein. Ein,~?h~er zeigte. Dabei ,vurde am 3 .. M~1 1n Neukolln die 4?Jahnge Frau Klara Lach ins k y 1n ihrer Wohnung getotet. Daß es sich dabei um wohlgezielte Schüsse handelte, zeigt folgender Augenzeugenbericht: ' fraa Hedwig L., 52 Jahre alt, wolznlta/t Neukölln : 1 Am 3. Mai ·,,vurde früh um 5 Uhr von der Schupo in •

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.. .. ,. - 24 - . unser Zimmer geschossen. Vier FC!1stersch;iben sind i!lfolgedessen entzwei gegangen, ein Teil de~ Wand _des Z11n:mers ,vurde durchlöchert ebenso ,vurde ein Oardmenschal vor einem der Fenster 'zerlöchert. Meine Tochter, die im Begriff war, sich anzukleiden, beka~ herabf~llende Kalkst~ck~ an den Kopf. In diesem Augenblick _trat ich aus der Ku<;he in das Schlafzimhler und ,vurde 1m selben Augenblick/ wie meine Tochter von Kalkstücken getroffen . , Kurz darauf kam ein Oflizier mit mehreren Polizefbeanuen in die Wohnung, um Haussuchung zu halten. Wir wurden 'ß ämtlich - ich hatte zur Zeit Verwandtenbesuch aus Eichwalde - aus der \Vohnung herausgeworfen und hielten uns auf dem Treppenflur auf. · Nach etwa 10 Minuten erschien ,viederum ein Polizeilro'mmando in der Wohnung u·nd besichtigte die Wirkung der Schüsse. Ich glaube, daß es von demselben Offizier geführt wurde, unter: dessen Leitung die erste Haussuchung stattfand. Der Offizier hieß mich jetzt, das Fenster zu öffnen und 3 Blumentöpfe vom Fenster ,vegnehmen. Er:­ zeigte seinen Tschako heraus, · offenbar, um· die auf den Straß'e befindlichen Beamten von weiterem Schießen abzuhalten. · 'Weddi~g Der ,,schwerverletzte" Herr Oberleutnant von Branitz ! ; 'Die Kriegslügenberichterstattung, die sich in Neukölln ihre erste Lorbeeren holte, ,yurde im Wedding ins Groteske gesteigert. Nur einige bezeichnende Zitate: · ,, ... Der Sturm geht los. Ein Polizeioberleutnant von Branitz den Revolver in der Hand, springt auf eines der Bollwerke. Ein Schuß streckt ihn, schwerverletzt nieder. Und nun fegen Salven über Salven durch die schmalen Straßen. Die Köpfe, neugierig aus den Fenstern gebeugt, schrecken zurück. Nur da und dort zeigt sich hinter der Scheibe, hinter den Vorhängen versteckt ein Gesicht ,vird eine Waffe auf die Straße geschleudert. ( Tempo'~ vom 2. Mai über das „Nachtgefecht am Weddi~g"). ·Wo ist der Herr Oberleut11a11t von Branifz? Er nzöge uns seine Wunden zeigen. Nach amtlichen Polizeibericll'tcn ist 'kein P,olizeiof f izier durc!t Schüsse verwundet und das· stimmt. ~o sehr wir auch den tüchtigen Sensationsjournahsten Erfindungsgabe zutrauen, den Namen dieses durch S~sse niedergestreckten Polizeibeamten" hat der T~mpo.­ berichterstatter sicher nicht erfunden. Diese und die fol• g,enden Lüge/l. wurden bewußt in die Welt gesetzt, u,m das Blutbad vergrößern, um die Beamten aufhetzen u11t die Bevölkerung einschüclztern zu können '

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.- 25 - • • : ,, ... Gegen 21 Uhr wurde es in der Kösliner Sträße lebendig.. . Die Kommunisten drangen von der Rcinkken• dorf er Straße aus über einen Fuhrhof ein, erkletterten dort d~!1 _Pferdestall und gelangten von diesem in das Hau~ Koshner Straße 3, von dem aus sie sich auf die umliegenden Oächer verteilten . . . Von der Straße aus \Vllrden den Dachschützen Signale mit Taschenlampen gegeben, während Frauen, die auf den Häusern Iiekenden Kommunisten die fast alle mit Oe\vehren oder Karabinern ausgerüstJ ,varen, mit Essen und Trinken versorgten... Als die Gefangenen beim ersten Frühlicht abtransportiert \Vllrden öffneten sich plötzlich Z\Vanzig bis dreißig Fenster und von überall her knallten Schüsse gegen die Polizeibeamten. Plötzlkh erschienen auch wieder größere Trupps von Menschen auf den Straßen, darunter Frauen, die offen lange Messer (? !) trugen. Es kam zu einem erneuten Feuergefecht, bei dem die Po11zei gezwungen ,var, in die geöffneten Fenster hineinzuschießen, um zu verhindern, daß die Angreifer aus ihren sicheren Positionen heraus weiterfeuerten." (,,Berliner Börsen-Zeitung" vom 3. Mai). Wichtig an diesen Polizeilügen ist aber das of /ene Eingeständnis, ddfJ 'die Scliupo syste,notisch in die geöff.­ neten Fenster der Häuser schoß. Aber lassen wir die Zeugen aufmarschieren. Treibjc;1gd mit i)em Gummiknüppel. Zeuge: Erich W., Berlin N. (ist bereit, die folgenden An1.. ~ gaben gegebenenfalls eidlich zu erhärten.) Ich begab mich am 1. Mai, vormittags etwa zwischen halb 10 und 1 O Uhr von meiner Wohnung zur Krankenkasse nach der Gerichtstraße. Ich sah einen Demonstrationszug von der Voltastraße in d~e Huss!tenstraß~ e!n­ biegen. Der Zug marschierte an mir vorbei, als plotzhch Polizisten in den Zug mit Gum1!1iknüppeln einhie_ben und auch auf mich zw•ei Beamte einschlugen. Als ich dem Beamten erklärte daß ich mit dem Zuge nichts zu tun hätte und zur Kr;nkenkasse gehen müßte, sagten sie nur: „mache, daß du weg/lOJ1z'inst, du S~hwe_in" und schlugen ,veiter auf mich ein. Ich flüchtete 1n einen Hausflur, als ich wieder herauskam sah ich ._gegenüber dem Hause Hussitenstraße 42 ei11e~i Briefträger u11t.er Oummik11iippel­ ·!zieben zusa11unenbreclien, er ,var vor mir hergegangen, _so daß ich mit Bestimmtheit aussagen kann, daß auch er sich nicht an der Demonstration beteiligt hat. Ein etwa 9iäh.'­ rig.es Mädchßn,, das :{l1P/ der Straße spie~~e, wurde von 'pitze11t Beamten au den Haaren gepacld, ubergelegt und mit de11i Ou,nmiluzüppel bearbeitet. Zeuge Carl R. · Morgens um 9 Uhr verließ ich meine \'Vohnung Sparr- ... -- - - . .

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. • - 26 - straße und machte einen kleinen Rundgang, um den 1 • Maj zu feiern als Arbeitsloser, aber das ,vurde mir zum V ~r­ hängnis. An der W cdding-, Ecke. Kösli~erstraße als ich giemütlich mein Schlendertempo ging, ,v1e alle An,vesen~ den in dieser Gegend, fielen Zörgiebels Horden oh~e einen Grund zu haben über uns Ahnungslosen l;ier ,v1e, die Bestien. Ich ward; von 8-10 A10J1n derart mit def!11 Gummiknüppel bearb~üet und beschimpft: ,, Wir werden dir Beene machen" und rennen lernen!" Hätte ich nach dieser Tracht nicht glei~h einen Tonveg erreicht, so hätten sie mich auf der Stelle totgeschlagen. Ich habe heute noch Kopfschmerzen von dieser Radausippe, an_der_s kan_n man sie nicht nennen. . . Nach meiner Schulzeit 1st mir so,vas noch nicht vorgekommen, daß eine Polizei, die . für uns alle zum Schutze ist, selbst Raudies ,verden und dann auf uns Arbeiter die Schuld schiebt''. X zeuge: ff. R. „Als ich am 1. Mai zu meinen Sch,viegereltem gehen wollte, sah ich, wie in der Gerichtstraße Ecke Pankstraße ein alter Mann auf dem Lastauto f. A 29181 geschleift ,vurde, nicht genug, daß 'man ihn verhaftete und unten auf der Straße mißhandelte, schlug man ihn auf dem Auto so brutal, dafJ er aus Mund und Nase blutete. Ein junger Mann, der die Sache photographieren ,vollte, ,vurde ?e~ IPho~ckasten aus den Händen gerissen und von der Polize'i' '-hesclzlagnahmt. Ich sagte zu dem Leutnant, ob er nicht sieht, wie die Beamten den alten Mann mißhandeln. Als Anhvort bekam ich: ,/falten Sie Ihr Maul, sonst /1,önne!l 'Sie och mal ne Reise mitmachen!" Empört ging ich fort, aber eins blieb in mir, ,vas ich nie gekannt, es ,var der Haß auf diese brutale sogenarmie Schutzpolizei: Herr Zörgiebel, ich danke {ür Ihre holde Schutzpolizei, lieber :i,·'!rtr_aue ich mich evne,n Hand aaf der Straße an, dann : bin ich aber sicherer als vor ihrer Schutzpolizei. Auch, meine Kolleginnen im Betrieb Bergmann Hennigsdorfer- straße ,verden wissen, ,vas wir ihnen antworten. · Zeuge: Willi. M. ( AngestelUer, M:UglierJ, der Sozialdemo­ . kratischen Partei, kann die , von ihm, nachstehend ge- , '/flachten Angaben gegebenenfalls eidlich bekräften). · ,,Ich befand mich am 1. Mai, ehva um 2 Uhr nachm., vor dem Posamentengeschäft in der Reinickendorferstraße, vis-a-vis der Weddingstraße. Ein Wagen mit 4 • Offizieren fuhr in rasendem Tempo durch die Reinickendorferstraße, gefolgt von einem Lashvagen, der voll mit Beamten besetzt ,var. An der Reinickendorfer- Ecke Weddingstraße. hielt das Lastauto, die Beamten sprangen herunter vom· Wagen und hieben ohne jede Veranlassung wahllos auf die Passanten mit ihren Gummiknüppeln ein. Ein J2jält- ·riger Junge bekam von ~inem Beamten (ehva 23-24 Jahre alt) einen Hieb mit einem Gummiknüppel, der den Junge11- J

