ROTE HILFEDIGITALE BROSCHÜRENSAMMLUNG
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Historische Broschüren · 41 Seiten

Aus den Totenhäusern

Vasile Spiru schildert Haft, Zwangsarbeit und Folter politischer Gefangener in Großrumänien. Berichte über Hungerstreiks, Fluchtversuche und einzelne Inhaftierte werden durch ein Vorwort Henri Barbusses und einen offenen Brief ergänzt.
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vASILE SPIR·LJ: Preis 20 Pfennig

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-Jt.us den ,otenbäusern eroßrumiiniens. VORWORT ,

· · · · · · · · . · · von HENRI BA'RB-USSE

1926

. Herausgegeben vom Exekutiv-Komitee der IRH �

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Inhaltsverzeichnis Seite

Vorwort. · Von Henri · Barbusse , • 1 • , , , , ! , , , , , • 3

Geleitwort des Herausgebers. Von Vasile Spiru . � , -. , , , � , 6' ,. Ketten, Karzer und Gherla , ;. t. i , , , � , , • , , , , 7 • , Fleck!yphus in Galata , , , • , , , ; , 1 , • , • , • , -, , 9

Im Salzbergberg „Ocne le Mar" • , • • • , • t ,. ;, , , • • , 10 Hungerstreik und Revolte im Gefängnis Vacaresti , , • • , , , ! 12 Flucht • • " • • , , • • , ,. ,. ,. " .. ! , i ! :, • , ;, , f6 Dreizehn Mann nbtransportiert • :. , • , , .,. , • I! l! ,. I! .. , 18 Max ,Goldstein· ,. ,. " � ! l 1 • ,. • ! t j 1 • i e ,. , -, , 1 . , 9 21 ., . Jon Grecea • • , • t 1 t , • 1. t • 6 Jahre Dunkelhaft , • � 22 Ein Besuch bei ·sascha Gurow· • 1 1 i t . l ! t t t t t . , , , 24 ..... Sold ate, triumtl • , , •. 1 11 • • • ll r • I I • . . , • 20 Anha ng : Offenes Schreiben an den G eneraldirektor der rumänischen Gefängnisse 1 • 1 ■ , e „ 1 1 i i a 1 1 I! , 1 1 ■ 1 1 • 80

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I Vorwort Vo n He n ri B a rous s e \ Vor uns liegt ein Buch, das uns einen Blick hinter die : Mauern der rumänischen Gefängnisse gestattet, in die · entferntesten Winkel der Gefängnisgrüfte hineinleu�htet und uns erschauern läßt. Als wir vor einigen Monaten in Rumänien waren, wollt�n wir, meine beiden Begleiter und ich, uns die Gefängnisse ansehen. Eine Zeitlang hatten wir geglaubt, daß dies möglich sein werde, denn wir vertrauten den Versprechungen des Innenministers, der uns die Erlaubnis hierzu in Aussicht gestellt hatte. Wir konnten aber .:in Wirklichkeit weder in Bukarest noch in Kischinew von dieser Erlaubnis Gebrauch machen, cii inzwischen einige Vorkommnisse den offiziellen Persönlichkeiten gezeigt hatten, daß wir nicht gewillt waren, alles . blind zu glauben, ,vas man uns mitteilte, oder nur das zu sehen, was man für gut fand uns zu zeigen. Und dennoch haben wir Gelegenheit gehabt, die rumänischen Gefängnisse zu besichtigen. Es kann aber hier nicht erzählt werden, wie uns dies ermöglicht wurde, da ich befürchten muß, Leute, die in Rumänien leben, der Verfolgung durch ihre Vorgesetzten auszuliefern. Außerdem konnte-ich so­ _wohl in Rumänien als auch in den benachbarten Ländern mit Leuten sprechen, die gerade der Hölle von Doftana oder Jilava entronnen waren„ Schließlich haben mir Gefangene aus den Kerke�n selbst, die irgendwie von meiner Anwesenheii: in Ru- ' mänien erfahren hatten, Briefe zukommen lassen, in denen· sie mir über die entsetzlichsten Einzelheiten, die sie nicht erfunden 1 haben konnten, schrieben, Einzelheiten, die, wie· ich mich auch i sonst überzeugen konnte, auf Wahrheit beruhen. Ich erkläre ausdrücklich, daß alle Tatsachen, die dieses Buch über die Zustände in den rumänischen Gefängnissen anführen, authentisch sind und der Wirklichkeit entsprechen. Ja, 1 man kann sugar mit Recht behaupten, daß dem noch sehr, sehr, 1 viel hinzuznfügen wäre, wenn man ein vollständiges Bild des 1 Loses geben wollte, das den politischen Gefangenen in d�n Kerkern Rumäniens zuteil wird. Die Zellen, die so eng sind, daß man sich nicht rühren kann, die „Zementsäcke" (Gherla), die „senkrechten Särge" (Karzer), die fürchterlichsten Kasematten, die so naß sind, daß die Füße 3

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der Gefangenen ständig im Wasser stehen, die mit Öarb"arisch'em - Sadismus bis zum �ußersten getriebene entsetzliche Behandlung - das alles gibt es in Run1änien, hat es gegeben und wird es auch weiterhin sei lange geben, wie Rumänien von Individuen regiert sein wird, die in der Tat die erbittertsten Feinde des rumänischen Volkes sind. . Die grauenvollen, zum Wahnsinn treibenden Qualen des·., Hungerstreiks, die von den Gefängnis,värtern, den Siguranza-: · agenten und den Untersuchungsrichtern ersonnenen Foltern, die schlimmer sind, als die der Inquisition, die Erschießun- ' gen „auf der Flucht", das alles sind alltägliche Ereignisse, von denen man eine unendliche Fülle von Beispielen anführen könnte. Es steht urizweifelhaft fest, daß die Gef.angenen in den Strafabt�ilungen der rumänischen Gefängnisse zu einem langsamen, qualvollen 1'ode verurteilt sind und daß die Sterblichkeit �olge Verletzungen bei Mißhandlungen, Krankheit oder .dauernder Unterernährung in der Hölle der überfüllten rumänischen Gefängn isse, deren Weiterbestehen wir nur der „ziviH- · sierten Welt" zti verdanken haben, erschreckend hoch ist. · Denn niemand von den sogenannten Verteidigern des Rechts und der Gerechtigkeit in den „großen westlichen Demokratien° erhebt seine. Stimme gegen diese Greuel. Und ,venn man die gräßliche Wjrklichkeit gariz erfaßt, die immer noch fortdauert und die i_mmer 11eue Opfer fordert, mit welchen Worten soll �an die Großmächte zeichnen, die, obwohl sie alles genau wissen, doch vor diesen Greueln ihre Augen verschließen und , überdies in ihren amtlichen Veröffentlichungen und durch die „große Presse" die zynischsten Lügen verbreiten und so die öffentliche MeiJ!ung schmähHch irreführen? Der ·wahre Beweggrund dieses Verhaltens ist, daß diese Behandlung der politischen . Gefangenen in Rumänien eine m . -�asseninteresse entspricht. Das erklärt zugleich die Grausam­ . keit dieser Behandlung und die Mitschuld der Regierungen der anderen Staaten„ Einem gewöhnlichen Mörder, einem Dieb oder einem gemeinen Fälscher gegenüber könnte man allenfalls nachsichtig sein. Gegen alle jene aber, die aus den edlen Beweggründen ihres I(lassenbewußtseins heraus es versu�hen, die Massen zusa�enzuschließen, den Forderungen der Arbeiter und Bauern Geltung zu verschaffen und das Proletariat des eigeneJ:?. Landes zu veranlassen, ihren Brüdern in den anderen Ländern, die das gleiche Leid erdulden und dem gleichen Ideal zustreben, die Hand zu reichen, verfährt man erbarmungslos. , Aber mit solchen Mitteln werden sich die Herrschenden nicht mehr lange an der Macht halten können. Sie säen so nut noch mehr Empörung als Schmerz µnd Y.e�derben. 4 I • . ..

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l 1 t Icli lernte in Rumänien Männer kennen, äie äer- sozialen Bewegung und der Politi� bisher ferngestanden haben und die, einmal ins Gefängnis geworfen, weil sie ihrer Meinung freien Ausdruck gegeben hatten, weil man sie als Pazifisten oder Gewerkschafter betrachtete, oder weil sie ·für die Volksabstimmung in Bessarabien waren � den Kerker als wahre Revolutionäre verließen. Es sei hier nur auf das lJewunderungswürdige Beispiel des rumänischen Marinesoldaten· Jon Grecea verwiesen. Er hat es gewagt, seine Meinung den Richtern des Kriegsgeric_hts ins Gesicht zu ·schleudern, denen er erst nach einundeinhalb Jahren Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Er erklärte ihnen, daß, als er in den Kerker geworfen . worden ,var, er weder von Sozialismus noch von Kommunismus eine Ahnung hatte und daß \ er auch die Tat selbst, um deretwillen er eingekerkert worden war (Verteilung von Aufrtifen 1 · in denen die rumänischen l'vlatrosen aufgefordert wurden, nicht auf die russischen roten Matrosen zu schießen), ,begangen hatte, ohne zu wissen was er tue, da er weder lesen noch schreiben konnte und daß er es tat, bloß ·weil man es von ihm verlangt hatte. Im Gefängnis traf er nun· andere Opfer und konnte mit ihnen sprechen. Da gingen ihm die Augen auf und er begriff, daß alles, :was die Kommunistische Internationale für die Volksmassen auf Erden verwirklichen will, ,,eine herrliche Sache" ist. So· ,vurde er ein bewußter Revolutionär. Sein B�ispiel wird aufwühlend wirken und durch die Kraft der Tatsachen neue Anhänger dem positiven Glauben der sozialen Gleichheit und dem Internationalismus zuführen. Grecea sowie viele · andere haben durch Beispiele unendlichen Opfer„ mutes bedeutend mehr 'für die Sache des geknechteten Pro]e„ tariats geleistet, als wenn sie Stadt undLand durchzogen hätten, um die Wahrheit zu verkünden. Grecea wird dies leider nicht mehr tun können, denn die unsäglichen Martern, denen er ausgesetzt war, haben seinen Verstand verwirrt und er ist jetzt nichts mehr als ein menschliches Wrack in den Hänäen seiner Henker. _ Mögen �lle Werktätigen in Stadt und Land dieses Buch Jesen und die Märtyrer auf die einzig ,virksame Art rächen, indem sie die hehre und unüberwindbare Sache des Proletariats zu ihrer eigenen machen � dann wird die Macht des weißen Terrors gebrochen ·sein.

Im Juni :i 92.6:

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Geleitwort des Herausgebers . . _' Die vorliegende Skizzensa�mlung „Aus den Totenhäusern Großrumäniens" wird- der Veröffentlichung iibergeben, damit die Arbeiterschaft aller Länder �inen Einblick erhält in -das mörderische Gefängniswesen Rumäniens. Bisher hat die ·entsetzte Mihvel� nur einige� von den Siguranzagreueln, den Gi:eueln der politischen Polizei in Rumänien, erfahren. Nichts aber von den Gefängnisgreueln dieses Landes. · ·. Die vorliegenden Skizzen sollen das Versäumte nachholen. Sie sind alle durchweg aus dem Leben geschöpft, sie beruhen größtenteils auf Selbsterlebtem des Herausgebers, teilweise aber hat er· sie gesammelt oder übersetzt und stilistisch aufeinander abgestimmt. Keineswegs sollen diese Skizzen Literatur bedeuten. Sie fühlen sich nur als ein schmerzlich Stück Kulturgeschichte der Gegenwart. Ihr, der Gegenwart, 1 die untätig zusieht, sollen sie die Schamröte ob der rumänischen Gefängnisgreuel ins Gesicht treiben· und sie sollen sie aufrütteln, aufrufen zur Abwehr, zum Protest- „'An alle, alle, alle!", betitelt sich ein vor kurzem zu uns gelangter Brief aus den Gefängnissen Rumäniens. Und wahrhaftig uns all�, unsere ganze Klasse, gehen die rumänischen Gefängnisverhältnisse an. Nur unsere machtvoll kundgegebene . Solidarität vermag den von hundertfachem Tod bedrohten Brüdern in den Totenhäusern ·Großrumäniens Rettung zu bringen. Der Strafvollzug an den politischen Gefangenen in Rumänien I darf nicht eine verhüllte Todesstrafe bleiben. Die Werktätigen aller Länder müssen im gemeinsamen Kampf mit dem rumänischen Proletariat für die tausend politischen Gefangen en· · · dieses Landes. ein politisches Regime in den Gefängnissen �r- ; zwingen.

Im Mai 1926. Vasile Spiru 1.

