ROTE HILFEDIGITALE BROSCHÜRENSAMMLUNG
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Historische Broschüren · 36 Seiten

Bei den Familien der Februar-Kämpfer in Wien

Delegationsberichte über die Not der Familien nach den österreichischen Februarkämpfen 1934. Sie dokumentieren Hilfsbesuche, Briefe von Angehörigen und die illegale Solidaritätsarbeit der Roten Hilfe unter dem Dollfuss-Regime.
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Bei den Familien der Februar-Kämpfer in Wien Erlebnisse der ersten Frauen-Delegation der Internationalen Roten Hilfe

EXLIBRIS

Bei den Familien der Februar-Kämpfer Wien

Am 20. Februar, nur eine Woche nach der Auslösung des f(nmpfes des tapferen österreichischen Proletariats, konnte die J· tcrreichische Sektion der Internationalen Roten Hilfe bereits oc. dcutcchen Sektion mitteilen : « Wir haben Geld, Nahrungsmittel und Kleider gesammelt. Eine Reihe von Betrieben hat bereits die Bildung von Patenschaften über mehrere Gefängnisse und zahlreiche Verwundete übernommen. Eine grosse Zahl sozialdemokratischer Arbeiter beteiligen sich an diesem Hilfswerk. Angesichts der zahlreichen Opfer ruft die Rote Hilfe Österreich:; alle Schwesterorganisationen zur Teilnahme an diesem Unterstützungs�,verk auf.» Draussen, ausserhalb Österreichs, hatte die IRH in einer Rekordzeit eine gewaltige Solidaritätsbewegung organisiert. Pie erste Spende der franzöischen Sektion ging am 16. Februar a b! Währenddessen wurden auf einen Schlag in den Fabriken der Sowjet-Union zugunsten der Aufständisch en von Österreich 3 Millionen Frapcs gesammelt. Die 72 Sektionen der I.R.H. ,vetteiferten in der Organisierung der Hilfe.· Zur Verwirklichung des Zweckes dieser Bewegung, die an Umfang und Schnelligkeit einzig dasteht, stellten sich Frau Lahy­ H ollebecque und Frau Willard zur Verfügung. Im folgenden berichten sie uns, wie sie ihre Aufgabe erfüllten.

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-2- INTERNATIONALE SOLIDARITAET

Wien im Monat Februar: 400.000 Arbeitslose im Lande. Nicht einmal die Hälfte erhält Unterstützung. Inmitten der Sauberkeit, der scheinbaren Behaglichkeit, inmitten des Lichts dies er modernen Häuserblocks, auf die die sozialdemokratische Stadtverwaltung so stolz war: Dieses Elend! Der Aufstand! Nach Tausenden zählen die Toten, die Verwundeten, die Krüppel. Für die Ueherlebenden: Furchtbarste Unterdrückung und Betrug vermittels des �Dollfuss-Pardon». Gefängnis, geheime Haft, Folterungen, Todesstrafe {1). In Tausenden Fällen Vernichtung des Brotenverbs. Frauen und Kinder als Hinterbliebene in den Ruinen der schönen, bombardierten Wohnungen. Ueherall Inquisition, faschistische Soldateska, höchste Not und Todesqual. Sofort trat die internationale Solidarität der Werktätigen auf den Plan. Ueberall "rächst die Zahl der Proteststreiks, nehmen die Massenkundgebungen zu. Die Groschen der durc h Krise und Anwachsen des Faschismus ausgesogenen hungernden Massen fliessen der Roten Hilfe zu. (1) Neun Aufständische wurden gehängt : Karl Münichreiter, Ingenieur Georg W eissel, Emil Swoboda, alle crei aus Wien; Viktor Rauchenberg, Johann Hoyos aus Sankt-Pölten; Josepf Stanek aus Graz; Joseph Ahrer aus Steyr; Coloman Wallisch aus Bruck und Anton Bulgari aus Linz. Zahlreiche Revolutionäre wurden gleich an Ort und Stelle erschossen, al s sie der Polizei und den Heimwehren i n die Hände fielen; so brauchte man sie nicht unter den Hingerichteten aufzuführen. Sie zäh l­ ten zu den während des Aufstandes ((Getöteten». Trotz der amtlichen Bemühunge� - die Friedhofswärter mussten den Behörden schwören, über Zahl und Umstände der Beerdigung von Aufständischen zu schweigen - gelang es, die Zahl der getöteten Arbeiter ungefähr festzustellen. Sie beträgt ungefähr 2.000. Rund 12.000 sitzen hinter Kerkermauern wegen Teilnahmc an den Fcbruarereignissen. Sechs sind bereits zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, Dutzende zu 15 bis 20 Jahren Gefängnis und Kerker verurteilt. Die Prozesse gehen weiter. '

3- , Die· französische Sektion zahlt 10.000 Francs aus. Das Europäische Bureau der I.R.H. 15.000. Die illegalen Sektionen der faschistischen Länder nehmen in prächtiger Weise an diesem Wettbe,verb der Solidarität teil. Der deutschen Sektion gelingt es, 1.000 Francs zu sammeln; die italienische bringt 627 Fran es auf! Die englische Sektion gibt 2.298 Francs, die schweizer 2.000, die der Vereinigten Staaten 2.698, die Italiener Süd-Afrikas 420, Australien 1.000, Canada 2.580 Francs. Aber in der Sowjet-Union, dem Land des sozialistischen und internationalistischen Wettbewerbs, entfaltet sich dieser kollektive Elan unter der Leitung der M.O.P.R. am breitesten. Die Fabrik <<Stalin» in Moskau gibt das Beispiel: Sie führt l 0.000 Rubel ab. Jeder Arbeiter zeichnet den Lohn eines Arbeitstngc;;, Rubel für Rubel sammeln die Arbeiter der So 1.v-jct-Union. In wenigen Tagen erreichen sie den Betrag von 1 l\tliHian Schilling, das find fast 3 Millionen Francs. Die österreichische Sektion der Roten Hilfe war durch die Dollfnssrcgierung schon seit dem 20. Mai 33 in die Illegalität getrieben ,vorden. Aber sie hat es trotzdem verstanden, schon in der ersten Woche nach den Kämpfen in Wien allein mehr als 5.000 Schilling für die Opfer zu sammeln und unter ihnen zu verteilen. Die französische Sektion erhielt den Auftrag, den Opfern des Aufstandes und ihren Familien den Solidaritätsfond der Werktätigen der Welt zu übermitteln. S o schickte uns die französische Sektion der Internationalen Roten Hilfe als Delegation nach Wien. Drei Aufgaben hatten wir durchzuführen: 1. Den Familien die Unterstützung zu verteilen, 2. Den Gefangenen zu helfen, 3. Den Transport der Waisen und der Kinder der Opfer nach Frankreich zu organisieren.