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• .. ' # - 27 ~o/ort in die Knie sinken liep. Der Prügelheld ,.,, gri/f das J(uul. at11 Rockkragen und hob es mit den Worten aus• ,.,Macll Du Laas~;unge, dap Du zu Deinen Ellern kommst" S<!_nst kriegst Du noc/z mehr!" Das Kind lief dann in de~ nachsten Hausflur, um sich vor weiteren Hieben zu schützen. Mir. selbst ,~ar _es möglich, einem nach mir geführten Schlag eines Pohze1beamten auszuweichen. Als ich den Beamten zu Rede stellte und darauf hin,vies daß ich lunge~kran½ bin, erhielt ich zur Anhvort: ,,M~clzen Sie, daf) Sie weiterkommen, sonst haaen wir llznen Ihre Lung',! noch aus dem Balg!" lc!z bemerkte auch, wie Beamte in die Fenster der Weddingstraf)e schoßen. DafJ aas Fenstern auf die Schupo g~sc!zossen worden ist, habe ich nicht bemerkt." Gummiknüppelhiebe auf l>en Blinden- hund. Zeuge: Karl H., Weddingstra/Je. • ,,Ich gehöre keiner Partei an, sondern bin nur Mitglied des Turnvereins „Fichte". Am 1. Mai vormittagssollte ich zur Veranstaltung des Turnvereins gehen und hatte mein gutes Zeug an. Weil sich auf der Straße ein ziemlicher Betrieb entwickelte, ging ich später nach Hause, um mein gutes Zeug auszuziehen. Von meinem Fenster aus konnte ich sehen, wie ein Mann jämmerlich geschlagen wurde. Vorher schon beobachtete ich, daß die Schupo . 'sinnlos auf alle Fraaen einschlug und vor nichts halt machte. Die ganze Bevölkerung war ernpört über das 'Benehmen der Polizei. Vom Fenster aus protestierte ich gegen die Mißhandlungen, die ein Grüner vornahm, der dann sofort rief: , Zurück vom Fenster oder ich schieße!" Er legte auch an.' Ich riß mein Hemd auf und sagte, er solle schießen. , Ich ging dann später wieder hinunter, weil ich mich nach meinem Sohne Heinz umsehen \Vollte. Die Grünen benahmen sich wie die Wilden, Am Nettelbeckplatz kamen die Grünen mit Wasserschläuchen. Auch nicht vor Blinden mit Blindenhunden ,vurde halt gemacht. Ich salz, wie ein 'Sclzupo auf einen Blinden zustürzte, der einen Hund · bei sich hatte. Der Hund bellt(! ilzn, wie es ilzm beigebracht ist, selbstverständlic/r, an und der Grüne schlug den H un(Ü 'mit dem Oarnmiluzüppel iiber den Schädel _ und V'!_rg!iff. sicli aac!i an dem Blinden. Das ,var an der Ecke Koslmer und W eddingstraße ... Schüsse ins Fenster. Zeuge: 0., wolulluzft Berlin N. 65, voni Tiersc/lutzvereiJ1 .. Ich befand mich auf einer dienstlichen Fahrt nacH dem "asten und passierte etwa um 10 Uhr vorm. mit meinem Rade den Weddingplatz. Der Weddingplatz ,var normal bevölkert. Irgend,velche Ansammlungen habe idi nicht gesehen, auch keine Demonstrationszüge.

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. t - 28 _:_ 1 Ehva abends um 10 Uhr befand ich m!ch mit m_~iner Frau auf einer Besuchsgang zu Bekannten 1n der Mullerstraße. Die Müllerstraße war vollkommen leer, ich hab~ h'öchstens 10 Menschen gesehen. Mit einem Mal ertönte seitens der Schupo der Ruf „Straße frei! Fenster zu!" · und im selben Moment sah ich die Schupo schießen. Bei diesem letzteren Vorgang war meine Frau zugegen. 'Zeuge: Otto M., Kaufmann, Berlin N. Ich befand mich am 1. Mai auf einem Geschäftsgang nach" der Plantagenstraße und passierte um ehva 10 .Uhr morgens den Nettelbeckplatz, der mäßig bevölkert ,var. Vor dem Kleidergeschäft von Klein am Nettelbeck .. platz bemerkte ich ein Lastauto der Schupo Nr. IA 26408, das mit einigen Beamten besetzt ,var. Der das Auto be.­ fehligende Polizeioffizier, den ich infolge seiner außer.­ gewöhnlichen Statur sicher bei Gegenüberstellung wieder herauskennen würde, verjagte das Publikum von der Straße sogar von den Straßenbahnhaltestellen, indem er in provozierender Weise fortgesetzt mit dem Gummiknüppel in der Luft herumfuchelte. : . . . Ich habe auch gesehen, ,vie die Beamten, die zu diesem Lastauto gehörten, auf Passanten ohne Grund mit dem Gummiknüppel einschlugen . Es sind mehrere Verhaftungen erfolgt . Das Auto fuhr dann in Richtung Lindo,verstraße davon. Ich setzte nunmehr meinen Weg nach der Plantagen-­ straße fort. Als ich zurückkam, bemerkte ich vom Nettel..­ beckplatz herkommend, das Schupoauto IA Nr. 5771 O, auf dem derselbe Offizier · sich befand, der vorher auf dem anderen Auto sich hefand. Das Auto hielt Wedding­ .Ecke Kösliner Straße. Die Beamten sprangen ab, und schoßen ohne vorherige Warnung in die in der Köslinerstraße befindliche Menschenmenge . .Zwei alte Leute standen in dem Hause Kösliner­ Ecke Weddingstraße am geschlossenen Fenster im 3~ Stock„ ,verk (Ehepaar) . Auf diese alten Leute ,vurde von den Beamten in das Fenster hineingeschossen. Verletzungen habe ich nicht bemerkt. Zeuge: Eberhard L. Redakteur. i · „Ich bin Berichterstatter für eine Reihe auswärtiger . Zeitungen und Schriftleiter einer Berliner Wirtschaftszeitung, auch Mitglied des Reichsverbandes der deutscheq Presse. Ich habe in m 1 einer beruflichen Eigenschaft als Berichterstatter am 1. Mai die Vorgänge in der Kösliner ­ straße von Anfang an gesehen. Ich kann be.;tätigen daß die Schupo, als sie die ersten Schüsse abgab, nicht' ehva !Schreckschüsse in die Luft abgab, sondern gleic/i auf die vff~nsteh enden Fe11sler zielte, ohne jegliclfen Grund, denn 'ich habe genau beobacldet, dap kcines ,wegs etwa, w'ie. vielfach behauptet wird, der Angriff seitens des Publillum1s·

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.. -29 - durclz W'(Jl/en von Stei11Jn usw. erö/fnet worden lsl. lclr habe mir die drei Beamten, die bei den soganntcn Schreckschüssen auf die Fenster zielten, gemerkt und kenne sie sof?rt wieder, ,venn die Beamten der Schupostreifer, die zwischen 1 und halb 2 l.Jhr die Köslinerstraße mit einen, Lastwagen und einem Mercedes-Schnellwagen besetzt hiel• ten, mir gegenübergestellt \Verden. Leider habe ich versäsumt, m'ir die Nummern der Wagen zu merken. : .Die Beamten des kleinen Autos haben wie sinnlos in die Leute mit Knüppel eingeschlagen, selbst, nachdem sich diese in die Hauseingänge geflüchtet, haben sie die Leute sogar aas den Eingängen herausgeholt und ml/Jltarulelt. Sie mißhandelten u. a. einen jungen Mann, der offenbar an Anfällen litt. Sie richteten ihn furchtbar zu und warfen ihn auf das Auto. Als er auf dem Auto einen Krämpfeanfall bekam, haben sie ihn nicht etwa einem Sanitäter gegeben, sondern ihn einfach aa/ die Stra/Je gelegt. Erst den Arbeitersamaritern ,var es nach Abzug der Beamten möglich, sich des Mannes anzunehmen, er hat mindestens eine halbe Stunde auf der Straße gelegen. Bezeichnend für das Verhalten der Beamten ist auch, daß, obgleich ich m'idt als Pressevertreter ausgewiesei, hatte, ein Obcrwaclzinzeister ntir erklärte, er habe mich' seit einer Viertelstunde schon beobachtet und wenn ich /,etzt !licht sc!zleunigst m'ir der Linie 32 oder 36 fortführe, . so würde er mich mit seinem Oumnziknüppel wegleucltten. , Ich empfehle in Verbindungsetzung mit dem Verbande der Auslandspresse, der zweifellos auch Material über das Vorgehen der Polizei hat. Zeuge: Karl H., Weddingstraf)e. )( '. Gegen Abend wurde dauernd gerufen: ,,Licht aus, 'Strafl'e frei!" ( das war, ,vohlgemerkt ! am 1. Mai, nicht · ,vährend des Belagerungszustandes, vom 3. Mai abends ab. Die Red.) Dem ,vurde Folge geleistet. Bei mir wohnt ab.er ein junges Ehepaar mit zwei Kindern von 7 Monaten. .(Zwillingen). Die Kinder ,vurden unruhig, die Frau mu/Jfe 'Licht an11zac/zen, um das Kind trocken zu legen. Sofort .kl/liln ein Sc/iufJ durcli das Fenster, der mehrere Male_ abprallte und beinahe das Kind i111 Bett getroffen hatte. Am 2. Mai morgens ,vurden sogar die Mappen der Schulkinder revidiert als sie in die Schule gingen und als sie aus derselben k~men. Die \Vohnungen sind zum Teil vollkommen demoliert. . . r Schüsse in die Haustüren. Zeugin: Fraa Seiz., Berlin N. ' i Mein Mann ist am 1. Mai abends 10 Uhr in der Haustür unseres Hauses Köslinerstraße 3 angeschossen ,vorden. Er war zu Hause ge,vesen und hatte sich an den Unruhen in keiner Weise beteiligt. Als die Schießerei einen Augenblick nachließ, ging mein Mann heraus, um . ..

