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Historische Broschüren · 25 Seiten

DAS GOLGATHA DES WEISSRUSSISCHEN VOLKES

Beresowskis Broschüre von 1928 schildert die Lage der weißrussischen Bevölkerung unter polnischer Herrschaft. Sie verbindet Berichte über wirtschaftliche und nationale Unterdrückung mit der Entstehung, Tätigkeit und gewaltsamen Auflösung der Bauern- und Arbeiterorganisation Hromada.
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DAS •' GOL�f-THA 'NEISSRUSSISCHEN VOLKES

BERESOWSKI

DAS

GOLGATHA DES WEISSRUSSISCHEN VOLKES UNTER DER FERSE DER POLNISCHEN OKKUPANTEN (WARUM ZERTRÜMMERTE PILS_UDSKI DIE HROMADA ?)

PREIS 20 PFENNIG

1 9 2 8

MOPR - VERLAG;ßERLIN

AUeReehle vorbehnllen. / Vcrlns: Mopr-Verlng, Berlin N,v 7, Dorothecnstrnße 7i /78. / Auslicfernng: Schweiz;: Ro\e Hilfe, Zi.irieh, O ttikerstrnße36. Ocst crrcieh: Rote H ilfe, ,vien, Lcrchensnsse 17. Einbnncl von Pewns.

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INHALT:

I. Kapitel: 209 Jahre Zuchthaus \ 11. Kapitel: Unter dem Militärstiefel der polnischen Okkupanten lll. Kapitel: Die Entstehung der Hromada IV. Kapitel: Die Entwicklung und Tätigkeit der Hroroada V. Kapitel: Die Unterdrückung der Hromada

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I. 209 JAHRE ZUCHTHAUS Am 22. Mai 1928, genau drei Monate nach Eröffnung des Gerichtsverfahrens, sprach der polnische Gerichtshof das Urteil über die weißrussische Hromadn aus. Von den 56 Angeklagten sind 37 det· Teilnahme „an der Verschwörung, die den Abfall der ösllichen Lnndgebiete �on Polen anstrebte", für schuldig befunden worden. D i e a n g e k 1 n g t e n A b - g e o r d n e t e n T a r a s z k e w i cz, M ell a , \V o l o s z i n u n d R a k-M i c hnjl o w s k i s i n d zu je zwöl f Ja h r e n Z u c h t ­ h a u s v e r u r t e i 1 t w o r d e n. D e r G e n e r a I s e k r e t ii r d e r H r o m a d a , B u r s s e w i cz, u n d d e r Ju r i s c o n s u l t d e r H r o m a d a , Ok o n c z i n , s i n d z u je a c h t Ja h r e n , n.9h t A n g e k l a g t e z u je s e c h s Ja h r e n , d i e a n d e r n z u cfr e i b i s f ü n f Jn h r e n Z u c h t h a u s v e r u r t e i l t w o r d e n. Somit sind 37 Mann zu insgesamt 209 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die faschistische Regierung Pilsudskis stellte sich mit der Durchführung des Prozesses gegen die weißrussische Hromnda und ihre Leiter folgende zwei Ziele: Indem sie Hunderte und Tausende von weißrussischen Bauern und Arbeitern, ihre Frauen und selbst minderjiihrise mnder verhaftete, die Verhafteten in den Polizeirevieren Vergewaltigunsen aussetzte, mittelalterlichen Foltern unterzog, monate- und jahrelang in Unter• suchungshaft hielt, Zuchthausstrafen verhiinste, wollte die Resieruns Pilsudskis die weißrussische Bevölkerung soweit terrorisieren, daß ihr jesliche Lust an der Teilnahme oder Unterstützung der oppositionellen oder revolutionären Bewegung in den für den polnischen Imperialismus besonders gefährlichen östlichen Grenzgebieten Polens ein für allemal vergehen sollte. Zweitens wollte die Regierung die Hromada um jeden Preis politisch zu kompromittieren suchen, der öffenllichcn Meinuns Polens und Europas „beweisen", daß die Leiter der Hromada - bekannlc weißrussische öffentliche Funktionäre und Sejm-Abgeordnete - eigentlich nur „Moskauer Angestellte" sind, die von einem „fremden Staat" ihr Gehalt beziehen, auf Grund der Direktiven seiner Agenten handeln und sich mit Spionage beschiiftigcn. Die faschistische Regierung Pilsudskis hoffte, daß ihr dieser teuflische Plan glücken werde, daß es ihr gelinscn werde, das Gerichtsverfahren so zu inszenieren, daß die An· geklagten vor der ganzen \Velt als „Spione" und gedungene Agenten einer „fremden" Regierung dastehen würden, um so Haß und Verachtung nicht nur der polnischen Stammbevölkerung, sondern auch der weißrussischen Volksmnssen auf sie zu lenken, die bisher ihrer „Hromadn" blind gefolgt wnrcn und in ihr ihren Leiter und Führer gesehen hatten.

5 r. '1

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Die faschistische Regierung Pilsudskis wollte mit einem Schlage die ,·ielköpfigc Hydra der national-revolutionären Bcwcguns des westlichen Weillrußlnnd zerschmettern. Darum setzte sie außer den Abgl'ordnctcn des Sejm und den Leitern der Hromadn" auch noch die Leiter beinahe aller wcillrnssischcn Orsnnisnlioncn auf die Anklngc­ b:mk, die gegenüber der polnischen Regierung, die das westliche Weißrußland okkupiert hat, oppositionell eingestellt sind. Im voraus des nötigen Urteilsspruches sicher, wollte die polnische Regierung in dem Gerichlsbcschlull eine Rechtfertigung aller ihrer Grausnmkcitcn und glcichzcitis eine Billigung weiterer Verfolgungen gegen das unglückselige weißrussische Volk erhalten. Den erwähnten Zielen kam der polnische Gerichtshof sehr bereitwillig entgegen. Er fabrizierte eine Ankl�ge wegen Verstoßes geg�n djc §§ 110 und 102 des polnischen (d·c s e h e m a l i g e n zn r1sl1- s c h e n) Strafgesetzbuches, von denen der erste, d. h. der § 110, dns Slrnfmaß für eine zugunsten eines fremden Reiches gerichtete Tätigkeit und der zweiJc, der § 102, Abs. II, das Strafmaß für die Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes der dem Sturz der gegenwärtigen Regierung dient, festsetzt. Die' faschistischen I ntriganten s laubten an die magische Kraft der Foltern, Anzeigen, Provokationen d�r offiziellen und geheimen Polizeiagenten, die beweisen sollten, daß die ��mada eine unmittelbare Verbindung mit Moskau und der J{ommumshschen Internationale unterhielt dall die Hromadn Geldsummen für den Fall eines Kriegsausbruchs eri1allen sollte usw. usw. Und dennoch, ungeachtet aller Anstrengungen der treuen Diener des polnischen Faschismus - des Staatsanwalts J{alanskis und des Vors_itzcnden des Gerichtshofs, Owssjnnko - wurde der Trumpf d�r polmschen Regierung, der Hinweis auf das „Moskauer Geld" und die .. �losk aucr Agenten", zerschlagen. S e l b s t d e r w i 11 f ü h r i g c polnische Gerich t s h o f mußte die A n k l a g e a u f G r u n d d c s § 11 0 w e g e n „Tät i g k c i t zu g II n s l c n c i n e 5 fr cm d c n R e i c h e s" z u r ü ck n c h m e n. Der Hauptpunkt der Anklage, der das Vorhandensein einer tatslic_hlichen Verbindung zwischen der Kommunistischen Pnr �ci, dc_r weißrussischen Arbeiter- und ßauern-Hromndn und der sowJclrussischen Ge.sandtschart in Polen nachweisen sollte, gründete sich, wie sich herausstellte, auf Ausklügcleien, auf dem Sande provokatorischer „Pha.ntasien" über eine „Danziger" Beratung, ,,Sowjet-Geld" und ähnliche Märchen. Einer der Hauptangeklagten, der Direktor ?e r Weißrussischen Genossenschaftsb ank, Ostrowsky, der angeblich eml! Vermittlerrolle bei der Ucberwcisung des Sowjetgoldes für die „ Hromada-Gurtki" spielte, w u r d e f r e i g e s p r o c h e n. Es gel�ng nuch nicht, nachzuweisen, daß die weißrussische Hromada cuic Verschwörung einleitete und Vorbereitungen zum Aufstand traf. Als unbegründet erwies sich die Beschuldigung, daß die_ Hromndn W�ffcnlagcr gehabt habe, ohne welche überhaupt von emcr Vcrschwor� mg und einem Aufstand nicht die Rede sein kann. S e 1 b s l d I e - je nisc n vi e r A n g e k lag t e n, d i e d e r E r m o r d u n g d es G e h e i mng e n t e n lw a n k j c w i c z Qe z i cht i g t w u r d e n, befi n d e n si c h u n t e r d e r Za h l d c r.F r c i g c s p r o c h e� n c n. Alle Trümpfe der Sto.ntsnnwnltschaft, die mit so viel Sorg� alt in Szene gesetzt wurden, sind geschlagen worden. Es stellte sich

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L ., -

'. .- hernus, <laß die polnische faschistische Regierung ihr elendes Spiel mit gezeichneten Spielkarten spielte.... Da die Hauptaufgabe, die politische Bloßstellung der Hromado, ungelöst geblieben war, blieb nichts anderes übrig als eine wilde Abrechnung mit den Angeklagten, also: Zuchthausurteile. Die Sejm-Wahlen,

1 die während des Hromada-Prozcsscs vor sich gingen, bei denen Hunderte und Tausende von ,vcißrussen für die Wahllisten der Hromada ihre Stimme abgaben, waren eine geniigende Antwort der Mehrheit der weißrussischen Bevölkerung auf die Zuchthausurteile, auf den t ,.' Versuch, sie durch den Gerichtsterror einzuschüchtern. Aber der Wilnacr Gerichtshof, d e r e i n e n p o l i t i s c h e n B a n k r o t t c r 1 i t t e n und das in ihn gesetzte Vertrauen der polnischen Regierung nicht gerechtfertigt halle, hat durch die Aus• sagen der Angeklagten und der Zeugen - weißrussischer Arbeiter und Bauern - den ganzen Abgrund der Rechtlosigkeit, des Elends, der Armut und der Verfolgungen, die die weißrussische Bevölkerung unter der Ferse der bestialischen Okkupanten erleidet, vor der Offentlichkeit Europas bloßgelegt.