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Ketten, Karzer und Gherla Jede Kette wiegt 12 bis 15 Kilo. Die;es Gewicht schleppt der Gefangene Tag und Nacht mit sich. Jeder Schritt bei Tag gemahnt ihn an ihr Vorhandensein und· auch die leiseste Wendung im Schlafe bei Nacht läßt sie erklirren. · Die Ketten legen sich eiskalt ums Gebein und wirken nicht nur zer., störend auf die Moral des Gefangenen, sondern zehren auch an seiner· körperlichen Gesundheit. Der Organismus bekommt eben auch die 15 Kilo zu spüren, die er a ls Mehrgewicht ertragen und schleppen muß. -� Ketten anzulegen, ist nach dem rumänischen Strafgesetz verboten. Wer schert sich aber dnrum in einem lande,, wo die Gesetzlosigkeit das einzig geltende Gesetz und \'Villkür die einzige eherne f;lorm si?d? Nicht nur die gemeinen Verbrecher, sondern auch die „Politischen" werden in Ketten gelegt, 'wenn sie in den Gerichtssaal oder in_ ein anderes Gefängnis übergeführt werden. 11 11 Fluchtverdächtige oder „Widerspenstige" aber werden ständig in Ketten gehalten. \ Diese Gefangenen könnten unmöglich baden oder sich reinigen, wenn sie· nicht ein besonderes System erfunden hätten, •die Beinkleider durch die Kettenringe zu schleppen und auszuziehen, Die durch Ketten verschärfte Untersuchungshaft oder der Strafvollzug in Ketten sind aber noch die mildeste Art der ·.,rcglementsmäßigen° Gefängnisstrafen, die neben der noch nicht normierten Folter den Verwaltimgen der rumänischen Gefängnisse zur Vedügung stehen. . Eine ganz raffinierte und fürchterliphe Strafe ist der K�rzer. �s ist · das ein auf nassem Grund errichteter, standuhrförmiger Sargkasten, in dem -der Gefangene gewöhnlich 6 bis 10 Tage stehend zubringen muß. Der Kasten ist so eng, daß der betreffende Gefangene fortgesetzt militärische Haltung einnehmen muß, er kann weder die Lage der Hände noch die der .Füße im kleinsten Maße verändern. Nach drei Tagen schwellen die ··Beine '·bis zu den Kniekehlen und ·noch weiter hinauf an, was noch fürchterlichere Qualen verursacht, wenn sie in Ketten stecken. Das anschwellende Fleisch platzt oberbalb der Kettenringe und es entstehen blutende und später eitrige Wunden, Essen erhält der· so Bestrafte nur ein Viertel Maisbrot und \ kaltes Wasser. Im Winter frieren die Fußsohlen am Boden an. Gewöhnlich verläßt der so behandelte Gefangene körperlich gebrochen den Karzer. Der Hauptschriftleiter des „Socialismul''. D. Fabian, mußte nach 8 Tagen Karzer bewußtlos ins Spital gebracht werden (Dealu Spirei, April 1922), der ·Arbeiter Palade ,vurde nach 4 Tagen Karzer wahnsinnig (Jilava, Ende ·19211. Max Goldstein, eines der vielen Todesopfer des rumänischen Strafvollzuges, wurde oft mit eintä�igen Pausen zwei- bis dreimal monatlich auf 10 Tage in den Karzer gesteckt. So im März 1922 zweimal, im April des­ , selben Jahrcs dreimal. Die Strafe des Karzers wird riuch amtlich im rumänischen Heere angewandt. Sie ist ein :würdiges Seitenstück des altösterreichischen Anbindens.

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Verscliärtf weraen lcann' diese Strafe nocn ·durcli gänziiches ·Fasten, Die "Politischen" treten gewöhnlich zum Zeichen des Protestes gegen diese barbarische Strnfe von selbst in den Hungerstreik, · wenn sie an ihnen voll- • zogen wird. . Wohl das Fürchterlichste aber, was teuflischer Menschensinn auszu- äenken vermag, ist die B�strafung mit 11 Gherla", 11 11Gherla ist eine Disziplinarspezialität des Zellengefängnisses Doitana, aber auch von Vacaresti. ..Gherla" nennt man kaum meterhohe, gänzlich dupkle Zementlöcher im· Untergeschoß dieser Gefängnisse, die zur Abteilung 11H" zusammengefaßt sind. Die Einrichtung dieser nassen,· dumpfigen und kalten Löcher besteht aus Kettenringen an der \V/and und auf dem Boden •. Der Gefangene muß hier zusammengekauert sitzend, an den Boden und an die Wand an Händen und Füßen ·gefesselt, 3 bis 12 Monate verbringen. Er erhält dabei nur dreimal wöchentlich die ohnedies ungenießbare schmale Gefängniskost, in _ den übrigen Tagen muß er fasten. Doffana ist heute durchaus ein. ,,politisches" Gefängnis und mit „Gherla" werden_ gewöhnlich nur politische Gefangene bestraft. Die „Gherla" hat schon viele Opfer gefordert: Der Marinesoldat Grecea ist nach zwei Monaten „Gherla" wahnsinnig geworden; der gewesene Sekretär der Sozialdemokratischen Partei und Advokat M. G. Bujor · ist dem \V/ nhnsinn nahe; 0 der bessarnbische Arbeiter Dubinski hat nach einem Jahr „Gherla einen l Selbstmordversuch gemacht, • AIIe Gefangene!?, aber haben sich in der „Gherla" chronische Krankheiten geholt.

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Ghe2rla. ·Zelchnunll eines Gefangenen

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Die „Gherla"-Strafe wurde früher nur für rebellisch� Schwerverbrecher verwendet. Erst der neµe Generaldirektor der Gefängnisse, Major Con„ stantin Cernat, ließ die politischen Gefangenen mit der „Gherla" bestrafen, 11 Ich werde sie schon mürbe kriegen", beteuerte er bei jeder Gelegenheit

den hohen Siguranzabeamten gegenüber. Wohlgemerkt, alle drei: Ketten, Karzer und 11Gherla", sµid in d_en . rumänischen Gefängnissen „Reglementsstrafen'!. ' ,,, Zu diesen treten aber 'di� tausendfältigen Folterungen, Mißhandhwgen und Quälereien „privater Initiative". / Erst wenn man sich d�esen ganzen Komplex tierischer Grausamkeit vor Augen hält, bekommt man ein annäherndes Bild vom Strafvollzug an den politischen Gefangenen in den rumänischen Gefängnissen und Zuchthäusern. , 1

Flecktyphus in Galata 1

„In den letzten zwei Wochen wurden unter den Gcfongeoco in '.ialala 20 Fälle B:iuchtyphus festgestellt, uod dlc Epidemie ist weit davon entfernt, zu erlöschen. • Gal.ita ist kein Gefängnis, sondern eine Kammer der Folter und rlcs l:ingsnmcn Dnhinsicchens, Wer diese Hölle besucht, wird be• !reifen, daß die vcrfossungsgemäß nbgesch.uile Todesstro1fe tat.sächlich ;vellcrbesteht. ,. Man muß nicht zum Tode verurteilt werden, es genügen eini�e Wochen Untersuchungshaft, damit Läuse und Hunger das Blut der Gefangenen mit tödlichem Gift erfüllen." (Aus dem Artikel: ..Die Hölle von Gabta." .,Adcverul" vom 25; März 1926.) Frühmorgens beim Appe ll wußten es schon alle Gefangenen: Simion, .,der Einäugige", ist nachts unter „Bauchkrämpfen" gestorben. Eigenartige Bauch�rämpfe dasl Simion lag schon drei Woch�n bewußt� los da und dennoch behauptete. der Feldseher steif und fest, es seien nur „Bauchkrämpfe". Der gute Feldseher -gab ihm täglich Bittersalz und Kamillcntee zu schlucken. Simion machte unter sich. Nie11:1and r_�nigte die Pritsche. Sein Körper wimmelte von Läusen. \Y/ cm scherte es? · · Simion befand sich mit no ch 25 Mann in einer Zelle. Seine Läuse ver� mengten sich mit den ihren. Immer unerträglicher wurde der Gestank von seiner Pritsche her. Simion erhielt auch weiterhin ein Stück eiskaltes Mamaliga (Polenta) und eine Suppe von verfaul ten Bohnen als ..Kr�nkennabrung". Schüchtern ha�te ein Mitgefangener die Ansichi geäußert, Simion müsse 1 nach Jassy gebracht werden, damit er wenigstens ein Bad nehme. Da kam er aber schön an: ,.Drei Jahre hat es Simion ohne Bad ausgehalten, ja, es gibt sogar Gefangene, die sich schon seit sieben Jahren -in Galata ohne Bad sehr wohl fühlen," brüllte ihn der Oberprofos an, . Al s die Kunde vom Tode Simions beim Frühwarmwasser, genannt Tee. lebhaft besprochen wurde, erfaßte die Gefangenen furchtbares Entsetze� Denn nun war die Natur der Krankheit Simions allen klar: Flecktyphus! raunte es einer dem anderen zu und Todesangst erfaßt-e alle. Sie wußten es, hier in diesen schmutzstarrenden Löchern, unter der Obhut einer vertierten· Verwaltung, angetan mit Fetzen, die schon Generationen von Gefangenen als Bekleidung gedient hatten, ernährt mit kalter Mamaliga und lauwarmel". Bohnensuppe, ohne Bad und ohn� Wäsch� .ohne

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Arzt und ohne Spital, hier gibt· es kein Entrinnen vor det Ansteckung und dem qualvollen Todef Einige· Maßnahmen der Verwaltung bestätigten die Diagnose der Ge„ ' · !angeaen. . Gleich .nach dem „Tee" wurden ihnen die zerfetzten Kleider abge... nommen· und. - über den _Dampf eines Waschkessels gehalten - Des• Infektion! Die Wärter !Jnd die Verwaltung 1begannen sich von den Gefangenen ganz: abzusondern. Die wachhabenden Soldaten mußten nun alle Dienste im Gefängnisinnern versehen • . Flecktyphusf \ \ . Am selben Tage erkrankten nacheinander Wassile, ,,der Bandit", Fedor, ' ,.der Taschendieb'' und Wasja, ,,der Politische". Sie blieben hilflos liegen. Niemand traute sich, ihnen nahezukommen( Nur Wasja, ,.den Politischen", betreute ein gefangener Student aus Braila, auch ein Politischer, und gab ilim gekochtes Wasser zu trinken. Alle drei Kranke verfielen bald in Bewußtlosigkeit und wälzten sich in schweren Fieberphantasien. . __Wassile glaubte von Genddrmen umzingelt zu sein und brüllte, als wenn er· eine ganze Bande H�iducken zum Angriff führte; Fedor sah im Fieber• traum, wie ihn ein Polizeikommissär bei der Teilung der Beute (Polizei und Taschendiebe sind in Rumänien seit jeher Kompagnons) zu übervorteilen· suchte und wehrte sich laut und lebhaft dagegen. \V/asja aber schrie unausgesetzt: ,.Recht" muß Recht bleibenl 0 Er hatte 5 Jahre erhalten, weil er sich gewehrt, sein kleines Stück Feld den Gendarmen auszuliefern. · Nach sechs Tagen starben alle drei, ohne aus der Bewußtlosigkeit zu erwachen. Man warf sie erst in eine Kalkgrube und dann ließ man sie durch b�trunken gemachte Gefangene beerdigen, . Indessen waren aber noch 18 Gefangene in allen Zellen von Galata erkrankt. „Es gibt kein Entrinnen", murmelte einer von ihnen, ein weißbärtiger · Bauer. In zwei Wochen sollte er freikommen. Drei Tage vor Abbüßung · seiner Strafe warf man ihn in die. Kalkgrube. Als der Herr .Major Constantin Cernat, der Generaldirektor der Ge• fän'ginsse Großrumäniens, bei der Rückkehr von seinem Gute in Bessarabien, von der Typhusepidemie erfuhr, drahtete er eiligst nach Galata: "Bis auf weiteres keine Galater Häftlinge zur Bearbeitung meiner Felder -senden." ·Denn Herr Cernat ist ein gar vorsichtiger Herr. Er ist sich vollauf seiner Verantwortung für die „Interessen des Vaterlandes" bewußt und setzt sein so wertvolles Leben nicht so ·leicht aufs Spiel.