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. ... ,,, r - 30 - zu seiner Mutter zu gehen, die Torf~traß~ 13 ,vo.hnt und bei der unser l 7jähriger So11n Env1n steh .. a~fl11elt. Er ,vollte sich nach dem Befinden seiner Angehonge"a·er~!.1- digen. Wie er noch an der Hau_stür ,var, er_ hatte d ie ih~ noch garnicht geöffnet, k_am ein Querschlager, er in den linken Oberarm ging. • d" Die Beamten haben unmensc!zliclt gesclzos~eri, ivie ~e Verrückten. Ungefähr eine Stu11de h'atte mei~ Mann in_ ~einem, Blute gelegeri, bis es endlich gelang, .ihm fortzuschaffen. Ich habe über eine Mark vertelefoniert, es ,var immer erfolglos, Aerzte konnten nicht herankomme~ .,vegen der Schießerei und die Polizei hat sicli niclzl um tlui ge.,,. künunert . . . Der Bäckermeister Müller im Hause hat dann me1?em. Mann den Arm abgebunden. Schließlich kam ein Arbet~ersamariter und gleich darauf ein Kranken,vagen, der ihn; fortbrachte. ! Mein Mann liegt z. Zt. im Vircho,v-Krankenhaus, Sta- · tion 9. Ein Arbeitersanitäter berichtet. ~euge: Ingenieur Ernst F. . 1. Ich ,var am 1. Mai als Sanitäter tätig. Durch Zuruf ,vurde ich in ein Haus der Wedding- Ecke Köslinerstraße bestellt. Im 4. Stock fanden ,vir einen Mann auf dem. Boden liegen, mehr in der Nähe der Tür als in der Mitte. Er hatte an der rechten Schulter von vorn einen Schuß in die obere Brusthälfte erhalten, der hinten an der Seite ehvas tiefer unten ,vieder heraustrat. Die Verletzung ist nur so zu erklären, daß der Mann von einem Querschläger getroffen ,vurde, ,veil der Schuß von oben nach unten verlief. Die Ehefrau befand sich im selben Zimmer und sagte, daß der Mann beim Abendbrot saß, als er ge• troffen ,vurde. Der Mann hat sich an gar keiner Feier oder dergleichen beteiligt, sondern ,var direkt von der, Arbeit nachhause gekommen. Es ist daher nicht richtig, daß dieser Mann am fens.ter getroffen, also ehva durch einen Luftschuß venvundet sein könnte, denn ,vir konnten am Fenster keine Blutspuren entdecken, ,vohl aber befand sich dort eine große Blutlache, ,vo der Mann lag. Nach dem ganzen Befund ist damit zu rechnen, daß die Schupo s'ysternaiisclt irt die Fenster schoß . Das ergibt sich aucli daraus, daß ehva um 8 Uhr die Häuser systematisch mit Sc~ein,verfern abgeleuchtet ,v.urden. Um 9 Uhr, (nachr meiner Verhaftung) bemerkte ich, daß neben de11i: Scheinwerfer ca. 10 Schupobea1nie mit Karabi11ern i11z Anschlag ~fanden, die itt iedes rric/zt ganz geschlossene Fenster ;Jzineinschoßen. 2. Wir haben mehrfach versucht, einen Rettungs,vagen zu erreichen und kehrten schließlich erfolglos in das Haus zurück. Dort ,var inz,vischen der Verletzte auf die Treppe 'hinabtransportiert .,vorden. . . Da die Qualen des Mannes

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- 31 - immer größer ,vurden und wir andererseits infolge Streufeuers das Haus nicht verlassen konnten versuchte icli nach einiger Zeit mit Hilfe eines Besens ~nd eines Bettlakens die Schupo zum Einstellen des I' euers zu veranlassen bezw. zum Herankommen an das Haus zu bewegen. Nach einiger Zeit erschien dann auch ein Hauptmann mit mehreren Beamten, der un$ nach Waffen durchsuc~te und uns einen Rettungswagen versprach. Nach 1 _Viertelstunde, um dreiviertel 9 Uhr, lebte die Schießerei ,v1eder auf und plötzlich wurden 3 Karabinerschüsse durch die Haustü~ abgegeben. Darnach drangen die Beamten ( darunter ein Offizier) in das Haus ein. Ein Mädel. 2 Arbeiter und ich ,vurden für verhaftet erklärt und nach" vorheriger Durchsuchung nach .Waffen zu Oberst Heimannsberg gebracht. Dieser verfügte unseren sofortigen Abtransport. Mein Vordermann wollte schnell das Auto besteigen, ,vurde daran aber zuerst gehindert. Au/ Kommando mußte er dann c{nsteigen. Der ·Offizier kommandierte ,,Helft ihm nach!" Der Offizier und einige Beamte schlugen dann S(?lange auf ihn ein, bis er im Wagen- war. Trotz meiner Sanitätsarmbinde wurde mit mir ebenso verfahren. Wir wurden dann riach dem 42. Pol. Revier in der Lynarstraße gebracht. Dort transportierte man uns soweit das Publikum es sehen konnte, ohne Schläge ins Haus: kaum hatten ,vir jedoch die Treppe erreicht, so ·hagelte es Oummiluzüppelhiebe und Hiebe mit der Faust ins Oeniclt. Dabei tat sich besonders ein Wachtmeister hervor, der durch Größe und Korpulenz auffällig ,var und den ich bestimmt wiedererkennen würde. Bis zu dem Wachzimmer mußten wir gewissermaße~ Spießruten laufen . • Im Wachzimmer selbst ,vurde unter Zurufen solange auf uns eingeschlagen, bis ivjr auf der Erde lagen. Dann. ging es nz'it den üblichen Metltoden Sclzldgen auf dilt Beine usw. wieder weiter, bis wir standen. , -Dann mußten ,vir uns visitieren lassen; auch die Schuhe mußten wir ausziehen, damit sie nachsehen konnten, ob wir vielleicht Fellen oder dergleichen zum evt. Aus.­ brechen darin verborgen hätten. Beim Anziehen ,vurde uns dann mit dem Gummiknüppel und Bedrohungen nachgeholfen. Autf ällig war, daß die Schupo Redensarten ge­ 'brauchten, wie: ,,l hr habt unsere Kamer.aden ermordet! J'/ir habt i/uzen die Augen ausgestochen!" Dann wurden ,vir in die Zellen gebracht und mußten weiter SpiefJrutcu laufen. · ... Aus der Magazinstraße ,vurde ich dann _um halb 3 Uhr nachts entlassen. Mit mir mißhandelt wurde de~ Arbeiter Fritz Schlichting, Obersch~neweid~, Edison~tr. 56 bei Mametzka und der Arbeiter Kurt Vo1gt, Berlm N., Svakopmundstraße 1 Oe. Mitangesehen hat ferner die J\i\ißhandlungen die Gaswirtsangestellte Elfriede Hartwig, Reinickendorferstraß e 91. ------ -- - -- - . -- - - -- , •

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..... JC .. - 32- 3. Ein Demonstrationszug, der hauptsächlich aus jugendlichen bestand, bew'egte sich !ßitt~gs zwischen l• und 2 Uhr vom Bülowplatz kommend, 1n Richtung Mehnerstraße Weinsfraße. Der wurde hier auseinandergesprengt und Z\~ar durch Schapoaufo I A 14 773. Die Straßen wurden gesäubert es gab SchufJverktzte, die abtransportiert wurden. Während alles ruhig war, fielen plötzlich im Hause Barnimstraße 3 drei Schüsse. Das Haus wurde von Schupo besetzt und nach einiger Zeit kamen sie mit einem Jugen?­ lichen heraus, den sie schwer mifJfumdeltett. Er wurde 1n · das Auto I A 28861 gebracht und wurde auc!L nodt im Wagen bedroht. Ich stellte nachher im Hause folgendes fest: / Weil . einige Leute vor der Haustür standen, dran~ Schupo in das Haus ein; angeblich soll im Hofe mit 'einer Preßkoh/e geworfen worden sein. Die Schupo anfJ · worfele mit '3 Schüssen. Dann ging sie in das Vorderhaus und verlangte Oeffnung der Wohnungstüren, so auch bei dem Ehepaar H. Auf dem Sofa lag dort deren Sohn Herbert. Er war kurze Zeit vorher heruntergegangen, um den Hund der Nachbarsfrau Winter heraufzuholen. Dabei hatte er einen dünnen Stock in der Hand. Bei Beginn der Schießerei hatte er sofort die Wohnung wieder aufgesucht und legte sich dort auf das Chaiselongue. Die Wohnung , ,v11rde von 8 Schupo besetzt, Herbert hochgerissen und geschlagen. Auch der Vater, der wissen wollte, was eigentlos sei, wurde über die Hand· geschlagen. Zu bemerke!\ ist noch, daß weder Vater noch Sohn gewerkschaftlich oder politisch organisiert sind . ... ( Wie Gemeinhari)t erschossen wurde! • I • Einer der ersten Opfer war der Sozialdemokrat Oemeinhardt. Ein sicherlich unparteiischer Zeuge, der Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" schreibt darüber in der Nr. 327 vom 3. Mai: ,,Nun forderten die Beamten mit gezogener Pistole, so wird uns geschildert, die in den Fenstern liegenden! Bewohner auf, die Fenster zu schließen . Das ,var gegen 2 Uhr nachmittags. Schon jetzt - wir tolgen weiter der uns gegebenen Darstellung - . schoß die Polizei, wen!n ihrer Aufforderung nicht Folge geleistet wurde. Jedenfalls ist tim diese Ze'it. einige Minuten nach zwei Uhr das erste Opfer gefallen, der unbeteiligte, von dem einer der amtlichen Berichte spricht; aber er fiel nicht durch ein ver­ i;rtes Geschoß, "Nie es in diesem Bericht heißt, sondern 'durch eine gut gezielten Scltuß aus einer Dienstpistole, weil er nach mehrmaliger Aufforderung das F.enster nicht schloß. D:as bekundet sein Nachbar, der ihm dringend geraten hatte, doch vom Fenster weg · zu gehen. Er tat • das nicht, weil er als Sozialdemokrat und Reichsbanner- ,,.