II. UNTER DEM MILITA.RSTIEFEL DER POLNISCHEN OK.ICUPANTEN Im 17. und 18. Jahrhundert gehörten die weißrussischen Länder zum Bestand des polnischen Reiches, in dem die Magnaten und Großgrundbesitzer regierten, und die weißrussische Bauernschaft war, gleich derjenigen ganz Polens, das „Arbeitstier", das in harter Arbeit die Gutsbesitzer bereichern mußte. I m 1 8. J a h r h u n d c r t r i ß d i c r u s s i s c h e R e g i e r u n g \V e i JS r u ß l a n d a n s i c h. Die russische Selbstherrschaft und die Gutsbesitzer preßten die weißrussischen Bauern bis auf den letzten Blutstropfen aus. Die Bauernschaft verelendete, das Land verarmte. Weder die zaristische Regierung noch die Gutsbesitzer waren bestrebt, den ,vohlstand des Landes zu heben; die Industrie entwickelte sich langsam, die landwirtschaftliche Technik verblieb auf einer sehr tiefen Stufe; den besten Boden hatten die Großgrundbesitzer und die zaristische Biirokratic. Die Bauernschaft stöhnte unter der Landarmut. Die wirtschaftliche Unterjochung des weißrussischen Bauern war von der nationalen Unterjochung begleitet. Die zaristische Regierung legte der Entwicklung der weißrussischen Kultur Schwierigkeiten in den Weg; d i e w e i ß r u s s i s c h e S p r a c h e w u r d e ve r f o 1 g t und von der zaristischen Regierungsbürokratie wie auch von den polnischen Großgrundbesitzern verspottet und zum Dialekt der Bauernschaft erklärt. Der imperialistische Krieg verwandelte das weißrussische Gebiet in das Schlachtfeld d e s deutschen und des russi­ s c h e n I m p e r i a 1 i sm u s, was eine starke Verarmung des Landes zur Folge hatte. Die Industrie wurde zerstört, die Felder wurden mit Schützengräben durchzogen, und Hunderttausende von Bauern waren gezwungen, i h r e \V i r t s c h n f t e n z u v c r 1 a s s c n u n d i n d a s i n n e r e R u ß l a n d ii b e r z u s i e d e 1 n.

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Noch me hr verschlechtert wurde die Luge der Wet·ktätigen de s westlichen Weißrußland infolge der Besetzung dieses Teils von WeißruBlnnd durch die polnische Armee in den Jahren 1919 bis 1921 und die Einfügung dieser Länder in den Bestand des Polnischen Re iches. Die Losreißung des westlichen Weißrußland vom übri�<?n Weißrußland und damit die Einbuße seiner natürlichen Absatzgebiete h a b e n s i c h n u f d i e In d u s t r i e i n f o l g e n s c h w e r er W c i s c a u s g e w i r k t. Die polnischen Kapitalisten und Gutsbcsih:e � waren nicht um die \Viedcrhcrstellung der west-weißrussischen Industrie besorgt, da es ihr Ziel war, das westliche \Veißrußland in· . eine Agrarkolonie zu verwandeln. Die Naturreichtümer des Landes, in erster Linie Holz, wurden von den polnischen Gutsbesitzern in räuberischer Weise ausgebeutet, anstatt für die Entwicklung der örtlichen Industrie ausgenutzt. Im J n h r e 1 9 2 2 v e r k a u f t e d i e . Re g i e r u n g e n g l i s c h e n Unt e r n e h m e r n d e n w e l t­ b e rüh m t e n Urwa l d v o n B e l a W e s h a u f 2 0 J a h r e z u A u s b c u t u n g s z w e c k e n. Späterhin wurden einer französischen Aktie ngesellschaft ebenso mehrere tausend Hektar im Sl'onimer Be:i:irk überlassen. Derselbe Ausverkauf, auf den die Abholzung der WiiJder folgt, gehl in nllen nnderen \Yaldungen We st-\Veißrußlands vor sich. Dns Holz wird zur Bearbeitung nach dem Auslande und nach Innerpolen versandt. Diese Riiuberwirlschaft fiihrte z: u e i n e r Ma s s e n a r b e i t s - I o s i g k e i t i n d e n S t ä d t e n. 90 Prozent det· Arbeitslosen e n l - b e h r e n j e d e r H i 1 f e und führen ein Deltlcrdnsein. Das Vordringen des Kapitals mit Hilfe der polnischen Herrschaft hat auch die Lage der von der Atbcitslosigkcit nicht betroffenen Prolctnrier verschlimmert. Noch mehr wurde durch die Okkupation des westlichen \Veillrußland die Lage der lnndwirlschaftlichcn Bevölkerung verschlechtert, der Hauptmasse der Bevölkerung des westlichen Weißrußland (in der Lnndwirtsehaft sind bis 82 Prozent der gesamten Be völkerung beschäftigt). Das Land verblieb den sroßgruadbesilzenden Magnaten. Laut der im Jahre 1921 vorge nommenen Registrierung verfügen in ?en Wojewodschaften Nowogrodek und Polsje und dem \Vilnner Bezirk, von insgesamt 356 991 Wirtschaften mit einer Gesamtfläche von 5 605 981 Hektar, die 3229 Großgüter allein über 3 021 639 Hektar Land, d. h. 0 , 9 2 P r o z e n t d e r \11 i r t s c h n f t e n b e s i t z c n 1

5 4 P r o z c n t d c s L a n d e s. Somit ist in den Händen einiger tausend polnischer Großgrundbe sitzer mehr als die Hülftc des westweißrussischen Landes konzentriert. Neben diesen Großwirtschaften besteht eine große Dorfarmut. Nach den gleichen Angnbe n von 1921 machen d i e \V i r t s c h a f t e 11 bis zu 2 H e k t a r 13 b i s 1 5 P r o zent, d i e W i r t s c h a f t e n m i t 2 b i s 5 H e k t a r 3 6 b i s 3 7 P r o z e n t n u s. Die Bauern, die nur bis 2 Hektar Land besitzen, führe n ein wahres Hungerdasein. In derselben Lage befinden sich diejenigen, die 2 bis 5 Hekim· hn?en, weil der Großteil de s Bodens f ü r F e 1 d b a u u n g e e i g n e t 1 s t. N ach denselben Angaben erstreckt sich der Feldbau über n u r 2 9 P r o z e n t d e r g e s n m t e n B o d e n f l ä c h e d e s L u n d e s. Von den übrigen 50 Prozent der Bauernwirtschaften von über 5 Hektar besitz en 35 Prozent bis zu 10 Hektar. Demnach fristen bis 85 Prozent

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aller Bauernwirtschaften West-,veißrußlnnds ein _ elendes Dasein. Außerdem wurde das westliche Weißrußland in den Jahren 1924 und f 1926 v o n Mi ß e r n t e n h e i m g e s u c h t , und Zehntausende von Bauernfamilien hungerten, da ihnen die Regierung in keiner Weise half. Um sich _in den „unruhigen Grenzgebieten" militärische Stützpunkte zu schaffen, und auch zum Zweck der polnischen Kolonisierung h a t d i e R e g i e r u n g d i e i n 'W e s t-W e i ß r u ß l a n d p a r­ z e 11 i e r t e n L ä n d e r e i e n d e n „0 s s a d n i k i s", d a s s i n d e h e m a l i g e Mi l i t ä r s a u s d e m e i g e n t l i c h e n P o l e n , z u g e w i e s e n. Bis 1920 sind 13 000 solcher Elemente angesiedelt worden, wodurch die Lage der einheimischen Bauern noch mehr verschlimmert wurde. Die Beteilung der Ansiedler mit Boden wurde in der ,veise vorgenommen, daß die bestehenden Bauernwirtschaften von ihren ,veidegelünden, Servituten, Wasserläufen, ·wegen usw. abge­ �chnilten blieben. Die weißrussische Bauernschaft genoß seit undenklichen Zeilen das Recht, ihr Vieh auf den Servitutengründen zu weiden und sich mit Brennholz aus den Servitutenwaldungen zu versorgen. D i e G e • s .e t z e vo m 7. Ju l i 1 9 2 O u n d 8. Ju n i 1 9 2 5 n a h m e n i h r d i c s e R e e h t e. Die Servitute wurden abgelöst in der Weise, daß die Gutsbesitzer drei Viertel der betreffenden Fläche erhielten, den Bauern aber unverwendbare kleine Stiicke · davon belassen wurden. Und auch diese· kleinen Stücke fielen gewöhnlich den reicheren ßauern zu. Bei der Praxis der polnischen Gutsbesitzer und Kapitalisten hörte tler Abzug in die Stadt infolge des Zerfalls der Industrie vollständig auf; die Emigration kam zum Stillstand. Infolge der Zerstörungen der Kriegszeit verringerte sich der Bedarf an Arbeitskräften auf den Gütern, die Gelegenheitsarbeiten bei den Eisenbahnen hörten. nach und nach auf usw. Außerdem verringerte sich durch die Boykottierung der weißrussischen Arbeiter durch die polnischen Behörden, Gutsbesitzer und l{apitalisten und durch die Zufuhr von Arbeitern aus Innerpolen die Zahl der weißrussischen Bauern, die bei Saisonarbeitern Verdienst finden können, auf ein Minimum. Hunderttausende von Bauern, die zur Zeit des Krieges ins Innere Rußlands geschickt -worden waren, 1 m u ß t e n n a c h i h r e r Riic k k e h r i n E r d h ö h l e n l e b e n , h a t t e n n u r S c h a u f e l n , u m d e n B o d e n z u b e s t ell e n u n d g i n g e n mas s e n h a f t a n H u n g e r u n d K ä l t e z u­ s r u n d c. Die Regierung leistete keinerlei Hilfe zum Wiederaufbau der Wirtschaften, gab keine l{rcditc zum Ankauf neuen Inventars und kein Bauholz für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser. Das wenige Bauholz aber, das sie zur Verfiigung stellte, bekamen zum größten Teil die Großgrundbesitzer. Im Jahre 1925 gab es in West-Weißrußland n o c h u n s c f ä h r 4 O O O O O n i c h t w i c d e r h e r g e • s t c 11 t e B a u l j c h k c i t e n. Der Verarmungsprozeß wird d u r c h d i e u n e r s c h w i n g • 1 i c h e n S t e u e r 1 a s t c n u n d G e 1 d s t r a f e n , welche den ' 1 Bauern für die Nichterfüllung allerlei behördlicher Verfügungen auferlegt werden, noch beschleunigt. Obwohl die weißrussischen Bauern ihre Kinder nicht in die polnischen Schulen schicken - wofür sie übrigens bestraft werden -, w u r d c f ii r d e r e n U n t e r h a l t 1 e i n e b e s o n d e r e S t e u e r e i n g e f ii h r t. Für den Unterhalt