Im �salzbergwerk ,, Ocne le JVf.ar'' Die „großen Bergwerke", so nennt man das größte bei Slat!11a gel�gene Salzbergwerk Rumäniens, das schon seit über hundert Jahren in derselben •primitiven Weise mit Hilfe von Sträflingen betrieben wird und nahezu den /' J!anzen SalzbedarI des vergrößerten Rumä,niens deckt. Nach der Niederschlagung des Generalstreiks im Jahre 1921 wurden die zu zehn und zwanzig Jahren verurteilten Streikführer hergebracht. Es wareQ · die erden politiscµen Gefangenen- in Rumänien, die in die Salzberg- werke geschickt wurden. ::

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Sie blieben nicht lange aort, denn die rumänische Bankoligarchie hatte es bald heraus, daß die Salzbergwerke, in welche sonst die gefürchtetsten Schwerverbrecher gesandt wurden,/ für politische Verurteilte noch immer · ein allzu angenehmer Aufenthalt sind. Der politische Verurteilte , hatte· hier allzuviel Bewegungsfreiheit und dank seiner geistigen Ueberlegenheit brachte er bald die Mitgefan genen unter seinen Einfluß, sie ließen sieb von den \Xlärtern nicht mehr alles s;!efallen und darunter litt die Salzproduktion Rumäniens. , So kommt es, daß sich heute nur noch wenige „Politische" in den , Salzbergwerken befinden, wenn man von den tausenden Deserteuren aus der Kriegszeit absieht. Gegenwärtig sind es meist Teilnehmer am großen Bauernaufstande von 1907, die halb erblindet und schwer rheumatisch, ja sogar teilweise gelähmt, ihre Strafen abbüßen, die···zwischen 20 Jahren bis lebenslänglichem Kerker schwanken. · Alle sind froh, daß sie kein ärgeres Los getroffen hat, daß sie nicht nach Jilava oder gar nach DoHana transportiert wurden. Sie preisen sich glücklich, daß sie in Ocnc le Mar bleiben dürfen. \v'ie sieht nun der Strafvollzug in einem solchen Salzbergwerk aus? �� Die Strafanstalt selbst befindet sich in einem riesigen, gänzlich abgeschlossenen, kahlen Erdtrichter, Gleich daran schließt sich das Bergwerk an. Die \Y/ohnräume der Sträflinge sind niedere Hartholzbaracken, In jeder befinden sich 25 �is 30 Gefangene, Als Ruhestätte dienen Pritschen ·ohne Matten. Privilegierte Gefangene besitzen Decken. Bad gibt es unregelmäßig, ungefähr zweimal in einem halben Jahr. Die Nahrung: Polenta, Bohnen .und Kartoffelsuppe; kein Fleisch, keine Milch, Speck usw. Die Gefangenen werden um 5 Uhr früh geweckt, um 6 Uhr müssen sie zur Arbeit bereit sein. Jeder erhält aus der Vorratskammer eine Haue und nun geht es auf rohen Stufen 12 bis 20 Meter unter die Erde. Jeder Ge„ fangene muß mindestens 50 Kilo reines Salz aus dem unbe-.irbeitelen Gestein heraushauenl Sonst erhält er seine Tagesration nicht. Das Essen wird den Gefangenen in die Grube gebrächt. In den \Xlintermonaten bekommen sie derart das Tageslicht überhaupt nicht zu sehen, da sie erst um 8 Uhr abends wieder hinaufgefördert werden. Alle Gefangenen fragen an den Füßen angeschmiedete Ketten. Nur gelegentlich des Badens werden ihnen diese abgenommen. , Manchen Gefangenen gelingt es, die „Gunst" des Oberprofos zu erwerben und sie werden zeitweise in die \Xlerkstätten versetzt, wo sie ein viel leichteres Leben führen. Die Gefanltenenbaracken werden im \X/inter nicht geheizt, so daß ihre Insassen unter Nässe und Kälte ungemein leiden. Die Sterblichkeit unter den Gefangenen der Salzbergwerke beträgt nahezu 20 Prozent jährlich. Die meisten Gefangenen sind schon nach einem Jahr mit unheilbaren Krankheiten behaftet. Am größten ist die Sterblichkeit unter den 11Novizen11 . Es ist nicht so leicht, sich an dieses „milde Regime'' zu gewöhnen. Am meisten kommen teilweise_ oder gänzliche Erblindungen mit. eitrigen Augenentzündungen im Gefolge vor� So ungefähr ist das Regime der Salzbergwcrkstrafanstalten beschaffen, das die Oberkerkermeister dieses Landes, Bratianu, Averescu und tutti quanti als viel zu milde für „politische Verbrecher" ansehen! Das beim Salzbergwerk ·gelegene Dorf Ocne le Mar wird von den· Behörden als zur Strafanstalt gehörig betrachtet. Seine Einwohner sind

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" von allen Gemeinde- und 1taallichen Steuern befreit, müssen aber dagegen bei der Ve.rfolgung ausfebroohener Sträflinge oder bei jewei11 fälligen Revolten im Gefingnisse der Gefängnisverwaltuni allen erdenklichen Bel• stand leisten. So hat ruminischer Kerkergeiat ein ganzes Dorf armer Kleinbauern in erbliche Kerkermeister verwandelt. Gemeinsam mit den Bauern im Soldatenkleid bewachen sie die Söhne und Brüder ihrer eigenen Klasse. Hoch oben am Rand de, Erdtrichters sind Wachhiuscben errichteL Wenn die Nacht acblaszarUg heranb"richt, dann beginnen die Wachposten dem rumänischen Wachreglement gemäß, einander, monoton schreiend, zuzurufen: .,Der Wache Nr•..• gebt es gutl" Mit verständnisloser Resignierlhelt brßllen sie diese Worte in die Nacht hinaus. Armselige, verblendete Geschöpfe sind e al Hungernd und in Fetzen siekleidet, frierend und ,chlifrig mfissen sie einander zubrüllen, daß ea ihnen gut geht im Dienste ihrer eigenen Unterdrücker und Aussauger. Und diesea Brüllen iat der Schlafgesang der milden und abgehärmten Gefangenen unten. '

Hungerstreik und Revolte im Gefängnis ..... Vacaresti Schein und Tkatschenko wollen keine Ketten tragen. Sie protestieren, petitio- - . nieren, fordern. Es püb:t nichts. Die lakonische Antwort lautet stets: ..Fluchtver• - � dächtig". Und Tkatschenko und Schein tragen auch weiterhin Ketten. Noch mehr, man isoliert s ie nun auch ---�· von den übrigen Gefangenen und brfogt sie ,-- �� in eine DunkeJzellc. Da reißt ihnen die Geduld und sie treten in den H u n g e r - str e i k : 'll � Frühmorgens bringt man Tee in ihre fj \� Dunkelzelle, sie gießen ihn vor den Augen ��- ... � der Wärter in den Kfibel. Ihre kleinen 'l Leberuimittelvorräte sind in ein Säckchen Pavol Tka-lachenko, gewickelt, sie schenken es den übrigen Ge­ �In Führer des rumänischen fangenen. Auf einer .Matte am Boden hin­ Proletariats gestreckt, verbringen sie so den ersten Kampftag. Hun�erl Er kauert sich zu ihnen, er lauscht ihrem Gesp�ich�, er legt in den Ton ihrer Stimme etwas Verlangendes. Ein ganzer Ta11 ohne Nahrung und die Nacht kommt. Das Blasen der Gefängniswache beim Zapfenstreich bat Brotgeruch in sich, Tut nichts, e� muß nun durchgehalten werden. 1 / Der zweite Tag bedeutet anhebende Mattigkeit in allen Gliedern� Beide sprechen nicht mehr viel: Sparen ihre E�ergien. Denken: „Hunger - Ketten, • lieber Hungers sterben, als diese Zeichen der Schmach - die Kettenl" Man lißt sie währe . nd des ganzen Tages allein� Nicht einmal die Kübel werden geholt.

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Beim Abendappell erscheint ein dicker. ausgefreasener Offizier11tellver• treter. Glotzt die Hungerstreikenden an: .,Ehrenwort .. meine Herren wenn ich eine halbe Stunde nichts eise. sterbe ich, Ehrenwort. Parole d'h� nneurl - grunzt er den am Boden Li•�•nden zus „Komische Leute du, hungern wegen Ketten, und ich hungere niet - auch wenn man mir meine Frau wegnimmt." Er 1chligt ein Lnchen an und entfernt sich, Die zweite Nacht. Nur schlafen. Der Hunger quitt. Rüttelt an den Gedärmen. Will nichts wissen von· Menschenwürde, Gefangenenwilrde. .,Was Ketten - E11enl" achreit er. Der Hunger wird ungestüm. Und der dritte Tag bricht an. Tkatschenko ist lunitenkrank. Seine Brust schmerzt, manchmal 10, a1a • wenn man mit 1pitzen Nadeln in ihr herumwühlte. Einige Augenblicke befallen ihm Zweifel: Ist dieses freiwillige Dahinsiechen, diese■ Absterben wirklich' Kampf? • Ist es nicht bloß eine hohle heroische Geste? Die Ketten sind 1ebließ• lieh nicht so ungeheuer! Lassen sich ertrag�n ••• Schein, der Schneider, ist eine robustere Natur. Weckt in Tkatschenko den ihm eigenen großen und unilberwindlichen Oplersinn. Jenes hehre Gefühl, das bereit ist, hundert eigene Leben fnr die Sache und alles darum zu opfern, ergreilt wieder mit aller Macht Besitz von Tkatschenko. Dennoch, der Hunger wird Ubermächtig, reißt und zwickt und preßt einem alles Innere zusammen. Die Bewegungen der beiden Gefangenen werden immer langsamer, schwächer, matter. Die Ketten drßcken wie ungeheuere Zentnergewichte; manchmal scheint es ihnen, dap die eisernen Ringe auf jedem Körperteil luten, kalt und schwer. Die dritte Nacht ist eine Art Wachschlalen. Heimtückiach lockende SpeisendüHe ziehen durch die dicken Mauern, gnukeln in aller Körperlichkeit vor den Augen der Sch1afenden 1 berUhren traumhaft ihre Gaumen - ein wildes, tobsüchtiges Verlangen nach Essen wird in den matten Körpern laut. Himmlisch aber ist der vierte Tag. Der Hunger ist aus dem Körper geflohen. Das Hirn ist klar und licht, unbeschwert von allen Magenfunktionen. Wie wunderbar geordnet da alle Gedanken encheinenl Auf einem Schachbrett nu� Papier und mit Schachfiguren aus Karton 1pielen beide Streikenden die schönsten Schachpartien. Sie lösen erlolg- rei�h schwere Gedankenprobleme. In Vergessenbe,it versunken alle■ - Eaaen, Hunger u�d Umwelt. Beide fühlen sich restlos glilcklichl Nachmittags kommt ein Hauptmann. So der Form halber, um nachzufragen, ob die Gefangenen den Hungerstreik nich t aufgeben wollen. Mit leuchtenden Augen und fester Stimme ruleq. beide: 11Neinl" Früh ein kleiner Zettel: 11Die Presse der Hauptstadt hat schon Linn , ieachlagen, Arbeiterorianisationen protestieren." Ihre �örper sind so kalt. Diese Zeilen bringen warme ErmuUgung. Filnlter,.sechster, siebenter Ta� des Hunierstreiksl Ihnen scheint u, claß Glied für Glied lanisam abstirbt. Der Magen ist ein Klumpen Ge-

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därme. Scbmerzhaft beginnen sie zu fühlen, daß die Magenwinde einander .. aufzehren.· Am achten Tage kommt der Militäranwalt. Höhnt die Gefangenen: „Ketten abnehmen? Nur· wenn ihr krepiert, nur wenn man Euch in die Grube senkt!" Dennoch merkt man, daß der Militäranwalt nur schwer seine _Ru he bewahrt. Weiter! Weiter! Neun Tage Hungerstreik. Den Sbirren (rum . Polizisten) erscheint es unfaßbar. .,Sie essen im Verborgenen!'' Durch eine dünne Spalte in der Tür lauert stundenlang der Profos. Nein - sie hungern wirklich! Ehrfurcht beschleicht ihn. Eh rfürchtig und auf leisen Sohlen kommt e r abends in die • Zelle. Versucht mit ihnen freundlich, ja gütig zu plaudern. Sie erwidern ;Jisp.elod - (?, sie können noch schreien, aber es heißt Energie sparen t · , Zehnter Tag•. Tka�schenko hat Blut gespuckt, Fiebert. 1 * Im gan;Zen Gefängnis rumo rt es aber ·schon. Die .politischen Gefangenen halten Sitzung auf Sitzung. Von der Frauenabteilung kommt heimlich die Frau des Tkatschenko herüber, sie enthält sich aber jeder Beeinflussung. Wiewohl sie meh r · als alle · fühlt: ,.Man darf Ihn nicht tatenlos sterben lassen. . Solidarität muß sprechenl 0 ...- Die Ver waltung hatte erfahren, daß etwas vorbereitet wird. Ruft die .,Führer" zu sich: .,Tkatschenko ist ein Terrorist. Wer sich mit ihm solidarisiert, bekennt sich auch zum Terror, Bedenket, waa ihr tut!" .,Er ist ein Klassenkä�pfer l'' - lautet die Antwort. !I) den St reik treten, ist zu spät, denn bevor er sich fühlbar macht, sind die. zwei elendiglich gestorben.· Man muß zu einem anderen Mittel greifen, um sie zu. retten. Ein Wort flattert auf: .,Revolte". Man weiß nicht, wer es zuerst aus• gesprochen, ·Es ist da und will nicht mehr fort. Am dreizehnten Tage ein Ablenkungsm�növer der .Verwalt�ng. Wenn • Schein und Tkatschenko mit dem Hungern aufhören, dann werden die Ketten abgenommen. Es ist eine Presügesache des Militäranwalts, Der vierzehnte Tag macht alle entschlossen, Abends Revolte! Vierundsiebzig politische Gefangene wollen nicht in die Zellen zurück, 11 ;,Nehmt Tkatschenko und Schein die Ketten abl tönt es wild de m 11 Direktor entgeg en, ,,Ruft den Generalstaatsanwaltl Man baut Barrikaden, riumt sie dann weg. Es nüt;t doch nichts, wenn die Soldaten kommen. Die Telephondrähte alarmieren die Hauptstadt: .,ReTolte in Vaca• resti." Die Zentralbehörden senden ihre Vertreter hinaus, Stunde auf Stunde verrinnt indessen, Die revoltierenden Gefangenen ,ingen aus voller Brust. Verbotene Lieder, dreifach verbotene Texte. Zum erden Male seit Monaten, da man sie stets wie Vieh in die Stallungen, vor Untergang der Sonne in die Zellen tri eb, sehen si e den besternten _Himmel. ,, Ihr Mut wächst. .Mit Hohn und Gelächter schicken sie die sub'alternen , ·Friedensvermittler der Verwaltung zurück. ,.Ihr fürchtet den Skandall Wir wollen_ ihn! Her mit dem Generalstaatsanwalt/' .....