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• I - 33 - mann keinen Anlaß dazu fühlte. Der tötliche Schuß der ihn mitt~n du~ch die Stirn traf, ,vurde abgegeben, a'ls er gegen die beiden Beamten, die ihn zum Schießen des Fensters auf gefordert hatten, eine beschwichtigende Handbewegung machte." --·· , iDie beiden hier erwähnten Schutzpolizisten sind nach Angaben anderer Zeugen Sozialdemokraten. Der Name des Schießenden ist nicht bekannt, sein Begleiter heißt Haberstroh. Auffällig ist, daß Haberstroh nicht mehr auf der Wache Uferstraße Dienst ausübt, sondern an eine andere Stelle versetzt wurde. Ebenso ,vie Gemeinhardt ,vurde der Arbeiter Hermann Schäfer am 1. Mai in 'seiner Wohnung in der Uden­ " ardenstraße durch Kopfschuß getötet. Der Tod d. Kriegsbeschädigten Röpnack Zeuge: Gastwirt Karl ·Sch., Berlin. (Unter der Bereitwilligkeit, seine Angaben gegebenenfalls eidUch zu erhärten.) · Am 1. Mai be,vegte sich zwischen 5 und 5,30 Uhr ehva ein Demonstrationszug von der Adolfstraße her durch die Antonstraße. · Plötzlich erscholl, als der Zug vor meinem Lokal vorbeikam, der Ruf aus dem Demonstrationszug ,,:Die Grünen kommen". Ich ging auf diesen Ruf hin auf die Straße, um meinen dort befindlichen Hund in den Laden zu holen. Plötzlich erschien ein U eberfallkommando in Stärke von 5 bis 6 Pol'izeibeamten, dem ein Lastkraftwagen vollbesetzt mit Beamten folgte. Während ich meinen Hund verprügelte, fiel unmittelbar neben mir ein Mann tödlich getroffen um. Der Mann lag direkt vor meiner Eingangstür zum Laden. Ich erfuhr am nächsten Tage von der Mutter des Erschossenen, der Frau Röpnack, daß es sich bei dem Erschossenen um ihren 34jährigen Sohn handelt, der kriegsbeschädigt ist. Die Schupo küm­ _111:erte sielt um. Röp11ack niclz't, fuhr vielmehr ,veiter, und kam dann wieder zurück. Sie ,viederholten dieses Hinund Herfahren des öfteren, ,vobei wahllos ohne den geringsten Ojan'd und oh'ne Alifforderllng weiterzugeften etc. au.f die Passanten mit Oumm'ikniippel geschlagen u~ dp,c/i mit Revolver gescltossen wurde. Unter anderem 1st in meinem Lokal ein Querschläger durch eine Scheibe von 48 mal 34 cm hindurchgekommen, flog über meinen Kopf hinweg und zertrümmerte ein halbes Literglas und zwei sogenannte Mollengläser. ' Freiwild. f eststellungsausschuß für Aufruhrschäden Polizeipräsidium ,,. . . Am 1. Mai abends, ehva um halb 10 abends, ,vollte -mein Sohn, Erwin Gladitz, Utrechter Straße 8, Berlin N, von unserer \Vohnung nach dem Bahnhof .\Ved-

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t. 34- ding gehen, als plötzlich in der Lindowe_r ~tr~ße an der Ecke Gerichtstraße ein Beamter der l>ohze1 rief: Gehen, Sie von der Ecke fort, es ,vird geschossen. Im' gleichen Augenblick schoß der Beamte selber und traf meinen Sohn, bei ,velchem im jüdischen Krankenhaus ~in Beckensch~ß festgestellt wurde. Der Beamte ließ meinen Sohn ruhig liegen ... " G, Zeuge: Friedrich Sch., Friseur, Berlin N. Ich habe am 1. Mai, abends um halb 8 Uhr zusammen mit meiner Frau gesehen, ,vie an der Ecke Reinickendorf~r Straße und Weddingstraße aus einem Trupp von 5 Poil ~ zeibeamten heraus ein junger Mann niedergeschossen ,vorden ist. Der Verwundete hat keinen Anlaß der Schupo zu ihrem Vorgehen gegeben. Er wurde von seiner Braut• und einem anderen Herrn auf ein in der Nähe befindliches Privatauto getragen, das ihn ins Krankenhaus gefahren hat. Ich bin auch bereit, über das blindwütige Vorgehen der Schupo, die mit Gummiknüppeln schlug und auch! sonst schoß, notfalls Aussagen zu machen. Am Donnerstag, den 2. Mai, sah ich um halb 9 Uhr abends, ,vie die _Schupo die aus der Protest-Versammlung in den Pharussälen kommenden Versammlungsteilnehmer mit den OK. in das Innere der Stadt trieben. JZ.euge: Erwin M., Ruppiner Straße. 1 • • • Ich fuhr mit einem Geschäftsauto durch die Kösliner Straße . Es kam um 3 V hr 45 gewesen sein. Etwa 5 bis 6 Häuser von der Weddingstraße entfernt, sah ich, wie ein junger Arbeiter das Haus verließ, um zur \Viesenstraße zu g,ehen. 'Auf einmal ein Schuß und der ;unge •Arbeiter war von einer Kugel getroffen. Die Schutzpolizei stand mit einem Ueberf allkommando an der Pankstrafle . Ich ,vollte mir die Nummer des Wagens notieren, sofort wurde ich aber gezwungen, ,veiter zu fahren .. Die Ecke, an der der ;unge 'Albßiter erschossen wurde war menschenleer. Von Demonstration oder Ansammiung konnte kleine Rede s•ein. Später S'dh ich- ain H ackesclten Markt ~inen Schupomann, der auch zwei Arbeiter ansc!top . Wie Roloff niei)ergesdtossen wurde. ~euge: Paul Row/f, Berlin, Huss"itenstrape 65, von Beruf ,Arbeiter teilt mit, daß sein Bruder Otto Roloff, der mit dem 1. Mai nichts zu tun hatte, an der Ecke Reinickendorfer Straße und Plantagenstraße von einem Polizeibeamten angeschossen und schwer verwundet worden ist. (Lungenschuß.) Der Vorgang spielte sich abends um halb 8 Uhr ab. Herr Paul Roloff übergibt eine Skizze und die Adresse des Zeugen Max G., Müllerstraße. Otto Roloff lie~ zur Zeit im Virchow-Krankenhaus, Stat ion 9. , _

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• ... -. .. a# 4 • • I Zeuge: Max 0. ' , I . Ich bin arbeitslos. Am 1. Mai befand ich mich auf e1n_e1!1 Beobachtungsgang und kam etwa um 19,30 Uhr zur Rem1ckendorfer und Plantagenstraßenecke. Hier ,varen ~twa n_ocli 4 bis 5 Personen außer mir. Während wir uns unt~rh1elten! ?emerkten ,vir, daß von der Wiesenstraßt1 3 bis 4 Polizeibeamte herkamen und sich an der Reinickendorfer, Ecke Weddingstra'ße aufstellten. Ich salt wie einer 'vo1z de1z Beamten hinter einen Baum trat die linke Hand gegen den Bau~stamm. stützte u~d mit' der rechten at1f. ans anlegte . W:ahrend ich noch uberlegte, ob das EJnst o~er_ SpafJ von dem Beamten sein sollte, tauchte plötzlich ein Junger ~ann von 22 Jahren auf, wie ich später festgestellt habe, ein Herr R o lo ff, ,vo'hnh'aft Hussitenstraße 65, 1. Hof, 2 ifreppen. Ich rief Roloff an, zurückzugehen, in demselben Augenblick' fiel er durch eine,r Sc!zuß getroffen u,n. Daß der Schuß von dem ebenenvähnten Polizeibeamten gekommen ist, darüber habe ich keine Z,veifel. Roloff richtete sich nach dem Schuß auf, ging ehva 2 m in Richtung Plantagenstraße und fiel dann be­ \Vl!ßtlos um. Ich versuchte, den Verletzten mit noch 3 anderen Passa\lten nach der Rethtngswache Lindower Str. zu transportieren; indem ,vir den kürzesten Weg durch die Reinickendorfer Straße wählten. Dieses ,var uns jedoch nicht möglich, w1:il das der Orappe der Polizei"­ beanzten lzinter ans 'her~esclt,ossen wurde (2 Schüsse),. u1älirend wir den Verwundeten trugen. Ob diese beiden Schüsse derselbe Polizeibeamte abgegeben bat, der auf Roloff geschossen hat, oder ob sie von den anderen Beamten oder einem der anderen Beamten abgegeben wurden, \V.eiß ich nicht. Infolg.edessen gingen wir den weiteren W,eg durch die Plantagen- und Pase,valkerstraße und erreichten auf diesem Umwtege die Rettungs\vache in der Lindower Straße. . . Es handelt sich bei Roloff um einen Lungensteckschuß, der evtl. das Herz gestreift hat. Der Schuß geschah von vorne. Ich möchte, noch betonen, daß der Herrn Roloff operierende Arzt ~-m Vir~how-Kranken­ h'aus der Mutter des Roloff gegenuber die Auffassung geäu'ßert hat daß es sich bei dem Schuß um' einen ·Nahschuß handelt. Da ich'. Augenzeuge des Vorfalls gewesen bin, Wßi/J. ich da/J die Entf er11ung vo1z dem Standort ~r 3 oder 4 Sc/zupobeamten, an der Reinickendo~fer, Ecke Weddingstraße bis zu meinem Standort bezw. bis zu dem Ort, wo Roloff getroffen wurde, also Reinickendorfer und Plantagenstraße Ecke etwa 55 1n mindestens nacli meiner Sc!iätz/1.Jtg beträgt. Wie es zuin Barrikadenbau kam . Zeuge: l'riedriclz H. Am 2. Mai ehva um 7 Uhr abends hielt ein ge,.~isser M·ennel ( ?) in der Kösliner Straße eine Ansprache zu __ ..... __ .,.. ___ - -