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von Pftrden für die Amtsfahrten der polnischen Behörden, für die lnshmdhnltung und Ausbesserung der Landstraßen usw. werden den Bauern Abgaben und Lnsten aufgebürdet. Den Bnuern werden Steuern auferlegt, die jene der Vorkriegszeit u m d a s F ü n f. b i s S i e b e n - f a c h e ü b e r s t e i g e n. Es knm bei der Landbevölkerung zu mnssenhnften Verweigerungen der unerträglichen Steuern. Darauf o.ntwortete die Regierung mit rücksichtslosen Gesenmaßnahmen und der Versleiger �ng der Habe der Bauern, angefnnsen beim Vieh und den Acl.:ergeraten bis zum Hausrat. Zur Eintreibung der Steuern werden Strnfcxpcditioncn in die Dörfer 'geschickt, die erbarmungslos gegen die Bauern vorgehen. Außerdem muß die weißrussische Bauernschaft verschiedene i:wnngsmäßige Arbeitsleistungen auf Befehl der lokalen Behörden ausführen, vor allem bei der Anlage von Straßen und Wegen (für den Staat und für die Gutsbesitzer). Dazu gehört nuch die Vorspannpflicht. Neben dieser wirtschaftlichen Unterjochung führen die Okkupalionsbehördcn e i n e n r ü c k s i c h rs l o s e n I{ a m p f g e g e n a 11 e A e u ß e r u n g e n d c r w e i ß r u s s i s c h e n K u 1 t u r und gegen die weißrussische nationale Freiheitsbewegung und streben, die weißrussische Bevölkerung zu polonisicren. Die polnischen Nationnldemokraten, die .Monarchisten sowie Pi!- : sudsk.i und seine Anhiinser sprechen offen von der Notwendigkeit der Kolonisierung \Vest-Weißrußlands und seiner Verschmelzung mit Polen. Die polnische Regierung diktiert kategorisch, daß die weißrussischen Rinder die polnische Sprache lernen müssen; sie schloß z. B. auch die stanUiehcn Schulen mit weißrussischer Sprache. Von den 514 weißrussischen Schulen im Jahre Hl21 verblieben im Jahre 1927 n u r n o c h e i n e s t n a t I i c h e S c h n I e u n d v i c r P r i v n t c S c h u 1 c n i n g a n z W e s t • W e i ß r u ß 1 a n d. In den Jahren 1�24/26 wurden einige tausend Erklärungen eingereicht, auf Grund deren die Regierung 412 weißrussische Schulen hülle eröffnen müssen. Es wurde aber keine einzige stnatliche weißrussische Schule eingerichtet, sondern im Gegenteil der ICnmpf gegen die l>cslehcndcn Schulen noch verschiirft . .,Des \Vnrletu auf Eröffnuni; stnnllicher weißrussischer Schulen müde. begann die B:i.ucrruchnft Ende 1924 und Anfang 1925 neben den polnischen Schulen privnle weißrussische zu gründen, Sie funktionierten halbamtlich. größtenteils aber insgeheim. Die Kinder trntcn nus den polnischen Schulen fast \'ollziihlig in die privaten weißrussischen über. Als die Schulinspektoren diese Gefahr bemerkten und dns Ende der polnischen Schulen :i.uf weißrussischem Gebiete kommen sahen, begnnnen sie, ohne die weißrussischen Privatschulen zu legalisieren oder zu schließen, d i e E l t c r n w c S e n d e s A u sbl e i b e n s d e r K i n d e r nu s d e n nml l i c h c n p o l n isc h e n S c b u I e n m i t Geld, t r n r c n z u b e l e c c n . . . Unse:i.cbtet dieser Strafen und Verfolgungen hielt die weißrussische ße\'ölkeruns nicht nur an ihren Privatschulen fest, sondern eröffnete noch weitere Schulen. Dar a ufh i n s chl oss e n d i e Behör d e n G7 d i ese r S c h u l e n. Die Lehrer, die Schulbevollmii.chligtcn, die Eii;entümer der �iiuscr, i� denet! die Schulen untergebracht waren und anderer Personen, die um Eroffnung von Schulen nachgesucht hnttcn, erhielten Geldstrafen." (Aus der Interpellation der Abgeordneten der weißrussischen Hromada vom !G. Dexembcr 1926.) Ungenchtet oller Verfolgungen und Geldstrafen schickte nur ein sehr ge ringer Teil der ßcvö!kerung seine Kinder in die polnischen

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Schulen, wo die weißrussischen Kinder, anstatt belehrt, verspottet, ausgelacht und wegen der Nichtbeherrschung einer ihnen fremden Sprache sowie wegen Mangel an Ehrfurcht vor den „Okkupanten" geschlagen wurden. „Ein Knnbc von 13 Jnhrcn, Jusik Kownlenko, wurde von einem Lehrer solnnge auf dem Kopfe i;eschlni;en, b i s i h m i n c i n c m O h r d n s T r o mm c l f e 11 p 1 n l z l e ; ein nchtjiihrigcs Miidchcn, Maria Duthowjec, wurde geschlngcn, bis es nuf den Boden fiel, usw. usw. (Aus Intcrpcllntioncn.) Obgleich in West-Weißrußland iibcr 70 Prozent Weißrussen leben, hat die weißrussische Sprache nicht die geringsten Rechte, weder in den staatlichen, noch in den kommunalen Aemtcrn. S e I b s l G e s u c h e u n d Er k lär u n g e n s e i t e n s d e r w e i ß r u s s i s c h e n B a uern an die lokalen Behörden werden n i c ht an­ g e n o m m e n , w e n n s i e i n d er M u t t e r s p rac h e a b­ g e f a ß t s i n d , e b e n s o s i n d G e s p räc h e i n w e i ß ­ r u s s i s c h e r S p r a c h e i n d e n R·äu m e n d e r S t ant s­ ä m t e r n i c h t c r 1 a u b 1. Ueberall wird die Kenntnis der polnischen Sprache gefordert. Wer sie nicht kennt, gilt als Analphabet, kann weder bei Gemeinde- noch bei Pnrlamenlswahlen kandidieren; er erhält nicht einmal Arbeit in den staatlichen Fabriken. Besonders wiitend wird die weißrussische Presse verfolgt. Die Regierung trachtet mit allen Mitteln, die weißrussische Bevölkerung jedes Schrifttums in der l\lullcrsprache zu berauben. Eine Ausnahme wird nur für d i e \Vcißrussen gemacht, die als Regierungsagenten wirken. Im Verlaufe von zweieinhalb Jahren (1923 bis 1925) wurden ,·on den Behörden 15 p e r i o d i s c h e r s c h e i n e n d e w e i ß - r u s s i s c h c Z c i t u n s e n v c r b o t e n , w o b c i v o n 300 N u m - m c r n d i c s c r Z c i t u n g e n 50 k o n f i s z i e r t w u r d e n. Sogar nicht beanstandeten Zeitungsnummern werden bei ihrer Verbreitung Hindernisse in den Wes gelegt. Oft werden solche Zeitungen willkürlich auf der Post zurückgehallcn und zu ihrer Versendung ist die Einholung einer besonderen polizeilichen Erlaubnis notwendig. Eine weitere Verfolgungsmaßnahme besteht in der V e r f o 1 g u n s d c r A b o n n c n t c n d c r w c i ß r u s s i s c h c n Z e i t u n g c n. ,verden bei Haussuchungen Exemplare derselben vorgefunden, bedienen sich die Polizei- und Gerichtsbehörden ihrer als eines Beweises „politischer Unzuvcrliissigkeit". Auch die weißrussischen kulturellen Organisationen werden systematisch verfolgt. \V c i ß r u s s i s c h e Th ea terauf- f ührungcn, wissenschaftliche Le k t i o n e n und s o g a r g e w ö h n l i c h e S c h u l a b e n d e w e r d e n v erb o t e n, weißrussische kullurcllc und öffentliche Einrichtuni;cn werden nicht registriert usw. Nicht genug daran, daß Weißrussen und Juden in den Staatsund Gemeindedienst nicht aufgenommen und die weißrussischen Ar­ �eitcr in . den Fabriken nicht beschiiftigt werden, mnn entfernt auch Jene Weißrussen, die schon jahrelang in ihnen arbeiten. Vor der polnischen Okkupation ,vest-Weißrußlands stnnden Tausende von Weißrussen im Bahndienst, d o e h s e i t d c m s i n d f a s t a 11 e e n t - 1 a s s e n . u n d d c m E I e n d p r e i s s c g e b c n w o r d e n. Aus den staatlichen Tabnkfnbriken sind Hunderte nichtpolnischer Arbeiter