Von Haus zu Haus Der in Wien regierende T.error gestattet uns keine genauen und ausführlichen Angaben über die von uns ange·wandten

-4- Arbeitsmethoden. Stellen wir nur fest, dass die Durchführung der Aktion möglich war dank der ausgezeichneten Verbindung zwischen uns und den Roten Helfern. Sogleich am folgenden Morgen nach den niedergeschlagenen Kämpfen war die Rote Hilfe dazu übergegangen, die Familien der Opfer zu unterstützen und sie untereinander in Verbindung zu bringen. So kannten die Roten Helfer ihre dringendsten Nöte und ihre unmittelbarsten Bedürfnisse. Sie führten uns sicher und ermöglichten es uns, die uns anvertrauten Gelder g erecht zu verteilen. Ohne diese umsichti ge Hilfe, ohne ihre unermüdliche und. man muss sagen, heldenhafte Ergebenheit - denn jede Minute standen sie in Gefah1 verhaftet zu werden - hätten ,vir unsere Aufgabe nicht gut lösen können. · Für uns handelte es sich darum, so viel F arnilien als tnöglich zu besuchen und solange zu bleiben, wie die Polizei unser� Anwesenheit nicht bemerkte. Während der 12 Tage unseres Aufenthaltes in Wien haben . wir 16 Arbeiterzentren besuchen können. Zwei in Wien selbst: Favoriten und Brigittenau, un d die anderen in den Vororten, jenseits der Donau. Ueberall sieht man noch die Spuren des Kampfes: Von Maschinenge,vehrfeuer durchlöcherte Fassaden, von Granaten und Geschossen d urchschlagene Dächer und Wohnungen„ zerbrochene Fensterscheiben und zerstörte Gebäude. In Floridsdorf, dem wichtigsten Wiener Bezirk, hielten wir . uns mehrere Tage auf. Ein einzelner Tag der Anwesenheit in ·dieser «Kleinstadt» genügte, um unter den 60.000 Arbeitern die Na�hricht von der Ankunft des Geldes ihrer Klassenbrüder zu verbreiten: <<Die Rote Hilfe ist da�, teilten die Frauen einander mit... Wir sahen wie diese Nachricht ihre zermarterten Gesichter erhellte. Sie sahen in uns die mächtige Kraft der internationalen Solidarität. Sie wussten, dass wir ihnen nicht Barmherzigkeit und Mildtätigkeit brachten, sondern dass die proletarische Hilfe in ihre Stul:ie trat, um sie nicht wiedP,r zu verlassen.

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Von link@ nach rechts und von oben nach unten: Ingenieur Weisset und, aer Arbe-tter Münlchreiter, aie am Galgen starbe11; Luawig Tztma zu 12 Jahren Ge/llngnis venirteilt: AloiB FelB in aen Kämpfen gefallen; Rttrl,ol/ Krbec - zu lebensläng, Zttchthaua 11erurtellt; Franz M eye,· - fo den Kli,mp/en gefallen.

-6- Eine schwierige Aufgabe: Wie die Unterstüzung einteilen'?

Wir fragten jede von uns besuchte Familie nach den vorhandenen Mitteln ... Sie hatten keine... Wieviel Kinder? Oft sehr viele, besonders kleine... Sonst jemand, für den man sorgen muss? Dies auch oft,- ein alter Vater, eine alte Mutter. Wir gaben 25, 40, 50 Schillinge einer Familie, je nach der Zahl der Kinder und de·r Höhe der Miete. War die Lage besonders ernst, waren z. · B. die Möbel gepfändet, so fügten ,vir den nötigen Betrag hinzu, um den bevorstehenden Zusamrnenbruch der Familie zu verhindern. Man kann sich leicht vorsteH-cn, dass es ausserdem Fälle gab, die zusätzliche Unterstützung erforderten. Berichten wir von vielen Fällen nur den eine r Frau, deren Ehemann, 58 Jahre alt und herzkrank , zu lebensläng1kher Kerkerschaft verurteilt und sofort in die Provinz überführt -:..vorden war. Sie konnte ihn nicht besuchen. Sie hatte nicht die 13 Schillinge für die Eisenbahnfahrt. Die Un terstützung, die ,vir ihr gaben, war mehr als nur materiell: Sie bedeutete moralische Aufrichtung. Das erste Wort, das diesen ausschliesslich um die Leiden der Ihren besorgten Frauen über die Lippen kam, war fast immer: «Endlich werde ich meinem Manne oder meinem Sohne einige Lebensmittel und Zigaretten bringen können I » Denn in den Gefängnissen entbehrten sie nicht nur alles, sie starben vor Hunger.

Eine blutige· Klaue tarnt sich als hilfreiche Hand: Der Dollfuss-Fond

Es besteht wirklich ein «Dollfuss --Fond» unter der Schirmherrschaft der Frau Doll"-'ss und des Kardinals Innitzer. Er verteilt Lebensmittelkarten und einige Geldspenden. Aber er unterstützt die <<Roten1> nicht. Seine Hilfe beschränkt sich aussch]iesslich auf Familien der Heimwehren und der Polizeibeam-

-7- • ten, der Verteidiger des Regimes. Wir fragten eJnen Arbeitslosen, einen Vater von 3 Kindern. Ihm war die Unterstützung unter dem Vonvand verweigert worden, er habe seinem jungen, eingekerkerten Sohne einige Schillinge gegeben, die er von seinen letzten Ersparnissen genommen hatte: «Dies beweist>, so sagte man ihm, «dass Sie Geld haben!» Die Familien, deren Wohnungen man von der Artillerie bombardieren und von den Granaten zerstören liess, erh alten nicht einen Groschen. Und diese Familien sind zahlreich! Woher sollen die Bewohner der zerstörten Wohnungen, d ie solange von Nachbarn aufgenominen wurden, das Geld nehmen, um die not­ \Vtndigen Möbel zu kaufen: Betten, einen Tisch, einen Ofen ... ? Mit Ausnahme von einigen 20 Familien, denen die Quäker einige Schillinge gegebe n hatten, hatten alle von uns aufgesuch­ t<.:n Familien, fast 500, seit dem Aufstande von dem Dollfuss­ Fonds nichts bekommen, auch n ichts vom Matteottifond. Unsere Untci·suchung ergab, dass die Taktik der. Regierung darauf ab- 7.ielt, das in den Familien der Aufständischen bestehende Elend noch zu vergrössern. So hofft die Regierung zu erreichen, dass diese Familien der Sache, für die sie kämpften, untreu ,verden. Seit 6 Wochen ist tatsächlich die Auszahlung der Löhne und Gehälter eingestellt. Jeder - ein Beweis braucht nicht vorzuliegen - der der Teilnahme an der Bewegung verdächtig ist, • wird seiner Arbeit beraubt. Barsch und gefühllos ,vird seine Frau benachrichtigt. Nähere Erklärungen oder Begründungen ,verden nicht gegeben. Mit den Beamten und Angestellten der verschiedenen öffentlich.en Betriebe, wie Strassenbahnen, Eisenbahnen, Gas, Elektrizität ging man folgendermassen um: Eine Woche nach der Verhaftung erhielt die Familie einen Bescheid, der die kurzerhand erfolgte Entlassung, die Einstellung jeglicher Lohnzahlung, selbst für die laufende Woche, mitteilte. Ausserdem wurde mitgeteilt, dass die Geltendmachung ihrer Anwartschaftsrechte aussichtslos sei und dass die bis zu diesem Tage geleisteten Zahlungen als verloren zu betrachten seien. Den

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Arbeitslosen sperrte man ohne vorhergehende Ankündigung die Unterstützung. In bestimmten Fällen nahm die Regierung vermittels der Arbeitsstellen Rache. So liess sie z. B. durch die Chefs fast alle Angestellten der Strassenbahnen zusammenrufen. Als Vorwand diente die Behauptung, in den Wagenhallen seien Waffen ver„ borgen ,vorden. Die versammelten Strassenbahner w·urden von der Polizei umzingelt, verhaftet und eingesperr t. Im Laufe unserer Untersuchung stellten wir 36 derartige Fälle fest.