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... -36 - ., den Massen. Nach Schluß dieser Ansprache, formiert~ sich ein Demonstrationszug nach den Phan1ssälen zu der dort stattfindenden Protestversammlung. Ich nahm am Zuge teil. An der Ecke Turiner Straße begegnet~n uns zwei Lastautos der Schupo. Als die Beamten des Zuges ansichtig wurden, sprangen sie vom Auto herunter und hieben ohne vorherige Warnung bezw. Aufforderung zum Auseinandergehen wahllos auf die Teilneluner des Demonstrationszuges ein. z,var rief ein Offizier „Straße frei", aber da waren die Beamten schon mitten im Schlag en. Die 'De(llonstranten erreichten einzeln die Pharussäle, die so überfüllt waren, daß im Garten eine Parallelversammh!ng stattfand. Während ich mich im Garten befand, hörte ich, wie auf der Straße Passanten schrieen, ich nehme an, daß diese schreienden Menschen von der Schupo geschlagen wurden. Als nach Beendigung der Versammlung im Garten die Teilnehmer die Straße betraten, ,vurden sie von der Polizei ebenfalls mit dem Gummiknüppel bearbeitet. Ich selbst bin nach der Kösliner Straße zurückg:egangen. Oegen 'IIX1lb 9 V /z.r abends stiirmi.e die Polizei von d,er. Weddingstraf)e in die Kösüner Straße und schoß wahllos in die Fenster der Hiiaser hinein . Diesen Angriff der Schupo haben die Arbeiter zurückgeschlagen und zu ihrem weiteren Sc/uztz Barrikaden gebaat. Um ehva halb 2 Uh'I' nachts erschien wiederum Schupo und zwar mit einem Panzerwagen. Aus dem Panzerwagen wurde mit RevolverluJJunzen geschossen. Die 1 Arbeiter wehrten sic/z mit Steinen, die sie, gegen den Panzerwagen warfen. Hinter dem Panzerwagen lief Schupo, die gegen die Barrikaden feuerte. Die Schupo zog sich von allein zurück mit dem Panzer­ \vagen. In der Reinickendorfer Straße \VUrde ein Panzer­ ,vagen sichtbar . Ob dies derselbe aus der Kösliner Straße ,var, ,veiß ich nicht. Bei dem Anblick des Panzerwagens in der Reinickendorfer Straße rissen die Arbeiter das Strapenpf laste, auf ,i,nd bauten wiederum, eine Barrikade. Um 4 Uhr morgens erfolgte der HlUlpf4llgriff der Schupo, sie machten ·Gefangene, die sie zum Barrikadenabbau z,vangen. Das Gros der Barrikadenkämpfer mußte der, Uebermacht ,veichen . Ich' selbst flüchtete vor der Schupo in das Haus Kösliner Straße 20, ,vo ich vor der Haustür einen Handschuß bekam. (Streifschuß) . Ein Toter - Am Wedding nichts neues. Am 4. Mai veröffentlicht der „Vonvärts" in seiner Morgenausgabe einen kurzen Bericht über den Verlauf des 3. Mai, der offensichtlich vom Polizeipräsidium stammt. Ueber den Wedding sagt dieser Bericht im Stile der Kriegsberichterstattung „Im Westen nichts Neues": ,,Äm Wedding ist Ruhe eingetreten". Das Polizeipräsidium registrierte in seinem amtlichen· - ..

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~ ..... t. : f Beri~ht also gar riicht mehr, daß wieder am Wedding ein Arbe1t~r e!sc~ossen wurde: Am 3. Mai, abends 9,30 Uhr, ~af die to~hche Kugel emes Polizeibeamten den 19jäh'• n~en Arbeiter Otto Engel am Anne seiner Verlobten . Die Schwester des Getöteten schrieb darüber an die Re• daktion der „B. Z. am Mittag": . · „In Ihrer Zeitung vom 4. 5. 1929, Hauptblatt zweite Seit<, schreiben Sie, daß Otto Engel bei den Kämpfen' am Wedding erschossen ist. Als Sdnvester des Ermodeten will ich dieses richtigstellen. \Mein Bruder ging Freitag, den 3. 5. t 929, abends 9,15 ~r, vom Elternhaus weg, um seine Verlobte, welche am V1rchow.:Krankenhaus (Buchstraße) wohnt, nach Hause zu begleiten. Des schönen Wetters wegen, wollten sie die Strecke zu Fuß gehen. Aber sie . kamen nur bis zur Gerichtsstraße an der Volksbadeanstalt, Da kamen ihnen ,etliche Passanten entgegen und riefen, nicht weiter zu gehen, ~a am Wedding geschossen wird. Darauf kehrten die jungen Leute sofort um und wollten in die Kunkelstraße einbiegen, um so weiterzukommen. Im nächst~ Augenblick fielen z,vei Schüsse, der Z\Veite Schuß traf meinen Bruder. Er ist hinterrücks am Arm seiner Verlobten erschossen worden. Auch möchte ich ausdrücklich bornerkten, daß sich dieser traurige Vorgang außerhalb des Speergebietes zugetragen hat. Augenzeuge dieses Vorfalls .ist ein Arbeitersamariter, der kurz hinter dem Schupoherunten ging und gesehen hat, wie dieser Beamte schoß. Der Samariter war sofort zur Stelle und schaffte meinen Bruder in ein Auto, aber er war tödlich venvundet. und starb in den Armen seiner Verlobten und des Samariters. 'Auch will ich bemerken, daß mein Bruder trotz seiner Jugend ein tüchtiger und fleißiger Junge war, in der Arbeit und bei allen die ihn kannten, beliebt. Meine armen ·Eltern sind über' Nacht alt und grau geworden. Mein Vater ist als halber Mensch aus dem Kriege heimgekehrt und muß nun an der Bahre seines Jüngsten, der für uns alle der Liebling war und den uns (s~ll wohl heißen Zör• giebel) auf solche traurige Art entns~en hat, ~ehen. 'Als langjährige Leserin bitte ich ~1e Redaktion, do~h zu veröffentlichen auf ,velch schreckhche Art doch me,•n , Bruder unschuldig ums Leben kam. rA1uza Sc!lfader, geborene Engel." ,.._ .

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.... . - 38 - In ganz Berlin die Bürgerkriegsmaschine ist los! Der gewaltige Umfang der Polizeischießerei in !'le~­ kölln und am Wedding läßt leicht vergessen, daß Berhn 1n de_n l\.\aitagen nicht nur in diesen Stadtteilen das Wüten einer wie Karl von Ossietzky sie nennt: ,,einseitig gegen links gedrillten, verhetzten, \Vild gemachten Bürgerkriegstruppe" erlebte. In allen Stadtteilen, wo nur Arbeit~r als Maifeiernde auf den Straßen erschienen, erlebten ,v1r am 1. Mai die gleichen Gummiknüppelattacken und es sind nur zufällige Umstände ge\vesen, die dazu führten, da~ ni$t auch in anderen Straßen die Salvenfeuer der Polizei ausgelöst ,vurden. Nur einige wahllos aus den verschiedensten Stadtteilen Berlins eingegangene Augenzeugenberichte /' seien hier gegeben. ~"-. Zeuge 'Alf red L. _w Am 1. Mai d. Js. kam ich vom Bez. J\.mt „Przl. Berg" durch die Przl. Allee, gehend durch die Metzerstraße - da kam durch die Weißenburgerstraße ein Demonstrationszug (150-200); S$upo tauchte auf und ein Schupo mif g(Jzogener Pistole stellte sich dem Zuge in den Weg nut dem Anrufe: ,,Straße frei" schoß in den Zug, \Vorauf dieser · auseinanderstieb ! Die Schupo ( 4-5 Mann) ergriffen darauf einen jungen Menschen; ein 6ter Schupo kam von· hinten dazu, legte von hinten dem F estgerwnimeneri die Pistole auf seine linke Halsseite und sd!wß! Zeuge Adolf M . . . . Nachmittags gegen 4 Uhr ging ich in einen Zigarrenladen in der Lothringerstraße um Zigarren zu kaufen. Ich hörte, daß am Schönhauser Tor geschossen wurde. Ich blieb einen Moment vor dem Laden stehen und sah,. wie ein Schupo auf einen jungen Mann, der ein Fahrrad bei sich hatte, mit dem Gummiknüppel schlug und rie~ „schneller gehen". Der junge Mann konnte aber nicht schneller laufen, ,veil abgesperrt war. Der Schupo schoß dann, von dem Schuß ,vurde ein kleines . Mädchen ins Bein geschossen, das dann von einem Samariter fortgebracht ,vurde. Zeuge: Hermann B. Am -1. Mai nachmittags gegen 3 Uhr, kam mein Sohn Willi, 19 Jahre alt, der mit den Vorgängen nichts zu tun hat, zufällig mit seinem Fah'rrad über den Bülowplatz und erhielt im Fahren · von hinten einen Schuß in den Rücken. Irgend eine Veranlassung hat e~ nicht gegeben. Er ,vurde behartdelt vom Arzt Dr. Friedländer, ,vohin z,vei Sanitäter ihn brachten, von dort kam er mit dem Rettungswagen nach dem Krankenhaus Friedrichshein. Ich. selbst bin seit 3 Jahren enverbslos. Meine Frau lebt noch. Ein Sohn lernt noch. Der Sohn Willi war unser Ernährer. - -