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,·crtricbcn worden und sogar die polnischen privaten Kapitalisten und Gulsbesitier geben weißrussischen Arbeitern keine Arbeit sondern holen polnische Arbeitskriiftc aus entlegenen Bezirken herbei. D i e r e 1 i g i ö s c n U e b e r z e u g u n g e n d e r \V e i ß r u s se n w e r d e n e b c n f a 11 s v e r f o l g t. Viele orthodoxe JCirchen sind in katholische \'erwandelt worden, in denen der Gottesdienst au s • . s c hli e ß I i c h i n p o l n i s c h e r S p r a c h e geduldet wird. Geistliche, die gegen diese Verordnung verstoßen, werden gemaßregelt und sogar mit Gefiingnis bestraft. Das ganze Land ist mit einer zahlreichen polnischen Polizei überschwemmt. Alle öffentlichen Organisationen befinden sich unter der Herrschaft der Knute. Gleich beim Vordringen der Pilsudski-Truppen in West-Weißrußland wurden massenhafte Verfolgungen aller jen er vorgenommen, die der Sympathie für die Sowjetherrschaft verdächtig v.·aren, ,.politisch unzuverHissig" schienen, oder sich an der nationalen Befreiungsbewegung beteiligten. Viele von ihnen wurden in die Gefiingnisse geworfen, geschlagen. Besonders wiiteten die polnischen Gutsbesitzer gegen die ungehorsamen Bauern, die von denselben der Riiubcrei angeklagt wurden, und entweder jahrelange Zuchthausstrafen erhielten oder an Ort und Stelle erschossen wurden. D i c p o l n i s c h e n G u t s b e s i t z e r v e r a n s t a l t ete n fe r ner s e l b s t S t r a f exp e d i t i o n e n g e g e n d i e B a u e r n, d i e si e d e r U n t e rst ü t z u n g d e r S o w j e t m a c h t v e r däc h t i g­ t e n. So hat z. B. der Großgrundbesitzer Baron B i s p i n g die �iltel• alterliche Gerichtsgewalt der Grundherren über die Bauern w1ederhergestellt und s e 1 s t h e r r l i c h D u t z e n d e v o n B a u e r n e r • s c h i e ß e n I n s s e n , hat ganze Dörfer in Brand gesteckt und Hunderte von Bauern als Bettler von der Hcimat vertrieben. Im Jahre 1921 wurden 33 w e i ß r u s s i s c h e Fü h r e r i n W i 1 n n v e r h a f t e t. Die Massenverhaftungen dauerten die ganze Zeit der Parlamentswahlen des Jahres 1922 an und hunderte von Le!-lten wurden wegen ihrer Agitation für die Wahliste der Arbeiter und Bauern zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Im selben Jahre kam es auch in der Wojewodschaft Bjallostok zu M nssenverhllftungen, denen der grolle „Prozeß der 145" mit dem Abgeordneten Boran an der Spitze, folgte. Als im Jahre 1924 ganz ,vest-Weißrußland von einer Frcischürlerbewegung der Bauernschaft erfaßt war, schlug die polnische Regierung diese Massenaufstände aufs grausamste nieder. Hierüber äußerte sich das Regierungsblatt „R z e c z P o s p o 1 i t a" vom 2. Oktober 1 925 wie folgt: „In unseren Grenzgebieten herrscht eine i;eführlicl1e Slimmung. \Venn im Verlaufe der nächsten Jahre keine Acnderuni; eintritt, wird es dort zu einem allgemeinen bewaffneten Aufstand kommen. Ertränken wir ihn n_ icht in Dlul, ,.,ird er von uns mehrere Provinzen losreißen . . . .Man muß schon Jetzt aller Banden habhaft werden; man muß herausfinden, wo ihnen die, De­ \'Ölkerung •Hilfe leistet und mit diesem i;onzcn übermütigen Treiben sehoaungslos kurzen Prozeß machen. Gei;en Aufstand is_ l kein nnd�rcs Mittel vorhanden als der Galgen. Mn n m u ß d e r d o r l 1 Se n (w e ! ß • r u. s i s Ch e n) D e V O 1 k e r u n g e j n e n s O I Ch e n seh r e C k e n e 1 n - ja g e n , d n ß i b r d a s D I u t i n d e n A d e r n er s l a r r t." Und diese, \'Om zaristischen General, dem Henker Murawjew übernommene Taktik maohle sich die polnische Regierung zu eigen.

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Es wurden militärische \Vojewodcn (Gcnernlgouverneure) ernannt, die Strnfcxpcditionen aussandten, w c l c h e g a n z c D ö r f c r n i c d c r • b r annten und die B e v ö lk e r u n g v e r t r i e b e n , v i e l e T a u s e nde vo n E i n w o h n e r n v e r h a f t e t e n u n d v i e l e d n v b n e r s c h o s s e n. Die Dörfer sahen aus wie zu Kriegszeiten. Fiir die Verhafteten war in den Gefängnissen und Polizeiarresten kein Platz melu·, also sperrte man sie zu Hunderten in Schuppen und Kellerräume ein, wo sie' wochenlang auf nacktem Boden schlafen mußten. Oft ließ man dort tagelang halbtot Gefolterte liegen, wo sie ohne jegliche Hilfe und sogar ohne Nahrung blieben. Allein in der Wojewodschaft Bjalostok wurden an tausend Menschen verhaftet. Diese Massenverhaftungen dauerten auch im Jahre 1926 fort. Die Gefängnisse des westlichen Weißrußland sind stets iiberfüllt und die Z a h I d e r p o I i t i s c h c n G c f a n g c n e n ii b e r s t c i g t s o g a r j e n e z u r Z e i t d c s Z a r i s m u s. Seil 192"4 sind in den Gefängnissen Wcst-Wcißrußlands ständig ü b c r 2000 p o l i t i s c h e G e f a n g e n e und unter ihnen befinden sich Jugendliche von 17 bis 19 Jahren. Ein Teil der Verhafteten wurden in weit entfernte Gefängnisse der westlichen polnischen Gebiete überführt. Die Verhafteten warten jahrelang in der Untersuchungshaft auf das Gericht, manchmal sogar ohne auch nur verhört zu werden. Die Bedingungen für die politischen Gefangenen sind in den Gefängnissen al!ßerordcntlich schwere. die Nahrung ist ungenügend und von schlechter Qualität, die sanitären Verhältnisse sind schrecklich, und fast 7 5 P r o z e n t a 11 c r G e f n n g c n e n e r k r a n k c n n a c h c i n b i s z w c i J a h r e n. Das wurde sogar von der, zum Zwecke der Untersuchung der Verhältnisse in den Gefängnissen, 1924 gebildeten Kommission des Sejm anerkannt. Die Sterblichkeit ist in den Gefängnissen außergewöhnlich groß. Die politischen Gefangenen werden gewöhnlich m i t k r i m i · n e 11 c n V e r b r c c h e r n z u s a m m e n g e s p e r r t. Für die geringste Verletzung der Gefängnisordnung werden die Gefangenen in dunkle, feuchte I{arzer gesteckt. In den Gefängnissen wird ein System besonderer Verhöre durchgeführt und oft dienen innerhalb des Gefängnisses gefiihrlc Gespräche als Hauptanklagematerial. (Z. B. beim .,Prozeß der 133" in ßjalostok.) D i e p o 1 i t i s c h e n G e f a n g e · n eo s i n d g e z w u n g e n , z w e c k s V e r b e s s e r u n g i h r e r L a g e z u H u n g e r s t r e i k s z u g r e i f e n. Solche Hungerstreiks . treten fast nllmonatlich auf und dauern sechs bis zehn Tage. Nicht selten enden sie mit Todesfällen. Die Hungerstreiks werden auf die rücksichtsloseste Art und \Vcise unterdrückt. Die in Hungerstreik getretenen, hnlb lebendigen Menschen_ 'werden in feuchte, dunkle Keller geworfen, manchmal halb zu Tode geschlagen und dann in Fesseln gelegt. Es kommen auch Flille vor, d n ß p o l i t i s c h e Gefangene wegen Durchführung eines Hungerst r e i k s z u Z u c h t h a u s s t r a f e n \'Cr u r t e i l t w e r d e n , z. B. in Wilna, wo \'ier Gefangene, die einen Hungerstreik durchgeführt hntten, z u j e v i e r J a h r e n Z u c h t h a u s v e r u r t e i I t w u r d c n. Es wird nach dem zaristischen Gesetzbuch abgeurteilt, Tausende von Arbeitern und Bauern sind zu sechs bis acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Oft werden auch Urteile mit zehn bis fünfzehn Jahren gefüllt und Verurteilungen zum Tode sind nicht selten.

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Besonder � bubnrisch ist dns System der Folterungen und Prügelung. In einer Interpcllntion der weißrussischen Pnrlnmentsnbgeordneten heißt es 11. n.: . ,.Na�hstchend wc,Druss,schcn in allscmeincn Züscn die Methoden der Folteruns der Dnuern. V o r n 11 e m s c h I ä s l m n n s i e i n g e - f �ss_e l tem Z_u s t n �de, u m i h n e n Au s s n s e n z u e r p r es s e n , d ! e I h n e n h I c r b e I v o n d c r P o I i z e i d i k t i c r t w e r d c n. Die M,Dhandlunscn d�uern solnnse an, bis der Gefolterte dn.s vorgeleste Verhörprotok �ll nachspricht und d1mn unterzeichnet. Es kommen Fälle vor, wo mnn nicht .m�hr nur zwecks Erpressµns gewünschter Aussagen foltert, sondern lcd,ghch aus zügelloser Rachsucht und zur Befriedisung sadistischer Gelüste der Poli:i:istcn. Mnn schtiist nur das Gesicht, nuf den Kopf, auf Schultern und Brust usw. mit den Fiiustcn o d c r m i t s t u m p f e n har t e n G e gen s t ä n d e n o d e r a b e r m i t G u m m i k n ü p p eln u n d L a d e s t ö cken. Die Vernbreichuns von F e r s e n h i eb en ist o.11- gemein üblich. Sehr oft wird eine MI s c h u n g v o n W n s s e r u n d E s s i S d u r c h d i e N n s e c i n s e f I ü ß t , wns Lungenbluten hervorruft. Nadelstiche unter die Niisel und nm Leibe werden stets ansewendet. Ge­ "·öhnlich schliist man die Gcfnngencn bis :,;ur ßcwuDllosiskeit, dnnn bringt man sie 'l\;eder ru sich, oft mit Brennen, Schnee und Nadelstichen, worauf die Foltern und Quälereien von neuem beginnen. Es kommt ort vor, d n ß m n n d i e O p f e r v o n D e n m t c n n n d c r e r P o I i z c i ä m l er f o 1 - l c r n I ä ß l o d c r i h n c n d i c Au S c n ,. er b i n d e t , um die Durchführuns cines Untersuchungsverfahrens infolsc einer Beschwerde des Gefollcrten unmöglich zu mnchen. Jn, es hat einen Fnll gegeben, d n ß man i n e i n em Küb e l L ehm b e r e i t s t el l t e, m i t d e m d em G e f o I t er t c n Au s c n u n ü M u n d v c r sc h m i e r t w u r d c n. Damit das Stöhnen der Opfer nicht schört werde, stopft mnn ihnen Lumpen in den lllund." {Aus einem Dringlichkeitsnntrng der Abgeordneten der weißrussischen Hromadn im polnischen Sejm vom 2. Jlliirz 1026.) Dns System der Provokation ist in \Vest-Weißrußland zu einem wesentlichen Bestnndtcil des· Blutregimes der polnischen Re� icrung se'l\'Ordcn. Die polnische Geheimpolizei sendet ihre Agenten m alle Arbeiter- und Bnuernorsnnisntioncn, wo sie sich nls Revolutionäre ausgeben und einzelne Aeußerungen der Unzufriedenheit mit de� System der polnischen Okkupntion dnzu benützen, hunderte von Arbc1tcr!1 und Bauern unter Anklnge wegen stnntsfcindlicher Umtriebe zu brmgcn. D i es e P o1 z c i p r o v o k n t c u r c o r s a ni si c r c n s e l b s t _ g e g e n d e n S in n t g e r i c h t e t e A k t i o n e n u n d u b c r­ g e b c n n a c h h e r i h r e Op f e r i n d i e Hän d e d e r B� ­ h 6 r d e n. Gestützt auf die Aussogen solcher dunkler Elemente, die sieb nus dem Abschnum der Gcscllschnft zusnmmcnsctzcn, werden Tausende von Menschen auf langjährige Zwangsarbeit geschickt. Die Stnnlsgewnlt ist in West-Weißrußlnnd \'ollständis . in den Händen der Polizei. Dns Wohl und Wehe der Be völkerung wird �_,chi vom Gesetz und von Verfassunsspnrosraphen, sondern vom ,v,nen der örtlichen Satrnpen bestimmt. Breite Volksschichten sind all:r Bürgerrechte beraubt, alteingesessenen Einwohnern nimmt man �,e Staatsbürgerschaft wes, weist sie ous. Die Bittgesuche der Bevolkcrung werden überhnupt nicht beachtet und d i c B c s t c c h u n g e n hpb c n g e rad e z u d en Ch o r o kle r e i n e r S t euer a n­ g e n o m m c n. Die weißrussischen \Verktätigen sind im Grnndc genommen aller politischen und bürgerlichen Rechte bar und werden wegen jeglichen Versuches einer Aunehnuns Verhnflunsen und Repression ausgesetzt. Versnmmlungen und l\lectinse werden aufgelöst.