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11 ·Uhr nachta.· . , Der Generalataatlanwalt kommt! Mit ihm Vertreter dea Kriei1DJini1terium1, der Polizeiprlsident, der Militlranwalt und ein •Zug Soldaten mit Gewehren u�d dem Bajonett darauf. Die Revoltierenden ziehen aich in eine Ecke turück, erwartungsvo ll. "Im Namen seiner Majestät des Königs und der Gesetze des Landtt fordere ich Euch auf, bedingungslos in die Zellen zurückzukehren",· tönt die asthmatische Stimme des Generalstaatsanwalts über den Hof. „Niemals, zuerst die Ketten herunter!" - · erwidert e!nstimmlg die ·Menge. • 1 ,.Herr Hauptmann, tun Sie Ihre Pflicht!" ,.Ladenl" • Gewehrschlösser rasseln. ,,Hornist, Signalf" Zwei kurze Trompetenstöße. ,,Niemals in die Zellen .•zurück, zuerst die Ketten!" Ein Gefangener, selbst in Ketten, ist vorgetreten und schreit es. 11 Die Ketten, die Ketten erst" rufen alle. Nochmals bläst der Hornist. ' ,,Zum zweitenmal, im Na�en seiner Majestät und der Gesetze, .zurilck in die Zcllenl" Verachtungsvolles Schweigen. Die Gefangenen gruppieren aich t1ni1 der Wand. Vereinzelte aufgeregte Gesten� Herqische Junl!en1 rqlen das, Hemd an der Brust auf: 11 Hier, ,chießtl" 11 Hornistl" ,.J

11 Zum ddttenmal 1 zu.rilck in die Zellen!"

Keiner rührt sich. Der Hauptmann richtet sich auf. Eisiges Schweigen . umfingt alle. ct!a,.., · zeine Gefangene strecken weit ihre Arme aus:

Die Oberkerkermeiste r J. Argetoianu, ehemaliger Innenminister, hat d�n General&treik 1921 blutig nledergeknüttelt und lausende Jahre Zuchthaus für Slreikveraehen verhängen �lass�ri. · Oclavian Goga, gegenwiirlig Innenminister und Organisator du }aschislischen Kurses, ehemaliger Leiter der Siebenbürger Clarle-Gruppe. Trancu-Jasy, gegenwärtig Arbeitsminis/er, Urheber des barüchliglen Anti­ .�Slreikgesetzes, nach welchem ·streik mit zehn_ Jahren Zuchthaus ·besfralt ·wird•. General Averescu, gcgenwär�ig Minis_terpräsidenl, hat als rumänischer. Gallilet im Jahre 1907. die Hinrichtung von 11000 Bauern .geleltd,

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.. Stillgestandenl Legt anl" ,,Nein, Herr Hauptmann, das mö c h.te den Herren da passen, Mär• tyrer, kommunisti6che, haben wir ger ade genug" - ruft der "General­ 11 staatsanwalt dazwischen, - .. schafft sie mit Gewalt in die Zellenl - · In die Gruppe der Gefangenen kommt Bewegung. Si� wollen sich wehren. Da springt einer vor und ruft: ,,Die Soldaten sind unsere Brüder, mit ihnen wollen wir nicht raufen. Wir gehen lreiwilligl" Und· sie gehen. * In dieser . Nacht werden vier 11Rädelsführer" der Revolte blutig ge� schlagen und in eine Dunkelzelle gebracht. Dennoch wurden Tkatschenko und Schein die Ketten abgenommen. Ein Erfolg! Nach achtzehn Tagen Hungerstreiks, einer Revol te und� wohlgemerkt - nach einer Reihe von Protesten der Arbeiterorganisationen von draußen.

Flucht In der Zelle 2 des II� Pavillons des Festungsgelängnisses Jilava schliefen bereits alle. Nur· einer nicht. Einer, dessen Bruder im Pavillon I in dieser Nacht mit noch 11 politischen Gefangenen den Durchbruch, die Flucht aus dem Gefängnis wagen· wollte. Er horchte auf jedes Geräusch im Gange und noch mehr auf jedes im Hof. Angst beschlich ihn um seines Bruders Leben und um das Gelingen des ganzen Plan es.· � 1 Vom Gange und Hofe her war aber nur das monotone Auf und Ab der Wachhabenden Soldaten vernehmbar, sonst nichts. Es war schon 12 vorbei, als plötzlich durch die Nacht ein gräßlicher .... Schrei schrillte: uLa arme camarazil" (Zu den \Vaffen, Kameradenl) Und dann ging es an. Scheinwerfer leuchteten auf. Gewehrfeuer hackte unregelmäßig Jtreuz und quer durch den Hof. Ein Maschinengewehr bellte wütend vom Forttor hinab. Dann ein Hin- und Herrennen. Trompetensignale: ,.Alarm! Fluchtversuch!" Dem armen Gefangenen in Zelle 2 stand das Herz still ! Ihm und allen · anderen. · ,,MiBlunl!enl Wie wird das enden? 11

Im Pavillon I, Die achtzehn .,schweren Jungens0 , lauter politische, saßen nun in der Patsche. Alles schien anfangs so gut zu klappen. Das seit einer Woche herausgesägte Zellentürschloß hatte sich mühelos öffnen lassen. Bubnowski, ein bessarabischer Jungarbeiter und der rumänische Marty, der Marine• aoldat Grecea, waren vorausgeschlichen, um die unbewaffnete Gangwache abzufassen. Dieser. ein kohlschwarzer Zigeunerbursche. kam gerade · ahnungslos ,um die Ecke. Sie sprangen ihn an, den Chloroformbausch in der Hand. Drückten diesen blitzschnel auf sein Gesicht, um ihn ohne Blutvergießen unschädlic h zu machen. Da hatten aie aber gefehlt. Die robusten Zigeunersinne widereruch: · Der Soldat achrie und brüllte. Alarml · .. standen dem Chloroformg Schüssel

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Rechts oben: J a s c h a Be r m a n n, bessarabischer revolutionärer Führer, 20 Jahre Zuchthaus. Derzeit in Doltana. Links oben: J o n G r e c e a, in Doltana bis zum Wahnsinn gequälter Revolutionär. In der Mitte: M ax Gold s t e i n, ein Opfer des Kerkerregimes in Doltana. Unten: Dollana

Zwei Staatsaktionen. Die eine: Die feierlicheMesse des Nationalfestes in Cotroceni. Von links nach rechts: Der König, die Königin (in Uniform}, zwischen beiden der Prinz Nikolaus. In der Mitte die Prinzessin Helena (in Uniform}, uor ihr der Thronfolger, das Kind Michael. Rechts, im Profil, Auerescu. Die andere Staatsaktion siehe auf der Seite gegeniiber

Im Salzbergwerk Ocne le Mar. Die Gefangenen werden zut Arbeit hinausgetrieben

DI, uk111 ftllt1 busa,o,W,chm Boo,rn, dflt dl, Ordnun1.lhe,li,n amordd unJ In J,n D11/nh ,-,.o,J,n W,n. Da Boatr ...,,,, cof• -n n/ d,.. Bi/J, dtht, ltbtNi11n L,,.,, i,,clumd,n: a1ts d,r llaut w~en RltlHn f,ad.Ul~n

( { Rechts oben: Marinesoldat Jo n Ba c i u, wegen Anstiftung einer Flottenrevolte 8 Jahre Zuchthaus. Links oben: M a n ja Eh r l i c h, 10 Jahre Zuchthaus. Unten: Sa s c h a Gu r ow

Marcel Pauker, am vierzehnten D. Fabian, am zwölften Tage Tage seines Hungerstreiks seines Hungerstreiks

Dobrogeanu-Gera am dreißigsten Tage seines Hungerstreiks

Der Jacltendrt Mörder Aucrescu, der gegenwärtige Ministerpräsident Großrumäniens

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Das Zentralgelängnis von Kischinew, lrüher Zuchthaus des russischen Zaren

Das königliche Schloß in Sinaja

und

das Haus eines Tatar-Bunarer Bauern, nachdem die rumänische Armee die Ordnung hergestellt hatte

. . ,, Zurück in die Zellei - Kleider ausziehen! _ 'Nieder auf die Pritsche!'' Die Geschosse schwirrten durch die Zelle. Draußen fürchtete man ein• gesch mu ggelte Waffen der Gefangenen, Poli­ . Ueber dem ganzen Gelängnis eine ungeheure Spannung. Alle bschen, aber auch die Straßenräuber und Taschendiebe in den geschlossenen Z ellen fragten sich zitternd: ,.Werden sie am Leben bleiben?" - Wußte doch niemand, ob sie in der Zelle stecken pder · schon auf der Außenbefestigung des Forts erwischt wurden, Und das wilde Schießen wollte nicht au fhören. . . • Da. - eine letzte· Salve spritzte in die Zelle der Flüchtlinge und Jammern und Wehgeschrei ertönte,. • Soeben treibt man alle Achtzehn nackt über den Hof zur Wachstube / und Hiebe regnen. Sie müssen förmlich Spießruten laufen und durch eine Gasse tierischer Offiziere· und Unteroffiziere. Wie durch ein Wunder war nur einer durch die. Schüsse selbst verwundet worden. Der Zigeuner beteuert indessen: ,Nein, Wohlgeboren, Sie haben mich nicht töten wollen, nur betäuben." - 'Dieser unwissende Zigeuner in Militärkleidern achtet nicht auf die wütenden Blicke' seiner Vorgesetzten und wiederholt immer wieder diese \Vortc. Er ist Kesselflicker in Zivil und .. 1 darf seine Klasse nbrüder, die unglückliche n gefangenen Arbeiter nicht ins Unglück bringen, Das fühlt er nicht so genau, aber er handelt darnach, Golgatha! In der \Vnchstube ersinnt man die kompliziertesten und raffiniertesten Folterqualen für die 18, die die Gefängnismauern hatten durchbrechen wollen. Ununterbrochen, bis der Morgen graut, dauern die Folterungen und Mißhandlungen an, · . Dann schleppt man sie in den Karzer, Bevor sie in die schmalen Martcrkästen gesteckt werden, müssen sie allerlei' Hoh n und Erniedrigung über sich ergehen lassen: 11 .,Kn ie nieder, verdammtes Aas! und bete ein Vaterunserl .­ .,So ist's recht, nur etwas lauter!" - ,.Sagt mir die \Vorte nach: .,Wir sind dreckige, an die Juden verkaufte· Bolschewiken und wollen christliches Blut saugen!" - Einige wiederholen diese Worte, andere weigern sic.h. Eine Hundepeitsche zieht neuerdings blu tige Striemen über die nackten Leiber, ,.Sagt: ,Ich scheiße auf meine verhurte Mutter!'", - brüllt ein dick� Korporal sie an. Ein Oberleutnant mit roten Aufschlägen springt einein Gefangenen auf den Rücken und beißt sich voll sadistischer Lust so lange an seinem Halse fest, bis das Blut hervorspritzt. Röchelnd bricht der Gefangene zusammen\ Und dann i n den Karzer, '' .... Es sind n ur n eun schmale Kästen. Zu zweien preßt man die blutenden. keuchenden und jammernden Leiber hinein . • Als aber nach einer Stunde die übrigen verschüchterten Gefangenen ia den Hof gelassen wurden, tönte klar und deutlich ein kühner Gesang aua dem Karzerraum: „Nicht zählen wir den Feind 1 Nicht die Gefahren all', Der Bahn, der kühnen, folgen �ir, Di� µns geführt Lc.niul'�

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Dreizehn Man� abtransportie,t Z e n t r a 1 g e f ä n g n i s K i ·s c h e n e w - .,Im Namen der mcn1chlichcn Solidnrilit und geleitet von den Grundsätzen des Pnzi6,mus erhe'#:n die Unlen:eichnclcti a ngesichts der �uamten europiischcn Oeffenllichkcil ihre Stimme filr jene � heuuaJ>ischen Bauern, Kinder und Grei,c, · Frnucn und Mädchen, welche schon nnhc:tu ein Jnhr ohne richterllcbcs Urteil in den unlerlrdlscbcn Kerkern der' Kiscbcnewer Zila dcllo Yon den ruminiscben Bcs3.lzungsbchörden gelangengcb111len werden, den urunenscblichslcn Folterungen unterworfen sind und, wie· c1 scheint, nunmehr ebenfalls ohne richterliches Urteil hingerichtet werden 101len, Denn ln der Kammcrsltzunf vom 13. M:ii d. J. milchte der Abgeordnete Theodor Jacubcscu (B11ucrnpMtcl) dem Hause die Mitteilung, daß nul Befehl des Gendarmerle-Oberlcutn:mts Petrc Slmniccanu 13 dieser unglücklichen Bllucrn bereits cucbosscn worden sind, lSicbo Monitorul Oficiat.)" (Aus dem Aufrufe von über 30 bervorra�enden Intcllekluellcn, Gelehrten und Schriflstcllern Europas. Junl 1925,)

Abends beim Appell meldete der Feldwebel dem Hauptmann: ..Herr Hauptmann, ich melde gehorsamst, dreizehn 1''1ann abtransportiert1" W eiche Bewandtnis es mit diesem Abtransport hatte, erfuhren wir erst nach zwei Wochen. Ein Einjährigfreiwilliger erzählte uns in strenger Sach• licbkeit den Hergang: ,. ••• In der Nähe der Kladka (Maut} befahl der Oberleutnant Petre Simniceanu Rast und besprach sich mit dem Plutonier Burza. Dieser rief dann die Einjährigen und Chargen beiseite und teilte uns mit, die dreizehn müßten auf höheren Befehl erschossen werden. \Vir fragten wann, worauf er laut lachte und sagte: ..Wenn die Leute zu flüchten beginnen!" ·Dann stellte der Oberleutnant die Mannschaft in einer Reihe· auf1 ließ scharf laden und hieß dem Gefreiten Gavanescu, den Gefangenen die Ketten abzunehmen, denn „es erbarme ihn, die Leute in so schweren Ketten marschieren· zu lassen." Pieser 'Befehl riet in ihren· Reihen Verwirrun g hervor. Es schien, daß sie ihr Schicksal zu ahnen begannen. Indessen war schon die Sonne untergegangen. Als wir schon in der Nähe des Fischteiches anlangten, flüsterte Gavanescu dem Kovaliuc zu, man plane die Erschießung aller Gefangenen, aus �iitleid würden nber die Soldaten bei einer eventuellen Flucht · nicht schießen. Die erste Gasse links eigne sich , i besonders für eine erfolgreiche Flucht. Die Gasse war, wie wir von unseren Uebungen her wußten, eine Sackgasse. . > Die arme n Leute berieten untereinander und begannen schneller a1.iszu„ schreiten, als sie aber sahen, daß sich der Abstand zwischen uns und ihnen vergrößerte, fingen sie an zu laufen. Sie bogen in die verhängnisvolle Sackgasse ein , die durch eine mannshohe Scheune und Seitenmauern gesperrt war. Der Plutonier gab den Feuerbefehl. Wir schossen. Die Gefangenen hatten erkannt, daß sie in eine Falle geraten waren und brüllten wie wilde Tiere. Sechs waren bei der ersten Salve tot. Die übrigen, !um Teil verwundet. warfen. sich auf die Knie, riefen die heilige Mutter Gottes und den heiligen Stefan an und baten um Gnade. Burza schoß sie aber mit dem Revolver nieder. Der Oberleutnant sah dem ganzen, eine Zigarre rauchend, von der Feme zu. Unser Sanitätsmann mußte nun feststellen, ob alle tot seien. Zur Vorsicht sta ch er jedem mit dem Bajonett ins Herz•. Dann zog man ihnen die Kleider aus und verkaufte sie a1.2:f dem Rückwege in einem Wirtshause,

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, Burza und die Chargen erhielten die eine Hälfte des Erlös es, die Mann• s�halt aber die andere. Der Oberleutnant behielt -sich eine goldene Kettei die dem Kiriliuk aus Nikolajewa gehört hattel ' In der Kaserne hielt uns ein Hauptmann eine Änspraclie un·d erklärh�, ' t wir hätten eine große und patriotische Tat vollbracht•." Voll Grauen denken wir jetzt an unsere Zukunlt1

Max Goldstein gest. am 19.10.1925, am 61. Tage des Hunger- und Durststreiks . Q Ei n Ge d enkb l att

, In den eulen Tagen s.ein�s Hungerstreiks, den Max Goldstein mit .!er Absicht begann, durch einen selbshnordähnltchen . Akt die Auf• morltsamkeil der proleluischen Oeffcnllichkeit auf die rumliniscben Gcfänitnis•Zusliindo zu lenken, schrieb er einen langen Brief an einen seiner Mitklimpfer. Dieser endet mit dtn fot�cnden Sätzen: „leb \ve\O, daß man mich tadeln wird, Meine Freunde werden mich ,·crurJeilen, weil ca den Anschein hat, als ob ich mein schweres Kreuz, alle Schrecken meiner _Qual, nicht bis zum Ende trngen wollte. Ich weiß, daß ein Rcvolulionär nicht das Recht zum Selbstmord hat. I Nun mußt Du nbcr wissen, daß ich nach ntledem, was ich crlilten habe, schon untauglich für den Kllmpf, ohnmächtig ge\�orden bin, etwas Nützliches für die Arbeiterklasse zu tun. Es bleibt mir nichts anderes fibrig, als mich endgültig zu entschließen, mit einem lant• gezogenen, gellenden Proleslschrei du Leben zu verlnssen. WöJ.t sollte ich Dir zum lmten Male sagen, Dir, der Du noch im Besils Deiner g:inzen Kampfcskrdt bist und. gewiß das Glück des Sieges erleben wirst? Am Tnge nach dem Siege, wenn die roten FöJ.hnen der triumphierenden Arbeiter sich hoch fiber . unserem nrmen, gemllrterlen Lnndc erheben werden; wenn Du mit Deiner Fahne an unseren schwelgenden Gräbern vorbeischrcitest, dann erinnere Dieb daran, dnß unser gnnzes Leben bis zum letzten Atemzuge nur dem Kampf für die Befreiung der Arbeiter geweiht war, Und es ist nicht unsere Schuld, daß wir d.i, ganze Joch der schweren Leiden nicht bis zuletzt trngen konnten, das Joch der Leiden, dns uns zugrunde richtete, und daß wir 11crsönlicb außcrsl.inde waren, unsere- siegreichen Fahnen nm Ziele aufzup0nnzen, Die Arbeiterl:lnsse, der einzige und ewige Siel!er der menschlichen Geschichte, wird diese Fahne aut \ din Ruinen der zusammenstürzenden bilrgcrlichen Gesellschaft cnt• fallen und tlolz fiallcrn lassen können."

Als Max Goldstein, der einarmige Attentäter, vom Senat nach einem mehrstündigen Gefechte mit Soldaten, Siguranzaagenten und Polizisten in der Nähe von Rustjuk überwältigt und gefangengenommen wurde, leg_te , man ihm schwere Strafketten an Händen und Füßen an. ..Nach Deinem Tode· wird man Dir die Ketten abnehmen ° - erwiderte der Militäranwalt auf seinen juristisch vollkommen begründeten Protest gegen die Ketten. Und so geschah es auch. Max Goldstein trug dieselben Ketten auch während der ganzen Dauer seines letzten,· 61 Tage langen Hungerstreiks. Sie w�rden ihm erst nach Feststellung seines Todes durch einen Arzt abgenommen. Gegen diese Ketten, gegen die ungeheure Gefängnisschmach, gegen die viehische Behandlung durch Profos und \Värt�r, gegen das systematische Zu-Tode-Quälen im Kerker hatte Max auch seinen letzten Kam.p( begonnen und ..:... war als einzelner dem Gewalt- und Kerkerapparat dea weißen Terrors in Rumänien unterlegen. Andere müssen diesen Kampf mit besseren und wirksameren Mitteln in- und außerhalb• der großen Kerker-

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mauern, die das staatliche. Gebilde Großrumänien umzäunen, wieder aufnehmen und erfolgreich zu Ende iühren. • Hier der Lebenslaut Max Goldsteins: glied d�t Als Handelsgehilie im kleinen Moldaustädtchen Barlad Mi� , ru sl sozialdemokratischen Bewegung, dann rumänischer M.ilitärfiüchthn � � • weiße scher Rotarmist, als Führer eines heroischen Sturmtrupps gegen die s päter Jahr_ • Armee Denikins, verliert er durch eine Bombe s einen Arm, ein Gefangener · Leiter einer revolutionären Organisation in Rumänien, dann dts Kriegsgerichtes, zu 10 Jahren Zuchthaus verurte ilt, Flucht aus de_� nac Gefängni s , die Bombe im Senat, neuerliche Flucht, Rückkehr aftung. I

Rumänien, um den gefangenen Genossen zu helfen, \Viederverh zer, Kar . Fo\terungen, Verurteilung zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, Ketten, Gberla, Hungerstreik und Kampfestod. - - Sein ganzes Leben war also erfüllt von einer ausgeprägt proletarisch� n Kampfesfreude und einem beispiellosen, reinen, glühenden Opfermut fur . die Sache der Arbeiterschaft. Selbs t als er mehr von einem ursprung­ „ lichen Gefühl' der Klassensolidarität als. von vernunftgemiißer Erwägung geleitet. die Bombe in den Senat schleuderte, war er fest überzeugt, auc� so der Sache des rumänischen Proletariats dienen zu können, dessen p oli ­ tische und gewerkschaftliche Organisation socb'en, nach dem Generalst;eik von 1921, zertrümmert und dess en Führer vom Oberhenker Argetoianu ermordet oder für lange Jahre ins Zuchthaus geworfen worden waren. � In einem seiner letzten Briefe gibt er indessen auch unumwunden zu. hierin geirrt zu haben. Er erkennt voll proletarischer Offenheit am daß der proletarische Klassenkampf nicht mit den Bomben einzelner, sondern nur von · den einheitlichen bewaffneten Massen geführt werden könne. Ehrlich und rein, erhobenen Hauptes, bis zum bitteren Ende kämpfend, starb so dieser tapfere Sohn des Proletariats, als eines der unzähligen Opfer der rumänischen Gefängnisgreuel.

Max Goldstein hatte ich also kennengelernt: Während des Prozesses der 300 hatten mich die GeiängnisoHiziere von Dealu • Spirei eine halbe Nacht hindurch gefoltert und mißhandelt. ,Dann schleppte mich ein besoffener Unteroffizier in den Karzer. Am ganzen Körper zerschunden, _ das Gesicht unförmig geschwollqn und blutüber- ·strömt, preßte er mich in einen der neuen 1'1a;tcrkästen dies es Raumes. Noch ein paar Püffe und ich stand in diesem Kasten aus Holz und Zement, der kaum 40 Quadratzentimeter maß. Da hörte ich, wie neben. mir ein Kasten geöffnet wurde und man einen schwer Geketteten hinausschleifte. ,,Mörder des Christus", fauchte ihn der besoffene Unteroffizier an, ,.warte, bald werden wir Dich lehren, Mensch und Gott zu morden I'' Es war Max Goldstein, den man um 3 Uhr früh zur obligatorischen Folterung führte.. I In einem angrenzenden Raume verhöhnte und beschimpfte man ihii zuerst, \tm ihm eine mannhafte Antwort zu entlocken, die auch nie ausblieb, und dann ging eine widerwärtige Szene los! Ein Gefängnisoffizier nach dem anderen stürzte sich auf· ihn, peitschte ihn, schlug ihm ins Ge- 1icbt, legte brennende Zündhöb;er tn Nase, Lippen und Haare des Untlückllchen, trat ihn mit Füßen, �errte an 1einem Glied, spuckte ihm ins 1 ( 20

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Gesicht und veru�reinigte ihn mit menschlichem Kot und Urin: um ihn dann nach zwei, drei Stunden wieder in den Karzer zu atecken und ----4 um in der nächsten Nacht wiederzukommen, * „Mörder des Christus?" Nein, ein Christus. selbst, erklomm Max Goldstein so Stufe auf Stufe, Leidensstation steinigen Golgathaweg. · · · m auf Leidensstation auf· seine I . • Als der Vorsitzende Max Goldstein während seines Prozesses fragte, welchen Explosivstoff seine Bombe enthalten hatte, erwiderte er: 110, aie enthielt gar seltsames Dynamit - Alles Leid, aller Jammer, alle Qual und Not des werktätigen Volkes Rumäniens wo.r in ihr aufgehäuft!'' Max Goldstein ist auch ein Stuck von diesem' Kerkerleben und -slerbeii, diesem Leid und Jammer, dieser Qual und Not des werktätigen Volkes Rumäniens. \V/ ehe den Herrschenden dieses Landes, wenn einmal der ganze angehäufte Explosivstoff auffliegt, · "-- I