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: • 39 - Emil K~rlleben, Junkerstraße 20, 26 Jahre a.lt, Arbeiter benchtet: · ' „ Am 1. Maj mittags zwischen 12 und 1 Uhr ging ich uber den AJexanderplatz und wollte nach der ' Kastanien Allee zu memem Bruder, um dort zu a_rbeiten. Am AlexanderplaJ~ . kam ich nicht m'ebr durch und mußte auf Umwegen uber den_ Bülowplatz. Hier war die Schupo wild und sc~lug auf ~eden Passanten ein, gab auch Schüsse ab. IC-? trdt an zwei ;unge O/flzierf) lteran und bat um deren '5o/iutz . Da stürzten von hinten Beamte heran rissen mich zu_ B_ode1i und_ nun bearbeiteten mith die beiden Offiziere mit ihren ·Absatzen. Ich konnte mich kaum erheben. Gleich darauf riefen sie auc)t: ,,Straße frei!" und sofort wurde geschossen. Im Fortlaufen erhielt ich einen Schuß in die re,c,lrt_e Hand, der Knoc/11Jn ist zerspüftert. Eine Stunde · lag 1c,h a.uf der Straße. Dann gelang es mir, auf Händen und Füßen kriechend, in ein Haus zu kommen und versteckte mich 3iuf dem Hausboden. Meine Blutspur zeigte aber der Polizei den Weg und sie kam in ' das Haus, um nach mir zu ~uchen. Da ich vollkommen ruhig war, entdeckten sie mich nicht. Zweieinhalb Stunden mußte ich dort auf dem Boden verbringen. k.h versuchte nun, ZUi einer Unfallstation zu komm1en. In einer Privatwohnung wusch ich mir d3$ Blut von der Hand, und deckte meine Wunde mit einem Taschentuch zu. In der Station wurde mir dann die Wunde verbunden. · Die K~se bezahlt nur die Arztkosten, will mir aber lceine U 11terstiUzung geben." ' Z-euge: Kurt Lorenz, Autoschlosser. Ich befand mich am 1. Mai gegen 2 Uhr nachm. in Begleitung meines Freunde~ Erich P. Berlin NW., den ich als A~genzeuge benenne, auf d~ ~ülowp~at~ in_ ~er Nähe der Volksbühne und • sah, wie em Pohze1off1z1er„ über dessen Identität idh keine Angacben machen kann, einen Pa:Ssanten der sidh vor der Schupo auf der Flucht befand, den Ma,nt~l über den Kopf zog und dann mit dem Oummi­ k11ü ppel schlug. Da-rauf ertönten aus der Menge der Passanten Rufe: ,,Nieder mit der Sdlupo". Ein Passant wollte in seiner Erregung nacll de~ Sc~~-Po . mit. Sand ~verfen, worauf ein Polizeibeamter blmdwubg 1n die zerstiebende Menge drei Mal schoß. Zwei Passanten ,vurden getroffen, der eine von ihnen ins Bein der a.ndere sank sofort um und blieb liegen. Er wurd~ von 2 r,anitätern . nach. mir unbekanntem Ziel fortgetragen. Ich selbst erhielt eme~ Schuß hinter das linke Ohr. Der Schuß hat den Knochen angeschlagen und ist durch die linke Ohrmuschel ausgetreten, w(obei er nocl1 den .Ohrzapfen an der Wange , gestreift hat. Zeuge: Wilhelm Liebig, Arbeiter, Borsigstraße 25. : . . Ich war von meiner Wohnung aus auf eine~ Privatgange zu einem Freunde in der Palisadenstr. begriffen und - - ·----- .. _. -~ - - -

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.. '--' 1 • J .,. . ' 40 - passierte am 1. 5. um 2 Uhr nachmittags den Bülowplatz.. Der Platz ,var stark bevölkert, es herrschte aber vollkom· .. men Ruhe. Plötzlich sa,h ich zwei Lastkraftwagen, einer von Richtung Volksbühne her, der apdere von der Kl. Alexa,nderstraße her, auf den Bülo,vplatz zufah'ren. Als die Autos den Platz erreicht hatten, sprangen die Beamten vom W~en und schossen wahllos ohne irgendwelche vorherige Aufforderung an die Passanten, sich zu entfernen, in die Menge. Beim Flüchten vor den Schüssen bekam ich kurz vor der Linienstra_ße einen Durchschuß in den linken Oberarm, 1 mm von der Schlagader, der einen Kran-­ klenhausaufenthalt von 10 Tagen nötig machte. Ich bin im städtischen Krankenhaus im Friedrichshain behandeltt worden. Aufnahmenummer 639/8. Ich betone besonders, daß der Schuß von hinten erfolgt ist. Spiessrutenlaufen im 20. Jahr- , hunc)ert. So schlimm das Schicksal derjenigen war, die auf der Straße unter die Hiebe der Gummiknüppel gerieten, schlimmer aber erging es denjenigen, die von der Polizei für reif befunden ,vurden, als Venhaftete mitgeschleppt und schließlich vors Gericht geschickt zu werden. In den Räumen der Polizehvachen, wo Augenzeugen fehlten, klonnte sich die gattrainierte Tatze, ,vie sich die Berliner Polizei auf Zörgiebels Geburtstagsfeier selbst titulierte 1 • 1 ungehemmt austoben. . .--. Am 1. Mai abends gegen 10 Uhr kehrten 6 junge Leute von einer Maifeier, im sogenannten Steuerhaus im Bezirk Friedrichshain, heim, bei der sie einen polizeilich: genehmigten Bolzenschießstand errichtet hatten .. Sie transportierten ihre Geräte a.b. Plötzlich ,vurden sie von einer Gruppe Polizei überfallen. In ihrer Mischung aus Angst und Brutalität schrien di.e Polizeibeamten beim Anblick! der harmlosen Bolzenge,vehre „Das sind die Hunde vom W edding !" Ein Offizier feuerte seine Ma,nnschaften mit dem Rufe an: ,,Nur totschlagen! Nur totschlagen!" In der Polizeiwache in der Friedenstraße, wohin die sechs Arbeiter gebracht ,vurden, stellten sich etwa 80 Polizisten mit Gummiknüppeln zu beiden Seiten des engen Korridors auf, die Verhafteten mußten buchstäblich: durch· das Spalier von 80 Gummiknüppeln Spießruten laufen und bra-­ chen unter den furchtbaren Hieben, die auf den Kopf• und den Körper niederprasselten, zusammen. In der ·Wach'­ stube ,v11rden sie mit dem Gesicht an die Wand gestellt, ,veiter geprügelt, bis sie zusammensanken ' und wenn sie auf Befehl sich mühsam wieder aufgestellt hatten in die , Kniekehlen getreten und weiter mißhandelt. Durch diese Mißhandlungen verlor ein 70 Prozent schwer Kriegsbeschädigter aus der lnsterburger Straße die Sprache.

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... .. -- - 41 - • Die gesetzliche Sanktion bades. des Blut- Alle Tatsachenberichte, die wir bisher veröffentlicht h~ben, bewiesen, daß seit den letzten Apriltagen in Berlin cm Zustand herrschte, der n\lr mit dem in einem von feind• 1 ichen Truppen besetzten lande -verglichen werden kann. Nachdem selbst in dem reaktionären München bt allen '.Städten des Reic!Les Demonstrdtionsverhote für den J. Mlli aafgehoben waren, erließ am 28. April der sozialdcmokrati~che Polizeipräsident Zörgiebel eine letzte Warnung an die Berliner Bevölkerung, die eine sonderbare Mischung aus demokratischen Phrasen und engstirniger Polizeibefehlerei bildet: ..,,!(ein Mensch dellkt daran, der Arbeitersclraft am 1. Mai zu verwehr(Jn, für ihre /deale und i/rre Forderu11geµ einzutreten u,ra ic!t b.in gewiß der letzte. der das durch die Verfassu11g gewä/rrleistete Recht zur Versammlullg~• frei/zeit mißrnlltet ... So ivar icli leider . . . gczwungell, das Demonstra- tionst'crbot zu crlassell ... . So soll nach dc11t \'villell der Kommunisten in den 'Straßen Berlins a:n 1. Mai Blut fließen .. . -Dellll ic!i bin entschlossen, die Staatsautorität in Berlin mit allen ,nir zur Verfügung stelzenden Mitteln durclt,­ zusetzen. •An die f riedliebe11de Bevölkenzng Berlins, insbesondere UJl die Frauen und Killder richte iclt die dringende Bitf.{! . . . sich 1iic/M 1u11iöt'ig a,if den Straßen aufzuhalten ... Zörgiebel, Polizeipräsident. In diesem Polizeierlaß schlägt ein Satz den anderen tot. Die Warnung an Frauen und Kinder, sich , nicht ~n­ nötig auf den Straßen aufzuhalten, zeigt allzu deu_thch1 ,ver bereits vor dern 1. Mai entschlossen war, Blut fheßen zu lassen. - · Und so mußte es zu jener Niedermetzelung_ von S_tra- ßenpa$~·anten und Einwohnern komq1en, deren E1nzelhe1t7n auf den vorhergehenden Seiten die Augenzeugen geschildert haben. . Die Verhä~1..gung des _,...,_ 13elageri.tngszustandes. Als dann die Krierrsmaschine in Bewegung gesetzt ,var als bereits am dritten Tage die Maschinengewehre kjnatterten, da erst besann sich Zörß"iebel _darauf, da~ er für diese Bürgerkrieg-maßnahm .en irge~deine gesetzhch~ Begründung finden müsse. An1 Nachmittag des 3. Mai ordnete Polizeipräsident Zörgiebel ·besondere ~.1aßnahmen für Wedding und Neukölln an: .. -~-- -- -- - - - ------ -