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. a: ""

Die Gemeindeverwaltungen waren bis 1927 fast überall im Amtswege eingesetzt und wenn seitdem bereits hier und dort Wahlen stntlfonden, s o e n t z o g d e r ö r tli c h e Sat rap n a c h e i g e n e r W i ll k ür d e n d.e r R e s i e r u n g u n b e q u e m c n K a n d i d a t e n d n s ,va h l r c c h t o d e r v e r w e i g e r t e d i e b e h ö r dli c h e B e­ s täti g u n g i h r e r W a hl. ::

III. DIE ENTSTEHUNG DER HROMADA Als Pilsudski noch im Jahre 1910 beim Beginn der Okkupation �est-,Veißrußland g r o ß e V e r s p r e c h u n g e n machte, benb­ s1chligte er damit, die Sympathien eines Teils der weißrussischen Bcvölkerunng für sich zu gewinnen. Doch die weißrussische Bauern• schaft erkannte bald, daß nnch der Armee Pilsudskis die Großgrundbesitzer kommen werden, von denen die Bauern lange Jahre unterdrückt worden waren. Nur in gewissen weißrussischen Intellektuellen• �reisen schenkte man den Versprechungen Pilsudskis Glauben u�d in diesen li:reisen entstand eine polenfreundliche Strömung, die die Unabh::ingiskeit Weißrußlnnds und die Förderung der weißrussischen Kultur unter dem Schulze Pilsudskis und seiner Asenlen zu verwirk· liehen hoffte. Unter dem Einfluß der J{olonisicruni;spolilik der polnischen Re• gieruns im westlichen '''eißrußl;md beginnen diese Kreise sich da�on zu überzeusen, daß die bourgeoise polnische Regierung nicht nur m�ht nn die scrinsste ßefriedisung der nationalen Ford.erun gcn der we!�­ russischen Volksmassen denkt, sondern bewußt die Politik des nuh· tärischen und wirtschnfllichcn Druckes durchführt. Sie hoffen zwnr n_och, beim Viilkerbund Unterstützung und Hilfe zu finden, u1;1 d �e�en.,...... sich der Hoffnuns hin, nur dem ,vege der Annäheruns an die hn�en polnischen demokratisch-bürgerlichen und kleinbürserlichen Partei_en den politischen Kurs der polnischen Resieruns gegenüber ,vest-Weißrußlnnd füHlcrn zu können. Auch hoffen sie nur die Verlreluns der nationalen Minderheiten im polnischen Sejm. Die Idee, die diese inte11ekluelle Oberschicht vereinist, ist die Idee einer weißrussischen nationalen Einheitsfront. In diese Situation fielen die Wnhlen des Jahres 1922. Die Fiihrer der Bewesung für die \Viedergeburt "'eißrußlnnds s l c 11t e n e i. n e n a t i o n a l e E i n h e i t s f r o n t h er, a n d e r d i e v e r s c h i e­ d-e n a r t i g s t e n E I e m e n t e m i t d e n v e r s c h i e d e n s t e n P o l i t i s c h e n U e b e r z e u g u n g e n t e i 1 n a h m e n. . Sie . alle vereinigte die Idee der nntionnlen Einheit. Der nationale we1ßruss1sehe Block lrnt mit einer semeinsnmen \Vnhlliste mit andern nntionnlen Minderheiten Polens nuf. D i e s e \V n h 11i s l e e r r n n g i n \V·e s t • W e i ß r u ß 1 a n d e i n e n g r o ß e n S i e s , während die polen­ f �e�ndlichcn Gruppen eine völlige Niederlage erlitten. Das . kommumshsehe \Vnhlkomitee konnte infolge des starken Terrors seitens der Behörden keine breite Tätigkeit enlfnltcn. Um diese Zeit gründeten die Mnssen ihre Hoffnungen schon nicht mehr auf das Bündnis mit den polnischen „links"-biirserlichcn und

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kleinbürgerlichen Parteien und nicht mt!hr auf den Völkerbund, sondern nuf die Organisicmng ihrer ei,:;enen Kräfte. Dn die Arbeiter• bewe,:;uns jedoch noch äußerst schwach entwickelt, da die Zahl der Arbeiter ,:;erin,:; war, und da dfo Bauernschaft noch gam; und ,:;nr unor,:;nnisiert war, - kam es, d n ß d i e I n t e11 i g e n z d a m n 1 s di e d o m i n i e r e n d e R o l l e i n d e r w e i ß r u s s i s c h en n a• t i o n a1 e n B c w c g u n S s p ·i e1 t e. Die weißrussische Intelligenz übertrug die Idee der nationalen Einheitsfront, die in Tat und ,vahr• heit dem Kampfe für die nationale Befreiung hinderlich war, in die Bewe,:;ung für die nationale Wiedergeburt ,vest-,Veißrußlnnds. Diese Idee hat in dieser Zeit in den Volksmassen, die eben zum Kampfe erweckt worden waren, ,:;ewissen Erfolg. Der Klub der weißrussischen Parlamentsmitglieder, der nach den Wahlen gegründet wurde, widerspiegelte genau den Stand der natio• nalen Bewegung jener Zeit. Es gehörten diesem Klub Leute mit den verschiedensten politischen Ansichten an. Neben Sozialisten umfaßte er sowohl gemäßigte Demokraten als auch Klerikale, ja sogar Leute mit offenkundig reaktionärer EinsteUung. Dieser Klub hatte zuerst keine klare politische Linie. Die weißrussischen Abgeordneten stimmten bei der Präsidentenwahl für den Kandidaten der polnischen linksbürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien, für Narutowicz. Sie unterstützen ferner. das l{abinett des linken Zentrums, das lfabinetl des Generals Sikorski. Doch bald stellte es sich heraus, daß sich die Politik von Sikorski hinsichtlich West-,Veißrußland in keiner Weise von Politik. der reaktionärsten polnischen Chauvinisten unterschied, und d e r B l o c k d e s w e i ß r u s s i s c h e n K l u b s m i t d e n p o l n i s c h c n l i n k s b ü r g e r 1 i c h e n P :i r t e i c n z c r f i c1. Die ständig größer werdende nationale und politische Unterjochung durch die polniscl1c Regierung und der wachsende Kampf der weiß· russischen werktätigen Massen ge,:;cn die letztere drän,:;tcn den weißrussischen Klub auf den Weg der parlamentarischen Opposition ,:;cgcn die Regierung. Unter dem Einfluß des zunehmenden Kampfes der �fassen und der Erhöhung ihres Klassenbcwußtscins entstehen in den Reihen der weißrussischen nationalen Freiheitsbcwe,:;ung neue Ideen, kommt es zu verschiedenen Umgruppierungen im weißrussischen Parlnmentsklub. In diesem Klub kristallisiert sich eine sozialistische Fraktion von vier Mit,:;liedern· heraus, die feststellt, daß alle bisherigen Anstrengun,:;cn zu nichts geführt haben, und daß die weißrussische nationale Bcwe,:;ung neue We,:;c suchen müsse. ,vcnn die Praxis der weißrussischen Bewegun,:; bewies, d a ß c s u n m ö g l i c h i s t, d a s w e i ß r u s s i s c h e n a t i o n a l e �r o­ b l e m i m R a h m e n d e s p o l n i s c h e n b o u r g e ois e n S t a a t e s z u 1 ö s e n und die bittere Erfahrun,:; die weißrussischen Volksmassen lehrte, daß die nationale Unterdrückung ein unzcrtrcnn• lieber Bestandteil der Herrschaft der Bourgeoisie ist, so zei,:;ten ihnen dagegen d i e E r r u n g e n s c h a f t e n d e r \V e i ß r u s s i s � h e n S o z i a1 i s t i s c b e n S o w j c t r e p u b1 i k die Möglichkeit des Aufhörcns der Ausbeutung und Verarmung der ,verktätigcn, der völli,:;en Lösung des weißrussischen nationalen Problems und der Befrciun,:; der Volksmassen aus dem nationalen Joch unter der Staatsmacht der Arbeiter und Bauern. Die großen Erfolge auf dem Gebiete des sozialistischen Aufbaus, die Verbesserung der Lage der ,verktätigen, die