Kein Brc•t - keine Wohnung

Der Raub des Lohnes von Männern und Söhnen musste die Familien schwer treffen. Die seit dem Kriege ,vüt,�nde wirtschaftliche Not, die Senkung der Löhne hatten irgcnd,velche Ersparnisse unmöglich gemacht. Tagtäglich herrschte d;;s Elend. Noch schlimmer war die Lage für die Arbeitslosen. Selt langem waren .sie gezwungen, von der Hand in den Mund z u leben. Man muss sich einen Begriff über die Tatsache machen, da�:j ,vir im Laufe unserer Besuche mehr als 50 Familien antrafen, ·..vo der Ehemann seit 3 oder sogar 5 Jahren arbeitslos ,var, wo jugendliche von 16 bis 23 Jahren niemals in ihrcn1 Leben ihr Brot verdienen konnten. Wie sollten wir angesichts dieser Verhältnisse z. B., die Frage der Miete lösen? Der Durschnittspreis für eine Arbeiterwohnung liegt i n Wien zwischen 15 und 38 Schillinge monatl ich. Der Schillin g ist ungefähr 3 Franes wert. Die meisten Familien haben ihre Wohnungseinrichtung auf Abzahlung gekauft und stecken so tief in Schulden. Jetzt, wo sie diese Schulden nicht abtragen können, laufen sie Gefahr, gleichzeitig vom Möbelhändler gepfändet und vom Hauseigentümer - in diesem Fall die Stadt-­ gemeinde - hinausgesetzt zu ,verden. Die Dollfuss-Regierung geht systematisch dazu über, in die Gemeindehäuser Heimwehr„ ler hineinzusetzen und die Familien der Kämpfer zu exmittieren . Die Lebensmittel sind sehr teuer. Uns erzählten die Fami-

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·lien, dass sie nur einmal in der Woche Fleisch essen und sonst nur Kartoffeln. Nach der von uns angefertigten summarischen Statistik hatten von den von uns aufgesuchten 450 Familien kaum J /3 drei und vier Kinder, ungefähr zwölf 5, 6 und 7 und die übrigen ein oder zwei. In vielen Familien, wo mehrere Arbeitslose waren - und

J.::i11 Armce-Lastarlto mit elucm, MascMnenucioc11r u11cl einer Kanone fuhr am, 14, li'cbruar clurc11, clio Strassen Wlens.

dies ist sehr häufig der Fall - ·erhält nur einer Unterstützung.· Und auch sie ist auf 8 Schilling 90 herabgesetzt. Das sind 'also · ungefähr 25 Francs wöchentlich, von denen 6, 7 und manchmal bis zu 10 Personen. acht Tage lang ernährt, gekleidet ünd die Miete bezahlt werden sollen.

10 - Aber die Rote Hilfe· greift ein ...

Der Mann tot, gefange n oder im Auslande. Die Frau ist mit ihren Kindern allein. Sie würden vor Hunger sterben, trotz der wunderbaren Solidarität der Nachbarn, wäre die Rote Hilfe nicht da. Illegal natürlich, immer aber gegenwärtig, ihnen zu helfen und sie zu retten. Im Gefängnis hat der Mann nur eine Sorge. Wie lebt seine Familie? Das ist die erste Frage, die er an seine Frau richtet, wenn sie ihn besucht. Sie beruhigt ihn und ohne dass der Wächter es merkt, flüstert sie ihm zu: «Die Rote Hilfe ist da!» Nur einige Wochen genügten, 11m unter den Arbeitern, den sozialdemokratischen wie parteilosen, das Wort «Rote Hilfe» mehr al s je volkstümlich zu machen. Es ist auf allen Lippen. Die düstersten Gesichter werden hell, wenn man dieses Wort <-:Rote Hilfe» ausspricht. Für alle verkörpert dieses Wort nicht nur den Gedanken der Solidarität, sondern den des Kampfes, des n:1henden Sieges über den Faschismus. Viele Mitglieder der sozialdemokratischen Partei und des Schutzbundes, Funktionäre und Ortsgruppenleiter, traten der «Roten Hilfe» bei und sind aktiv für sie tätig. Eine Frau, deren Ehemann, Kommandant des Schutzbundes, im Gefängnis sitzt, stellte ihre Wohnung für illegale Sitzungen zur Verfügung. Sie selbst ist aktive Rote Helferin geworden. In einem einzigen Stadtviertel wurden seit unserer Ankunft in Wien 1.300 Aufnahmen für die Rote Hilfe und Kommunistische Partei vollzogen. . Nicht genug können wir unserer Bewunder ung für die Arbeit der <Ssterreichischen Funktionäre der Roten Hilfe Ausdruck geben. In erster Linie gilt unsere Bewunderung der Genauigkeit der Arbeit und der festen Organisation. Alsdann auch dem Mut, mit dem sie die oftmals unüberwindbar scheinenden Schwierigkeiten beseitigten. In kaum einem Monat brachten sie es fertig. in alle Arbeiterzentren einzudringen und den Familienangehöri... gen der Opfer, die wussten, dass sie auf nichts als auf die «Rote

- 11 Hilfe» zählen konnten, Mut einzuflössen, ihnen beizustehen und zu helfen. · Dank dieser ausgezeichneten Arbeitsmethoden und der Verbindungen konnten wir die prÖletarische Hilfe in 16 Arbeiterviertel verteilen, in Vierteln, die täglich von der Dollfusspolizci bewacht und durchsucht wurden. Dank ihnen konnten wir alle Arbeiterblocks ausser einem aufsuchen, konnten wir 100.000 Francs verteilen oder verteilen lassen, ohne verhaftet zu werden. Hingegen wurden 2 Damen der Quäker verhaftet und ihr Geld zugunsten der Polizei und des FQschismus beschlagnahmt. Dank der Roten Hilfe konnten wir die Familien 9 Getöteter, 8 standrechtlich Verurteilter, 5 von den ordentlichen Gerichten Verurteilter, 43 Entkommener und 385 Eingekerkerter aufsuchen. Die Aktivität dieser Genossen nimmt in der Geschichte dei H.oten Hilfe ein Ruhmesblatt ein. Aus den Briefen, die die von uns besuchten Frauen an die �J=tote Hilfe» schrieben, ist der Wert und die Grösse der Solidarität::;aktion ersichtlich.

Die Hilfe für die Eingekerkerten Uns wurde es nicht erlaubt, die politischen Gefangenen zu besuchen. Aber es gelang uns, die Adressen der Familienangehörigen der jungen verurteilten Revolutionäre zu erfahren. Und dort trafen wir alte Mütter und junge Frauen, die gar nicht daran dachten, niedergeschlagen oder entmutigt zu sein. Sie sprachen vom Endsieg und waren sicher, dass die Ihren bald die faschistischen Kerker verlassen würden. Diesen Lebensgefährtinnen, diesen Müttern, ·diesen Schwestern versicherten wir im Namen der Werktätigen aller Länder, dass ihre Klassenbrüder über sie wachen, dass -sie i n treuer Soli- • darität zu ihnen stehen und den Heldenmut der Februarkämpfer als leuchtendes Beispiel vor Augen behalten.