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' t • t - 42- Von 9 Uhr abends bis 4 Uhr f1ük ist ;eder Verkeltr in tkn nachfolgend verzelckneten StrafJen verboten: die strafJenwärts gelegenen Fenster nzüssen in der ang!Jgehenen Zeit geschwssen b/,elh~n~ aucli darf in den strafJe!zwiir~s f!f!legenen R/Ülmen. wahrend der Mgegebeflßn Zeit kein licht · brennen . Zuwidetltandelnd,e W oh11angsinliaber set'zen· sich· der Gefahr aas, dafJ die Fenster von der StrafJe aa~ durch die Po'li~i unter Feuer ge1Uintmen werde,t . . . !Am Tage darf in den in Betracht kom'tnenden Be-­ zirken and genannten Straßen s'oivie in den Hausflurew., H aasnlschen und Toreinfahrten keine Person sielten blei- . beiz . . Die Po'lizei ,vird besonders dl1J'aa/ acltfen, daf} sie/~ niemand länger aaf der Strape au/ltält, als unbedingt erforderlich ist. PfJrsonen, die sich okne f(Jdes Ziel aflif det 'Stra/Jß bewegen, iverden, festgenommen, Zusammengelie1z• ,von 3 d{J,er 4 ~r-sfonen ist nitflri gestditet, ;eder R:adr­ /dh'rverkehr ist untersagt. Die in den genannten Bezirken gelegenen Qastwirtsclui,fien werden abends 9 U ltr geschlossen. Folgt die Aufstellung der Straßen im Bezirk Wedding und im Bezirk Neukölln. . . . 'Alle Personen, welche diese Bestimnwngen nicht beachten, setzen ihr lebell aufs Spiel." 1Der letzte Satz dieser Ausnahmeverordnung des Po­ Lilzeipräs'identen kl)ngt wie bitterer H oltn. ~ 4. Mai ,vurde diese Verordnung ~n der Tagespresse veröffentlicht. Zur gleichen Zeit, .als bereits eine amtliche Meldung veröffentlicht wurde, in der die Beendigung der „Ordnungsaktion" gemeldet ,vird. Drei Tage lang hat die Polizei getötet, drei Tage lang hat sie auf offenstehende Fenster gteschossen, drei Tage lang hat sie in jeden beleuchteten Wohnraum gefeuert. Drei Tage lang knallte sie hinter je.dem· Straßenpassanten, Radfahrer her, drei Tage lang strichen die Maschinenge,vehre die Häuserfronten ab und np,c/uie1n die Blatarbeit beendet war, dtJ. fiel es endlich dem . 'Berliner Po'fizeipräs/,denien ein, der Bßvölkerung mifzu.­ fßilen, da/) fe'der, ~r. g(Jgen die erst nacltlter bekanntwerdetulp_ Verordnung zuwiderJtandelt, sein Lehen aafs 'Spiel setzt. Dümmler und plumper ist wohl noch niemals - versucht worden, ein Verhreclten gesetzlicli zu beg,ünden. Polizeiknüppel im Betrieb. Am 6. Mai, mittags 12 Uhr, hob Polizeipräsident Zörgiebel den Belagerungszustand für Wedding und Neu­ Jrolln auf. Es wäre aber ein Irrtum, anzunehmen daß damit jene Zustände, für immer beseitigt worden ~ären wie sie in den Maitagen in den · Straßen Berlins herrschten: Naichdem selbst die bürgerliche Presse begonnen hatte nach' dem Sinn der Schießereien und Prügeleien zu fragen' nachdem Diener der Bourgeoisie bereits von den Kufel~ .. , ,

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• - . . · - 43 > getroffen, nachdem immer mehr offenbar wurde, daß geschossen ,vurde, um zu schießen, daß Menschen einfacl t wie Zielscheiben behandelt ,vurden, nachdem die Obdukti?ns'befu.nde der Leichen ergaben, daß die bei 17 Q,: .. toteten ge/unde1tßll Kugeln sämtliclz. Po'/izeigesclwsse waren, mußte die wildge\voräene Polizeimaschine von den; allen Augen sichtbaren Straßen vorläa/ig versch,vinden. Aber sie hörte nicht auf zu existieren und ihre Kommandeure hörten ni.cht auf, ,sie gegen die Arbeiterklasse in Be,vegung zu setzen. Im Betrieb verhaftet! Am 11. Mai ,vurde der Zeuge Joseph Reiser Berlin N.O. :Betonierer bei der Untergrundbahnbaugesellschaft nach Veranstaltung einer Betriebsversammlung, als Mitglied der Streikleitung, von einem Schupoüberfallkommando von der Arbeitsstelle weg verhaftet. Er ,vurde in Fesseln · gelegt und auf der Wache mit einem Schemel und Fußtritten mißgehandelt. Nach seiner Freilassung wurde er nicht wieder zur Arbeit zugelassen. Ja gegen Betriebsräte. Am 30: Mai ereignete sich ein noch auffälligerer )( Vorgang der Berliner · Polizei gegen die Betriebsarbeiterschaft im Zusammenhang mit den Berliner Maiereignissen. Eine Reihe ß(!triebs';äte Berliner OrofJbetriebe erh'ielf~n eine Vorladung zur Abteilang I a, der politischen Abteilung, des Berliner Polizeipräsidiums, wo man ihnen die Frage vorlegte, ob sie in deti Maikomitees der Berliner Betriebe tätig gewesen waren und welches ihre Tätigkeit in dieser Richtung war. Die Spürnasen der politischen Polizei des Herrn Zörgiebel hatten mit ihren Fragen keinen Erfolg. Entscheidend aber ist, da/J: dieses Vorgelien der politischen Polizei auf die politischen Ursac!ien des Maiblutbades 'hinweist, jene Ursachen, die aus dem Verlauf der Schießereien allein nicht ohne weiteres verständlich sind. Warum das Blutvergiessen? ~ ist Pflicht eines jeden Gerichts nach dem Tatmotiv zu fragen und auch wir wollen diese Fra_ge stell~n. ~nn ' es wäre Unsinn anzunehmen, daß es keine Motive gäbe, die die Verant:Vortliclien für die Berliner Maiereignisse dazu trieben die Mord auss ·endenden Maschinenge:,veh're der PanzenJagen durch die Rerline _r Straße~ zu jagen. 'Sie kannten die Folgen des Den!onst~ailonsverbote,s, . siei wußte,t, ddf) die 'Arbeiterklasse sicli nicht das Rec/tt: @ft die Stra/Je anf4 1. Mai 11elu~n lassen werde~: s~lbst ein Teil der Parteipresse des Soz1aldemokraten Zorgiebel sprach dies offen aus. . ,. . 'A.usg.erech'!zet - eine Ironie der Oe~chichte de11 'Sozidldenzokrat Zörg'iebel setzte gegen dieses Recht der wbeiterklasse Panzerwagen ein . ·-· ,. ..

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.. ' J l - 44 .. . Schon am 19. April ,vamte ein Berliner Sozialdemo• krat im Sächsischen Volksblatt", Z,vickau: ,, .. . 'Aber was nützt es ... ,venn man kalten Herzens zusieht \\'ie alle Vorbereitungen getroffen ,verden, um Arbeiter ~vegen Verstoß gegen die Verordnung des Po1izeipräsidenten Zörgiebel aus dem Jahre 1929 niederzuschießen? · ... dürfen ,vir ihn bitten, . ... lieber von den Maßnahmen gegen die Maidemonstrationen abzusehen, als den 1. Mai zu einem Tag ~er Toten zu machen?" Der Polizeipräsident, Sozialdemokrat Zörgiebel, zog es vor in eine andere Kerbe zu hauen. ,War es das Lob, das ihm und den sozialdemokra.­ tischen Ministern der „Stahlhelm" aussprach , ,vegen der ,;Erkenntnis, daß mit jener Freiheit, als deren Vorkämpfer sie in revolutionären Volksversammlungen geglänzt haben„ eben doch nicht zu regieren ist, und daß auch sie auf die Methoden des einst so bekämpften Berliner Polizeipräsidenten v. Jago,v zurückgr~ifen müssen?" 1 Oder ,varen es andere Gründe, die Zörgiebel, Grzesinski, Severing und die lange Reihe der Veranhvortlichen, sozialdemokratischen und demokratischen „ßtützen der staatlichen Ordnung" veranlaßten, einen einseitigen Mordfeldzug gegen friedlich demonstrierende Arbeiter zu be- • ? g1nnen . . , 'Wir haben noch Zeugen: ,~Geral>eaus feini)liche Ansammlung!'' ,. ( Ein Schupo iiber Sclro,po) : Die „Welt am Montag" veröffentlichte am 21. V. einen Artikel „Schupo über Schupo", in dem es ,vort-,vörtlich 1 heißt: .. · . ,, Wenn man bedenkt, daß der größte Teil der Schutzpolizeioffiziere noch dem alten Heere entstammt, so kann man sich die frage (,vie die Vorgesetzten aussehen) leicht sfelbst beanhvorten. Leider ist es auch noch heute so, daß man in der Masse de~ ,verktätigen Volkes, sobald sie sich in großer Zahl in Versammlungen oder auf der Straße befindet, den Feind .sieht. Das kam auch insofern schon, 2lU.tn Ausdruck, daß man bei der Waffenausbildung der Beamten bei der Zielansprache sagte: ,,Geradeaus feind„ liehe Ans amm1ung!" In letzter Zeit sagt man nur noch: ,,Geradeaus Ansammlung!" . ,,Oerddeaus Ansammlung!" - Jede Ansammlung ist der feind. Das ist das System der von Severing, Orzesinski und Zörgiebel befehligten Polizei, das war das System vom 1. Mai 1929, das · ist die Bürgerkriegsmasc!l'ine Öie jahrelang in den Polizeischuleo und Bereitschaften. militärisch gedrillt, in den Händen von königlichen Offi- .... • 1 ... •