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staatliche ,viedergeburt Wcißrußlands, die Entwicklung der weißrussi­ �chen nationalen ICullur, die Einführung der weißrussischen Sprachl! m den staatlichen lnstil\lten - nll dns zeigte den Werktii.tigcn West­ Weißrußlands, d a ß d e r W e g z u r n a t i o n a l e n u n d soz i ale n B e f r e i u n g üb e r d n s Bün d n i s d e r B a u e r n u n d A r b e i t e r i n G e s t a l t· e i n e r A r b e i t e r- u n d B aue r n r e g i e r u n g füh r t. Auf diesen "'es trnt außer der sozinlistischen Fraktion des Parla­ : mentsklubs a u c h d i e s e s n m te n n t i o n a 1 c Fr e i h e i t s- b e w e g u n g. Ein Teil der weißrussischen Parlamentsklubs, mit den Abgeordneten Stankewicz, Jeremicz und Rogula an der Spitze, verblieb bei den alten Illusionen. Sie schlugen der weißrussischen nationalen Bewegung vor, sich nuf den engen ICreis des ausschließlich nationalen Kampfes zu· bcschriinken und sich dabei einzig und allein auf die Bauernschaft zu stiilzcn. Diese Differenzen zwischen den zwei Richtungen innerhalb des weißrussischen Parlamentsklubs vergrößerten sich immer mehr und füh r t e n s c h l i e ß l i c h z u r S p a l t u n g u nd z u r B i l d u n s d e r w e i ß r u s s i s c h e n B a u e r n - u n d A r b e i t e r-Hr o­ mndn. . Diese Spaltung war der Ausdruck des Diffcrenzierungsprozes�cs innerhalb der weißrussischen nationalen Bewegung. Der von Jerem1cz u_nd St:mkcwicz gegriindetc Dcputiertenklub vertrnt die Inter�sscn emer kl<.'inen Schicht reicher weißrussischer Bauern und der Spitzender weißrussischen Intelligenz, sagte sich im Grunde genommen vom n�tionalen B<-frciungskampf los und betrat den \Ver;: der Ifompro� issc mit den Okkupa11tt•n. Die weißrussische Bauern - und Arbe1ter­ Hroma da dagegen \'crkürpertc die Bcstrebungcn der breitesten werktätigen Massen. Somit zeiste die Griinduns der Hromada an, daß die werkt�t!gen :\fassen die Notwendigkeit eines Diindnisscs mit den W�rkt�t1gen Polens unerkannt hatten, u n d d a ß s i e fe r ner z u r E 1 n s 1 c h t ka m e n, d a ß i h r e nnli o n n l e B e f r e i u n g o h n e s o z i a l e B e f r e i u n g u n mög l i c h i s t.

IV. DIE ENTWICKLUNG UND DIE TÄTIGKEIT DER HROMADA Die Hromada sestaltete sich zu einer mächtigen Bewesuns a�s und zog alle Elemente nn sich, die de'n Wes des Kampfes sege� die s chwere nationale und soziale Unterdriickuns durch die Okkupnhons- hchö rden suchten. „Indem die Weißrussichc Bauern- und Arbeitcr-Hroinndn den Kampf für. das Selbstbestimmungsrech t der Völker, für die B auern- und Arbe!tc�­ rcg1crung füh rt, kämpft sie zu i;lcich cr Zeit unermüdlich für die B_ efriedigung der brennendsten Bcdiirfnisse der Bauern und Arbeiter: d I e en t • 5'? häd i g u_ ni;slo sc Ucb e ri;n b e vo n La n d an d i e B a u e rn, d!c Vcr m1n der u ns d e r uucr t rüi;lich cn Stcucr l nslc�, d 1 e . V c r tci d is u IIs der A r b c i tcr sc h u t zscs ct zc , d_ic _ n al 1 o n n 1c Sc h u I c, p o 11 t i sc h c Rech tc us w ." (Aus der pohhschcn Plattform der \Vcißrussisch en Bnucrn- und Arbeiler-Hromndn.)

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Die erste Periode der Tätigkeit der Hromada wnr die Periode der Populnrisicrung der politischen Hnuptlosungen, die Aufzeigung der wirklichen Lnge der Dinge in jenem Kampfe, den sie führte, und die Entlarvung der reaklioniircn Ideologie des „Landbundes". Die Tätigkeit der Hromada war nuf die Stärkung des Bündnisses der Arbeiter und Bauern gerichtet. Sie führte eine breite Kampagne durch, sowohl in den Städten \Veißrußlands, wie Bjalostok, Grodno, ·Brest und Wilna, als auch in den Dörfern, und begann, i h.r e 0 r g a n i s a t i o n ü b e r d a s g a n z e w e s t l i c h c \V e i ß r u ß - l a n d a u s z u b r e ile n. Ihre Parlamentsmitglieder standen überall in den ersten Reihen, sei es im l{ampfe der Bauern für die nationale Schule, für Land und gegen administrative Willkür, sei es im Kampfe der Arbeiter gegen die Ausbeutung - mit einem \Vorl: überall, wo die Wcrktiitigen gegen das politische und nationale Joch kämpften. Die Abgeordf\.etcn der Hromada zeigen von der Tribüne des Sejms hernb den Werktätigen die wirkliche· Lage auf und die Aufgaben, die diese mit sieh bringt. Anläßlich der Debatten im Sejm über die A grar - · reform b e t e i l i g t s i c h d i e H r o m ad a a n d e r Ei n - h e i t s f r o n t d e r r a d i k a l e n A rb e i t er- u n d B a u e r n ­ " e r t r e t e r. Durch dieses Auftreten verwirklicht die Hromada das Bündnis der Werktätigen Weißrußlands mit den Werktätigen Polens, und sie erwirbt sich durch ihre Tätigkeit in dieser Zeitperiode die Sympathien der Volksmassen \Vest:\Veißrußlands. Der Staatsstreich Pilsudskis im Mai 1926, der unter der Losung der „moralischen Sanierung" und des Kampfes gegen den Faschismus in Szene gesetzt wurde, rief in den Reihen der \Verktätigcn Polens Illusionen hervor, und zwar hinsichtlich der Möglichkeit, durch Unterstützung Pilsudskis der Politik der Unterjochung und Ausbeutung ein Ende setzen :zu können. D i e H r o m a d a e n t h i.i 11 t c d a s w a h r c W e s e n d c r n e u e n R c g i e r u n g P i l s u d s k i s und bewies un Hand von Tatsachen, dall diese Regierung nur den Willen der Gro.ßgrundbcsilzcr und Kapitalisten ausführte und dall sich die ganze Reaktion mitsamt den Faschisten um diese Regierung vereinigte. Auf Grund der wachsenden Aktivität der �lusscn entfaltete die Hromada zwei breite politische Kampagnen: d i c K a m p a g n e f ü r d i e F r e i l as s u n g d e r p o l i t i s c h e n G e f a n g e n e n u n d 1 d i e Ka m p a g n e f ü r d i e Ei n f ü h ru n g d e r· Mu t t e r­ s p r a c h e i n d e n w c i ß r u s s i s c h e n S c h u l e n. In der Kampagne für die Freilassung der politischen Gefangenen ,· l 1

kam auch der Protest gegen das ganze Regime der politischen Unter­ \ 1 drückung zum Ausdruck. Auf Hunderten und Tausenden von Versammlungen wurde die Forderung der_ Befreiung der politischen Gefangenen aufgestellt, und die "Hromada sammelte mehr als hunderttausend Unterschriften. Die zweite Kampagne der Hromada bezweckte die Einführung der weißrussischen Sprache in den Schulen \Vest-\Veillrulllands. Die Regierung Pilsudskis verfolgte und schloß die weißrussischen Schulen wie früher und mit unveränd�rter Hartnäckigkeit. Daher fand die von der Hromada organisierte Kampagne für die Sammlung von Deklarationen zugunsten der weißrussischen Schule den Bcffall der ganzen Bevölkc-

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, . ,

rung d e s w estlichen Weiß rußl:md. E s w u r d e n g c g e n 2 5 0 O 0 D e k 1 n r a t i o n e n gesammelt. Neben diesen großen p olitischen Knmpagncn kiimprte die Hromnda .,.,_ gl_�ich�eitis auch für die B efriedigung der übriccn brennenden Be­ •J'; d_urfmsse der wei ßrussischen werktäticen Massen, gegen die wirtschaftliche Unterdriickunc durch die Großgrundbesitzer und cece n die :ulministrntive Willkür und den maßlosen Steuerdruck. Die Tütick eit der Hromndn bewirkte, daß das Do rf den Weg der Selbständigkeit auch auf kultur ellem Gebiete beschritt. U n t er ·" i h r e m E i n f 1 u ß w u r d e d e r „vV e i ß r u s s i s c h e S c h u 1 · v e r e i n" gegriindct, der eine gewnlligc kulturelle Arbeit cntfnltcte und einige taus end Mitgliede r zählte, Hunderte von Lesehallen, kultu­ r e lle Zirkel, Lehr e rkurse, \Vandcrbibliotheken. usw. schuf. Sie cnb -: auch e in en Antrieb der En t w i c k I u n c d e r w ei ß r u s s i s c h e n G e n o s s c n s c h n r t s b e w e c u n C· Als die Hromndn ihr e orcnnisntorische Tätickeit zu entfalten be­ r ·, gann, zählte sie insccsnmt 19 Zirkel mit 569 l\lilcliedcrn. Im Mo nat �uli 192G waren es 122 Zirkel mit 3114 l\litcliedern, i� Aucu�t aGl Zirkel mit 12 529 Mitgliedern , im September 1062 Z irkel mit 30 828 Mitgliedern, im Okto der 1374 Zirkel mit 43 570 Mitclicdern, und a m 15. Ja n u a r 102 7 z ä h l t e s i e b er e i t s m eh r a l_s 2 0 0 0 Z i r k e I m i t r u n d 1 O O O O O l\[ i t g 1 i cd cr n. Som!t halte es also die Hromadn im Verlauf der sechs l\lonnte ihre r orcam­ ,· satorisch l'n Arbeit auf 100 000 Mitclicder ccbrncht. Die Hro mnda f

wurde d i c s r ö ß t c B n u cr n o r g a n i s a t i o n n i c h t n u r i n P o 1 e n • s o n d c r n a u c h i n d c r g a nzen W e1 i, Dies be· stätict am besten die Richtickcit der politischen Plattform der_ 1:{romndn, deren Kampfwe c zusl<?ich auch der ·wcc der breite n wcrktnticen :\lasse n \Vci ßrußlands wnr.