- 12- Dotlfuss verbietet die Hilfe f,ür die Waisen und Kinder der Opfer Der Kanzler Dollfuss masst es sich an, die Kinder der von ihm getöteten Arbeiter unter seiner Vormundschaft zu stellen. So will er sie unter faschistischen Einfluss bringen. Die Frauen weigern sich stolz. Der Hilfe durch die Mörder und Henker 1h�·er Männer ziehen sie das Elend vor. Wir bemühten uns um die Genehmigung, eine grosse Zahl Kinder der Aufständischen mit uns über die österreichische Grenze zu nehmen. Wir wussten, dass in Frankreich, in der Tschechoslowakei, in der Schweiz, in Spanien, sich spontan viele Arbeiterfamili�n bereit erklärt hatten, die Kinder der Wiener Arbeiter aufzunehmen. Bei dem Kanzler Dollfuss suchten ,vir um eine Audienz nach. Wir wollten die Erlaubnis einholen, diesen Auszug der Kinqer zu organisieren. Noc� heu te ,varten ,vir auf eine Antwort! Aehnliche Gesuche stellten schweizer und tschechoslovakische Organisationen. Sie wurden abgelehnt. Wir mussten also annehmen, dass unserem Gesuch das gleiche Schicksal han te. Und ohne Vater, ohne Mutter, ohne Hilfsmittel mussten ,vir die Kinder dort zurücklassen. Diese christliche Diktatur ,vill die Kinder für die Angst, die die Eltern der Bourgeoisie Oesterreich s einflössten und noch einflössen, büssen lassen.

Di e Frauen - Heldinnen ! Unsere Untersuchung brachte es mit sich, dass wir eine · grosse Zahl Wohnungen aufsuchten. So kamen wir mit den Frauen in unmittelbaren Kontakt. Und während unseres Aufenthaltes, so kurz er auch bei einzelnen manchmal war, lernten wir die Gefühle und die Auffassungen der Frauen kennen. So -konnten wir, abgesehen von einer schriftlichen Dokumentation, viele Eindrücke sammeln. Eindrücke von armen, aber sauberen Wohnungen in Ottakring, von den «Baracken» in der Simmerring,. von de_n schmucken Wohnungen im Goethehof, in Floridsdorf, von

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«Rote Burg», die ein Gefühl der Behaglichkeit und Sauberkeit verbreiten, ein Gefühl, das durch die vorhandenen Vögel und Blumen verstärkt wird. Es sind Eindrücke von einfachcn aber sorgfältig geführten Haushaltungen, von mutigen Gesichtern und

Rin Siiur,lin.fl ::ll'i,,;cT1w ,lcn Tl'ilmmrr11. Dtr Famlllc muss weiter i,i ,lcr bombar,licrlC'n lJTn71111111u lc11c11.

klugen Blicken. Ohne Weitschweifigkeit werden die Tatsachen berichtet und mit Würde kämpft man gegen Gefühlsausbrüche an. Durch den Kontakt mit der Intimität des Haushaltes lernten wir die Gedanken der Frauen verstehen, ,vir drangen in sie ein und erfassten ihren Geisteszustand. So erstand vor uns das Bild ihres

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Anteiles an der Vorbereitu ng, Durchführun g und am Durchhalten des Kampfes. Ihr Mut, ihr Widerstands,ville, ihr klarer Blick in die Zukunft sichern alle Hoffnungen. Sie sind weder besie gt noch verzweifelt, trotz des Terrors, trotz des Elends, in das man sie bewusst und zynisch stösst. Die Mehrzahl gehörte der sozialdemokratischen Partei an. Sie begrüssten uns mit «Freiheit'> und <<Freundschaft». Man merkte ihnen die politische Betätig ung an. So arbeiteten beispielsweise zwei, die wir zufäll ig sprachen, in einem «Sozialistischen Heim>>. Eine andere leitete die Kultur- und Musikgruppe und einige andere machten Propagandaarbeit unter den Frauen. Eine von ihnen, deren Mann Kommandant des Schutzbundes ·war und jetzt im Gefängnis sitzt, leitet die Propagandaarbeit eines Bezirks der Kommunistischen Partei. Sie hatte die Ereigrisse kommen sehen und wusste, dass die S.P.-Führer die Be,vcgung der Frauen und ihren Willen vorzustossen, zu bremsen und zu hemmen versuchten. Sie bekräftigte uns, dass die Frauen, die für das Haushaltsgeld verantwortlich sind, oft besser als die IVI�.nne r die wirtschaftlichen Probleme beurteilen und dass der tä�Iiche Kontakt mit der materiellen Wirklichkeit dazu führe, den Kampfgeist der Frauen zu stärken.

Was sie während des Aufstandes taten Während des Kampfes spielten die Frauen eine besonders wirksame Rolle. Alle sind der Ansicht, dass sie es waren, die in Ottakring und im Goethehof die beste illegale Arbeit leisteten, die Waffen und Munition heranschafften. Wir sprachen mit einer, die demnächst vor dem Standgericbt erscheinen muss, ,vei l sie den Männern half, ein Maschinengewehr auf das Dach zu bringen. Nur wegen ihres ernsten Gesundheitszustandes hatte m an ihr Urlaub bewilligt. · Die Mehrzahl, hauptsächlich die jungen Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren dienten als Verbindungsleute. Sie holten und überbrachten Befehle und suchten Verstärkung, damit die

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Männer in den Häusern bleiben und kämpfen konnten. In jeder denkbaren Art halfen sie beim Kampfe mit, von der bescheidensten Form bis zur unmittelbaren Teilnahme. Für ihre Feinde sind dies ebensoviele Anklagepunkte. So trafen wir in Floridsdorf die Familien zweier Frauen, die man deshalb eingekerkert hatte, ,veil sie Schutzbündlern Tee gekocht hatten. Ist denn nicht aus einem gleichliegenden Grunde Frau WaJlisch zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt worden? Als das Ende der Kämpfe bereits deutlich wurde, dachten die Frauen gar nicht daran, den Elan ihrer Männer zu bremsen. Im Gegent".!il: UeberaU ermahnten sie ihre Männer auszuhalten . So zeigten die Barracken von Simmering, die am Eisenbahndumm liegen und deshalb besonders das Feuer der dort aufgestellten Panzerzüge auszuhalten hatten, einen besonders zähen \'/idcrstaJ1d. Ohne Prahlerei erzählten uns mehrere Frauen: ..., \\1 enn ,vir nicht da gc,vesen wären, würden unsere Männer nicht standgehalten haben.» Fügen wir hinzu, dass viele Frauen aktiv mitkämpften. Abgesehen von Frau Mönch, eine Kommunistin deren Heroismus hckannt ist, trafen wir mehrere Fälle, wo Frauen, selbst bejahrte, auf den Barrikaden gekämpft hatten und mit der Waffe in der Hand verhaftet wurden. Nach dem Kampfe übernahmen sie die sch,vierige, aber notwendige Aufgabe, die Waffen zu verbergen. In Ottakring berichteten uns Frauen von einer Nachbarin, die zur Zeit an den Folgen ihrer Aktion im Krankenhause liegt, folgendes: Bevor ihr Sohn flüchtete, bat er sie, die Waffen zu verstecken und sagte ihr den Aufbewahrungsort. Des Nachts steckte sie einen Teil der Waffen in ihren Rockhund, den anderen in eine gebundene Schürze und lud sich ausserdem einen Rucksack mit Munition auf den Rücken. So marschierte sie mehrere Meilen vor die Stadt bis sie an einen Teich kam. Sie ging bis zu den Hüften ins Wasser und vergrub dort ihre Last. Einen ähnlichen Fall erzählte uns in demselben Viertel eine junge Frau, die demnächst wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vor einem