Jon Grecea Im Disziplinargefängnis Doftana gibt es ein kleines Gebäude, das man .. InHrmeria" nennt. Es ist das das Gefängnislazarett. Die ältesten Sträf• linge erinnern sich o.der nicht, daß jemals ein Gefangener lebendig hingebracht wurde. Mit einem entsetzlichen Lächeln klärt der Gefä.ngnis• arzt stets die Gefangenen auf: 111n die Inlirmeria bringt man nur die Toten." Vor vier Wochen wurde aber dennoch mit dieser Regel gebroche�. ... Man brachte den noch lebendigen Jon Grecea nach 25tägigem Hunger• streik in die Infirmeria, Lebendig? Grecea redet irre, hat unausgesetzt Halluzinationen, er ist wahnsinnig geworden. .. Grecea bat ein todeswürdiges Verbrechen gegen die rumänische Bour• geoisie begangen, Er war Marinesoldat, ein armer Bauernsohn. Er konnte, weder lesen noch schreiben .. Da übergab ihm eines Tages ein Arbeiter ein Paket mit bedruckten Zetteln und 40 Lei dazu, damit er diese Zettel unter seinen Kameraden auf dem Kriegsschiffe verteile. Grecea tat dies. Auf den Zetteln aber stand: 11BrlidP.rl Marinesoldatenl Arbeitsbrüder im Soldatenrock! S:hießt nicht auf die Brüder der Roten Armee, wenn Euch die rumänischen Bojaren gegen den einzigen Proletarierstaat der \Velt, Sowjet• Rußland, in den Kampf schicken!" Man verhaitete Grecea, folterte und prügelte ihn und brachte ihn vors Kriegsgericht, allerdings erst nach 1½ Jahren Untersuchungshaft, Un� da sprach Grecea vor den Blutrichtern: 11Als ich in das Gefängnis kam, wußte ich nicht, was Sozialismus, was Kommunismus heißt. Meine Eltern und Voreltern hatten stets auf den Feldern des Bojaren gearbeitet und ihr Schweiß wandelte sich in Gold. Das Gold ward aber Eigentum der Bojaren, Ich glaubte stets, daß dies so sein muß und arbeitete ebenso für die Bojaren, wie meine Eltern und wie alle anderen Brüder und Schwestern. Dann kam die Geschichte mit den Manifesten, Ich hatte damals nicht gewußt, was ich tat. Ich konnte weder lesen noch schreiben. Im Ge-1 fängnis haben .mich Leute, die sich Kommunisten nennen, Lesen und Schreiben gelehrt, Sie sagten mir, was die Kommunisten wollen, und ich sah, daß dies ein herrliches Ding isli daß auch Gott diese Welt nicht anders �ewollt haben konnte, als die Kommuuiste114 Heute, 'da ich vor Ihnen

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stehe, bin ich ein wissender. Mensch geworden. D�shalb rufe. ich� _laut: „Jeder Sohn des rumänischen Volkes, jeder Bauer und Arbeiter, Jeder Soldat und Handwerker, kurz alle, die ehrlich arbeiten, müssen sich in der Kommunistischen Partei Rumäniens vereinigen, die Blutsauger stürzen u nd das neue, kommunistische Reich verkünden," Er wurde zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, Als der M.inisterpräsident Bratianu von der Rede Greceas hörte, bekam er einen förmlichen Wutanfall. Kurze Zeit darauf versuchte man.: Grecea · ..auf der Flucht'.' zu erschießen. Der Versuch mißlang. Später versucht e man. ihn zu vergiften. 1''\an bestrafte ihn mit Fasten, man legte ihn in Ketten an Händen und Füßen, Er wurde in die „Gherla" geworfen, ein nasses Kellerloch, wo er in hockender Stellung gefesselt monat.ela�g verweilen mußte, Und als er in den Hungerstreik trat, da frohlockten d1e _ Henker. Sie wollten ihn verhungern lassen. Da spielte ihnen .die Sol�­ darität der anderen Mitgefangenen ei nen Streich. Alle erklärten sich mit Grecea solidarisch und machten den Hungerstreik mit. Unter dem Dru�� e der rumänischen und ausländischen Arbeiterschaft machte die Gefängnisverwaltung den Gefangenen alle möglichen Versprechungen. Sie hi�lt sie nicht ein, wi e immer# • Grecea aber brachte man in die Infirmena. •

Er ist wahnsinnig geworden, Einer der Besten und Reinsten der rumä• nischen Bauernklasse ist dem Moloch des weißen Terrors als Opfer da r• gebracht worden,

6 Jahre Dunkelhaft Als die russischen Armeen zu Armeen der Revolution wurden, ala der königliche Hof• die ruminischen Minister und Abgeordneten, von panigcbem Entsetzen gep:ickl, n:ich Odess:i ßüchleten, da kam auch Bujor, ein rumänigcber Rechlsanw:ill und Führer der Sozial• ·demokratischen Partei, mil dem aus dem GeUi.n�ols befreiten Rakowsky .. nach Odessa. Dio rumii.nischen amtlichen Persönli chkeiten wurden vom rumänischen Soldalcnrllt verhaltet und abgeschoben, Buior kümmerte sieb um sie und versuchte, sie durch Vortr5gc und lvl· apracbe.n von der Nolwendi�keil einer Aenderung der sozialen Ord• nung in Rumänien zu überzeugen, Damals zeigte gicb ihm die rumä• niscbe Bourgeoisie in ihrer l!anz:cn ekligen Fci�heil 'Und \'crworlenbeit, Sie &limmlen ibm zum größten Teile zu und als Bujor dnnn nll.ch der Vertreibung der Dcuhcben aus Rumänien ebenfalls zurr,,ckkebrtc und nn Hand der beschlagnahmten Archive die rumlinisehen Kriegsverbrechen an den Tag zu bringen begann, kerkerlen sie ihn ein und warien ihn in eine Dunkelzelle, damit er dorl ruch zugrunde gehe und nicht davon crz:ablc, . wie dio Herrschenden Ru :nän icns während des Krieges Verbrechen nut Verbrechen fchäu(l und an• gesichts der eisernen Faust· des aufs lebenden Prolet:irids ge2illert haben,

M. G. Buforl Dieser Name bedeutet sechs Jahre völlige Abgeachlossenheit von der Welt, bedeutet sechs Jahr e Dunkelhaft, bedeutet 1ecl_ts Jahre qualvollsten Martyriums in der entsetzlichen Kerkernacht Doftana. \V/enn in Rumänien _von Bujor, gesprochen wird, dann denkt inan gleich an schwere Strafketten, die in einem einsamen Kerkerloch klirren, man vergegenwärtigt sich· die unendliche Qual des Gefangenen, der v�erundsiebzig· Monde nicht Menschenantlitz gesehen, nicht Menschenstimxµ e gehört hat, der seinen Angehö rigen und Freunden nicht schreiben darf, ja der überhaupt nichts lesen und schreiben darf und kann, weil in seiner Zelle ewige Nacht ist, düstere, unheimliche, stillet Grabesnacht. unter­ _ n cfes eisernen Schiebers brochen einmal in 24 Stunden nur :v.om Aufklappe

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, , an der •Tür, durch -welchen ihm eine .nur in schattenhaften Umrissen sicht­ ' bare uniformierte Hand die übelriechende Suppe reicht, Oft schon- h�tte er es versucht, den Wärter, dem diese Hand gehört, anzurufen. · Vergebliche Mühet' Es ist strenger Befehl, mit Bujor nicht· zu sprechen. · . Seine Zelle mißt einen Meter · im Geviert. Die Einrichtung:· Ein ho1zernes Gitterbrett, darauf er gekettet an Händen ·und Füßen Tag und Nacht kauernd sitzt, ißt und schläft. Knapp daneben ein im Zementboden eingebauter Kübel ·mit Abflußrohr. • So hält die rumänische Bankoligarchie , einen Vorkämpfer des rumänischen Sozialismus/ d�n Rechtsanwalt M, G. Bujor _gefangen, weil sie u ihm nicht verzeihen kann,. dclß er in de'n russischen Oktobertagen für ein revolutionäres Zusammengehen Rumäniens mit Sowjet - Rußland wirkte �nd sich mannhaft gegen den Raub Bessarabiens auss�rach, •• Dennoch gelang es ein einziges Mal, ihn · zu sehen und mit ihm zu sprechen. Vor zwei Jahren flatterte aus Doftana das Gerücht hinaus, Bujor sei gestorben. Als es amtlich dementiert wurde, faßte �lie ,A.rbeiterin Lenutzn. Filipovici einen kühnen Entschluß. Im Prozeß der 30� hatte der stupide Militäranwalt das 18jährige Mädchen beschuldigt, die Geliebte Bujors zu sein. Darauf baute sie ihren Plan: Sie ging zum Leiter der Kommunistenbrigade bei der Siguranza, dem berüchtigten Banciulescu, einem gewesenen Anarchisten, und sprach ihn so an: ..Man sagt, Bujor ist tot." ,.Es ist nicht wahr." erwiderte Ban.ciulescu, 11er lebt.'' Darauf Lenutza treuherzig: 11Sie wis'sen doch, er war mein Geliebter, ich möchte mich gern überzeugen, ob er lebt," Banciulescu berief sich auf einen Sonderbe[ebl des Innenministers, niemanden zu Bujor zu lassen. . . ,..r Lenutza bestand darauf. Drohte mit der Provozierung eines Skandals im Ministerium, kniete und weinte vor Banciulescu und - das Unglaubliche geschah. Nach langem Zögern rief er: ,.In des Teufels Namen, Du sollst ihn sehen und drei Minuten mit ihm sprechen, hier die Empfeblung an den Minister!" * Es wehte Lenutza eisigk'alt von den \'v'änden an, als sie durch einen endlosen Gang zur Zelle Bujors geführt wurde. Ein Schlüssel knirschte in einem rostigen Schlosse und die wuchtige Zellentur sprang auf. Eine unerträglich scharfe, säuerliche Luft schlug ihr entgegen, Nur durch ein Gitter getrennt sah sie ihn: Seine Kleider zerfetzt,· die Augen geblendet vom 11Licht" des halbdunklen Ganges und unrasiert, hockte , er an der S�ätte seiner jahrelangen Marter. Sie wollte weinen. Sie vermochte es nicht. Sie wollte sprechen, die Worte blieben ihr im Munde stecken. Und als sie ihm ihre zitternde Rechte reichen wollte, wurde sie brutal vom \v/ätler zurückgestoßen. Dann begann sie dennoch:, 11 Genosse Bujor, schau, ich bin gekommen, um Dich im Namen der Freunde zu be_grüßenl" Von leiser, gebrochener Stimme �esprochen1 kam die Antwort:

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.,Sind in Sowjet - Rußland noch immer die Bolschewiki an der Macht'l" .,Ja, natürlich� ja111 entrang es sich freudig ihren Lippen. Der \Värter aber brüllte mit einem go_tteslästerlichen iluch dazwischen: "Keine Politik, bitte!'' ,.\Y/as für Wünsche hast Du, Genosse Bujor?." Keine," klang ,es trostlos zurück, 11aber gut, da ß icn docli jetzt etwas 11

erfahren habe, was in der Welt vorgeht.." • ..Lebe wobll 11

11Lebe wohll Heißen Dank, Lenutza, daß Du gekommen!" Die drei Minuten waren um. Lenutza wankte zum großen Gefängnistor hinaus. Sch\eppte auch die Lebensmittel und Bücher zurück, die sie für Bujor mitgebracht • .. Sonderbefehl für Bujorl Er darf nichts von draußen �rhaltenl" -.. Als Lenutza schon draußen war� begegnete sie dem Gefängnisdirekto� Stanescu, der ihr höhnisch zurief: ,.Nun, hast Dich überzeugt, daß er lebt 1 Da sagte sich- voll Inbrunst die tapfere Lenulza: .,Er wird immer leben. in den Herzen und Hirnen der Arbeiterklasse Rumäniens, Seiner gedenkend, wird sie unser aller Ketten zerschlagenl''