V. DIE UNTERDR1JCKUNG DER HROMADA· Das rasche \Vnchslum der Hromadn, ihre gewaltigen Erfolge u!1d die aktive Leitung des Kampfe s der werktätigen Mass en �Vest-We) ß· rußlands crzeucte unter den polnischen Gutsbe sitzern cme Pamk· stimmun c. D i e Pres s e d e r G r o ß g r u n d b e s i tzer b e s a n n d e s· ·h a l b z u e r s t mi t d e r w ü t en d e n P r cs5eh e tzc c eg cn d i e H r o m a <1 a 1 o s z u z i e h c n. Am 3 O. N o v e m b e r 10� 6 bc_ri�htete die Zeitun g ,.Slowo", da ß „Graf Emerich Czon ski dem JuSll�­ mm1ster Mejsztowicz und dem Innenminister im Namen des _,Point · seh e n Gcmcinnütziccn l{ o mite es' (eine Organisation de� re ichsten Gro ß grundbesitzer) c i n Me m o r n n d u m ü b cr d t e r e V O • l u t i o nüre Tät i g k e i t d e r We i ß r u s s e n u n d d e r s o s e •. n n n n t e n ,G u r l c k' - d i e O r t s s r u p p e n d er H r O • m ad n - e i n s e r c i c h t h n t". .. �m die _öffe ntliche :\lcinuns für die Unterdrückunc der Hromn dn s unshg zu stimmen, um ,:in en T eil der werkt ätigen B evölkerung Polens

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gegen die Hromndn nufzustncheln und um deren Z erstörung· in den Augen Europas überhaupt zu rechtfertigen, werden schließlich auch Provokationen zur Anwendung gebracht. D i e V e r 1 e u m d u n S s - k n m p a g n e m a c h t e n i c h t h a l t vo r n i e d e r t räc h ­ t i g e n E r f ihd u n s c n vo n M o r d e n u n d B r a n d s t i f­ t u n s e n, d i e n n s c b l i c h v o n M i t g l i e d e r n d e r H r o ­ m n d a a u s g c f ü h r t w o r d c n w a r c n. Bald ertönte ein für die faschistische Renktion üblicher Refrnin: .,Die gnnze Hromada ist von Mosknucr Agenten geschaffen worden, und ihre Grundlagen haben Moskauer Gelder gelegt." Natürlich war die gesamte Presse nicht imstande, auch nur einen Beweis für ihre Behnuptungen zu erbringen. Der tatsächliche Sinn des Geschreis über die „Moskauer Agenten" besteht darin, daß die Lösung des weißrussischen nationalen Problems in der Weißrussischen Sozinlistischen Sowjetrepublik und die Besserung der Lage der Werktätii;cn in der Sowjetunion auf den Knmpf der Werktätigen West-Vveißrußlands natiirlich nicht ohne Einfluß bleiben konnte. Um diesen Einfluß in verzerrter \Veise darzustellen, schrien die polnischen Großgrundbesitzer und ihre Presse über „Moskauer Agenten" und „Moskauer Gelder". Jene geringen weißrussischen Organisationen, die mit der p olnischen Regierung ein Kompromiß geschlossen hatten, hielten es für nötig, in den Vcrleumdungschor einzustimmen, dessen Zweck es war. die Unterdrückung der Hromada durch die Regierung vorzubereiten. Sie machten dies nur ,·erschiedenc Art und \Veisc, w o b c i s i e o f t a u c h M i t.g l i e d e r d e r H r o m a d n o d e r L e u t e , d i e m i t i h r s y m p a t h i s i c r t c n , d e n u n z i e r t e n. Dies war z. B. mit Luczkcwicz der Fall, einer öffentlich tätigen Persönlichk eit, die der Hromnda sympathisch gegenüberstnnd. Nach der Vorbereitung de1· Unterdrückuns der Hromadn, nnch der J{ampngne der polnischen bürgerlichen Presse sing die fa schistische Regieruns Polens zu aktiven Maßnahmen iiber. Es began nen die Verfolgungen und Verhnftunsen einzelner Funktioniire der Hromnda. Der Verbreitung der Hromada-Presse und den Versmmnlungcn ihrer Organisation wurden Hindernisse in den Wes gelegt. Nach und nach nnhm das·alJes den Charakter systematischer Repressalien gegen die Hromadn und alle ihre Mitglieder an. E s b e g a n n e n d i c U e b e r f ä l l e d e r Fa s c h i s t e n n ur V e r s a m m l u n g e n u n d l{ o n g r e s s e d e r H r o m n d a. Mit S töcken und R evo lve r n b ewaf f n e t , ve rw ü s t e t e n d i e Fa s c h i­ s t e n a n ve r s c h i e d e n e n O r t e n d i e V e r s a m m l u n g s ­ l o k a l e u n d ve r p r ü g e lte n d i e Te i,ln e h m e r a n d e� V e r s a m m l u n g e n. An diesen Ueberfüllen hinderte die Polizei die Faschisten keineswegs; ihre Einmischung bestand ledislich in de r Verhnftung von Hromada-Anhiingern. Einer der hcrnusforderndsten und abscheulichsten Uebcrfiillc crfolste auf den Bczirkskonsrcß der Hromada in Stnrn°Beresn. In der Interpellation über diesen Ueberfall. die im Parlament eingereicht wurde, heißt es u. a.: ,,Auf den 2. Dezember dieses Jnhres war der Kongreß der \\'cißrussischen Bnuern- und Arbciter-Hromndn des Bjclskcr Bezirks nngesni;t worden. Der Kongreß wurde um 10 Uhr morgens im Dorfe Dcresn, Orljanskcr Kreis, eröffnet und e s w u r d e n n 11 c In s l r u k I i o n c 11

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�i n g ehn l le n, d ie d ie A b hnl l u ng öff e n tlich er Ve r• s a mm l u n sen in Sä 1 e n b e t re f f en. Schon seil dem f rühe n Mor gen bemerk ten öie Dnuern des Ortes, daß sich von nl lcn um liegenden Ort­ ' 1

s�l10flen her sowieauch nus der Rich tung von Djel sk Polizei zusam menzog, d_ie Mnscbinengeweh re mit sich füh rte. Alles in allem m ögen es 200 beri tlene und unbcriltene Polizisten gewesen sein mit fünf Maschinen• gewehren. . _ Gleichzeitig mit der Pol izei kamen nuf L ast autos vom Gute Hllinowkn �er, das im g leichen l{reis lie g t , ungef iibr d reißig Zivilisten, die niemand 1m Dorfe knnntc und die nuch den Kong reß teil neh mern völlig und ekannt waren. Sie liefenv or den Hiiusern herum und t ranken Schnaps. Um 11 U h r wurde der Bezirk skong reß der Hromnd n im Hnuse �es .13:n !rszcot lm erölTnel. _ Die Verhandlungen wurd e n von Paul \Voloszm, Mit glied des SeJm s, gel eitet. Auf diesem Kon g reß wnren nuch Vert reter d e r Behörd e n anwesend, der Dezh·k s hnupt mnnn der staat lichen Poliz ei und der Stel l vert reter des Vors teh ers des ßjel s k e r Dezirks. . Gleich nach Eröffnung des Kong resses w nr zu b eobnchten, d nß e r die i_ns D o r f g e k om m e ne n u n bck nnntcn Zivili s t e_n i n• 5lr_u1er le , w e lch e s liin d i g ver s uch t e n, i n s H nus cin z u­ d r 1 n s cn . . Al s si<: nic:hl )iineini; elnsse n wurd e n, b e gonnen die unbek _annt e n Zivi­ l�Sle n, heftig nn die Tür z u kloprcn. Al s dies rcsullnll?s v e rl�cf, schlJgen s i _e b ei. nl l en Fenstern die Scheiben ein und warfen Stemc, Glaser, Stocke, Ziegelsteine u s w. in den Snnl hinein. Die Sit z uns wurde d araufhin unt e r• hrochen. D i e P n r In m en t s m i t s l i e d e r Wo 1 o s z i n u n d Mi o t In wan d t e n sich n n d e n z u d ieser Z eil i m Snnlcnn we sen dcn Ver t re t e r d e s Dez i rksv o r ste h er s u n d n n de n B e z i r k�­ hn u P t m n nn d r. r P o 1 i z ei m i t d er B i t t e, n u f d e r S t rnBe d I c 0 r d n u n S w i e d e r h e r z u s t e 11e11.

. Es i_sl ein_wnnd f rei fest scstel ll worden, dnß in niichstc� N iihe des H�uses vi�l� u'!1f orm1erte Polizisten zusegen waren, die jedoch �•e proyokntomch.c T�ligke1t der Rowdys nicht nur nich t störten, sondern ihne n l!ß Gege�teil �1t hnl fc11 und selbst mit ihren Siibcl n und Gewehrkol ben die Scheiben cmsch lusen untl e b e n r n11 s S t ö c k e u nd S tei ne i n ? e n � 11 a 1 w ar f e n. Al l dies wurde in der vom Abseord netcn Sob ol e wski am '· No• vcmber_ dieses .Jnh rc s durch gefüh rten Unt ersuchung fest gestel l t und von nl lcn E i nwoh ne rn tfos Dorf e s bes tätig t . . Die Po l izi s t e n d r a n g e n d u rch d io Rüche i_n d ie i n crcn � Riiu m c d e s Hnu s e s ei n, s t ie g e n d u rch d i e z ­ t rummer len Fen s t e r i n d e n Sn n l ei n u n d b e s nn n e n _ ni� ' m i t G c w e h r k o I b e n a u f s iim t J i c h e "A n w e s e n d e n c i n z u • 5 eh l aSe n. Die Polizis t e n s chlusen · alle Anw ese nden bis auf s B lut, zcrf s�hl ug en ih nen die Köpfe, b rachen cinisen die Arme, s chleppt en nnder� au - die St rnßc hinaus, wo sie v o n n e II e m in die Ha n d�e d er PL I JZ � 1 u _n d d c r m i t i h nen n n 6 e k o m m e n e n u n b e k n n nle n e u � sie l e n, d ioc wie d e ru m nuf sie e in sch l u g e n u n d nls d nn i n d i e F e l d e r j a 6 ten . Der gnnze Boden und die Wiinde der Wohnung wnren mit dem; J?lrte 11'!sc�ul diser Mens ch e n bed eck t. Säm t liche nn dem Kong reß b� teih s en M,t shcder dc1· Hromndn e rlit ten sch were od er !.leichte Verwundun g e n. • Nnh Einige der unbeknn nte n Leute, <l es Hauses s tanden, s t ii r z t e n sdie bei diesen Vori;ii nge_n !n dere n � u � ich m i l d en Po h z Is t snmmen auf d ie A bi;eo r d netc n Miol l n u nd Wo l o s zin, schl u s en si e nu f s s c h we r s t e u n d b r ach t e n i h n� n d c n a m K o p f u n d n n d cn Ar m e n b ei." (Aus d e r lnllerp n 1 on über die Stnro-Dercsown-Ang e l ei;cnheit, Seile -HO.) �1"t· 21