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Gericht erscheinen muss. Sie hörte die Polizei kommen und hatte die Geistesgegenwart, einen Teil der Waffen in den Strümpfen, den Rest in der Ofenasche zu verstecken. , Trotz des in Wien herrschenden Terrors z.eigen die Frauen , einen Mut ohnegl�ichen. Die Frau eines getöteten Kämpfers hielt am Grabe ihres Mannes eine flammende Anklagerede gegen das System und verherrlichte die Taten ihres Mannes. In allen Häuserblocks sind Frauen anzutreffen, die die anderen ermutigen und die Hilfe org,inisieren. Man erkennt sie sofort an der Bestimmtheit ihres Auftretens, an der Sicherheit -ihrer Handlungen, an dem freundlichen Empfang, der ihr von den anderen Frauen bereitet wird. Ueberall ist uns die Unterstützung dieser Frauen-«führer» wertvoll gelvesen. Ihnen ist es mit zu verdanken, wenn die Haltung der anderen Frauen gestärkt ,vird und der Kampf gegen das Regime weitergeht. Niemand lässt sich einschüchtern, trotz der Drohungen und der Denunziationen, trotzdem die Polizei Ge\valttätigkeitcn ,¼ uf Gewalttätigkeiten verübt, plötzlich des Nachts in WohnungE11 eindringt, Haussuchungen nach Waffen abhält, überall sucht, den Fussboden aufreisst und die Kamine einschlägt. Eine Frau in den fünfziger Jahrcn, deren Ehemann Kommandant des Schutzbundes ,var und unter schwerer Anklage steht, schildert uns wie folg t ih re Reaktion auf di e Brutalität de, Polizisten. Sie sah, wie jene a1les in ihrem Schrank durcheinanderwühlten und die Proletarier beschimpften, «die ebensog ut angezogen seien wie Bankdirektoren». Sie gebot ihnen zu schweigen und sagte ihnen: <<Man muss höflich sein, selbst ,venn man Polizist ist. Wir, die Proleten. sind höflich!» Als später die Heimwehren kamen und ihren Sohn und ihre Tachter für Arbeit unter den Frehvilligen zu gewinnen suchten, ,vies sie ihnen die Tür und rief: <<Hinaus! Hier habe ich zu bestimmen!» «loh will nichts von den Mördern meines Mannes!» Oft verbindet sich der Widerstand der Frauen mit offen zur Schau getragener Verachtung. Dass die Frauen der durch den

17 - f Strang zum Tode verurteilten Helden Weissel und Münichreiter die ihnen von der Dollfussregierung angebotene Unterstützung • ablehnten, ist bekannt. Wir selbst veneichneten den Fall der Frau S... , deren Ehemann mit der Waffe in der Hand in Karl­ Marä-Hof gefangen genommen und auf der Stelle erschossen worden war. Man forderte sie auf Lebensmittelgaben an zu-

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nehmen. Dem Beauftragten Innitzers anhvortete sie: «Sagen Sie Innitzer, dass ich nichts von ihm will; denn er hat meinen Mann ermordet!» Immer wieder mussten wir feststellen, welch Geist des I Kampfes· und des Hasses diese Frauen belebt. Sahen sie nicht ihre Männer leiden, sahen sie n!cht, ,vie sie misshandelt und in den Gefängnissen geschlagen wurden? Hatten sie nicht die hin-

. . - 18- terhältige Doppelzügigkeit des Kanzlers Dollfuss kennen gelernt, der jedem, der sich am 14. Fe bruar vor 11 Uhr d�m Kommissariat stellen würde, Pardon verhiessen hatte und dennoch alle verhaften Jiess, die auf sein Wort vertrauten? Allein in dem engen Kreis unserer Nachforschungen stellten wir 16 solcher Fälle fest, wo die Männer und Söhne in diese hinterlistige Falle der Regierung gegangen waren. Die Massen der Kämpfer hörten auf diese jesuitischen Versprechungen nicht und kämpften weiter. Die Frauen, deren Männer· man zu schweren und selbst lchcns1änglichen Zuchthausstrafen verurteilt hatte, erzählten uns diese Tatsachen. Sie erhoben beim Erzählen die Fäuste und mit Hass erfüllter Stimme sagten sie: « Dollfu�s-P ard on ! » Eine von ihnen hatt e ihren Mann um 10 Uhr morgen s fortgehen sehen. 8 Tage wai= sie ohne Nachricht von ihm geblieben. Der Polizeibeamte, bei dem sie sich Uber das • Schicksal ihres Mannes erkundigte, antwortete ihr: �: Bevor wir die Leute hängen, mästen wir sie!� Eine andere Frau, aus Floridsdorf, hatte ihren Mann mit angeschwollenem Gesicht, bedeckt .. 1 mit blauen Stellen und Wunden im Gefängnis gesehen. Sie sagte uns: «Sie haben den Hass tief in unsere Herzen gcgrab�n ! ».

Führt das Solldarltätswerk fort! _ Unsere Untersuchung erstreckte sich auh 450 Familie11. Die von uns berichteten Tatsachen lassen sich beliebig vermch�·en. Allein sie sind ausdrucksvoll genug. Wir brauchen sie ,veder - auszuschmücken noch zu erklären. Die- Mehrzahl der Frauen ist durch die Ereignisse belehrt. Sie beginnen d i� Ursachen der Niederlage einzusehen und zu verstehen, wie die Aktion gestaltet werden muss, wenn die Ereignisse von neuem beginnen. Schon jetzt we_nden sie sich an das einzige Land, wo die Revolution durchgeführt wurde: An die Sowjet-Unit>n. Mehrere Frauen drückten uns spontan ihre Sympathie für die Sowjetunion aus und wünschten, dorthin zu gehen und mit ihren Kindern dort zu leben . Immer wieder enthielten die an uns gerichte "'. . .. " ' ten Dankes-.

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• 19 _. worte die Aufforderung: «Sagt den Arbeitern der Sowjet­ Union und den Werktätigen aller Länder unseren tiefen Dank. Grüsst sie von uns un d sagt ihnen, dass wir der Sache des Proletariah treu bleiben! :b 450 Verbindungen mit diesen prächtigen Frauen 1 450 Beweise für die Behauptung, dass ihre Männer und Kinder, die im Februar fielen, demnächst gerächt werden! Wir berührten die Wunden des österreichischen Proletariats. Die Wunden sind ernst, aber nicht tötlich. Dank de r Aktion der Internationalen Roten Hilfe vernarben sie schnell. Mögen weiterhin die Spenden der Arbeiter all'!r Länder das Elend aus den Heimstätten verjagen, die keine Ernährer mehr kennen! Möge sich eine mächtige Befreiungskampagne cntf alten und gegen die Tore der Dollfussgefängnissc hämmern und wir sind überzeugt: Die 2.000 von dem Faschismus getöteten Fcbn!arhelden werden zu Legionen siegreicher Revolutionäre an• ,,. o.d1sen ! Paris 1934. FRAU LAHY-HOLLEBECQUE. FRAU WILLARD.