Ein Besuch bei Sascha Gurow „Im unterirdischen Fcslungsglfängnis Jilava sah die belgische Rcchlsllnwällin L a m y gewissermaßen du Symbol der rumänischen Untersuchungs. und Foltermethoden. Sie sah den bcsnr.1bischcn In• · 1enieur Gur o w, der beim Verhör folgen dermaßen zu(crichtct ·.-1urde: Hände und Füße wurden ihm zcbnf:ich gebrochen, d:is Ha:i.r büschelweise a.usgcrisse n. die \Vnngen mit rostigen Stecknadeln durch• stocben, das Wadenltcisch mit einem Schlächtcrmcsscr abgeschabt, die Fingernägel mit Zan:cn ausgerissen, die Fersen .ibgescbnittcn und , ein Auge cus1tcstochcn ... (Aus dem Bericht der Ba.rbusse-Dclcgalion.) Gurow belindet sich gegenwärtig im Militärspilnl Buk.ucst. Draußen ist der Schnee geschmolzen und im Hofe des Spitals „Königin Maria" grünt es bereits.. Ueberall sprießt das Gras empor und deckt die Erde wie mit einem grünen, samtenen Teppich. Die Kranken spazieren zu zweien auf den kiesbedeckten Wegen des Hofes. Die Sonne erweckt Frohmut und -läßt immer schönere Tage ethoHen. Ganz am unteren Ende des Hofes belind-c.t sich in einem Gebäude der I „Salon'• der :;yphiliskranken. Dort liegt nun schon seit Monaten bei einem immer kalten Ofen in einer dunklen Ecke Sascha Gurow auf einer Pritsche. Er war früher schlank und blond und unter der Stirn leuchteten einst zwei klare blaue Augen. Heute läßt sich sein Gesicht kaum beschreiben. Wie diese Bestien ein .M.enschenantlitz verwandeln können, vermag sich auch die kühnste Phantasie nicht vorzustellen. Dennoch machen seine breiten Schultern und seine athletische Brust noch immer Eindruck, Um 60 st ärker tritt aber seiµe _vollkommene Hilflosigkeit hervor. -Denn der Ingenieur . Gurow 1 der als Kind der herrschenden Klasse zum Proletariat gekommen ist und ihm alles gegeben hat - wie es im Lied heißt, Leben, Freiheit und Glück - kann sich ohne fremde Hilfe überhaupt nicht be „ wegen. Dennoch ist er aber voll Zuversicht und der Mut hat ihn nicht einen Augenblick verlassen. Unausgesetzt spricht er von der nächsten besseren Zukunft, vom Kamp_f der Au5gebeuteten und Unterdrückten 1 z 1

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„ . leb besuchte Gurow an �inem sonni.gen Donnerstag und,- :von unsäg... liebem Weh erfüllt, durchschritt ich den dunklen Gang, der zu seinem .,Salon" flihrt. Eine Genossin begleitete mich und sprach •mit von Gurow, der heute der Arbeiterklasse unendlich teuer ist. Als wir die Tür öffneten, blieb ich erschauernd stehen: zwei lange Reihen yon Pritschen, mit schmutziger, zerfetzter, vielfarbiger Wäsche bedeckt und auf ihnen etwa zwanzig Skelette, iri denen noch einiges Leben zu funkeln schien. • Als Gurow uns erblickte, trat ein dankbares Lächeln auf seine Lippen. Ein wenig scheltend, aber voll herzlicher Dankbarkeit, sagte er: ,.Gut , daß Ihr Euch meiner noch erinnert. Wer ist der Genosse?" ,,Ein Metall• arbeiter, der vor seiner Abreise Dich noch sehen ,v.ollte, Sascha." Unter der alten schmutzigen Decke erschie!l gespenstisch eine ganz weiße, ver• trocknete Hand, deren Adern und Nerven getötet, sina, und versuch�e meine Hand zu ergreifen. Es gelang erst, als man, sie stützte. Als ich s1e erfaßte, lief ein Schauer über meinen Rücken, sie war eiskalt, wie die Hand eines Toten. Meine Lippen bebten und ich war maßlos erregt. Hatte ich doch vor mir einen Menschen, über dessen Heroismus ich so viel gehört hatte, der die entsetzlichsten Folterungen. ausgestanden hatte und über dessen Lippen man doch nie ein Wort gebracht hatte, das er nicht aussprechen wollte. In den fürchterlichsten Augenblicken ,seines Lebens hatte er nie vergessen, welchem Ideal er sein Leben gewe�ht und welcher Klasse er mit Leib und Seele angehörte, Ich betrachtete ihn schweigend. Au[ seinem Nacken befinden sich tiefe schwarze Flecken. Es waren das Zeichen von brennenden Zigaretten, welche enlmenschte Unteroffiziere „scherzweise" hingelegt hatten. Auch die Brust war voll rotleuchtender Narben, ebenfalls ein stummes Zeugnis von der ausgestandenen Marter. Leise sagte er, auf die Brust deutend: .,Mit glühenden Nägeln haben sie das gemacht." Als für einen Augenblick sein Mantel zur Erde fiel, de� zu gleicher Zeil als Bettdecke diente, sah ich seine Füße. Zwei dünne, ausgetrocknete Knochen, wie auseinandergezogene Spiralen, eiskalt, ohne Nerven und ohne Adern, zwei Knorpelstangen, die man biegen kann, wie man will.

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Die Oberkerkermeister ·Die Blul:arin und Dichterin Maria. Der Köni� Ferdinand (von Hohen• �ollern). Patriarch Miron Christea, der rumänische Raspulirt, Mitglied der Regentschaft

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Ich er.zitterte noch hef tiger.· Solche Gra usamkeit habe icli· nocli nicht g� sehen: Ich- fragte mich: Was sind das für Menschen, was hat : ·diese ' . Menschen beseelt, als sie so Fürchterliches taten 7 Welcher Mutterleib hat solche Bestien gebären können. Denn ich knnn es nicht begreifen, daß Menschen solches taten. Oder waren es vielleicht seelenlose Henker, Automaten aus Stahl und Eisen? Gurow lächelte traurig, sein Auge leuchtete aber zugleich und mit milder, weicher Stimme sagte er: 11Erschrick nicht, unser Weg geht dennoch immer vorwärts. Ich glaube, daß schon in kurzer Zeit die Sonne der neuen Welt allen leuchten wird und ihre warmen Strahlen die ganze Erde zu neuem Leben erwecken werden!" Unsere Spreohzeit war zu Ende, wir mußten geben. Er küßte mich auf die Stirn, und mir in die Augen blickend sagte er: ,,Güte Reise, mein Teurer, vergiß nicht, daß Du ein P roletarier bist und eine Aufgabe zu erfüllen hast." Ich küßte ihn ebenfalls und mit schwankenden Schritten verließ ich. den „Salon". An der Tür blickte ich noch einmal zurück. Er lachte. Auch andere Kranke lachten. Es waren zwei Offiziere, darunter ein gewesener 1'iilitäranwalt aus Cetatea Alba, der infolge Syphil is wahnsinn:_ig geworden war. Sie lachten voll Wildheit, während der Sohn ei:nes Generals, ebenfalls schwer syphilitisch, zu einer Laute grölend_ sang. Schnell schloß ich die Tür, ergriff die Genossin beim Arm und wandte mich dem Ausgangstor des Spitals zu.

· Soldate, träumt! . Unruhig. flackert der Docht im Oelkännchen in der Ecke und wirft unheimliche Schatten auf die feucht-dunklen Wände des engen gewölbten Ganges. . Wenn der schlaftrunkene Blick des wachhabenden Soldaten ins Dunkle stiert, dann dünkt es ihm, daß sich dieser Gang unendlich ·w eit dehnt, als ob er eine ganze \V/ elt menschheitlichen Jammers umfassen sollte. Und in der Tatl Langgedehnt und düster ist der Gang, der im Pavillon II längs der ·Zellen der politischen Gefangenen von Vacaresli läuft. Unendlich viele Zellentüren. Ein schier 'faustgroßes Loch an jeder Tür und dahinter unt er dem gewölbten Zementraum zwei niedrige verwanzte Holzpritschen, darauf 18 bis 20 in schmierige und zerfetzte Hemden gehüllte Leute schlafen. ,,. Einige werfen sich, von schweren Träumen g�quält, hin und her und stöhnen u nd schreien im Schlafe. Dennoch streift voll Neid der matte Blick Jon Perdus, des Sold aten, der heute im Gange des Pavillons, Wache hält, die Schlafenden. Bevor Perdu mit der dritten Kompagnie des 21. Jägerregiments_ herkain, Instruierte sie der Feldwebel: ..Burschen, Ihr werdet jetzt Straßenräuber, Deserteure, Taschendiebe und Bolschewisten zu bewachen haben," Aufgepaßt, was· ich Euch nun sage: Räuber, Mörder, Deserteure und Tas�hendiebe können noch „einmal anständige Menschen werd�n, Bolsche•. wisten aber nie1 Sie sind ärger als reißende Tiere, sie trinken Menschen-:

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· blut und schlachten kleine K10:aer. Eure W�ilier fangen sie :zusammen un·d stecken sie in ein gr_oßes Bordell. Die felder aber neh men sie Euch weg und verteilen sie an die Faulenzer in der Stadt.· HUtet Euch deshalb vor diesen roten Bestien!" Diese Worte halten Perdu mit Schrecken erfüllt. Denn er besitzt zu Hause \V/ eib und Kind und ein winzig kleines StUck F eld. Wenn auch sein Ertrag kläglich ist, wenn auch er und seine Familie des \Vinter s m onate◄ lang hungern· müssen, es ist se i n Stüc k Feld, das . er nun d urch die Bolschewisten bedroht sieht. · Perdu hatte anfnni!s dia Bolschewisten nur geseh en, wenn er gerade im \V/ :t.chturm des Gefängnisses Wache stand.· Sie liefen geschäftig im Hofe hin und her u nd spalteten gewöhnlich Holz oder reinigten eine Latrine. Heute sah er sie z um erstenmal in der Nä he. Schadenfroh betrachtete· er sie durch die Gucklöcher, wie sie, wilden Tie;en im Käfige gleich, auf und ab ·schritten. Wie ausgehungert und abgehärmt ihre Gesichter aber ·waren! 11Recht geschieht ihnen, sie sollen nicht Menschenblut trinken und V

unser Feld und ·unsere \Veiber rauben!" Später sah er sie auf den Pritschen umherliegen und . miteinander flüstern. Viele lasen Bücher. 11Sonderb ar, daß nur diese rohen Menschen Bücher . lesen. Aber es sind sicher ke!ne heiligen Schriftenl' 1

..Bruder, willst Du eine Zigarette? 11 tönt es plötzlich an sein Ohr. · Perdu kämpft mit sich. ·Sechs Wochen war er schon ohne Löhnung und eine Zigarette wäre doch zu verlockend. 1 1N ein 1 ich neh me ·sie nicht an/' sagte er sich, .,vielleicht ist sie ver•

giftet." Später nahm er 'sie dennoch an und fand, daß sie besser schmeckte als die Zigaretten aus trockenem Laub in den letzten sechs - \Y/ochen. Und Perdu ließ sich schnell noch eine zweite für morgen geben. Er" begann auch ein Gespräch mit diesen „reißenden Tieren". So der Neugierde halber.

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Di.1 Oberkerkermeisler Von links nac1, rechts: Jonel Bratianu, Exminislf?rpräsident und ungekrönter König von Rumänien, Urheber aller Gelängnis- und Siguranza-Greuel. Serge/ Nilza, gegenwärtig Minister für Bessarabien. John lnkulet:, ehe- .. maliger Sozialrevolutionär und bessarabischer Minisfer, Urlieber des Blutbades von Tatar-Bunar. Profess or John Cuza, Führer de� lascllistisch- antisemitischen Schwarzen Hundert ' 27

Dei," Soldat Jon Perdu hatte begonnen, an der Wahrheit der Erzäh� ' lungen des Plutoniers (Feldwebels) zu zweüeln. Diese Menschen ärger als i1örder? Alle sprachen doch so gut und milde zu ihm, kannten seine Schmerzen und Leiden, zeigten ihm, warum er so wenig Feld besitze, Wie konnten sie auch gegen die Bauern sein, wenn sie selbst Bauernsöhne sind? Und sprechen sie doch davon, daß sie die ausgesogenen Bauernmassen befreien wollen! Und konnte dieser dic.ke Gefangene da - Negoita war. sein Name - Kinder schlachten, da er doch �elbst so herzige Kinder besaß, wie er gerade erzählte ·und es mit Hilfe eines Lichtbildes bewies? All das rumorte in Perdus hartem Bauernschädel, als er noch einen letzten Blick auf den trübe erleuchteten Gang warf und · auf eine rostige Erdöltonne in der Ecke des Ganges hinsank, um 0 ein wenig nur", wie er sich · sagte, einzunicken. Jon Perdu wa� mit einem nagenden Hunger eingcschlnlen. Er war aber an ·I:Iunger gewöhnt. Als Bauer immer mit knurrendem Magen aufs Feld· und noch niehr als Soldat. Der Tabak war aber auch stark gewesen und es schien Perdu, als ob er einen kleinen 'Rausch hiitte ••• R�mänische Bauern träumen nicht, weder wachend noch im· Schlafe. Die Knute der Bojaren treibt ihnen immer und überall alles Triiumen gründlich aus. Sie sollen nur so viel denken, als der Bojar und seine Gesetze es gestatten ! keineswegs aber träumen. Träume reißen festgesteckte Gren�pfähle des Bewußtseins aus, und das �önnte die rumänischen Bauern in selbsttätige und für ihre Rechte kämpfende Menschen verwandeln. Rumänische Bauern dürfen nicht träumen • , • J Jon Perdu hatte aber dennoch in dieser Nacht einen Traum. Der war 10 schlicht uttd logisch zwingend, wie ihn nur ein Bauernhirn erzeugen kann. Es schien ihm, daß sich ein mächtiger dunkler \Vind erhoben. hatte, der allmählich zum gewaltigen Sturm anschwoll und an allen Gefängnisund Zellentüren voll. Kraft rüttelte. 11Laß ihn rüttel n".- dachte Jon Perdu - 11Gefängnistore sind star k

Ulld halten stand." Bis plötzlich in der Ferne ein Flammenschein sichtbar wurde und immer nälfer und näher kam. Der Sturm nahm die Gestalt eines ri�sigen Tieres an und auf ihm ritt ein lichtes \Vesen, eine lohende Fackel in der Hand ••• Jon stöhilte tief - die eisernen Zellentüren bogen sich unter dem Anprall des Sturmwindes in Tiergestalt - Eisen brach - Holz splitterte•• � Aufflogen Kerker- und Zellentüren! Ein endloser Zug von Gefangenen entströmte den Türen und bewegte sich geradeswegs auf den schlnfenden Perdu zu: Erwache, Bruder, Freiheit ist unsere Himmelskönigin" - riefen alle ff

im Chor. "Frei heit, Freiheit!" hallte es wie übermächtiges Wogenget5se von „ 1 den Gang wänden w1.der!