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....... • - - 45 - • .zieren und Unteroffizie~en, ei~mal losgelassen, nur mordend und schlachtend ilber die Arbeiterviertel über die Bevölkerung herfallen muß. ' „De.r Herr Obe~leutnant ist an der Frontl" ._ so ,~r~e. emem Journalisten nuf eine Anfrage vom Polizeipras1d1um geanhvortet. Die Front - das waren die dichtbevölkerten Arbeiter- .. straßen. Die Front des Bürgerkrieges! . Das ,vußten die Severing, Orzesinski und Zörgiebel. Sie ~aben ~s Wieder~lt bestätigt. Und sie unterließen -es nicht, diese blutbringende Maschine in Bewegung zu setzen. ' Sie haben damit die Blutschuld auf sich geladen . Do:h nicht damit ist die Schuldfrage gelöst. Sie haben die Macht gehabt, diese Maschine in Bewegung zu setzen, wie sie die Macht hatten, es nicht zu tun . Sie haben wichtige Gründe gehabt, solch eine Blutschuld auf sich zu laden. \Warum? - „ Wir müssen dem Genossen Zörgiebel unseren Dank a_ussprechen, daß er uns davor be,vahrt, solche unert.räghohen Zustände ,vie im letzten Jahre noch einmal zu erleben" (Sozialdemokrat Exner - ohne Widersprüahc - auf dem Berliner Bezirks Parteitag der SPD 28. IV. 1929) . Diese „unerträglichen Zustände" w~r die Riesendemonstration des Berliner Proletariats unter roten Fahnen am vorigen Mai, wo die Sozialdemokratie garnicht zum· Vorschein kam. : Ab~r diese Demonstration d~s Berliner Prol.etariats li' 1928 zeigte auch, daß das Proletariat unter dem steigenden I Druck der Unternehmer merklich radikaler geworden und gewillt ,var, sich auf der Grundlage des rev. KlasSenkampfes den Angriffen des Trustkapitals zu widersetzen. t (Die Bourgeoisie ,vußte wohin das führt. So schrieb ~ -die schwerindustrielle „Bergwerkszeitung": .,,Es ist bekannt, in ,vie · -erstaunlichem Masse die . Radikalisierung der Arbeitermassen in den Betrieben zunilTl!mt. Die Kommun'isten erreichten bereits die Mehrheit bei den Berliner Betriebsrätewa'hlen. Bei solcher Perspektive stellt schion jetzt zu erwarten, daß bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen die kommunistische Partei _ als die stärkste ins Rai!haus einziehen ,vird. Damit im· Zusammenhang wird auch in der Oeffentlichkeit die Radikalisierung zunehmen. Deutschland ,vird zum Schauplatz, f<-ommender hols.che\vistischer Gesellschaftskämpfe in einer Weise, die der ·europäischen Gesellschaft nicht gleich 1.. gültig sein kann". I 1

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• • = 46 • l •War das nicht ein offener Appell den ,vachsenden. Widerstand der Arbeiterklasse in einem Blutbad · zu er~ sticken?? Die Methode. Schrieb nicht derselbe Severing, der Reichsinnenminister ,vährend des Berliner Blutmai war, nach der ' blu• tigen ·Polizeiaktion im März 1921 folgendes Eingeständ~is :· ... Darum ,V11rden die Polizeikräfte aus anderen, ver· hättn'lsmäßig ruhigen Bezirken zur vorübergehenden Ver· ·wendung herangezogen und auf die unruhigsten Orte verteilt. Man hat diese (Maßnahme) als unzweckmäßig bezeichnet, da sie gerade die B<lnden zum Widerstand herausgefordert habe. Ich erblicke darin keinen Nachteil. Wäre· der Einsatz von Polizeikräften so massiert worden, wie es· heute. . . . als größte Weisheit bezeichnet ,vird, dann: wär4 das Oeu,itter nicht zur Entladung gekomnr.en, , die• Schwüle aber geblieben. . . aber zu einer völligen Beruhigung hätte dieser Erfolg nicht geführt, der Aufstand wäre latent geblieben. (D. b., der Aufstand wäre nicht ausgeb'rochen) ''. . (Severing im „Getreuen Eckardt" im März 1921 )' • Die Täter. Es ist eine alte kriminalistische Erfahrung, daß marr an der Art der Durchführung eines Verbrechens die Täter ermitteln kann. . • , · 'Es genügt, die Ausführungen der sc;h,verindustriellen ,,Berg,verkszeitung", das Eingeständnis Severings aus dem. Ja,1ue 1921 und die Tatsachen des Verlaufs der Berliner , Maiereignisse vergleichend nebeneinan·der zu stellen, um· zu. erkennen, warum die Bürgerkriegsmaschine auf die Berliner Bevölkerung losgelassen wurde, obgleich ihre Diri-, genten sich über die blutigen Folgen von vornherein im Klaren ,varen. 'Aber nicht nur in der Innenpolitik sind die Motive für das Berliner Maiverbrechen zu suchen. Gerade zur, Zeit des 1. Mai traten die Verhandlungen auf der Pariser Reparationskonferenz in ein ·entscheidendes Stadium. Das deutsche Trustkapital hatte den Be,veis zu liefern, daß es die Zahlungsverpflichtungen nicht nur a11erkennt, sondern auch durchführen kann. . Die „Menschheit" vom 12. Mai d. J. läßt sich aus London vom 5. Mai melden: ,,Die englischen Stimmen neigen der Auffassung zu,. .. man habe es zum Teil gerade auf die englische psycho• logische Einstellung zur Kommunistengefahr abgesehen. Der Widerstand der Gläubigerstaaten in der Reparationsfrage solle durch die Nachrichten von Belagerungszuständen und Zusammenstößen erschüttert ,verden. Ahf diese Weis! soll die Reparationsfrage im Schacht'schen Sinne einen günstigeren Abschluß finden". '

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4-7 • 1 !)ie deuts,ch~ Bo~rgeoisie h_at ~urc~ Severing, Orzesmsk1 und Zorg1ebel den Beweis für ihren Macht- und Ausbeutungswillen am 1. Mai angetreten. .. Der \.Ville zum Krieg. Ein weiterer wichtiger Beweis für die außenpolitischen Hintergründe der Berliner Maiereignisse ist die sie begleitende Pogromh«;!tze gegen die Sowjetunion. Während in Berlin der Sozialdemokrat Zörgiebel die Maidemonstration verbot, nahm sich die deutsche Regierung heraus , den Zensor über die Maireden in der Sowjetunion zu spielen, hetzten allen Zeitungen vom „Vonvärts" bis zur Berg- werkszeitung" gegen die Sowjetunion. " -In dieser Rußland~etze finden wir genau dieselbe ri phantasierarmen plumpen . Lügen, wie ,vir sie auc1t · bei den Polizeiberichten über den Verlauf der Berliner Maivor - . gänge feststellen mußten . Die ganze Presse wußte zu erzihlen, daß Manuilski als bolschewistischer Agent dit; Berliner Arbeiterschaft ·zum Aufsta,nd organisiert hätte, während er zu gleicher Zeit in Moskau anwesend war und von den offiziepen Vertretern bürgerlicher Regierunge ·n gesehen wurde . . · Schon die Panzerkreuzer-Debatten zeigten den unverhüllten Willen der Herrschenden Deutschlands zum' imperialistischen Kriege . •Kriegführung . in der heutigen Zei( setzt aber eine willfälhrige Arbeiterklass~ voraus, deren Klassenkraft ge- , scl1w'ächt, deren Klassenkampfwille gebrochen ist. . 'Darum muß, ,vo es den Herrschenden nicht gelingt, die Arbeiter durch den Betriebsfaschismus an die imperialistische Politik der Bourgeoisie zu ketten, der weiße Terror einsetzen. Die Terrorwelle steigt. 1So erklärt es sich auch, daß trotzdem selbst eirr Teil der bürgerlichen Presse laut eine Untersuchung der Berliner · Maiereignisse fordern mußte, nicht etwa eine Einschränkung der Terrormaßnahmen erfolgte, sondern umgekehrt, dem Berliner Blutmai weitere diktatorische Schritte folgten, die ihresgleichen nur bei den Herrschaftsmethoden der faschistischen Länder finden . Es folgt ~ .... das Verbot des Roten Frontkämpferbundes, es folgten die Zeitungs„ verbote, Zeitungsbeschlagnahmen in Berlin und im Reich, es folgten Demonstrations- und Kundgebungsverbote, es folgte die Ankündigung eines neuen Vereinsgesetzes, durch das die formal in der Verfassung garantierte Vereinigungs-, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit endgültig auf­ ~ehoben werden soll. Es folgte die Verlängerung des Republikschutzgesetzes, es erfolgte die Beschlagnahme der , Broschüre über die blutigen Maiereignisse, es folgte das . .

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• • i I - 4 8 k t · \'" el zur Erri chtun g der Diktat ur de r , D emo -e enn 111 \ , h' tt M " ll kratie , d. h. d Pan z~rk~euz~r"~ •~1 u er: II die re iht icl1 wurdt g m 111 JC~e ~ ettc S)s temati eher KI1ebe lung der rbeiterk la e, die m dem neue~ Zu c.htltau ge etz in dem trafge etzentwurf de deu~ chen Reiche in der chlichtun g ordnun g d er syst~ati chell Erdro 'elun g der r beit kämpf ~ des Pro letan ats dur~h Zwang chied prü che, in der 1m~er of!ener g~g en die Arbeiterk la se ange wan dten rbe1t g enchtsprax1s, zum u d ntck kommt. Das Urteil. Punkt für Punkt haben wir hier das '.f at achenmateri al über den Verl auf de Berlin er Blut mai, eine Vo rges chichte un d seine Hin terg ründe , zu ammen getra g en. Es ist einel Ankl age von allzu deutli cher Bere dt amkeit. Zam U rteilssp rach lud die werldätige Bevölkerung, das Wort. All die e Tatsac hen zeige n aber , daß woh l noch ni ernal in der Geschic hte der deuts chen Arb eiterb ewegung eine Organ i ation de r solidaris chen Hil fe fur di e Opfer de v/ei ßen T error und der bür ge rli chen Klassenj ustiz und de Kampf e gege n diese Einri chtungen des bürger ­ lkJ1en taates notwend iger war, als in der gegenwärt igen' P eriode. Die Rote Hilfe, die seit dem er ten Terrorakt in den blutigen Berline r Maitage n ebe nso wie in vergange nen Zeiten aus de n Grosche n und P fennigen der werktäti gen Massen Une r­ h_? rte~ an . o lidari ~cher H ilfe für die Berlin er M aiopf er, fur die Hmter ge bhebenen der Gefallen en, für di e Verhaftet en und Angeklagten gele istet hat wird auch weit erhin mit vervie lfac_~ter Kra~t ih re. Solida 1 rität s- und Kampfauf ­ gaben durch fuh ren. S1e w eiß daß sie nicht zu tauben Ohren spricht, wenn sie den Arb eiter n zuruft: Gebt für die Opfer des Berliner Blutmai! Helft mit am Solidaritätswerk der Roten Hilfe Deutschlands! Verlag ; Mopr ver lag. Berlin N W 7 D k s ----- ---- . ruc : onnen-Dru ck~r el, 13.:rlin-Chulottenbu rg 4.

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