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FONF BRI.EFE VON HUNDERTEN

Und dies schenkt uns Vertrauen ... Liebe Genossen, Ihr Wir danken Euch herzlichst für die 40 Schillinge, 1ie ns u uns geschickt habt. In unserem so grossen Elend bevve1st ur diese Hilfe wahrhaft, was die proletarische Solidarität kann .•N der Arbeiter hilft dem Arbeiter! Und dies schenkt uns ':er­ n traueri. Ohne diese Hilfe v1ürden wir dem Hunger preisg e g�-:be sem. l

Gruss und «Freiheit»! A. L. Wien. Eure Hilfe war für uns ein Freudenstrahl ••• An die I.R.H., Wir Frauen und Kinder sind aller Unterstützung beraubt und waren so dem Hunger preisgegeben. Eure Hilfe war für uns,' wo wir vor Hunger zu Grunde gingen, ein Freudenstrahl. Wir sagen Euch aus tiefsten Herzen Dank. und niemals in unserem Leben werden wir Eure edelmütigen, brüderlichen Anstrengungen vergessen. Nochmals Dank! .. Wien, den 24. März 1934. M. ]. und J. H. Sie haben Hilfe aus weiter Ferne ge8chickt ... Liebe Genossen, . Meinen herzlichsten Dank für die Gabe' die Du mir ' ohne mich z u kennen, von so ferne schickst! Mein Mann ist am 14. Februar verha(tet worden. Er ist seitdem eingekerkert und ich wäre ohne Mittel, wenn mir nicht �in guter Genosse Deine Hilfe überbracht hätte. Mein Mann war Mitglied des Schutzbundes,

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� 21 ein Kommandant. Er bekleidete auch in anderen Organisationen Funktionen, die ich selbst nicht alle kenne. Du kannst Dir vor• stellen: Er hat nur für seine Part�i gelebt! Ich bin seit 13 J ahrcn verheiratet und selbst seit 10 Jahre n Mitglied der Partei. Ich bin

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KoTomn.11- Wallich. So::ialCst, cilllge A11{lcnbllckc -vor !tttnrr Rimic1,tmiu. In clcr rcclitcn llai1tl 71ält er sein Testament.

39 Jahre alt und mein Mann, der zu 65 % kriegsbeschädigt ist, ist 44 Jahre alt. Als Frau leide ich viel; denn überall, ·wohin ich komme, verflucht man den Schutzbund und die Roten, und ich bekomme nichts, weil ich keine Kinder habe. Die Genossen machen keinen Unterschied. Sie haben mir Deine Unterstützung

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-22- e en nnst, aus weiter Ferne geschickt, die ich, ,v- ie Du Dir vorst ll ka fr�udig in Empfang genommen habe. er Am 10. Februar habe ich meine letzte Arbeitslosenunt - nd stützung erhalten. 8,35 Schillinge. Den Preis für 1 /8 Pfu Käse das ich bekommen habe hat man von dieser Unterstützung abge�ogen. Bevor Deine Unt�rstützung ankam, hab e ich nichts anderes gehabt. Mein Mann ,var seit zwei Jahren arbeitslo$. Ich verspreche Dir, d1ss ich so bleiben ,verde, ,vie ich war und wie ich bin! Nochmals Dank für Deine Hilfe. Es g rüsst Dich Deine Genossin; Wien, den 25. März 1934. Y. Die Solidarität gibt uns Kraft... An die Rote Hilfe! Mit grosser Freude habe ich heute Euren lieben Besuch erhalten, der mir und meinen Kindern eine Unterstützung von 35 Schillinge in dem Augenblick überbrachte, wo wir in grösster Not waren. Die Solidarität der Arbeiterklasse gibt uns die Kraft, den Kampf bis zum Endsiege fortzuführen. Ich danke aus ganzem Herzen den Genossen und Genossinen der Roten Hilfe! Mit dem Grusse .«Freiheit:.. M. S. Mehr als vorher werden wir kämpfen..• An die russischen Arbeiter! Die Österreichischen Genossinnen des Viertels Kagran, deren �än�er im �efängnis sind, danken Euch aus ganzem Herzen fur die Anteilnahme an unserem Leiden und für die Unterstützung, die Ihr uns schickt. Mehr als vorher werden wir für den Sozialismus kämpfen. «Freiheit:.

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ERKLAERUNQ DER ENQLISCH-SOHWEIZERISOttEN D ELEGATION DER IRH. ZUR VERTEILUNG VON UNTERSTOTZUNG AN DIE OPFER DES DOLLFUSS-FASCHISMUS

Unsere Delegation befand sich im Auftrage der Internationalen Roten Hilfe 14 Tage in Österreich. Nachdem die erste, Mitte März entsandte Delegation der IRH. alle Kampfgebiete Wien s besuchte und an 450' Familien Unterstützungen zahlte, haben wir ausser einer Anzahl Familien in Wien besonders Familien der Kämpfer in Graz, Kapfenberg, Bruck a/M.,

1 Leoben und anderen Orten der Provinz besucht. Wir fanden · übera 1l die Erfahrungen· der ersten Delegation --bestätigt. Trotz der �chrecklichen Notlage der Familien und der masslostn Verfolgungen durch den Faschismus herrscht ein ungebrochener Kampfgeist gegen das Regime, eine strikte Ablehnung gtgenüber dem grünen wie dem braunen Faschismus und ein e uner�:hütterlichc Zuversicht in den nahenden Sieg der Arbeiterklasse. Unser Erscheinen und die Verteilung der Beträge aus den von dC'n \Verktätigen aller Länder gesammelten Gelder lösten übentli Begeisterung aus. Immer wieder ,vurden wir beauftragt, den .P-.rbeitern unserer Länder und besonders den Werktätig en der So,vjetunion brüderliche Kampfesgrüsse und den Dank der österreichischen Arbeiter zu übermitteln. Besonders begeistert wurde die Nachricht aufgenommen, dass mehr als 300 der tapferen Februarkämpf er in der Sowjetunion ein neues Vaterland, in dem sie alle Rechte geniessen, gefunden haben. Die glänzenden Beweise internationaler Solidarität, die grosszügige Hilfsaktion der IRH. stärken den Mut und die Kampfkraft der g esamten österreichische n Arbeiterklasse und vertiefe n die internationale Verbundenheit. Den stärksten Eindruck machte auf uns der Heroismus der Frauen, deren Männer erschlagen, erhängt, verwundet wurden. in den Gefängnissen sitzen oder aus dem Land e flüchteten, die, in den meisten Fällen mit der Sorge um ihre Kinder oder Ang ehörigen