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„Bruder, Bruder! Was haben wir Dir• zuleide g;tan?", sprachen feine Knabenstimmen zu ihm, ,,warum bewachst Du Deine eigenen Brüd er, die Dich und die Deinen befreien wollen aus lastender Fron?" * l, - Jon Perdu fuhr aus dem Schlnfe auf, schrie, weinte und brü11te. Eilte von Zellentür zu, Zellentür, um sich zu überzeugen, daß alles nur ein Traum gewesen ist. Denn nun hatten ihn Furcht t,1nd Grauen gepackt vor drohe nder Strafe. Sah die Gefangenen '·schlafen wie vorher und - träumen, wie er selbst. Einige nur waren ob seines Scbreiens erwacht und fragten, was geschehen sei. Beim Haupteingang ertönte \Vaffen- und Schlüs�elgeklirr. Die Ablösung kam •• ,. In Jon Perdus Seele brannten aber von nun an gar eigene Worte: „Bruder, wnrum bewachst Du Deine eigenen Brüder, die Dieb �nd die Deinen befreien wollen aus lastender Fron? .••"

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Anhang Offenes Schreiben an den Generaldirektor der rumänischen Gefängnisse Eln politischer Gefangener bnt durch die rum3.ntsche Gcwerkscbo.Hs• presse folgendes Schreiben 11n den wegen Untcrscbl111ungen und Be• trügercicn verhnltelen Generaldirektor der rumiioiscben Gcf :iogoisse, M11ior Konstnnlin Cernnl, fcrlchlet.

Herr Generaldirektor CernaU Ich schreibe Ihnen nicht, um Sie über die 70 Anklagepunkte z_u befragen, we}che„ gege�­ wärtig gegen Sie vorliegen. Auch nicht uber die unterschlagenen 20 Millionen Lei. Obgleich die Feststellung empörend genu1 ist, _daß diese Summe in \Virklichkeit die Nahrung der in den rumänischen Gefängnissen befindlichen 1000 politischen Gefangenen für 10 Jahre darstellt. Im Gegenteil, ich schreibe Ihnen, da ich hoUe, daß sich Ihr hartes Los in Bälde dank dir Fürsprache Ihrer in Freiheit befindlichen Komplicen bessern wird; Dennoch kann ich meine Ueberraschung Major Konstantin Cernat, nicht verbergen. So nlso steht es mit dem Generaldirefetor der rumäni­ uns verabreichten Polentamehl voll \Vürmer_l schen Ge1ängniss2 Und ich hatte schon unseren eigenen Ge◄ Iängnisdirektor verdächtigt, dabei die Hände im Spiele zu haben. Indessen stammt aber das Mehl aus Ihrer eigenen Mühle. Unser armer Gefängnisdirektorl Erst vor kurzem versammelte er uns im G efängnishof und hielt uns eine Ansprache. Voller Autorität, versteht sich, denn Autorität ist die Grundlage der Ordnung. Aber er sprach auch aus vollem Herzen. Er erzählte uns, welche Krise das Land gegenwärtig durchmache, daß wir an allen Ecken von inneren und. äußeren Feinden / bedroht sind und daß jedermann, also auch die Gefangenen, auf dem Altare des Vaterlandes ein Opfer bringen müssen! Herr Gott, wieviel echte Be� sorgnis Üm das gefährdete Vaterland zitterte dabei in seiner Stimme, als er von den geleerten Staatskassen und insbesondere von der leer_en Kasse der Generaldirektion der Gefängnisse sprach. Und wieviel Seelengröße offen� harte er dabei, als Ir mit Emphase erklärte, daß nicht nur die Gefangenen, sondern auch die GefänS!ßisdirektoren Opfer bringen und entbehr�n müssen� , 0, wie recht er doch hatte, wie prophetisch seine Worte waren! Denn in der Tat, unser lieber Gefängnisdirektor, der uns ,vöchenllich einmal sogar ma:liges Fleisch geben ließ und uns nur dann durchpeitschte, wenn er besoffen war, er ist als erstes Opfer dieser unseligen Angelegenheit gefallen, die jetzt in der Presse als die „Unterschlagungen im Gefängnis Vacaresti' 1 (l fii!urieren.

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• Jetzt nber, verehrter Herr Genernldi�ektor, hat man Sie in hö ch st"' eigener Person zu uns ins Gefängnis gebracht. Man hat Sie in eine �elle. gest eckt, in welche sonst nur gr�ße Diebe gelangen · die .einen Teil ihrer Beut e geschickt zu verstecken verstanden haben. \Vahrlich , wie viel zarte Symbolik nuch in einer einfachen Einkerkerung liegen kann. • Einige Zeitungen haben geschrieben; daß Sie ganz zusammen gebrochen sind. Ja, um des Himmels willen, ist Ihnen wirklich kein einzi _ges großes Geschäft unserer · großen Staatsmänner bekannt? Welche verhä ngnisvolle Unvorsichtigkeit!• . Jet�t rächt es sich, daß Sie nicht rechtzeitig Waffen gegen Ihre F�i�de geschmiedet haben. Daher kommt es, daß dieser faule und blutgierige / Klüngel, dem Sie n·och vor kurzem angehörten, Ihnen jetzt stolz den Rücken kehrt. Und haben Sie doch mit so viel Dienstbeflissenheit und Wut den• selben Klüngel vor diesen vermaledeiten Kommunisten und Sozialisten u�d der ganzen habgierigen Arbeiterklasse verteidig t. Auf Sie werfen sie Steine und verurteilen Thre Unehrlichkei t. Wer unter Ihnen aber denkt dabei an die zahllosen Familien, die Sie, Herr Generaldirektor, um ibret• willen zugrunde gerichtet haben? Wer unter ihnen denkt dabei an die fürchterlichen Folterungen, die Sie für ihre politischen Gefang enen· ausgedacht haben? Wer unter ihnen erinnert sich an die zahlreichen Hung erstreiks, die Sie provoziert haben, um die politisch�n Gefangenen phys i�ch �u vernichten, was Ihnen bei Max Goldst ein so glänzend gelungen ist. · 0, er 1st undankbar, dieser Klüngel, dem Sie gedient haben, dessen Interessen Sie überall im Kampfe gegen die Arbeiterschaft vertreten haben und dessen Leben voll Prasserei und Ucberfluß Sie beschützt und verteidigt haben, Undank ist der Welt Lohn! Aber seien Sie nur· unbesorgt, Herr Generaldirektor! Was haben Sie schließlich auch verbrochen? Sie haben gestohlen - verzeihen Sie diesen unzarte n Ausdruck - aber er trifft so gut auf Ihre Tätigkeit zu, Haben Sie aber vielleicht mehr gestohlen, als es Ihrer hohen Funktion im Staate zukam? Und wenn Sie früher überall als patentierter Patriot gegolten haben, kennen Sie vielleicht einen einzigen „Patrioten" in diesem Lande, der nicht dasselbe tat und tut, was Sie, 'unglücklicher Herr Generaldirektor, getan haben? Eine Sache aber erfüllt mich mit Schrecken. Ich denke an das Regime, dem Sie unterworien werden könnten, Denn in allen Gefängnissen gelten noch immer Ihre eigenen zahlreichen Verordnungen und Rundschreiben über die Behandlung der Gefangenen. Wie schrecklich wäre es, wenn sie auch auf Sie Anwendung fänden? Ich frage mich voller Besorgnis: \Vird er seiner Familie schreiben können? Wird man ihm nicht die anlangenden Briefe vorenthalten? \Vird man Sie / nicht zwingen, Woche für Woche, Monat für Monat nur die Kommentare zu den Evangelien zu lesen (Zeitungen werden Sie sicherlich nicht erhalten, denn ihre diesbezüglichen Befehle werden sehr streng durchgeführt). O, Herr Generaldirektor, ich sehe etwas Fürchterliches kommen. Man wird Sie zwingen, die scbmutzstarrcnden Klosette zu reinigen. Man wird Ihnen keine Wäsche geben. Man wird Sie auf bloßem Zement schlafen lassen. Sie werden stets schmutzig und verlaust sein, denn auch Sie werden keine Seife bekommen, Ihre Angehörigen werden Ihnen keine Lebensmittel bringen dürfen und Sie werden Ihr elendes Dasein mit einer schmutzigen und stinkenden Kartoffelsuppe und zwei Stück Polenta, her­ .gestellt aus Ihrem so einträglichen Würmermebl, fristen müssen. 0, Herr Ge�eraldir�ktor1 . es. wäre für Sie besser, wenn Sie rechtzeitig. Ihre Mühlen aohließen ließen!

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toßen. kann Ihnen außerdem nocli zus Vielerlei, H err Generaldirektor, g h hab en, las sen Sie den Pro fos vorübergehen, ohn e demüti \Venn Sie Pec len Sie, werden nicht rufen: .,L�ben sol 'den H ut vor ihm zu ziehen. Sie dem n nicht „Habt Acht" stehen vor H err Oberprofosl'' und Sie werde verl-orener Menschl Man wird Sie isdire kto r. Da nn sind Sie ein Gefängn Karzer wird Sie fo Eisen schließen, in den was mißhandeln und foltern. Man , lassen, Um des H immels willen werfen und wochenlang fasten etwa? Aber auch für diesen Fal l gibt Sie dan n tun ? H ung ers tre ik werden Sie 30 t Ihres Direktorats. Man wird e s genaue Weisungen aus der Zei o Sie in der n nach Doftana zu senden,-w Tage hungern lassen, um Sie dan dem Leben büßen müssen. Abteilung „H" Ihre Kühnheit mit ilung :i:u ung „H "I H� ben Sie jem a is daran gedacht, in diese Ab te ­ Ab teil e, lun g en kranke gelangen, als Sie die Dekrete unterz eichneten, welche arm n 1 e Abteilung bra cht e t , � politische Gefangene für Monate in dies er se Inf am ie ist unm ögl ich ! Das wird Ihnen sic h Aber nein! Die ie ßnahmen nur gegen d e�­spart bleiben. Bestehen doch alle diese Ma Generaldirektor, sind nur ein p oh • fischen Gefangenen. Sie aber, Herr Staates c ein r Verbrecher) Sie hab en nicht die Sicherheit des g m ! ie at bestohlenl gefährdet. S haben nur den Sta ach! n, Sie sin d auc h kei n gew öhnlicher Dieb, der sich in N bei Und dan haben Ne bel in Hä use r ein sch leic ht und Kassen erbricht. S� den Staats• und haben mit beiden Händen in hellem Tageslicht gestohlen. Sie rafft, die eine Frucht sinnd be „ d des hab en Ge lde r zus am me nge säckel gegriffen, niens u werktätigen Bevölkerung Rumä fflutes und des Sch'weißes der der Gefangenen. stimmt waren für die Ernährung ch h als o, H err Ge ner ald irek tor f Alles wird sicli no Beruhigen Sie sic richten Jassenf

Albrecht-Str. 5hZi e 17:i Verantwortlich für deo Jnh�lti Geor� Siolt, MdL., Berlin, Laudtat,t, Prinz-bH„ Halle, Lerc cn�c�d s�r. d H11lle_:Mersebur eGm Druck: Pro uktiv-Genossenschaft fifr den Bezirk

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