Diese Zer,törungen und Ueberfälle anläßlich der Vcrnnstaltung von Versammlungen der Hromada waren zweifellos nicht nur Repressalien. sondern be zweckten auch, die weißrussischen werktätigen Massen zu bewaffneten Verteidigungsaktionen zu provozieren, um diese alsdann in einem Meer von Blut ertriinken zu können. D o c h d i c Hr o m a d a w a r n t e d i e Ma s s e n vo r e i n e r b ewa f f­ net e n Ak t i o n , d i e i h r e n F e i n d e n s o w i llk o m m e n g e w e s e n w ii r e. Schließlich schrill die Regierung am 15. Januar 1927 z u r ,. ö 11 i g e n U n ter d r ü c k u n g d ci: Hi: o m ad a. Ohne Wnhrung irgendwelcher gesetzlicher F'ormalitätcn wurden 'v i c r P a r 1 a - mcn t s a b g c o r d n c t c d e r Hr o m a d a u n d v e r s c h i e d e n e a n d c r e F ii h r c r v e r h a f t e !. Alle Akten des Zentralkomitees der Hromada wurden beschlagnahmt, die \Vcillrussisehe Bank wurde geschlossen und ihr Direktor verhaftet. Dies widerfuhr auch einer ganzen Reihe Yon Leitern kultureller und genossenschaftlicher Organisationen. In der Provinz wurden hunderte Hromada-Mitglicdcr verhaftet und Tausende ,•on Haussuchungen vorgenommen. Die bürgerliche Presse unterließ es natiirlich nicht, die Mitteilungen iiber die Verhaftung <ler wcißrnssischen Abgeordneten m i t e i n e r g a nz e n Me n g e l ü g e n h a f t e r u n d p r o v o ­ k a t o r i s c h e r E r f i n d u n g c n z u ve r s c h c n. Bald darauf mußte jedoch eine Reihe der „pikantesten" Berichte widerrufen werden, denn zwei Abgeordnete, Taraszkewicz und \Voloczin, wa r e n n a c h L s i n i h r c n \V o h n \t n S e n v c r h a f t e t w o r d c n . 11 n d R a k - Mi c.h a j I o w s k i auf der B a h n. MiotIa w u r de in s e i n e m H e ima t d o r f v e r h aft e t, H o lo­ w a c z , a I s er <l a h e i m im D o r f s e i n e K II h m o I k. Und bei der Untersuchung Tarnszkewiczs wurden keine 15 000 Dollar gefunden, wie die offizielle Presse geschrieben hatte, s o n <l c r n n u r e i n i g c D u t z c n d Z I o t y s. Doch die Behörden crkliirtcn trotzdem, daß die Verhartung „in flagranti" vorgenommen worden un<l deshalb die Verfassung keineswegs verletzt wordun sei. D a s S ch l a f e n i m B e t t u n d d a s K u h m e l k e n nen nen a I s o d i e R e g e n t e n P o I e n s „i n f la g r a n t i e r w i s c h t". Nach der Verhaftung der Abgeordneten der Hromada wu1·<lu ihre Auslieferung an <las Gericht im Sejm besprochen. Der Referent der Kommission, Dobrzanski, wies, indem er die Auslieferung verlangte. auf <lie Beziehung dieser Abgeordneten zur Komintern und au[ ihr� Spionagetätigkeit hin. Er sagte u. a.: .,Die ,Gurteks' haben Waft'cn und verbreiten das Gerücht, dafl zu Ostern die Revolution ausbrechen werde. . . . Die Mitglieder der Hromada haben gelernt, Polizistc11 zu beseitigen usw." D e r a r t i ge E r f i n d u n g e n u n d w i d <' r - s i n n i g e B e s c h u l d i g u n gen m u ß t e n i m Se j m z urn b e s t e n g�g c b e n w e r d e n , u m d i e Ve r h a f t u n g d e r w c 1 ß r u s s 1 s c h e n A b g e o r d n ct c n z u r c c h t f e r t i g e n. Eine _ „Rcil?c von Abgeordneten, die nicht cli� geringsten Sympathien fur _ die Hromadn hegten, und sognr ihre G�gncr waren g,·­ zwu � gcn, die Grundlosigkeit der Fordernng der Staalsanwallschaft auf Auslieferung der Abgeordneten anzuerkennen. Doch die bürgerliche i\lehrhrit des Sejm liefL•rte die Abgeordneten :ius und sanktionierte deren V�rhartung aus Furcht vor dC'm \Vachscn der nationalen Frei-

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heitsbewegung in West-Weißrußland ' aus Furcht, 1• 11 der ,.LJ roma da cm · Hmde · rms · f„ur dcn l{rrcg,· der gegen die Sowjetunion vorberc1·tet wir .· d, anzutreffen. Di e Ve r h a f t u n g d e r A bueo rclnc t e n cfe H r r o mn d n r1e · r ein · e b'1 s d a 111n • n o c h n i" e d arrc • 0 w e s e n e \" 'Y e II e V O n ·�·I a s ·s c•sn d e m o n s t r a t .r o n e n h e r v o r · G"n•c " � D··or rer gmgen auf· die traßc und protesltertcn ""C"Cn 0 die Vcrharttrrl"" der p·u·11rer der 1 1a�10na 1 �n r,'rc1·11crts • b_ ewcsung. Sogar in den cntfcrnteslen Winkeln cJes w_ e1ßruss1 :chen Gebiete s wurden Resolutionen angenommen, in denen die Befremns der verha�tctcn Hromada-Milglicder und Abgeordneten verlangt wurde. In Slonrm, Ruzany, l(ossow und einer Reihe anderer Orte _ s c h I o s s e n_ s i c h d i c B n u e r n cl c r g a n z c n u m - 1 1 c S c n d e n B e z I r k e d c n P r o t e s t d e m o n s L r a L i o n e n a n. Die Demonstranten wurden durch die Polizei und die faschistischen Organisationen ausein:111du1·gctricbun. Es w u r d e 6 e g e n s i c m i t Vv a f f c n s c w a I t v o r g c s a n s e n. I n K o s s o w w u r d e n z e h n De m o n s t r a n t e n vo n d e r P o l i z e i g c t ö t e t o d c r s c h w c r v c r w 11 n d c t. Sosar außerhalb der Grt'nzen__ \Vust-Weißrußlands folgte eine Welle des Protestes gegen die Untcrdruckung der Hromada 1111d der nationalen Freiheitsbewegung der weißrussischen Volksmnsscn. In Warschau, Lodz, in den Städten der \Vt•ißrussischen S01.inlistischen Sowjetrepublik, in Deutschland, Litauen, Lettland, Tschechoslowakei, Frankreich, in Kanada und andcrl'n Ländern fanden Demonstrationen 1111d Meetings statt. Eine Reihe wcißrussischl'r Gelehrter der Weißrussischen Sozialistischen Sowjelrep11blik und wissenschaftlicher Organisationen nahm Protesl­ r.-solutioncn an. Der ersten Welle des Terrors folstc bald die zweite. Di e Rt•gi er u ns lös t e d i e H r o m a d a a uf; i n a l l e n Or t e n b c g a n 11 d i c „L i <J u i d i c r u n s" i h r e r O r g a n i s a t i o n e n. Die Polizei \'Crsicgclte die Gebäude der „Gurteks" und Komitees der llroma<la, nahm alle Mnteriali<'n an sich und verhaftete ncuerdinss eine Reihe r-.Iitgliedcr und Funktionäre clcr Hromada. Doch weder der Tt•rror, noch die Tiitigkcit der Kompromißlcr, noch die berüchtigte „Liquidierung" konnten den Einfluß der Hromada eindämmen und ihre Ideen verbreiteten sich in den Massen trotz alledem. Bei r: Jen Wahl l'n in die Orsane der Sclbstvcnvalt11ng der zu West-\Veißrußland gehörenden Wojewodschaften \Vilnn e r h i e I t e n d i e „o f f e n c n II n d " e r s t c e k t c n" A II h i.i n g e r d e r H r o m a da \ laut M : ilt e i lnn g d e r o f f iziös e n P r e s s e d i e M e h r­ he i t d e r S t i m m e n , u n d e s s t e llt e s i c h h e r a u s , da ß i n d e n Se l bstv e r w a l t u n g s be hör d e n ü b e r 50 Pro ­ ze n t d e r G e wählt e n l\li t s l i c der, A n h ä n s e r o d e r S y m p a t h i s i c r e n d e d e r H r o m a d a w a r e n. Diese Lebenskraft der Hromada und ihr Einfluß in den Massen - trotz des außerordentlich scharren Terrors - sprechen davon, daß die Losungen, die die Hromada auf ihre Fahne geschrieben halle, die Losungen und Ideen der \Vcrktätigen Wcsl-Wcißrnßlands waren. Die Unterdrückung der Hromada wird die weißrussischen Massen nicht vom \Vese abbringen, auf den sie die Erfahruugen des harten Kampfes und ertragenen Joches geführt haben.

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Druck.: Ptu"Yaf .., t-tple:r-Er- 0

1tuiuaf:•· u. Vcrwcrtuof1-A.-G., Abteil. Fr!cdr!cb1t1dl-Druclcer•i Bulla C 2S, Kl. Alnaodeutr. 28