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belastet, den Mut nicht sinken lassen. Daran hat die Rote Hilfe Österreichs. unterstützt durch die Sektionen der IRH., unvergängliche Verdienste. Soweit wir aus den Gesprächen mit den Arbeitern feststellen konnten, wurden durch sie die Familien der Opfer restlos erfasst und erhalten Unterstützung. Das Vertrauen und die Sympathien der österreichischen Arbeiter zur Roten Hilfe sind sehr gross. Wir wohnten auch mehreren Prozessen gegen die Fehruarkämpfer bei und stellten fest, dass die Rote Hilfe sowohl für die juristische Verteidi gung der Angeklagten sorgt, als auch die Massen zum Kampf gegen die Justizverfolgungen, gegen das barbarisch e Re gi_me in den Gefängnissen und Konzentrationslagern aufruft und., einen entschiedenen Kampf um die Befreiung der eingekerkerten Helden führt. Wir stellen die Tatsache fest, dass aus den Mitteln, die dem Dollfuss-Fonds zufliessen, an die Opfer auf Seiten der Arbeiter keine Unterstützung gezahlt wird. Diese Feststellunp: erscheint uns um so wichtiger, al s Geldmittel aus dem Mattcotti-F onds, der zum grossen Teil von Gewerkschaftsgeldern gespei:-� w·ird, dem Dol1fuss-Eonds überwiesen werden. Zum Teil direkt. zum anderen Teil über die Quäkerorganisation an die faschi�tischen Gemein•deverwa1tun gen, die Unterstützung nur unter de r Bedinßung des Beitritts in die << Vaterländische Front;,> 7ahlen. Wir empfehlen den Herren vom Internationalen Gewerkschaftsbund, sich an Ort un Stelle über die Meinung der Arbeiter zu d in�?rmicren. Sie sind em pört, dass die für die antifaschistischen Kampfer gegebenen Gelder an die Mörder ihrer Brüder und Väter gezahlt werd en. . Wir haben das Ausmass und die Brutalität des Faschismus sterre ch ·wir haben die Not und das Elend der Familien 10 Ö i , der Kämpfer persönlic h kennen �elernt. Indem wir auftragsgemäss a len die bishe l , r geholfen h;ben, den Dank der österreich i­ schen Arbeiter über mitteln t fordern wir mit aller Dringlichkeit zur weiteren Hilfe a •

uf. Die Internationale Rote Hilfe, die uns n�ch Österreich s chickte, ist die beste Garantie dafür, dass die Hilfe an al le Op fer des Faschismus und im Sinnr der Kämpfer,

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-26- goss�n, die dzu die ihr Blut für die F reihelt d er Arbeiterklasse vcr Zehntausenden in den Gefängnissen leiden, gewährt wn d: Je �r e Hilfe f ur Werktätige sollte in ihre Reihen eintreten, damit di alle Opfer des• Faschismus gesichert bleibt. � London-Zürich, Mai 1934. Im Auftrage der Delegation: OLIVE BuoDEN, London. JOSEF SPICHTIG, Zürich.

Führt das• Solidaritätswerk fort! Der vorliegende Bericht der ersten Delegation der IRI-!. nach Österreich 0ibt nur einen Teilauschnit t der Arbeit der Roten 0

Hilfe wieder. Inzwischen sind bis An fang Mai zwei weitere •

Delegationen zur direkten Verteilung der international gesammel: ten Gelder nach Österreich gefahren. Die eine bestehend aus zwc� Engländ erinnen und zwei Schweitzern; die andere aus z wei französischen, einem schweizer und einem tschechoslova kischen Arbeiter. Es ist selbstverstndlich, dass die Delegationen nicht nur n9ch Österreich fahren, um die Unterstützungen an die Op fer auszuzahlen, denn das könnten auch die Funktionäre der illeg a len Roten Hilfe Österreichs. Sie sollen gleichzeitig die Lage der Kämpfer und Opfer prüfen, direkte internationale Verbindungen aufnehmen. durch ih r Erscheinen und Auftreten von der durch die IRH. organisierten Solidarit�t Zeugnis ablegen, den K a mpfgeist der österreichischen Arbeiter stärken und den Ged a nken der Gemeinsamkeit der Interessen der Werktätigen vertiefen. Diese Aufgaben haben die Delegationen glänzend gelöst. Sie tru gen neben der bewunderungswerten Arbeit der bis dahin relativ schwachen illegalen Roten Hilfe Österreichs, die noch unter dem Donner der Kanonen das Hilfs,verk für die Opfer organisi erte, wesentlich dazu bei, das grosse Werk der Solidarität unter Führung der Roten Hilfe zu vereinheitlichen. Es kann ohne jede Ucbertreibung gesagt werden, dass die IRH. das volle Ver-

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trauen der Massen der sozialdemokratischen Arbeiter und Schutzbündler Österreichs besitzt, die sich zu Tausenden aktiv als Rote Helfer betätigen und der RHOe. anschliessen. Nicht minder gross sind die Sympathien f ür die RH. in allen Schichten der Werktätigcn. Das ist für den Kampf gegen die Justizverfolgungen und den faschistischen Terror, für den Kampf um die Befreiung der eingekerkerten Helden sowie für Sicherung der Hilfe für die Opfer von der grössten Bedeutung. So wie die Granaten der Dollfuss-Fey d ie Mauerwände der Wohnungen sozialdcm� kratischer wie kommunistischer Arbeiter durchschlugen, so zersprengten sie auch die von dem sozialdemokratischen Führerklüngel zwischen den Arbeitern aufgerichteten Mauem. Die zusammen auf den Barrikaden kämpften, organisieren gemeinsam die Solidarität und schliessen die Kampfreihen unter revolutionärer Führung. Das Resultat dieser Entwicklung zeigt sich jetzt schon in der wachsenden K ampfentschlossenheit der österreichischen Arb(!iter; es wird schneller in dem Sturz des Faschismus münden, afo sich die Dollfuss-F ey und ihre jesuitischen Betrüger das träumen lassen. Die Internationale Rote Hilfe, die gegen die Verfolgungen der kap�taiistischen Klasse wiederholt die Werktätigen der ganzen Welt in Bewegung setzte, die durch ihren unablässigen Kampf lnmderttausende revolutionärer Arbeiter aus den Klauen ihrer Vci·f olger befreite, hat durch die grandiose Hilfsaktion für • die Februarkämpfer ihre Stärke und Schlagkraft erneut unter Beweis g estellt. Ihre besondere Note erhielt die Aktion durch den mit Begeisterung durchgeführten Beschluss der Arbeiter der Sowjetunion, für die Opfer des heldenhaften Aufstandes eine Million Schilling zu sammeln. In einigen Tagen war dieser Beschluss verwirklicht. Schon Mitte März begann die erste Delegation mit der Verteilung der Unterstützungen an die Opfer. Und die Werktätigen Österreichs, wie die der ganzen Welt, erlebten an dem einzig dastehenden Beispiel die Grösse und Kraft ihrer Klassenbrüder in dem Lande des Sozialismus . Der Oktober 1917 zog vor ihren Augf'... -uf, sie verglichen ihren 12. November

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1918 und das Resultat von 15 Jahren des <<Hineinwachsens» in den Sozialismus. Dort die Arbeiter Herren des Landes, Leiter der Produktion, frei von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung, schaffend und lernend, sich täglich selbst überbietend, zimmern sie eine neue Welt, verwirklichen, was die unterdrückten Sklaven in den kapitalistischen Ländern ersehnen, wofür sie täglich ·kämpfen und bluten und wofür die österreichischen Proletarier zu den Waffen griffen, gegen den Willen ihrer jämmerlichen Führerklique. Und hier die Blutsäufer vom Schlage der Dollfuss-Starhemberg, der Hitler-Goering, der Mussolini und Pilsudski, die Massenmörder an der Arbeiterklasse, die blutbesudelten Henker der Schwerkapitalisten und Junker, deren „Ziel es ist, die durch die sozialistische Arbeiterschaft in 80 Jahren erkämpften Positionen, ihre Organisationen, ihre kulturellen Errungenschaften restlos zu vernichten und sie um Jahrhunderte zurück zu werfen. Galgen und Standgerichte, Henkerbeil und elektrischer Stuhl, Zuchthäuser und Konzentrationslager, Mord und Folterungen, Elend und Not! Und die Gewissheit auf den Schlachtfeldern des Imperialismus im Interesse des gehcilig�r>n Profits in Stücke zerrissen oder durch Giftgas krepieren zu thi:­ fen f Nie sahen die österreichischen Arbeiter den gähnenden „L\.b­ grund zwischen den beiden Welten so klar wie jetzt, denn die Herren Bauer und Adler füllten ihn mit dichtem Nebel. Der Sturmwind des Aufstandes hat ihn hinweggeb1asen. Und hat diese politischen Gaukler entlarvt. Das Blut der unsterblichen • Helden wird zum Schweissmittel der ·kampfentschlossenen Einheit der Arbeiterklasse, die allein den Sieg verbürgt. Denn die Herrschaft des Kapitalismus findet ihre stärkste , Untermauerung in der Spaltung der Arbeiterklasse. Darum ist es kein ZufalJ, dass die Herren der II. Internationale, deren Politik auf die Rettung des Kapitalismus gerichtet ist, die proletarische Bewegung auf allen Gebieten und mit allen Mitteln zu spalten versuchen. Nach der Ermordung des Sekretärs der italienischen Sozialdemokratie, Matteotti, am 10. Juni 1924, gründeten sie (1926) den

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Matteotti-Fonds. Aus ihm sollen laut Statut die Sozialdemokratischen Parteien «in den Ländern ohne Demokratie, unterstützt werden. Was die Herren unter den Ländern «ohne Demokratie> verstanden, sprachen sie auch sehr d�utlich aus, nämlich: Italien und d ie Sowjetunion. Und in der Tat wanderte ein Grossteil der Beiträge, die die sozialdemokratischen Mitglieder durch ihre

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Parteien an den Matteottifond ablie fern (10% der Beiträge), in die Hände der konterrevolutionären Mensche,viki zum Zwecke der Antisowjetpropaganda. Diese schändliche Tatsache brachte der Menschewki-Prozess 1931 ans Tageslicht; niemand anders als Vandervelde gab die Erklärung ab, dass die Beiträge für die Antisowjetpropaganda vom Matteottifond stammen. Gleichzeitig führten die Spalter einen wütenden Kampf gegen die Internationale Rote Hilfe, gegen die 14 Millionen-Armee der Solidarität. Sie verboten den Mitgliedern der Sozialdemokratischen Parteien un d Gewerkschaf 4

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ten .unter Androhung des Ausschlusses , Mitglied der Roten Hilfe zu sein. Trotzdem kämpften und halfen hunderttausende sozialdemokratisch und gewerkschaftlich organisierte A rbeiter in den Reihen der Sektionen der IRH. Denn sie sahen, ,vie die Rote Hilfe allen verfolgten Revolutionären ohne Unterschied der Partei- oder Organisationszugehörigkeit ihren Schutz und ihre Hilfe angedeihen liess; sie sahen, wie Millionen parteiloser ' - Arbeiter, tausende Intellektuelle, Mittelständler und Bauern das Hilfswerk unterstützten. Und sie erfuhren nie etwas davon", dass irgend ein eingekerkerter Proletarier aus dem Matteotti-Fonds eine Unterstützung _erhielt, denn an revolutionäre Arbeiter, an die .. Opfer der kapitalistischen Verfolgungen hat der Matteotti-Fonds nie etwas gegeben. -' . Mit dem Anwachs en der faschistischen Weile und den unerhörten Verfolgungen aller Antifaschisten in Deutschland, Öster- • . reich und anderen Ländern sowie mit der wachsenden Erkenntnis der Rolle des Faschismus als Büttel des Kapitalismus brach der in jedem ehrlichen Proletarier vorhandene Wille· der Solidarität mit seinen Klassenbrüdern elementar durch. Hunderttausende in den Kerkern!' -Mord und Folter gegen ihre Besten! Die Blutjustiz rast! Die· Tapfersten Unter dem Henkerbeil oder atn Ga l­ gen! Zehntausende ·auf der Flucht! Frauen und Kinder in bitterster Not! Wer konnte da untätig zusehen? Galt es jetzt nkht mehr als je, die Hilfe für die Opfer zu organisieren, sie unter eine einheitliche Führun g z u stellen und alle Möglichkeiten auszunutzen, um die verfolgten Proletarier vor der Rache ihrer Verfo]ger zu schützen, ihnen und ihren Familien zu helfen? Ja! Und hat nicht die Internationale Rote Hilfe mit ihren 72 Sektionen die J eindringlichsten Beweise erbracht, dass sie seit mehr als 10 ahren diese Hilfe organisiert, dass sie trotz aller Verfolgunge n sich gegen alle Anfeindungen durchgesetzt hat? Zweidrittel ihrer Sektionen sind illegal, aber keine von ihn en hat ihre Aufgabe auch nur vernachlässigt. Unter den schwersten Bedingungen, unter ständigen Verfolgungen organisieren sie den Kampf und die Hilfe. Im Hitler-Deutschland allein sitzen 25.000 ihrer Funk„

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tionäre in den Konzentrationslager und Gefängnissen. Hunderte haben ihren Mut zu helfen, mit dem Leben bezahlt. Was nbcr tun die Spalt�r vom Matteotti-Fonds? Sie setzen ihre Spaitungspolitik verstärkt fort. Sie hetzen gegen die Rote Hilfo, sie suchen die Einheit der Solidaritätsfron t zu verhindern. Sie helfen damit den Feinden der Arbeiterklasse. Ja, sie verbHn<lt.>n sich mit den Arbeitermördern. . Es isl eine zmbcslrcitbare Tafsachc, dass aus den Mitteln des !l{t!lteolli-Fonds die Mörder der österreichischen Arbeiter untcrdiilzl werden. • Das Geld geht iiber die Quäkerorganisationen direkt an den Dollfuss-Foncls, mit dem ein besonderes Abkommen getroffen --,vtucle. Der lntc!nationule Ge,verkschaftsbund gab an den Matleotti-F onds 3. 000 englische Pfund. Der englische Gewerkschaftsbund gab 1.000 Pfund. So wandern die Beitragsgelder der giwerkscl,aftlich organisierten Arbeiter in die Hände der A1·bdiermördcr. \X/ir haben genaue Mitteilungen, dass die Listen der Verteiler dl·;r Unterstützungen, die durch die Quäker ausgezahlt ,vcrdc!I. der Dollfuss;Polizei eingereicht und von dieser «gesäubert>> ,..,,erden. Ebenso gehen die Listen der unterstützten Personen an die. J.J oli=<:i unter Angabe der Höhe der Unterstützung, die dann auf die Erwerbslosen - oder Wohlfahrtsunterstützung angerechnet wjrd. Eine ganze Reihe von Verteilern der Quäker lieferte das Geld direkt an den Dollfuss-Fonds ab. \ Das ist ein Skandal ohnegleichen, eine offene Unterstützung der A rbeitermörder, ein Verrat an den heldenhaften Kämpfern, eine Verhöhnung der Opfer, gegen die sich die Arb eiter aller Länder zur Wehr setzen müssen. Sie müssen Rechenschaft über die Verwendung der Arbeitergroschen durch den Matteotti­ Fonds fordern. Öffentliche Abrechnung! Und Abrechnung m it den Spaltern vom Matleotti-Fonds! Die Internationale Rote Hilfe hat bis zum Jahre 1932, in 9 Jahren ihres Bestehens 43.6Q6.417 Schweizer Franken für die Opfer der kapitalistischen Verfolgungen verausgabt. Sie hat re-

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Soc. Noul". d'lmprlm. et d'Edltlon � 32, rue de M(Snllmootnnt, Pnrl�.

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